Im November 2012 beginnt für mich ein neues Abenteuer auf der anderen Seite der Erde:  Ein halbes Jahr in Australien.
Was wissen wir über das Land was groß genug ist um als Kontinent benannt zu werden?
Wüste, unendliche Weite, Kängurus, Schlangen, Koalabären, Aborigines, Ayers Rock und die Oper in Sydney.
Mal sehen was es darüber hinaus zu entdecken gibt!

Die Karte von Australien. Eine dünne schwarze Linie kennzeichnet die Reiseroute. Die roten Punkte sind meine Übernachtungsorte.

Rechts ein Größenvergleich zwischen Australien und Europa

1.Woche vom 1. bis 7.November 2012
Wir schreiben den 31.Oktober 2012 und ich mache mich auf nach Australien. Das Abenteuer beginnt schon in Crimmitschau mit der Deutschen Bahn: Der erste Zug bereits mit Verspätung, und dann fährt er auch nur bis Gera. Dort hilft man mir aber weiter und ich kann problemlos andere Züge nehmen und komme nur eine Stunde später als geplant mit einem ICE in Frankfurt/Main an. Das folgende Prozedere hatte ich schon des öfteren: Check-In, Pass- und Sicherheitskontrolle. Der erste Flug startet mit Verspätung, doch der Puffer in Incheon/Seoul reicht problemlos. Korean Air verfügt über eine moderne Flotte, deren Qualität nichts zu wünschen übrig lässt. Mit einer Boeing 777 vergehen die jeweils 10 Stunden wahrlich wie im Flug.
Ankunft am 2. November 2012 um 7.00 Uhr Ortszeit in Sydney. Damit bin ich Europa nun 10 Stunden voraus. Australien empfängt mich mit tollem Wetter. Etwas windig, aber die Sonne strahlt vom meist blauen Himmel bei 25°C. Mit dem Bus zum vorgebuchten Hostel am Alfred Park, südlich vom Hauptbahnhof. Einrichten, Supermarkt, 2. Frühstück und dann gleich los die Stadt erkunden. Sydney hat kein wirklich lebendiges Zentrum, dafür ist es mit Wolkenkratzern zu verbaut. Alles spielt sich am Wasser, speziell den Häfen wie Circular Quay ab. Auf dem Weg liegt auch die Oper und die Hafenbrücke, beides Ikonen der Stadt. Ich schaue auch schon mal auf einen Kaffee im Swissotel bei meinem ehemaligen Hoteldirektor aus dem Saratz vorbei. Ab dem späten Nachmittag habe ich dann mit dem Jet Lag zu kämpfen, schaffe es aber bis 22.00 Uhr wach zu bleiben.
Samstag mehr von Sydney. Darling Harbour, Maritim Museum, Art Gallerie, The Rocks und der Botanische Garten. Leider schickt Petrus heute jede Menge graue Wolken los. Am Abend wieder Darling Harbour für etwas Nachtleben und ein Feuerwerk.

Sydney                               Ureinwohner in Sydney            Bondi Beach                         Teil von Sculpture by the Sea

Sonntag ans Meer. Bondi Beach ist einer der Strände zum Sehen und Gesehen werden. Dazu ist heute hier der letzte Tag von “Sculpture by the Sea”, bei dem Künstler ihre Werke auf dem Küstenpfad bis zum Tamarama Beach ausstellen. Nun, es ist Wochenende, tolles Wetter und der Strand in der Nähe, also sind Massen von Menschen unterwegs. Teils geht es auf dem Pfad nur im Schneckentempo vorwärts. Doch die Mühe lohnt sich und am Ende wartet der Strand, wenn das Wasser auch nur 20°C hat. Der Abend wird dann noch lang denn ich bin in Neutral Bay zum Essen eingeladen - mit leckerem australischen Wein. Montag dann Vorbereitungen und Planungen für die Reise. Ich will versuchen so schnell wie möglich in den Norden zu kommen um noch vor dem Monsun den Teil zwischen Cairns und Darwin zu schaffen.
Am Dienstag von Sydney aus mit dem Vorortzug ins 100 km entfernte Katoomba, mitten in den Blue Mountains. Der Name stammt vom blauen Dunst der Absonderungen von Gummibäumen. Die Landschaft läßt sich am einfach als “grünes Elbsand- steingebirge” beschreiben. Ich wandere zwei Tage durch die Gegend und mache mich mit dem hiesigen Regenwald vertraut. Gefährliche Tiere waren dabei nicht zu sehen, nur bunte Vögel und außergewöhnliche Pflanzen. Die Wasserfälle sind leider fast leer, zu wenig Regen die letzte Zeit. Trotz 1.000 m Höhe herrscht eine erstaunliche Schwüle die nur nachts nachlässt.

Blue Mountains                     Three Sisters                        ein Banksia Baum                    “etwas” Wasserfall

2.Woche vom 8. bis 14.November 2012
Am Donnerstag heißt es Abschied nehmen von den Blue Mountains. Mit dem Vorortzug fahre ich zurück nach Sydney und gleich weiter Richtung Norden bis nach Newcastle, wo die Nahverkehrslinie 160 km nördlich von Sydney endet. Damit durfte ich heute den Zug für gerade mal 8,20 AUD (1€ sind derzeit 1,20 Australische Dollar, kurz AUD) benutzen und kam 250 km weit. Was für ein Schnäppchen in einem Land das überraschend teuer ist. Mit höheren Übernachtungs- und Transportkosten hatte ich schon gerechnet, allerdings nicht mit diesen Supermarktpreisen, die deutlich über deutschem Niveau liegen. Da kostet ein Camembert schon mal 8€, das Sixpack Bier 15€, ein Kilo Tomaten 5,50€ und das 25ger Päckchen Zigaretten 15€. Fleisch ist dem gegen- über erschwinglich und glücklicherweise hat Aldi einige preiswerte Filialen eröffnet. Zurück zu Newcastle. Das Wetter druckst herum und der Bummel über den Strand und durch die Stadt bleibt unaufregend. Freitag startet mein Abenteuer als Anhalter durch Australien. Wo immer möglich möchte ich den preisintensiven öffentlichen Transport umgehen und starte gleich viel versprechend. Für die 250 km bis Port Macquarie brauche ich 4 Autos und stehe keine 20 Minuten an der Strasse. Stark! In Port Macquarie ein Besuch im Koala Hospital, wo verletzte Bären wieder auf Vordermann gebracht werden. Drollige Tierchen. Danach zieht sich der Himmel wieder zu und bald setzt Regen ein. Wie Einheimische erzählen, der erste hier seit Wochen.

im Koala Hospital                    Pelikan, mächtiger Brocken        Echse oder schon Drache?      Byron Bay

Samstag stehe ich an einem kühlen und bewölkten Tag erneut an der Strasse. Die 50 km bis Kempsey sind bald Geschichte, danach wird es noch besser: ein richtig heruntergekommener Nissan nimmt mich 350 km bis Byron Bay mit, der Fahrer eine Seele von Mensch. Leider regnet es bei der Ankunft und weil Wochenende ist sind alle preiswerten Betten belegt. Letztlich finde ich eine kleine Lücke auf einem Campingplatz und erlebe in dieser Nacht was tropischer Regen bedeutet! Es schüttet wie aus Eimern und trotz geschützter Lage unter einem Baum trommelt der Regen Stakkato aufs Zeltdach, welches im Gegensatz zu manch anderen ringsum dicht hält. Die nächsten Tage bleibe ich in Byron Bay, dem östlichsten Punkt von Australien,
153° 38’ Ost. Für Interessenten: Der “kühle” Süden des Landes liegt auf dem Niveau von Sizilien, der heiße Norden inmitten von Afrika. Das Wetter bessert sich und Erholung am Strand steht an. Am Dienstag weiter nach Norden. Anhalter klappt nach wie vor prächtig, man muss aber den gesunden Menschenverstand einschalten und auch mal ein Auto auslassen weil einem etwas spanisch vorkommt (ich saß bereits bei jemandem im Auto der bestimmt schon bei der Polizei wegen Drogenhandel auffällig wurde). Das letzte Auto bringt mich bis vor die Haustür des Hostels. Nun also Brisbane. Schöne Großstadt. Sauber, mit Wolkenkratzern, aber auch mit tollen Parks und einer künstlichen Lagune am Ufer des Flusses inmitten der Stadt. Das Wetter prächtig, da gehe ich schon mal in ein Museum um mit deren Klimaanlage meinen Körper runterzukühlen.

Brisbane, South Bank               die Lagune inmitten Brisbane    Abend in Agnes Water            Vorsicht, Rochen

3.Woche vom 15. bis 21.November 2012
Am Donnerstag ziehe ich weiter. Mit dem Zug aus Brisbane hinaus bis Caboolture, von dort aus per Anhalter weiter. Ich muss glücklicherweise nicht lange in der Sonne stehen und komme in den nächsten Stunden an die Sunshinecoast bis nach Maroo- chydore. Nette Gegend, mein Hostel liegt ruhig in einer Seitenstrasse und auch wenn es bis zum Strand ein Stück ist, so liegt als Ausgleich der saubere Fluss mit einer erreichbaren Insel gleich vor der Haustür. Ein entspannter Tag der mit Planen für die nächste Zeit endet. Freitag gleich weiter. Nachdem am Morgen ein wenig die Säge klemmt komme ich problemlos bis Hervey Bay. Das Wetter wieder ein Traum, und mit jedem Sprung nach Norden fühlt es sich heißer an. Eigentlich wollte ich mit der Fähre zum Zelten und Wandern hinüber nach Fraser Island, eine der größten Sandinseln der Welt auf der auch Regenwald wächst. Leider sind die meisten Wege wegen Waldbrandgefahr gesperrt, und nachdem sich der Fährtransport schwierig gestal- tet gebe ich diese Idee auf. Da kommt noch so viel mehr auf was ich mich freuen kann. Also faulenze ich einen ganzen Tag herum und freue mich des Lebens. Sonntag erneut auf der Strasse. Trotz wenig Verkehr klappt es wieder mit ein paar hundert Kilometern bis Agnes Water, ein winziges Städtchen am Meer und einer der letzten Surfstrände Richtung Norden (dann verhin- dert das Great Barrier Reef die Brandung). Fühle mich sofort wohl. Das hier ist was anderes. Endlich kilometerlange Strände die man sich nur mit wenigen Leuten teilt. Bleibe zwei Nächte. Einen Tag bleibt der Strand wegen Haialarm gesperrt. Am Dienstag weiter. Mit viel Glück nimmt mich ein Auto fast 600 km mit. So gelingt der Sprung bis Airlie Beach. Dort am Dienstag meine Tour umbuchen und für morgen einchecken. Wird mein Geburtstagstrip, nächste Woche seht ihr um was es geht. Sonst? Tolle Fotos sind noch selten. Bis jetzt dreht sich praktisch alles nur um Strände und auf den ausgetretenen Pfaden sind Tausende von Backpackern unterwegs. Ich lerne Leute kennen, verliere sie aus den Augen, treffe sie wieder. Mir gelingt es mehr und mehr loszulassen. Kein Druck das Nächste zu sehen oder zu erleben. Europa war im Sommer voller Dinge: Kultur, Städte und hinter jeder Ecke was anderes. In Australien geht es um Sonne, Strand und gute Laune. Natürlich wäre auch im Hinterland einiges zu entdecken, doch bei meinen Transportmöglichkeiten ziehe ich einiges gar nicht erst in Betracht und lasse mich einfach treiben.

4.Woche vom 22. bis 28.November 2012
Am Donnerstag betrete ich ganz neuen Boden. Das ehemalige Rennsegelboot “Eureka II” wird für drei Tage Unterkunft und Transportmittel. Zusammen mit 13 anderen und der Crew fahren wir hinaus zum Great Barrier Reef. Und es wird so schön und aufregend wie gedacht! Unsere bunt zusammen gewürfelte Truppe aus zehn Nationen versteht sich prächtig und wir haben viel Spaß. Der Kapitän bringt uns mit seiner Erfahrung zur rechten Zeit an die richtigen Plätze und wir lernen einiges über das Segeln. Schon das an sich ist eine tolle Sache, doch da kommt noch die berauschend schöne Gegend dazu. Wir halten täglich an anderen Stellen zum Schnorcheln und sehen eine einzigartige Unterwasserwelt. So viele Korallen, so viele Formen und Farben. Fische bis zu einem Meter Größe, Rochen aus sicherer Entfernung und an einem Morgen setzt uns die Crew als erste am atemberaubend schönen Whiteheaven Beach ab, wo wir den ganzen Vormittag bleiben. Der Strand gehört zweifellos zu den zehn schönsten der Welt! Am letzten Tag erleben wir einen so schönen Schnorchelspot wie direkt aus “Findet Nemo” und ich habe selbst Tage danach noch immer das Gefühl im leuchtend blauen Wasser zu sein und über ein Paradies zu schweben. Der Abschied vom Schiff fällt schwer und neben dem Kapitän schafft es noch jemand mich tief zu beeindrucken.

Eureka II                              an Bord der Eureka II                          Whiteheaven Beach, sind das Farben!!!

Am Samstag Abend kehren wir auf das Festland zurück und feiern gemeinsam bis 3.00 Uhr morgens. Sonntag will ich dann weiter und fahre mit einem Zeltnachbarn bis Townsville, von wo aus ich die Fähre nach Magnetic Island nehme. Die Insel ist leicht besiedelt, doch das merkt man kaum. Ich zelte in einem Resort ähnlichem Hostel, wo neben vielen Vögeln auch Possums und Wallabies (kleine Kängurus) herumlaufen. Man ist hier mittendrin statt nur dabei. Am Montag erkunde ich die Insel und laufe einige der 23 Buchten und Strände ab. Dienstag: mein Jahrestag! Ein Grund nicht zu trampen und auf der Insel zu blei- ben. Ich besuche einen Wildzoo, wo uns ein Ranger viel über die hiesige Tierwelt beibringt und ich unter anderem ein kleines Krokodil, einen Koala und eine Schlange auf dem Arme oder um den Hals habe, sowie von einem schwarzen Kakadu ein Küss- chen bekomme. Ein schöner Tag. Am Mittwoch brauche ich einige Transportmittel um von der Insel bis ins 350 km entfernte Cairns zu kommen. Es wird immer heißer und wir knacken täglich die 30°C. Doch bei der Trockenheit ist die Hitze erträglich.

               die Vogelwelt auf Magnetic Island                            mutig, mutig                          ohne Worte

5.Woche vom 29.November bis 5.Dezember 2012
Am Donnerstag verlasse ich Cairns gleich wieder obwohl die Stadt recht schön ist und ich in einem der besten Hostels bisher übernachtet habe. Ich muss heute nicht weit trampen und bin schon Mittag in Port Douglas. Dort treffe ich Christine wieder und wir machen für die nächsten Tage gemeinsame Reisepläne. Am Donnerstag leihen wir uns ein Auto und fahren für zwei Tage in den Daintree Rainforest Nationalpark. Wie sich das für Regenwald gehört regnet es hier häufig, und wir haben einige Schauer auszuhalten. Doch der Regen ist warm und kühlt gleichzeitig die Luft wenigstens etwas ab. Der Wald ist so wie wir uns Dschungel vorstellen. Grün, dicht und undurchdringlich. Wir fahren langsam bis hinauf zum Cape Tribulation und halten immer wieder für kurze Wanderungen. Riesige Farne, Gräser, Baumriesen, Mangrovenwälder und grün, grün, grün. Die Strände machen auch einiges her, allerdings wird das Baden durch giftige Quallen und Krokodilgefahr verhindert. Hier oben sollte man sich für jeden Fluss zuerst das okay von Einheimischen holen, sonst könnte dieses Erfrischungsbad das letzte gewesen sein. Wir sehen keine gefährlichen Tiere, nur ein paar riesige Salamander und 20cm große Spinnen. Am Samstag auf dem Rückweg noch ein paar Abstecher ins dichte Grün und der Besuch einer Obstfarm mit allen möglichen Früchten, wobei die Jackfrucht mit ihrer Größe alles andere schlägt. Dort gibt es auch leckeres Eis aus Eigenproduktion. Am Abend sind wir zurück in Port Douglas.

Strand am Cape Tribulation       Kunst am Strand                   mitten im Regenwald              in den Tablelands

Das Abenteuer Australien gewinnt an Qualität und Geschwindigkeit. Die bisherigen 3.000 km als Anhalter waren, so komisch es klingen mag, nur ein Aufwärmprogramm. Ich kam die letzten Wochen praktisch nicht von den ausgetretenen Pfaden weg, auch wenn ich als Tramper ein Exot bin. Am Montag beginnt für mich eine neue Reise, die Vorbereitungen dafür sind getroffen... 
Sonntag bringe ich recht schnell die Kilometer bis Cairns als Anhalter hinter mich und checke in einem der besten Hostels in ganz Australien ein, Tropic Oasis (Tropic Days geht auch, selber Besitzer, selber Standard). Noch Dinge abklären und dann am Montag früh am Stadtrand von Cairns bei “Britz” auftauchen. Hier wartet ein Toyota Landcruiser, 4WD, 4,5 Liter V8 Turbodiesel und als Campervan umgebaut. Es ist ein sogenanntes Relocation Car, sprich Britz braucht es in Alice Springs, ich bekomme es für ein paar Dollar am Tag und sogar einen Dieselzuschuss, muss aber in 5 Tagen in Alice Springs sein. Glück das so ein Auto zur rechten Zeit da hin muss. Ich nehme Christine mit und wir starten das Abenteuer Outback. Von Cairns hinein in die Table- lands. Das sind nur 100 km, aber eine ganz andere Welt. 1.000m hoch gelegen mit viel Grün und einigen Wasserfällen. Beson- ders beeindruckend sind einige Feigenbäume. Mit ihren Luftwurzeln machen die großen Exemplare mächtig Eindruck. Dienstag Vormittag besuchen wir die Strasse der Wasserfälle und nehmen dann ab Ravenshoe den Kennedy Highway, Teil des Savannah Ways nach Westen. Der Verkehr tropft aus und wir sehen noch ungefähr 5 Autos pro Stunde. Die Landschaft zeigt sich überraschend abwechslungsreich, mit verschiedenem Bewuchs, Landstrichen mit tausenden von Termitenhügeln und einfach nur weitem - weitem Blick. Ich hätte nie gedacht das ich auf der Strecke so viele Fotos schießen werde.

Cathedral Fig, 44m Umfang, und ich inmitten des Baumes       Termitenhügel, verschiedene Bauformen und Farben

Der Tag im Auto vergeht wie im Flug. Wir sehen am Straßenrand unter anderem ein paar kleine Buschfeuer, wobei erstaunt wie schnell die sich vorwärts bewegen und wie stark die Hitzestrahlung ist. Später ein kleiner Sandsturm und gegen Abend fahren wir am Rand eines Gewitters entlang, tolle Farben und eine Lichtershow. Wir übernachten in Normanton, fast im Niemandsland und fern ab der Zivilisation. Nach dem Regen fühlt es sich hier an wie in der Sauna, ein Vorgeschmack auf die Zeit in Darwin. Mittwoch fahren wir früh los, halten aber noch bei Normanton’s Bekanntestem, der Replica des nachgewiesen größten geschossenen Krokodils, 8,63m lang! Dann auf dem Mathilda Highway nach Süden. Der Verkehr ist noch dünner als gestern, aber es sind “Roadtrains” dabei, Lastwagengespanne mit teils über 50m Länge. Den Dingern geht man besser aus dem Weg, denn die haben auch 100km/h drauf. In Cloncurry biegen wir auf den Barkly Highway nach Westen und treffen nun ein paar Autos mehr. In Mount Isa eine Mittagspause und tanken, was bei einem Tank von 180 Liter nur selten nötig ist. Wir kommen bis Cammoweal, kurz vor der Grenze zum Northern Territory inmitten vom Nichts. Netter Campingplatz mit einem kühlen Pool!!!

wo ist die Strasse???              folge dem Regenbogen            Roadtrain, 22 Achsen            der Landcruiser im Nichts

6.Woche vom 06. bis 12.Dezember 2012
Am Donnerstag erneut 6.00 Uhr aufstehen. Da ist die Temperatur noch angenehm, um die 25°C. Die Sonne schafft es schnell auf 40°C im Schatten und selbst der Wind bringt dann kaum Abkühlung. Wir “fressen” weiter Kilometer. Die Gegend ist immer spärlicher bewachsen, aber immer noch grüner als erwartet. Steppe, Wüste und Buschland wechseln sich ab. Kurz vor Tennant Creek der Schwenk nach Süden auf den Stuart Highway. Die Farbe rot gewinnt langsam die Überhand beim Blick ringsum. Spät am Nachmittag treffen wir an den Devils Marbels ein, durch Erosion rund geformte Granitfelsen. Toll, vor allem bei dem Licht. In Wauchope bleiben wir, Einwohnerzahl: 5. Am Freitag fahren wir die letzten 400km bis Alice Springs. Erstaunlicherweise hat mir die Fahrerei kaum etwas ausgemacht, trotz der 2.400km in den letzten Tagen. Noch das Auto volltanken, was bei dem Tank über 200 Dollar sind!!! Dann eine problemlose Rückgabe des Toyota bei Britz und ich bin um ein grandioses Abenteuer reicher.

Strasse nach Nimmerland                das Outback                        Devils Marbels, ein heiliger Ort für die Aborigines

Das Hostel in Alice Springs ist schön und ich lege einen wohl verdienten Tag Pause ein. Mal wieder Vorräte auffüllen und die Homepage aktualisieren, wobei es schwer war aus der Vielzahl von Fotos die richtigen für euch heraus zu picken.
Am Sonntag mein “Ränzlein” schnüren und bei den Temperaturen schon früh an der Strasse stehen. Das lohnt sich, denn recht schnell hält ein Auto und ich bin bereits 9.00 Uhr 200 km weiter in Erldunda, von wo aus es nach einer längeren Pause in eine 250 km lange Sackgasse geht. Das Ziel ist der Ayers Rock, in aboriginal: Uluru. Ich hatte mich gegen eine Tour entschieden und möchte es auf eigene Faust schaffen. Nur zur Info: Alice Springs ist die einzige richtige Stadt im Zentrum, 1.500 km von den bewohnten Küsten entfernt. Ayers Rock liegt trotzdem noch 500 km weiter im Niemandsland. Wie erhofft komme ich Sonn- tag Abend in Yulara an, den Fels in 20 km Sichtweite. Der Himmel ist inzwischen wolkenverhangen, viel kühler wird es damit nicht. Montag Morgen muss ich früh raus und werde schon um 5.00 Uhr von vier netten deutschen Mädels zum Sonnenaufgang am Uluru mitgenommen. Wunderschön.

der Weg ins Nichts                 Ayers Rock am Tag...               ...ganz nah...                      ...und im letzten Sonnenlicht

Danach geht es gleich weiter, denn die Gegend hat mehr zu bieten als nur den Ayers Rock. Knapp 50 km weiter stehen die Olgas, Kata Tjuta. Das sind ebenfalls große rote Sandsteinfelsen (400 m höher als die Landschaft) mit dem Vorteil das man in kleinen Schluchten durch sie hindurch laufen kann. Für atemberaubende Fotos fehlt die Sonne, doch auf der anderen Seite kann ich nur unter diesen Bedingungen drei Stunden herumlaufen, sonst hätte mich die Hitze bei lebendigem Leib gegrillt. Am frühen Nachmittag bin ich zurück in Yulara und mache nach 16.00 Uhr einen weiteren Ausflug zum Uluru. Die Sonne hat die Wolken verschwinden lassen und ich umrunde den heiligen Felsen auf dem 10 km langen Basewalk. Genial, herrlich, wundervoll. Um die Zeit ist kaum noch jemand hier und die Beleuchtung paßt. Das Ganze wird gekrönt von einem schönen Sonnenuntergang bei dem der Uluru im letzten Licht eindrucksvoll erstrahlt.

Die Olgas, oder auch Kata Tjuta, eine ganz andere Welt inmitten des roten Zentrums               freundlicher Einheimischer

Dienstag habe ich viel Glück und eines der ersten Autos hält gleich. Kai, aus Süddeutschland, will wie ich zum Kings Canyon, ca. 320 km vom Ayers Rock entfernt. Also reisen wir zwei Tage gemeinsam. Bereits Mittag sind wir am Kings Canyon und müssen uns erst einmal ein paar Stunden vor der Sonne verstecken, es sind wieder 40°C im Schatten. Am späten Nachmittag geht es zur besagten Schlucht. Es strengt bei dem Wetter immer noch wahnsinnig an, doch die Eindrücke überwiegen das bei weitem. Rötlicher Fels, 200m hohe senkrechte Wände, verwitterte Kuppen und versteckte kleine Seitenschluchten. Über drei Stunden wandern wir darin umher. Mittwoch fahren wir gemeinsam über Hinterlandstrassen in Richtung Alice Springs. Schotter- pisten, wechselnde Landschaft und so gut wie keine Autos. Kai bleibt dann im Glen Helen Ressort und ich schaffe mit etwas Verzögerung die letzten Kilometer bis Alice Springs. Die 1.300 km lange Tour durch das Rote Herz des Landes war über alle Maßen beeindruckend und trotz der extremen Temperaturen noch machbar.

der Kings Canyon mit steilen Wänden, Abgründen und einer kämpferischen Vegetation

Krawallmacher in der Dämmerung - Zirkade

7.Woche vom 13. bis 19.Dezember 2012
Der Donnerstag ist wirklich ein 13.! Ich stehe geschlagene 8 Stunden in der Hitze an der Strasse und keines der wenigen Autos hält an. Frustrierend. Dann ist auch noch mein schönes Hostel voll belegt und ich muss in der Stadt nach einer wenig überzeu- genden Alternative suchen. Sch... Tags darauf das selbe Spiel, doch ich breche bei der Hitze schon nach vier Stunden ab. Eine neue Erfahrung für mich, nach über 9.000 km trampen durch diese Welt bleibe ich zum ersten Mal wirklich hängen, und das gleich für zwei Tage. Das liegt nicht nur am wenigen Verkehr Richtung Norden, sondern auch an der beginnenden Regenzeit dort, mit Temperaturen über 40°C und hoher Luftfeuchtigkeit. Laut Einheimischen will jetzt niemand nach Darwin und einiges wäre geschlossen, sogar Nationalparks. Eine neue Idee ist bald geboren und ich verbringe den Rest vom Freitag und den gan- zen Samstag damit diese in die Tat umzusetzen. Am Sonntag Morgen holt mich Samantha ab, die ich im Internet gefunden hatte. Sie fährt zu ihrer Familie nach Melbourne und suchte Mitfahrer. Gemeinsam machen wir uns auf den Weg nach Süden und schaffen es am Nachmittag bis Coober Pedy, mitten in der unwirtlichen Wüste. Hier ist es häufig so heiß das sich die Leute in alten Opalschächten ganze Wohnungen eingerichtet haben, mit dauerhaft 23°C gegenüber mehr als 40°C draußen. Eine un- wirkliche Gegend in der “Mad Max” und auch “Pitch Black” gedreht wurde, von letzterem steht sogar noch das Raumschiff als Requisit herum. Wir haben Glück und erwischen einen “kühlen” Tag mit 32°C. Als Bonus gibt es einen tollen Sonnenuntergang und am Montag früh einen ebenso beeindruckenden Sonnenaufgang. Wieder ins Auto und weiter. In Port Augusta steige ich aus, fülle meine Vorräte auf und kehre zur Trampergewohnheit zurück. Das klappt und ich komme noch bis Wyalla.

unterirdisch in Coober Pedy    Raumschiff aus “Pitch Black”     Sonnenuntergänge in Cober Pedy und Whyalla

Am Dienstag reise ich an der Küste der Eyre Halbinsel entlang. Trampen gestaltet sich wieder normal und ich mache Kilometer. Ausländische Touristen werden selten und ich komme durch Port Lincoln bis hinunter nach Coffin Bay. Ein netter kleiner Ort in dem es vor allem ums Fischen geht. Die Häuser stehen verstreut im Busch und ein sehenswerter Nationalpark liegt um die Ecke, dem ich am Nachmittag noch einen Besuch abstatte und zwischen Dünen und Strand umherspaziere. Am Mittwoch gemütlich weiter an der Küste entlang. Elliston, Port Kenny und schließlich Streaky Bay. Alles nett, alles schön. Unterwegs ein kleiner Abstecher zu Murphys Haystacks, wo auf einem kleinen Hügel phantasievoll erodierte Felsen herumliegen, die größten halb so groß wie ein Haus. In Streaky Bay liegt der Campingplatz genau am Strand und nach einer erholsamen Nacht habe ich einen tollen Blick auf die morgendlich ruhige See. Das Wetter und die Temperaturen sind inzwischen ein ganzes Stück erträglicher. Nachdem ich die letzten Wochen tags bei über 35°C kämpfen musste und auch nachts es selten unter 25°C ging sind jetzt die Tage immer noch sehr warm, doch die Brise vom Meer macht es erträglich und morgens sind manchmal nur 18°C.

Nachbarn auf dem Zeltplatz     Pelikane in Coffin Bay             Murphys Haystacks               morgendlicher Blick aus dem Zelt

8.Woche vom 20. bis 26.Dezember 2012
Am Donnerstag kommen Zweifel auf das alles nur Zufall ist. Der Verkehr am frühen Morgen in Streaky Bay sehr dürftig, doch nach einer Weile hält ein Auto mit einem Paar in den 70gern. Sie wollen nach Adelaide, also die andere Richtung. Fünf Minuten später sind sie wieder da und überzeugen mich nach Poochera mitzukommen. Damit bin ich dem Ziel nicht nähergekommen, doch der Highway 1 sollte mehr befahren sein. Das stimmt so nur bedingt, denn auch hier kommt selten was vorbei. Gut, eines  hält. Harold, 45, guter Charakter. Eigentlich will ich nur bis Ceduna, doch beim Unterhalten kommt heraus das er bis kurz vor Perth fährt und mich mitnehmen würde. Das ist unglaublich und kaum zu fassen. Ich hatte damit gerechnet mindestens zwei Tage auf ein Auto zu warten was mich durch die Nullarbor Plains bringt, und dann hält eines ganz unspektakulär :-))) Wir haben viel Zeit uns zu unterhalten während die Landschaft immer eintöniger wird. Nullarbor Plains kommt aus dem lateinischen und bedeutet: keine Bäume. Über hunderte von Kilometern nur flaches Land mit Buschwerk, das längste gerade Stück ist ohne Kurve nachweislich 145 km lang! Keine Flüsse, Seen, Bäche oder Städte. Nur ab und an Roadhäuser mit Restaurant, Tankstelle und Übernachtungsmöglichkeiten. An der Grenze zu West Australien alles Obst und Gemüse abgeben oder aufessen (Quaran- täne) und die Uhr 2,5 Stunden zurückdrehen, was uns mehr Zeit zum Fahren gibt. Harold zieht durch und abgesehen von drei Stunden Schlaf auf einem Parkplatz im Niemandsland wird gefahren, gefahren, gefahren. 24 Stunden nachdem er mich aufge- lesen hat setzt er mich in Hyden ab. Er nimmt unangefochten Platz eins in meiner Anhaltergeschichte ein, mit 1.635 Kilometern, das ist Luftlinie Berlin - Moskau. Danke Harold. Der Ort Hyden war die Wahl weil eine Felsformation den treffenden Namen “Waverock” (Wellenfelsen) trägt. Sehr schön anzusehen und auch die Gegend passt mit Salzseen und manch anderem. Leider sind wir hier im Inland wieder bei 40°C und die Fliegen nerven einen bis zur Weisglut. Auch geduscht umschwärmen sie dich und versuchen gern in Ohr oder Mund zu kriechen - toll. Am Samstag schaffe ich erneut 300 km und sitze dabei sogar in einem Roadtrain. Schwierig die Rucksäcke ins über zwei Meter hohe Fahrerhaus zu bugsieren. Bereits Mittag die Ankunft in Esperance, wo ich seit einer Woche mal wieder in einem Bett schlafe und mich in der Küche austoben kann.

Beginn der Nullarbor Plains        Brown Snake, sehr giftig        Waverock, passender Name     in Esperance

Sonntag ein Mountainbike ausleihen und zusammen mit einem Franzosen den Great Ocean Drive in Angriff nehmen. Das sind nur etwa 45 km, doch es geht ständig auf und ab, ganz abgesehen davon das ich aus dem Training bin. Doch wir haben Zeit und die Küste lädt zu vielen Pausen und Fotostopps ein. Schnell sind viele Strände und Buchten von der Ostküste Australiens ver- gessen, das hier ist um Klassen besser. Das Licht ist genial, das Wasser blauer, die Strände strahlender. Ich bin definitiv am richtigen Platz. Der Tag vergeht und wir sind erst spät zurück. Sonntag Abend in Esperance und der Ort ist wie ausgestorben. Montag erneut an der Strasse. Ich bin spät dran, doch es klappt Stück für Stück ins 250 km entfernte Bremer Bay. Schön an einer Bucht gelegen, mit Dünen und breitem Strand. Problem: Weihnachten sind die Australier nicht zu Hause, sie zelten! Ent- weder haben die Campingplätze keinen Platz oder sie verlangen 40$, was über meinem Budget liegt. Bruce ist als einziger von meinem Bikershirt beeindruckt (tödlichste Strasse, Südamerika) und offeriert mir eine Nacht für 20$. Am nächsten Tag sollte niemand auf der Strasse unterwegs sein, doch ich fordere das Schicksal heraus und gewinne. Ein abgefahrenes Paar im Wohn- mobil klappert mit mir die Strände an der Strecke ab und bringt mich schließlich nach Albany. Dort finde ich für eine Nacht keine bezahlbare Unterkunft und zelte schwarz hinter einem kleinen Museum. Auch was Neues. Die nächsten zwei Tage bleibe ich in Albany, ziehe ins Hostel und lege für einen Tag Weihnachtsruhe ein. Der Ort zählt zu den schönsten in Western Austra- lien, wenn nicht sogar des ganzen Landes. Im 19. Jahrhundert gegründet stehen noch immer einige Gebäude aus der Zeit.

Great Ocean Drive und Twilight Beach bei Esperance             bei Bremer Bay                     Küstenblick in Albany

9.Woche vom 27. Dezember 2012 bis 2. Januar 2013
Am Donnerstag steige ich in Albany erneut auf ein Rad. Die Ziele liegen außerhalb und ich habe mit kräftigem Gegenwind zu kämpfen. Doch das lieber am Morgen als am Abend. An der Küste dann eine Naturbrücke aus Granit, fotogen vom Wasser um- spült. Nebenan eine Gap (Lücke) im Fels, 100m hoch. Der Ozean klatscht wütend dagegen und verursacht 20m hohe Fontänen. Super. Später Blowholes, ein steiniger Berg mit Ausblicken über die Halbinsel und zum Abschluss ein Besuch der Frenchman Bay mit dem Goode Strand. Der Sand so weiß und fein wie Schnee, mit dem selben knirschenden Geräusch wenn man darauf läuft.

bei Albany: Natural Bridge und The Gap mit Brandung

Cable Beach                          Natur als Künstler

Freitag ein Abstecher ins Landesinnere. 50 km bis Mt. Barker und weitere 20 km zum Porongurup Nationalpark. Mitten in der Ebene erhebt sich ein Bergrücken aus Granit. Der Castle Rock ist besonders sehenswert, vor allem weil Ingenieure einen Sky- walk an seinem oberen Ende angebracht haben, frei über dem Abgrund schwebend, da muss so mancher schlucken. Viel mehr wird nicht, denn es sind wieder 40°C und kein Lüftchen weht. Da verweile ich lieber auf dem Zeltplatz am Pool. Erst spät am Tag eine weitere Wanderung in den Nationalpark. Mehr Felsen, mehr Wald. Am Samstag zurück zur Küste, genauer nach Den- mark. Witzig: Mit Ryan, der mich in Mt. Barker aufsammelt, hatte ich gestern am Castle Rock einen kleinen Schwatz und er hat nur gehalten weil er mich wiedererkannt hat. Demark ist ein kleines Städtchen, überschaubar und nett. Das Hostel klein, nur
24 Betten. Ideal für Sylvester, so hoffe ich zumindest. Ein kleiner Rundgang am Abend, den Fluss hinunter und am Wilson Inlet entlang. Ruhig und entspannt. Sonntag schon früh aufstehen und sich die Wanderschuhe anziehen. Südlich aus Denmark her- aus, laufe ich einen Teil vom Bibbulmun Trek. Das 25 km lange Stück führt durch dichten australischen Wald und Busch (lang- sam verliere ich die Phobie vor Schlangen und anderem Getier, zu selten sah ich sie bisher) hinauf auf kleine Berge mit Granit- kuppen und schließlich hinunter zum Ozean. Von Steilküsten aus liegen tief unter mir Strände und Buchten, deren Farben in allen Schattierungen leuchten. Das glorreiche Finale an den Elephant Rocks und Greens Pool mit einem erfrischenden Bad, was bei den wieder zu hohen Temperaturen dem Körper eine wohlverdiente Abkühlung bringt.

Castle Rock, Porongurup NP     Abendspaziergang Denmark     in der Nähe von Denmark: Light Beach und Elephant Rocks

Montag, Sylvester. Nach dem Tag gestern steht heute eine Pause an. Wir haben wieder 40°C und kein Lüftchen weht. Laut Einheimischen ist es definitiv zu heiß für diese Jahreszeit und selbst sie leiden heftig unter den Bedingungen. Ich erledige einiges im Internet und lade das letzte Update hoch. Abends verabschieden sich einige aus dem Hostel ins 50 km entfernte Albany, doch dazu habe ich keine Lust. Mit den verbliebenen Leuten feiern wir den Jahreswechsel zuerst im Hostel und dann mit den Einheimischen im hiesigen Hotel. Neujahr bin ich früher fit als gedacht und stehe mit dem Rucksack 10 Uhr an der Strasse. Der “Sprung” nach Walpole gelingt fix und ich richte mich im dortigen Hostel ein. Nach dem Mittag ein Ausflug in den nahen Wald, der für seine riesigen Karri und Red Tingle Bäume (beides Eukalyptus Arten) bekannt ist. Einer der größten, der Giant Tingle Tree, ist 75m hoch. Das beeindruckt. Danach geht es per Anhalter weiter zum Tree Top Walk. Ingenieure haben eine recht leichte Konstruktion in den Wald eingepflanzt die nur einen minimalen Eingriff in die Natur darstellt, einen jedoch in luftige Höhen zwischen die Baumwipfel aufsteigen lässt. Da schaut man von oben auf 20 m hohe Bäume und läuft direkt durch Baumkronen hindurch, denn der höchste Punkt befindet sich 40 m über dem Erdboden. Mittwoch weiter nach Pemberton, nur 1,5 Autostunden entfernt. Es bleibt genug vom Tag übrig um die Gegend zu erkunden. Am aufregendsten ist der Gloucester Tree, ein Feuerwachbaum. Ein riesiger Karri Baum wurde schon vor Jahrzehnten mit einer nicht TÜV gerechten Leiter versehen (Foto) und in einer Höhe von 60 m eine Plattform gebaut um die umliegenden Wälder zu beobachten und so Brände frühzeitig zu entdecken. Beim Aufstieg bringt nicht nur die Anstrengung das Herz zum Klopfen. Jeder Blick nach unten garantiert einen kleinen Adrenalinschub. In Deutschland wäre so etwas unvorstellbar, hier zählt das zum Abenteuer. Danach laufe ich auf dem Gloucester Trail eine 10 km Runde, schön durch den Wald mit seinen Baumriesen. Unbedingt sollte man dabei immer wieder auf den Boden zu schauen, denn ich sehe insgesamt drei Black Tiger Snakes. Die letzte macht sich nur 2 m entfernt aus dem Staub, das versetzt mir dann doch einen gehörigen Schreck, denn sie zählt immerhin als 8.giftigste weltweit.

Riesige Eukalyptusbäume und der Gang durch die Baumwipfel im Tree Top Walk in Walpole

Gloucester Tree: die Leiter ihres Vertrauens - und der Blick in die Tiefe

10.Woche vom 3. bis 9. Januar 2013
Am Donnerstag schlage ich auf der Strasse einen kleinen Bogen in die südwestlichste Ecke von Australien. Das Ziel: Augusta, ein Städtchen. Gleich um die Ecke Cape Leeuwin, wo sich Indischer und Pazifischer Ozean treffen. Ein windgepeitschtes Kap an dem man lange der Brandung zuschauen kann. Freitag brauche ich einige Autos und einige Zeit um bis Dunsborough zu kom- men. Dabei liegen zahlreiche Höhlen am Weg, von denen ich mir die Lake Cave für einen unterirdischen Ausflug herausgepickt habe. Schön anzusehen, vor allem weil sich die Szenerie in einem unterirdischen See spiegelt. Ein Paar überredet mich zu einem kurzen Besuch der Cowaramup Bay, wo erfahrene Surfer die riesigen Brecher reiten. Mir reicht der Ausblick auf die wilde Brandung, die ist eindrucksvoll genug. In Dunsborough eine Pause. Geist und Körper brauchen Erholung, was an dem schönen Strand wunderbar gelingt. Ausgeruht trampe ich am Montag in Richtung Norden. Die Besiedelung wird dichter und ich halte für drei Nächte in Fremantle, kurz vor Perth. Der Ort ist sehenswert und es stehen noch einige Gebäude aus dem 19. Jahrhun- dert. So etwas ist selten in Australien und Albany verliert den Spitzenrang als bisher schönste Kleinstadt an Fremantle.    

Kap Leeuwin                          unterirdisch: Lake Cave           Brandung in Cowaramup Bay     Fremantle

Der Aufenthalt in Fremantle gestaltet sich etwas länger als geplant, ich spanne aus und bummele herum. Im ehemaligen Gefängnis existiert eine bemerkenswert gute Galerie mit Werken der Häftlinge, daneben macht es einfach Spaß durch die Strassen und am Hafen entlang zu spazieren.
11.Woche vom 10. bis 16. Januar 2013
Am Donnerstag komme ich ohne den Daumen zu gebrauchen mit dem Nahverkehrszug ins Zentrum von Perth. Das ausgewählte Hostel (Banjos) ist neu, nur wenig belegt, in einer ruhigen Gegend und nur eine Viertelstunde zu Fuß vom Zentrum entfernt, eine wirklich gute Wahl. Perth hat sich in den letzten Jahren explosionsartig entwickelt, Dank dem Geld aus den Minen. Viel zu spüren ist von den 1,4 Millionen Einwohnern allerdings wenig, abgesehen vom Zentrum läuft das Leben in recht gemächlichen Bahnen. Die Innenstadt ist überschaubar, drei Kostenlose Buslinien drehen ihre Runden und gleich nebenan liegt ein großer und sehr sehenswerter botanischer Garten in dem vor allem am Abend Hunderte von Fitnessbegeisterten ihre Runden drehen. Die hiesige Galerie der Modernen Kunst kann mir mal wieder nur ein müdes Lächeln abgewinnen - was sich so alles Kunst nennt... Freitag Abend: Party Zeit. Auch wenn vor den Clubs lange Schlangen stehen kommt man doch recht schnell hinein und ich erlebe letztmalig für wahrscheinlich längere Zeit ein tolles Nachtleben.

Blick über Perth                     Perth: Botanischer Garten       Brautzilla, (m)ein Alptraum ;-)

 Gefängniskunst in Fremantle

Pinnacle Dessert, ohne und mit Sonne                                 in Kalbarri: sehenswerte Gegend an einer schönen Bucht

Vor den Toren von Kalbarri liegt der gleichnamige Nationalpark mit Schluchten und roten Felsen. Am bekanntesten das Natural Window (natürliches Fenster). Die Wanderung entlang dem Flusstal fällt aus, ich schaffe es erst gegen Mittag da hin zu tram- pen und es herrschen über 40°C auf dem Grund der Schlucht, kein Lüftchen weht und die Fliegen sind einfach nur penetrant. Nach einem Besuch der Z-Bend fahre ich mit Letetia und Sergio zurück nach Kalbarri und habe so am Nachmittag Zeit für die nahen Klippen. Die sind mindestens so toll anzusehen wie der Nationalpark und mit der frischen Brise vom Meer ist die Wande- rung erträglich. Toll erodierte Felsen, viele Formen, Farben und Schichten. Mittwoch geht es weiter. Es scheint als braucht es von nun an jeden Tag etwas mehr Glück um vorwärts zu kommen, denn Autos werden immer seltener auf der Strasse. Trotz- dem gelingt es nach Sharks Bay, sprich Denham, zu kommen, eine 130 km lange Sackgasse auf der dünn besiedelten Halbinsel.

im Kalbarri Nationalpark           Natural Window                    Schlucht an der Z-Bend          die Klippen vor Kalbarri

12.Woche vom 17. bis 23. Januar 2013
Donnerstag: Hauptattraktion in Sharks Bay ist das von Denham 25 km entfernte Monkey Mia, wo (fast) jeden Morgen wilde Delfine auftauchen die seit 30 Jahren so gefüttert werden das sie wild bleiben, sprich sie bekommen nur einen Bruchteil von dem Fisch den sie täglich brauchen. Beeindruckend wenn die Tiere bis auf wenige Meter an den Strand kommen, herumspielen und sich in Maßen und unter Aufsicht der Ranger von Touristen füttern lassen. Anfassen ist verboten, eine gute Regel. Leider war der Tag stürmisch und grau, beeinflusst von einem Zyklon draußen auf dem Meer, so sind die Fotos nur eingeschränkt brauchbar. Immerhin zeigten sich die Delfine, das war die letzten Tage auf Grund des Zyklons nicht immer so. Freitag ist das schöne Wetter zurück und ich trampe weiter. Der Verkehr ebbt mehr und mehr ab, um so glücklicher bin ich über jedes Mitfahr- angebot. Eine Deutsche nimmt mich mit zurück zum Highway. Unterwegs halten wir am Hamelin Pool, einer der weltweit wenigen Plätze an denen Stromatolithen leben. Diese Lebensform existiert seit 3.500.000.000 Jahren (!) und ist einer der Ersten auf der Erde die auch noch Sauerstoff produziert hat. In Hamelin Pool sind ihre “Gebäude” 1m bis 1,5m hoch und damit ca. 3.000 Jahre alt. Für den einen sehen sie aus wie Steine, für die anderen sind sie das älteste Leben auf der Erde. Ich schaffe mit einem zweiten Auto die fehlenden 200 km bis Carnarvon, wo ich Lebensmittel lade. Leider klemmt danach die Säge und ich bleibe für den Rest des Tages in Carnarvon hängen. Samstag stehe ich früh an der Strasse und komme bis Mittag nach Coral Bay. Kleines Dorf, 80 Einwohner und vielleicht 100 Touristen. Die nächste Stadt ungefähr 200 km weit weg und das einzige vor der Tür ist der Ozean. Das reicht, denn die flache Bucht ist ein Traum. 50 m ins Wasser und erst knietief. Wasser- temperatur knapp 30°C, wenig erfrischend. Der Vorteil: Schnorchelsachen schnappen und nur 100m vor der Küste das Ningaloo Reef anschauen. Ich glaube nirgends auf der Welt ist es so einfach ein Riff zu besuchen. Noch dazu es  mit so wenigen Leuten zu teilen. Die Korallen sind nicht so farbenfroh und vielfältig gewesen wie am Great Barrier Reef, dafür gab es mehr Fische zu sehen. Keine Ahnung wie viele Arten es waren, es mögen um die 40 gewesen sein. Highlight: ein Blaupunktrochen. Den Rest der Zeit verbringe ich mit am-Strand-im-Wasser liegen, das Beste bei den Temperaturen. Montag noch weiter die dünn besiedelte Halbinsel hinauf bis Exmouth. Ein DEC Ranger (Nationalpark Mitarbeiter) nimmt mich mit und wir sehen unterwegs auf der Strasse einen (leider toten) Thorny Devil. Aber so habe ich diese seltsame Kreatur wenigstens mal live gesehen. In Exmouth wollte ich noch 60 km weiter in den Nationalpark, doch das wird nichts. Kein Verkehr in die Richtung und ich stehe am Nachmittag fast 4 Stunden in der Hitze. Dabei kommt eine junge Frau aus einem nahen Haus und bringt mir einen Beutel mit gekühlten Früchten - so ist Australien :-)

Delfin in Monkey Mia               Hamelin Pool                         eine Art der Stromatolithen       Emu in Exmouth

Dienstag ein weiterer Versuch in den Nationalpark zu kommen, aber keine Autos (der Zyklon hat wohl letzte Touristen vertrie- ben). Das ist der Punkt wo ich abbreche und einen neuen Plan mache. Schnell drehen und sich an der anderen Seite des Dorfes positionieren. Unter einem kleinen Baum findet sich etwas Schatten der mir hilft die nächsten drei Stunden zu überstehen. Dann geschieht das kleine Wunder und ein Mediziner nimmt mich 200 km zum Nanutarra Roadhouse mit. Dort geht die Glückssträhne weiter und ein Truckfahrer der es erst ablehnt (Gefahrenguttransport) es sich dann aber überlegt und mit mir die 350 km bis Tom Price fährt. Zu dieser Minenstadt fahren außerhalb der Saison (Juni bis Oktober) nur wenige und ich bin heil froh gegen 22.00 Uhr dort einzutreffen. Auf den praktisch leeren Zeltplatz schleichen, die Rezeption ist seit Stunden nicht mehr besetzt, damit komme ich aber auch nicht in den Schlüssel gesicherten Sanitärblock. Egal. Ohne Dusche und ohne Essen ins Bett.

Kreaturen in West Australien: ein Thorny Devil, die perfekte Tarnung und gefährliches Aussehen             leichte Überbreite

Dann kommt Tag 84 meiner Reise und somit HALBZEIT. Schwer zu begreifen wie viel ich schon wieder gesehen und erlebt habe. Es waren bisher schon fast 15.000 km, davon allein über 11.000 km als Anhalter - das sagt wohl alles...
Mittwoch früh um 5.00 Uhr Zelt abbauen und mit erneut viel Glück in den 90 km entfernten Karijini Nationalpark trampen. Ich trage derzeit ungefähr 8 Liter Wasser mit mir herum, das ist bei den seltenen Trinkwasserstellen notwendig. Der Nationalpark besticht mit herrlicher Landschaft. Rote Erde und Felsen, Schluchten, Pools, Wasserfälle (dort kann man Wasser auffüllen, das knirscht dann manchmal zwischen den Zähnen), leuchtend grünes Federgras, Termitenhügel und weiße Gummibäume. Ein Traum den ich mir mit 10 Leuten teile. Das allerdings macht mir Sorgen, denn beim Transport bin ich auf andere angewiesen. Doch erst einmal wandere ich durch die nahe Schlucht, bade und genieße den 28°C “kühlen” Tag (normal sind 40°C). Am nächsten Tag will ich mit 8 jungen Leuten zum Westteil des Parks (35 km Schotterstrasse) doch nachts beginnt es heftig zu regnen (neuer Zyklon) und am nächsten Morgen steht der Zeltplatz bereits 5 cm unter Wasser.

im Karijini Nationalpark; der Fortescue Fall                                   Fern’s Pool, ein wirklich paradiesisches Plätzchen

13.Woche vom 24. bis 30. Januar 2013
Donnerstag: Der Ranger kommt vorbei und sagt der Park wird wegen Überflutung geschlossen. Also im strömenden Regen das Zelt abbauen und packen, alles feucht und voll rotem Schlamm. Problem: die 8er Gruppe kann mich nicht mit Gepäck mitneh- men und so bleibt das letzte Auto, in das ich mich hineinquetschen darf. Australier sind so freundlich!!! Mein Plan damit hin- über, und ich wäre hier noch so gern ein, zwei Tage geblieben. Damit bleibt ein Teil der Rechnung offen, aber ich werde eines Tages in den Norden von Australien zurückkehren, und das wird dann im “Winter” sein, mit niedrigeren Temperaturen und kaum Regen. Erschöpft und traurig über den aktuellen Stand sitze ich nass und dreckig im Auto nach Newmann. Im Capricorn Road- house dann neue Hoffnung, denn viele Roadtrains kommen hier durch. Schon die dritte Anfrage klappt und ich darf bei John O’ einsteigen. Mein Rucksack hat keinen Platz im Fahrerhaus und wird so zum einzigen Transportstück auf der sonst leeren Lade- fläche. Nach 350 km halten wir inmitten der Wüste und ich schlage mein Zelt neben dem Truck auf. Garstige Winde und steiniger Untergrund lassen mich kaum schlafen. Egal, wir fahren am Freitag schon 5.00 Uhr weiter. Noch einmal 10 Stunden Fahrt und am Nachmittag Ankunft in Perth. Es ist ein Gefühl des Sieges, nach 4 Tagen ohne Gelegenheit einer Dusche und mit jeweils nur drei Stunden Schlaf und einer Mahlzeit am Tag. Ich brauchte 10 Tage die Küste hinauf und nur anderthalb Tage wieder zurück, macht 3.000 weitere Reisekilometer. In Perth schlafe ich im bereits bekannten Hostel, ruhe mich aus, gönne dem Körper gutes Essen und pflege die gesamte Ausrüstung. Das dauert, lässt aber Zeit diese Seite zu aktualisieren und mit den Australiern ihren Nationalfeiertag am 26. Januar (225 Jahre Australien, schau an) zu feiern. Höhepunkt am Samstag ist ein halbstündiges Feuerwerk auf dem Wasser, das ich mir zusammen mit ungefähr 100.000 Einheimischen anschauen darf. Genial.

die etwas größere Flagge         Feuerwerk über Perth            Kalgoorlie                             Friedhof Kalgoorlie

Sonntag und Montag Pläne schmieden, die nächsten Ziele organisieren und einkaufen gehen. Am Dienstag breche ich aus Perth auf. Zuerst mit dem Vorortzug hinaus nach Midland, dort eine halbe Stunde mit Gepäck bis zur großen Kreuzung laufen, wo ich gerade mal 5 Minuten warte bis ein Auto hält, und das will dann auch noch wie ich ins 575 km entfernte Kalgoorlie. Sagenhaft. Die Strecke dahin wird ermüdend, denn die Landschaft wird immer karger. Kalgoorlie ist eine alte Goldgräberstadt, mitten in der unwirtlichen Weite des Landes gelegen. Das Wasser wird aus 600 km Entfernung hier her gepumpt, Dank der “Golden Pipeline” die 1903 zum ersten Mal geöffnet werden konnte. Gold wird inzwischen vor allem aus dem Super Pit gewonnen, ein gigantisches Loch gleich neben der Stadt, 3,5 km lang, 1,5 km breit und knapp 400 m tief. Da sehen die riesigen Kipper drin aus wie Spielzeug, auch wenn sie leer 160 Tonnen wiegen und 225 Tonnen laden können. Schaut euch das Foto mit der Baggerschaufel an, ein Hub sind 38 Tonnen Erdreich!!! Der Wahnsinn. Bis 2021 wird weiter gefördert, dann ist Schluss. Aber es gibt viele Minen ringsum, in denen alles mögliche gefördert wird. Ich glaube die Hälfte von West Australien lebt inzwischen vom Bergbau. Am Mittwoch schaue ich mir Kalgoorlie an, der Friedhof macht dabei einen ganz besonderen Eindruck. Und wer genug von all dem Staub und Dreck hat der kann sich ins Grün vom Arboretum zurückziehen, eine Wohltat fürs Auge.

Kalgoorlie - Arboretum             ein kleines Stück Super Pit     Baggerschaufel                     “Mein” Roadtrain

14.Woche vom 31. Januar bis 6. Februar 2013
Donnerstag: Tief Luft holen. Nur wenige Tramper wagen sich die Nullarbor Plain in Angriff zu nehmen, doch nachdem es im Dezember mit Harold so gut geklappt hatte starte ich nun den zweiten Versuch. Bis Mittag gelingt die Strecke bis Norseman, von wo aus der Highway nach Osten führt. Fünf Stunden warte ich , halte den Daumen bei den sehr wenigen Autos heraus und kann an der Tankstelle keine zehn Roadtrains fragen, mehr kommen in der Zeit nicht durch. Nach 17 Uhr aufatmen, Daniel, ein 28 jähriger Trucker, nimmt mich mit. Wir schaffen an dem Abend noch 400 km, wovon ein Streckenteil für mich ein ganz beson- derer wird. Daniel überredet mich das Steuer zu übernehmen. Tempomat bei 100 km/h einstellen und die Plätze WÄHREND VOLLER FAHRT tauschen. Diese Trucker sind irre!!! Ich fahre dann über 100 km den mit 23 Tonnen beladenen und knapp 40 m langen Roadtrain durch die Nullarbor Plain. Schwitzige Hände und volle Konzentration um dieses Gefährt in der Spur zu halten. Abenteuer pur. Kurz bevor wir für die Nacht halten werden übrigens die Plätze erneut bei voller Fahrt getauscht. Die Nacht verbringen wir auf einem Parkplatz im Niemandsland, wo ich die Kollegen von Daniel kennenlerne. Ron, Dave und Paul fahren ebenso nach Adelaide und die vier bilden somit ein Pack, welches in Radio Distanz, sprich 5 km, fährt und so in der Leere der Gegend wenigstens ein klein bisschen Gesellschaft garantiert. Ich schlage mein Zelt neben ihren LKW’s auf und schlafe unter einem herrlichen Sternenhimmel. Freitag früh raus und wieder auf die Strasse. Pause nur alle 4 Stunden, Toilette, und wer will einen teuren, ungesunden Snack. Nach zwölf Stunden Fahrerei wird 80 km westlich von Kimba ein Parkplatz unser nächstes Nachtlager, wo bei ein paar Bier Truckergeschichten die Runde machen. Samstag erneut ein früher Aufbruch. Nach drei Stun- den lasse ich mich von Daniel nach 1.660 km in Port Augusta absetzen. Es war eine tolle Zeit und ein großes Abenteuer. Im Städtchen Lebensmittel einkaufen, sich Infos holen und gleich wieder auf die Strasse. Mit Glück und Geschick schaffe ich das Wilpena Ressort, 170 km nordöstlich von Port Augusta in der Flinders Range. Es ist derzeit wenig los und auf dem riesigen Campingplatz tummeln sich nur 15 Autos und ein kleines grünes Zelt... Die Gegend ist trocken und im Sommer bis zu 50°C heiß, doch zur Zeit sind “nur” 33°C. So kann ich die Wanderschuhe anziehen und erkunde bereits am Nachmittag die nähere Gegend. Der Wilpena Pond ist gleich um die Ecke, ein eingesunkenes Tal das aussieht wie ein riesiger Meteoritenkrater, aber keiner ist. Umrahmt von steilen Bergen hat dieses Tal eine eigene Vegetation und mit ca. 6 km Durchmesser eine ordentliche Größe. Am Sonntag erklimme ich den 1171 m hohen St Mary Peak, mein erster richtiger Berg in Australien und der höchste hier. Tolle Ausblicke auf die Bergkette als Grenze zur Wüste, den Pond und die nahe Umgebung. Dazu ist die Landschaft abwechslungs- reich, die Vegetation recht vielfältig und ich habe alles sechs Stunden ganz für mich allein, denn außer Känguru, Emu und Lurch begegnet mir niemand. Montag zurück in die Zivilisation, sprich nach Port Augusta trampen. Dort bekomme ich die bisher schnellste Mitfahrgelegenhei. Ein Einwanderer aus Sri Lanka muss zum Immigrationsbüro nach Adelaise, das 16 Uhr schließt. Mit bis zu 150 km/h jagen wir 300 km den Highway entlang, erlaubt sind 110 km/h, und die Strafen für zu schnelles Fahren sind mehr als heftig. Er ist Buddhist und hat mich als Glücksbringer aufgesammelt. Das klappt und wir sind 15.45 Uhr in Adelaide.

Blick auf die Flinders Range       abwechslungsreiche Gegend um und im Wilpena Pond            Einheimischer

Adelaide macht von Beginn an einen sehr guten Eindruck. Die Großstadt spürt man kaum und es geht alles ganz relaxt zu. Im Hostel stoße ich auf Michael und Fabian, die zwei Schweizer hatten mich an der Westküste (sprich 3.000 km entfernt) ein Stück mitgenommen. Zufälle gibt es... Da gibt es erst mal einen zünftigen Erfahrungsaustausch auf Schwizerdütsch. Dienstag Adelaide erkunden. Das South Australia Winecenter ist ein imposanter Bau mit riesigem Weinkeller (einige der Marken kenne ich ganz gut) und einer tollen Ausstellung rund um hiesigen Wein und den Wein als solchen. Gleich ums Eck der Botanische Garten, in dem man stundenlang spazieren könnte. Noch ein Bummel durch die Einkaufspassagen und dann schon Internetrecherche wie es weitergeht. Am Mittwoch mit dem Bus hinaus nach Mount Barker und per Anhalter nach Südosten. Ich brauche am An- fang einige Autos die mich freundlich weiterbringen, aber nur kurze Strecken anbieten. Zum Nachmittag wird es besser und ich schaffe Mount Gambier, ideal auf halber Strecke zwischen Adelaide und Melbourne. Die Zeit am Nachmittag reicht noch für den Besuch am Blue Lake, genau vor den Toren der Stadt. Zur Sommerzeit wandelt sich seine Farbe wissenschaftlich ungeklärt zu einem unbeschreiblichen blau, mein Foto kann das nur bedingt wiedergeben weil sich die Sonne bereits versteckt. Im Ort selbst liegt ein Höhlengarten, mehr ein eingesunkenes Loch, das jedoch gut in Szene gesetzt wurde. Nachts gibt es dort eine tolle Musik- und Lichtshow, wobei Videos auf die Höhlenwand und umliegende Gebäude gebeamt werden. Das ist beeindruckend und erstaunlich für solch eine kleine Stadt. Nebenbei bin ich fast der einzige der das heute Nacht bestaunen darf.

Adelaide, der Botanische Garten aus vielen Winkeln               Mount Gambier, Blue Lake        wundervolles Melbourne

15.Woche vom 7. bis 13. Februar 2013
Donnerstag: Der Weg aus Mount Gambier heraus ist recht weit und ich muss am Morgen eine Stunde laufen. Dafür komme ich bald weiter und zwei Frauen bringen mich bis Warrnambool. Dort sammelt mich Gerry auf, das Auto die reinste Müllkippe und er ein wenig wunderlich. Selbst ernanntes Multitalent, Comedian, Maler und was weiss ich noch. Manchmal ganz klar, manchmal ein wenig kuukuu. Ich nehme es mit Humor und treffe so glücklich am Nachmittag in Melbourne ein. Hostel suchen, einrichten und Pläne schmieden. Melbourne gehört mit Sydney zu den verkehrsreichsten Städten in Australien, und das merkt man! Parallel dazu herrscht ein Treiben wie im Bienenhaus, ein heftiger Unterschied zu anderen Großstädten wie Perth oder Adelaide. Ich gewöhne mich so schnell es geht daran. Freitag die Stadt erkunden, wobei Melbourne schnell punkten kann. Alte Bau- substanz, wunderschöne Arkaden aus der Jahrhundertwende und kleine Gassen mit winzigen Cafes. Als Kontrast Wolkenkratzer, modernste Architektur und ein mutiger Entwurf des Hauptplatzes, benannt Federation Square. Ich bin beeindruckt. Am Nachmittag ein Bummel hinüber auf die Southbank und weiter zum Albert Park, wo mein Fuß rennsportlich bedeutenden Boden berührt - den Formel 1 Kurs um den künstlichen See. Zurück in die Stadt durch den Königlich Botanischen Garten. Der Tag endet mit einem nächtlichen Bummel durch Chinatown nebst einigen teils sehr gelungenen Auftritten von Strassenkünstlern.

Melbourne, Brücke zur Southbank, Federation Square             Grafitti in vielen Gassen         wunderschöne Oststadt

Am Samstag Melbourne zum Zweiten. Im Besucherzentrum empfiehlt man mir zwei Stadtwege. Der Erste bringt mich durch all die sehenswerten Gassen und Arkaden, von denen ich erst einige gesehen hatte. Teilweise sind die Gassen mit richtig guten Grafittis verschönert. Der Zweite führt durch den Treasure Park in ein Wohnviertel im Osten, wo nur 1 km vom Stadtzentrum entfernt der Verkehr austropft und Kleinstadtatmosphäre herrscht. Wunderschöne alte Häuser und einiges an Geschichte wird einem da geboten. Am späten Nachmittag zurück ins Hostel, kurz pausieren und dann mit dem Gepäck los. Ihr wisst bereits das ich neue und andere Wege suche, also kein teurer Expressbus zum Flughafen, sondern zuerst die Straßenbahn und dann ein paar Kilometer laufen, was allerdings nichts wird weil mich einer unterwegs aufsammelt und zum Flughafen mitnimmt. Am Sonntag Morgen beginnt das nächste Abenteuer mit dem Flug nach Hobart, Tasmanien. Gebucht vor einem Monat kostet er nur die Hälfte der Fähre. Ich bin bereits 8 Uhr in Hobart, nachdem ich vom sehr kleinen Flughafen problemlos in die 20 km entfernt Stadt getrampt bin. Das Programm in Tasmanien startet am selben Tag, denn man hält gerade das nur alle zwei Jahre stattfindende Wodden Boat Festival ab. Am und um den Hafen ist viel los, alles rund ums Boot. Piraten-, Wikinger- und James Bond Schiffe reihen sich am Pier. Unterhaltung, Essen, alles da. Montag geht es nahtlos weiter. Das Hostel bietet einen kos- tenlosen Shuttle hinauf zum Mt.Wellington an, der 1.100 m hohe Hausberg. Die Ausblicke von oben leicht getrübt, denn auf der anderen Seite wüten schon wieder Waldbrände und der Rauch zieht manchmal bis Hobart hinein. Mit Clemens laufe ich vom Berg herunter, nebst einen sehenswerten Abstecher zu den Organ Pipes, senkrechte Pfeilerwände die bergsteigerisches Können verlangen. Zurück in die Stadt und gleich hinaus zum MONA, dem privaten Museum für alte und moderne Kunst. Was für ein Bau! Da durfte sich einer auslassen. Und das dortige Restaurant wäre genau meine (Arbeits-) Kragenweite. Am späten Nachmittag in die Stadt und letzte Festivaleindrücke sammeln. Den Dienstag brauche ich um das Abenteuer Tasmanien genauer zu planen und vorzubereiten, wobei klar wird das drei Wochen für diese sehenswerte Insel recht knapp bemessen sind.

erste Eindrücke von Hobart, und das Wodden Boat Festival

ein wenig MONA                     Bergsteiger an den Organ Pipes

Mittwoch wird es Zeit aus Hobart aufzubrechen. Der Highway nach Süden beginnt mitten in der Stadt und wider Erwarten muss ich nicht lange an der Strasse stehen. Der Unterschied zum Festland wird jedoch bald erkennbar. Keine Probleme mit trampen, nur sind die angebotenen Strecken recht kurz. Für die 120 km bis zur Südspitze von Tasmanien nach Cockle Creek brauche ich ACHT Autos, wobei ich mich in dem von Hochwürden am sichersten fühle ;-). Im dortigen Nationalpark steht mein Zelt kosten- los zwischen den Büschen, nur durch eine kleine Düne vom Strand getrennt. Ein Traum, vor allem weil die Bucht geschützt ist und die Wellen am Abend wie flüssiges Silber leise und träge gegen das Ufer schlagen. Die richtige Melodie zum Einschlafen.
16.Woche vom 14. bis 20. Februar 2013
Donnerstag eine nähere Erkundung des Nationalparks. Gleich zu Beginn flüchtet ein tasmanischer Teufel vor mir, leider zu schnell für die Kamera. Sonst kreuzt der Wanderweg abwechslungsreiche Vegetation bis ich an der South Coast Bay auf eine wunderschöne Bucht treffe. Ich folge dann noch ein Stück dem South Coast Trek, ein langer Weg durch den Busch der bis zu acht Tage dauert. Leider ist er in einem miesen Zustand, schlammig und teils so überwuchert das kaum zu sehen ist wohin man tritt. Das verleitet zum Umkehren. Als Bestätigung verschwindet kurz vor dem Strand eine große fette Tiger Snake im Gebüsch. Diese giftige Spezies sehe ich lieber von hinten! Ein Spaziergang in Cockle Creek führt am winzigen Friedhof vorbei, wo nur noch wenige aber sehenswerte Grabsteine aus längst vergangenen Tagen stehen. Nebenan das breite Flussbett eines Gezei- tenflusses, an dem sich bei Ebbe Tausende von kleinen Krabben aus dem Sand buddeln, ein ungewöhnliches Geräusch. Aus der Nähe betrachtet sind es kleine Monster. Fotos weiter unten. Abends hoppeln wieder trollige tasmanische Pademelons um das Zelt herum und ich treffe Vorbereitungen für eine kalte Nacht. Die Temperaturen fallen bis 5°C und mein Schlafsack geht nur bis 15°C. Ohne Isoliermatte (zu viel Gepäck) ist da Einfallsreichtum gefragt. Es wird frisch, ist aber zum Aushalten. 

Tasmanien, ein näherer Blick   Cockle Creek: mein Schlafzimmer - nebenan das Wohnzimmer   tasmanisches Pademelon

Freitag folgt der nächste sonnige und wunderschöne Tag. Von Cockle Creek zuerst nördlich zurück bis nach Kingston, mit Halt im dortigen Supermarkt. Danach dauert das Weiterkommen und ich bin froh als David hält, auch wenn er als Missionar andere Vorstellungen vom Leben hat. Die Kilometer sind schnell Geschichte und von Kettering nehme ich die Fähre hinüber nach Bruny Island. Schon auf dem Schiff findet sich der nächste Transport welcher mich bis zur Adventure Bay bringt. Wieder ein Camping- platz, nur durch eine wenig befahrene Strasse von einer herrlichen Bucht getrennt. Das Leben auf Bruny Island geht einen noch gemächlicheren Gang als in Tasmanien und scheinbar ziehen sich viele nach ihrer Pensionierung hierher zurück. Noch ein Abend- spaziergang am Strand, wobei das Gefühl lebendig zu sein und mit allen Sinnen zu genießen ausgesprochen heftig aufkommt. Am Samstag die Insel erkunden. Der Vormittag im South Bruny Nationalpark, in dem sich ein Echidna auch durch meine Anwe- senheit nicht vom Fressen abhalten läßt. Weiter um ein Kap herum und die sehenswerten Klippen hinauf. Meist direkt am Klip- penrand entlang bis auf 280 m Höhe, tolle Aussichten inklusive. Am Nachmittag brauche ich ein Auto als Hilfe. Letztlich hält Richard, sein freier Tag und als Angestellter der NASA gerade dabei ein Observatorium in Tasmanien aufzubauen. Der wohl wissenschaftlichste Autostopp meines Lebens. Zwei Stunden geht es um Einstein, das Universum und riesige Teleskope. “Nebenbei” besuchen wir den Leuchtturm an der Südspitze und cruisen auf Schotterstrassen durch das Innere der Insel.

Cockle Creek, tausende von Krabben, kleine Monster             Echidna, Bruny Island            ausnahmsweise ungefährlich

Tags darauf heißt es weiterziehen. Zurück auf das Festland, wieder nach Hobart und von dort in nordwestlicher Richtung schließlich hinein in den Mount Field Nationalpark. Einige der Höhepunkte sehe ich noch am Nachmittag, wie den Russel und Horseshoe Wasserfall, sowie die bis zu 80 m hohen Eukalyptusbäume, mit den riesigen Farnen dazwischen kommt man sich richtig winzig vor. In der folgenden Nacht muss ich kämpfen, denn um Mitternacht herum versucht ein Possum (große Beutel- ratte) durch das Zelt an meine Vorräte heranzukommen. Erschreckend, vor allem weil es sich nicht einfach verscheuchen lässt. Da hilft nur alles doppelt geruchssicher wegzupacken. Montag trampe ich tiefer hinein in den Nationalpark und starte vom Dobson Lake eine Wanderung. Was recht langweilig beginnt wird nach zweieinhalb Stunden deutlich interessanter als ich nach ein paar Seen den Newdegate Pass erklimme. Ausblicke auf die Landschaft bis zu den 80 km entfernten Stauseen, klettern über felsige Sektionen und Abschnitte mit Hochmoor. Ich habe eine tolle Zeit da oben, merke aber am Abend wie lang und hart das war bei strahlendem Sonnenschein und über 30°C. In der Nacht schafft das Wetter den kompletten Umschwung und am nächsten Morgen ist es bewölkt und regnerisch. Ich lasse mir Zeit und sitze lange unter dem Schutzdach des Zeltplatzes. Es kommen Patricia und Michael dazu, etwas jünger als ich und vor 20 Jahren aus Polen gekommen. Wir verstehen uns und stellen fest das wir die selben Ziele haben. Sie nehmen mich mit und wir reisen die nächsten Tage zusammen. Auf dem Weg keuzen wir ein Buschfeuergebiet in dem es gestern noch gebrannt hat. Sehr eindrücklich und seltsam. Es riecht immer noch nach Feuer, und die Natur zeigt alle Farben im Wolkennebel, das entsprechende Foto weiter unten. Wir fahren am Nachmittag bis zum Lake St. Claire im Süden des Craddle Mountain Nationalpark, an dessen Ufer wir unsere Zelte aufschlagen.    

Leuchtturm Bruny Island          ein Stück Russel Fall             Gipfel des Mount Rufus           Lake Burbury

Mittwoch hinein in die tasmanische Wildnis. Vom Zeltplatz führt ein Pfad durch Wald und Busch zuerst hinauf zu zwei schönen Seen, dem Shadow Lake und dem Forgotten Lake. Der erste von beiden hat sogar einen kleinen Strand. Danach windet sich die Strecke langsam hinauf bis zum Gipfel des Mt. Rufus, der höchste in der näheren Umgebung. Von da hat man an einem sonnigen Tag wie diesem einen herrlichen Blick über grüne Berge bis zum Horizont. Keinerlei Anzeichen von Zivilisation und wir fühlen uns wie richtige Abenteurer. Auf dem Weg zurück zum Lake St. Clare kreuzen wir sehenswerten Snow Gum Wald, des- sen blätterlose Äste sich wie Gerippe Richtung Himmel strecken. Als Ersatz für die fehlende Dusche am Abend ein Bad im See.
17.Woche vom 21. bis 27. Februar 2013
Donnerstag wollen wir noch am See bleiben, aber der Wetterbericht ändert den Plan. Noch zwei herrliche Tage, dann dreht das Wetter. Also Aufbruch. Die Strasse windet sich durch grüne Wälder bis zur Minenstadt Queenstown, wo noch ein Hauch der (guten?) alten Zeit weht. Als Bestätigung sehen wir einen Oldtimer, Baujahr 1920. Im Supermarkt unsere Vorräte aufstocken und weiter. In einem großen Bogen umrunden wir den Craddle Mountain Nationalpark halb und stellen das Auto an dessen nördlichen Eingang in Craddle Valley ab. Von hier aus heißt es mit Gepäck laufen. Vorbei am Dove Lake und über Hansons Peak zur Scott-Klivert-Memorial Hut. Die 8 km ermüden, vor allem weil auf der felsigen Strecke über 300 Höhenmeter zu überwinden sind, teils so steil das Ketten Hilfe bieten müssen. Doch die Anstrengung lohnt, denn die Hütte liegt malerisch an einem kleinen See und außer uns sind nur drei Leute da. Ich nutze die Gelegenheit, zelte nicht und schlafe erstmalig in einer Wanderhütte.

in Queenstown                      Blick auf Craddle Mountain      Barns Bluff, da gehts rauf        und oben - an der Kante

Freitag erneut purer Sonnenschein und wir brechen in die nahen Berge auf. Vorbei an manch malerischem Tümpel (Tarn) erklimmen wir den Craddle Mountain, 1557 m hoch. Die letzten 200 m sind die reinste Kletterpartie mit autogroßen Felsen und gefährlichen Lücken dazwischen. Mir macht das einen Höllenspaß. Die Aussicht vom Gipfel atemberaubend mit all den Felsen und der Blick auf die Dinge ringsum aus der Vogelperspektive. Es fällt schwer sich davon zu trennen, doch mit Barns Bluff wartet ein weiterer Berg, der genau so hoch und dessen Erstürmung genau so schwierig ist. Von da ein ganz anderer Blick, offener, weiter. Das war dann mehr als genug für einen Tag und wir gönnen uns ein Bad im “hauseigenen” See. Beim Wasser holen fürs Abendessen sprintet übrigens ein tasmanischer Teufel vor mir davon - und ich habe keine Kamera dabei. So ein M... Samstag ist das Wetter schneller als die Vorhersage und es regnet schon am Morgen. Ich überwinde mich als erster und laufe los. Der Regen hört bald auf, doch am schmalen Pfad geben Büsche und Gräser all ihr Wasser an mich ab. Nach einer halben Stunde bin ich knieabwärts pitschnass. Die Schuhe laufen voll wenn das Wasser von oben kommt und ich muss die Zähne zusammen beißen. Ab Craddle Valley klappt das trampen und ich bin drei Stunden später in Launceston wo ich zum ersten Mal seit zehn Tagen in einem Bett und nicht auf dem Boden schlafe. Der Körper ist nach all den Laufkilometern, heißen Tagen und kalten Nächten erschöpft und fühlt sich fiebrig an. Eine Pause wird dringend notwendig. Sonntag klappt das ein wenig. Nur Wäsche waschen, weiter planen und Launceston anschauen. Die Stadt ist hübscher als erwartet. Kleine Parks, sehenswerte Strassen, tolle Häuser und gleich nebenan eine Schlucht mit Fluss die zum Ausflug einlädt.

Snow Gum Wald, Lake St Clare     nach einem Buschfeuer        an einem Tarn                     im Regen am Craddle Mountain

Montag geht es mir erstaunlicherweise schon viel besser und ich mache weiter. Die Zeit drängt, nur noch eine Woche in Tasmanien. Sehr kurvige Strassen und ein paar Autos bringen mich an die Ostküste nach St. Helens, dem Südende der Bay of Fire (der Name stammt wie bei “Feuerland” von der Sichtung vieler Lagerfeuer der Eingeborenen zur Zeit der europäischen Entdeckung). Am späten Nachmittag gelingt noch ein Besuch an den Stränden, was für eine Landschaft! Egal ob Jeanneret, Swimcort oder Cozy Corner Beach, sie alle sind wie aus dem Bilderbuch. Der Sand weiß, fein und squeaky (quietscht beim Laufen). Das Wasser klar und auch wenn sich die Sonne versteckt intensiv türkis. Bonus obenauf: viele Granitfelsen, von den Kräften der Natur rund geschliffen und mit orangeroten Flechten bedeckt, ein echter Hingucker! Egal wie weit ich reise, egal was ich alles schon gesehen habe - es kommt immer wieder etwas Neues dazu. Erst der Sonnenuntergang treibt mich zurück nach St. Helens. Dienstag ist das Wetter erneut schneller als die Vorhersage und es regnet praktisch den ganzen Tag. Es gelingt mir trocken bis nach Coles Bay zu trampen, wobei die letzten 35 km etwas besonderes waren. Das Pärchen welches mich mitnimmt hat im Kombi nur zwei Plätze, der Rest ist als Liegefläche umgebaut auf der ich es mir gemütlich machen darf. Nicht STVO gerecht, aber schön. In Coles Bay ist im Hostel was frei und ich verbringe den Rest des Tages faul auf der Couch, genau das was mein Körper braucht. Mittwoch klart es auf und ich laufe in den Freycinet Nationalpark. Vorbei an den Hazards (felsige Berge, 450 m hoch), hinauf zum Aussichtspunkt über die schöne Wineglas Bay, hinunter zum Strand der selbigen und dann in einem Bogen nach Coles Bay zurück. Insgesamt nur Durchschnitt, da habe ich schon besseres gesehen.

Legerwood: Kettensägekunst               Bay of Fire, die Strände von St. Helens                  Wineglass Bay, Freycinet NP

18.Woche vom 28. Februar bis 6.März 2013
Donnerstag sind es erneut die kleinen Schritte die mich vorwärtsbringen. Immer wieder mit dem nächsten Auto ein paar Kilome- ter weiter bis zur Halbinsel Tasman, eine Stunde von Hobart entfernt. Die Landschaft vor allem um Dunalley herum zeigt deut- lich die Spuren vom großen Waldbrand im Januar. Ich schlafe in Eaglehawk Neck in einem winzigen Hostel mit nur vier Betten. Da kein Gast dazu kommt habe ich die Cottage drei Tage für mich allein - so schön! Am Abend das erste Highlight: Tesselated Pavement. Die Natur hat am Ufer ein sehr ebenes Plateau geschaffen, das selbst Ingenieure nicht besser hinbekommen würden. Am Freitag hinein in die Natur. Immer an der Küste entlang gibt es Blaslöcher, Naturbrücken und steile Klippen zu sehen. Ich laufe ein Stück vom Tasman Coast Trek, der sich von moosgrünen Bachtälern über Berge bis hin zu den Steilküsten zieht. Kein Mensch ist zu sehen, dafür aber in kurzer Zeit drei Tiger Snakes. Unangenehm wenn sie zwar verschwinden, aber die Klippen zwei Meter weiter beginnen und direkt neben dem schmalen Pfad Felsen und totes Holz ideale Verstecke bieten. Da empfiehlt sich ein zweiter Blick wohin man tritt. Tags darauf mache ich nahtlos in der Fortescue Bay weiter. In einem steten Auf und Ab geht es hinaus ans Cape Hauy, die spektakuläre Küste immer im Blick. Am Ende des Weges warten Felsformationen wie die Kerze oder der Totempfahl. Allerdings stehen einem die Haare zu Berge wenn man an der Kliffkante 250 m senkrecht in die Tiefe schaut. Sicherung existiert keine und einige der Felsen hängen schon über oder neigen sich in Richtung Meer. Um bessere Sicht zu haben klettere ich gefährlich nah an der Felskante entlang, ein Adrenalinkick der besonderen Art. Am Nachmittag noch ein wenig mehr von der Gegend bis der Tag auf der sonnigen Terrasse vom Bungalow endet. Sonntag klappt das Trampen wie am Schnürchen und ich bin schnell in Hobart. Wie schon vorausgeahnt wartet da eine recht bittere Pille auf mich. Nun, auch für mich wachsen nicht alle Bäume bis in den Himmel... Der Montag sorgt dann dafür das ich auf andere Gedanken komme. Der nochmalige Ausflug auf den Mount Wellington bietet diesmal Fernsicht bis zu 100 km, ein tolles Abschiedsgeschenk von der Insel. Am Nachmittag der Besuch vom Kunstmuseum. Vor drei Wochen ging ich nur bis zur Tür, diesmal auch hinein. Moderne Kunst ist nicht meins, doch das MONA zeigt das es auch anders geht. Der Bau ist an sich schon spektakulär, doch das Innere beeindruckt noch mehr. Installationen (auch von Leipziger Künstlern) die ihres Namens würdig sind, eine Architektur die nichts mit bekannten Gebäuden zu tun hat und dazu viele Stücke ein wenig morbid, fertig ist ein Disneyland für Erwachsene.     

Tesselated Pavement            Tasman Coast Trek                Sehenswerte Küste               Cape Hauy: 250 senkrechte Meter

MONA: ein wenig morbid

Tasmanien, ein Fazit: Drei Wochen war ich auf der Insel, und einige hatten mich im Vorfeld gefragt was ich so lange in Tasmanien tun will ohne mich zu langweilen. Nun, ich hätte es auch drei weitere Wochen ausgehalten. Die Gegend ist ein Traum und Neuseeland sehr ähnlich. Berge, Seen, Küsten von zerklüftet bis Traumstrand, Wildnis, alles da und nah bei einander. Die Städte klein und mit Charakter, die Leute überaus freundlich und auf Zusammenhalt bedacht. Für eine Jobkarriere nur bedingt geeignet, aber erste Wahl sich zur Ruhe zu setzen oder um für Tage oder Wochen aus der Zivilisation zu verschwinden. Trotz der verhältnissmäßig kleinen Insel ist das Klima vielfältig, die Wetterwechsel teils heftig und schnell, verteilt auf vier richtige Jahreszeiten.
Tasmanien, wenn auch kein eigenständiges Land, hat es in meine Top Fünf geschafft - definitiv!

Das war dann meine Zeit in Tasmanien. Am Dienstag zum Flughafen trampen, was ich mir zwei Mal überlegt habe, doch letztlich klappt das besser als gedacht. Fliegen von Tasmanien ist übrigens wie Bus fahren. Das Flugzeug kommt an, alle steigen aus und laufen über das Rollfeld zum kleinen Terminal. 20 Minuten später steigt die Gegenrichtung ein und der Flieger startet. Bei erneut toller Sicht erlebe ich letztmalig die Landschaft von Tasmanien bis der Flieger nach einer Stunde in Melbourne aufsetzt. Das Hostel Bett dort ist vorgebucht, je näher der Formel 1 Zirkus rückt desto schwerer wird es eins zu finden. Die nächsten Tage passiert wenig berichtenswertes. Ich bin dabei die Rückkehr nach Europa zu planen und fange an nach Jobs zu suchen.
19.Woche vom 7. bis 13.März 2013
Donnerstag: Lebensmittel für die nächsten Tage versorgen, was sehr gut auf dem Victoria Markt um die Ecke gelingt. Große Auswahl, kleine Preise. Dabei läuft mir ein Bekannter aus Shark Bay über den Weg, wir trafen uns vor anderthalb Monaten ca. 3.000 km entfernt. So klein ist die Welt. Am Freitag verlasse ich Melbourne. Mit dem Zug hinaus nach Werribee und dann an die Great Ocean Road trampen. Ich brauche einige Autos, komme aber am Nachmittag glücklich und zufrieden in Apollo Bay an, ein kleiner Ort mit schönem Strand. Das Hostel ist einfach cool, allerdings muss ich feststellen das durch das kommende lange Wochenende ab morgen keine preiswerten Betten im Ort mehr frei sind. Also muss schnell ein neuer Plan her. Samstag lasse ich einige Sachen im Hostel und trampe zur anderen Seite der Otway Halbinsel nach Castle Cove. Von dort aus laufe ich die nächsten Tage auf dem Great Ocean Walk knapp 60 km nach Apollo Bay zurück. Der Pfad führt meist an der Küste entlang, tolle Ausblicke inklusive. Die erste Nacht am Aire River, wo genau so viel los ist wie in Apollo Bay, doch mein kleines Zelt findet sein Plätzchen. Beim Spaziergang im nahen Wald sehe ich die ersten wilden Koalas meiner Reise, und vor allem HÖRE ich sie. Unglaublich was die Männchen für ein Organ haben. Klingt nicht wie ein kleiner knuddeliger Bär, mehr wie ein großer Gorilla.

Tasmanien - ein letzter Blick      in Apollo Bay                         am Aire River                       ein Gang Gang Kakadu

Am Nachmittag am schönen Strand faulenzen und in den meterhohen Wellen spielen. Ich lerne tolle Leute kennen und bin am Abend gleich bei zwei Familien eingeladen. Deren Freundlichkeit hilft ungemein, denn durch die andauernde Trockenheit gibt es kein Trinkwasser, und das aus dem Fluss ist zu salzig. Bei den derzeitigen Temperaturen von über 30°C braucht man allein zum Trinken mehr als 2,5 Liter am Tag. Am Sonntag schützen mich Wolken auf der meist baumlosen Strecke über Cape Otway bis zum Parker Hill. Die Distanz ist schon ein Stück länger als gestern und mit all dem auf und ab bin ich froh am Nachmittag mein Zelt auf dem hübschen Campingplatz aufzuschlagen. Die kleine Bucht nebenan bietet einen schönen Strand und der Ozean sorgt mit 22°C Wassertemperatur für die erhoffte Abkühlung. Am Montag das letzte und größte Stück. Zwar spenden heute meist Bäume den schützenden Schatten, doch auch da schafft es das Thermometer auf 33°C. Puh, das geht an die Reserven! Über die Elliott Ridge hinunter zum Meer und über Klippen und Strand - der wohl schönste Teil der Wanderung -  nach Apollo Bay. Erschöpft den Rucksack ablegen, kalt duschen und viiiiel Wasser trinken. Dienstag dann der letzte heiße Tag einer ungewöhnlich langen Hitzewelle. Alle schleichen nur noch rum, suchen ein kühles Plätzchen oder liegen im Ozean. Da passiert nichts, aber ich muss so wie so ein wenig ausruhen. Aktuelle Temperatur um Mitternacht: 31°C!!!
Mittwoch: Wetterwechsel, endlich. Allerdings stürzt das Thermometer recht heftig um 15°C. Ich hänge im Hostel ab, meist mit Theresa. Auch deutsch, auch Kellnerin, auch in der Schweiz. Der Aufenthalt in Apollo Bay verlängert sich von Tag zu Tag. Das ist die Pause die ich brauche. Wenig tun und all die Erlebnisse verarbeiten.

Kap Otway am Abend                                     die Küste am Great Ocean Walk, interessant und schön

20.Woche vom 14. bis 20.März 2013
Donnerstag: Apollo Bay, was sonst. Das Wetter pegelt sich ein, etwas wechselhaft aber noch gut über 20°C. An den folgenden Tagen nur kleines Programm, Marriners Lookout, an der Küste spazieren oder auf der Veranda lesen - sprich den eigenen Accu aufladen. Am Wochenende ist das Wetter durchwachsen und weil ich den Rest der Great Ocean Road bei schönem Wetter er- leben will verlängert sich mein Aufenthalt Tag für Tag. Erst am Montag kann ich mich von Apollo Bay losreißen. Zwei Engländer aus dem Hostel nehmen mich bis Princetown mit, ungefähr 80 km von Apollo Bay entfernt. Dort schlage ich an einem hübschen Platz mein Zelt auf und laufe an der Küste entlang Richtung Westen. Aufregend wenn dann langsam die 12 Apostel auftauchen, auch wenn es keine 12 sind. An den Gibson Steps kann man die steile Treppe an der Steilküste hinunter nehmen und tolle Perspektiven der im Meer stehenden Felsen erleben. Für die Apostel selbst ist das Licht dann ungünstig, aber weiter die Strasse hinunter wartet noch die tolle Loch Ard Gorge. Das Wetter bleibt sonnig und ich kehre am Abend hochzufrieden zum Zelt zurück. Tags darauf nimmt mich Graig, ein pensionierter Forscher, mit nach Warrnambool und hält unterwegs ein paar Mal um mir die verbliebenen Highlights der Great Ocean Road zu zeigen, wie die London Bridge oder die Bay of Islands, und setzt mich schließlich vor der Tür des Hostels ab. Warrnambool ist eine hübsche Stadt und lädt zum Nachmittagsbummel ein. Die Sonne scheint, allerdings ist der Wind kräftig und frisch - es wird Herbst.

Great Ocean Road: am Fuß der Gibson Steps                        die Loch Ard Gorge                London Bridge (teils eingestürzt)

Mittwoch von Warrnambool nach Norden. Auf der wenig befahrenen Strecke dauert es bis bis ich in Halls Gap, mitten im Grampian Nationalpark, ankomme. Der Ort hat 300 Einwohner und mit Camping 6.000 Übernachtungsplätze, doch derzeit sind nur wenige Leute da. Die Sachen im Hostel ablegen und gleich los um das (noch) schöne Wetter zu nutzen. Hinter dem Haus rauf zum Chatauqua Gipfel, mit tollem Blick über die Berge, und über Venus Bath, eine sehenswerte kleine Schlucht, zurück.
21.Woche vom 21. bis 27.März 2013
Donnerstag wechselt das Wetter wie in Deutschland im April. Sonne, Wolken, Schauer und die Windböen mit Sturmstärke. Davon lasse ich mich nicht schrecken und laufe mit Meike am frühen Nachmittag los. Die Grampians sind ein Kletterparadies und die Felsformationen recht speziell. Das können wir beim Gang durch den “Grand Canyon” und die sehr schmale Schlucht der “Silent Street” nur bestätigen. So bleibt die Wanderung interessant. Auf dem Felsvorsprung des “Pinnacle” weht es uns dann aber fast vom Berg. Ringsum kommen und gehen Schauer, wir bleiben jedoch weitestgehend trocken. Am Freitag ein Solostart, es traut sich keiner mitzukommen. Mit dem Rad kreuze ich einen Teil der Grampians, wobei es die ersten 10 km nur bergan geht. Das bin ich ja gewohnt. Ziel sind die sehenswerten Wasserfälle Broken und MacKenzie. Am letzteren musste ich allerdings ein gesperrtes Stück verbotenerweise überwinden um am Fuß des Wasserfalls tolle Fotos zu schießen. Bei der Pause versucht dann ein Kookaburra (20 cm groß) auf meinem Bein zu parken und mir mein Essen abzunehmen, dieser Schlingel. Am Nachmittag noch ein paar Aussichtspunkte wie z.B. the Balcony, aber der bedeckte Himmel trübt die Sicht. Samstag wollte ich weiter, doch es gefällt mir hier und das Wetter zeigt sich regnerisch, also verlängere sich der Aufenthalt bei John und Marie.

Grampians, Grand Canyon        inmitten der Grampians            Felsvorsprung Pinnacle            MacKenzie Falls

Grampians, Nähe Venus Bath     der freche Kookaburra

Am Sonntag geht es nordwestlich hinaus aus den Grampians und über Ararat nach Melbourne. Eigentlich wollte ich gleich ganz durch die Großstadt durch, aber Bruce  bringt mich geradewegs in den Teil der Stadt der mir fast schon vertraut ist. Ich nehme das als Zeichen, steige zum dritten Mal im Discovery Hostel ab und treffe mit Johann und Justus auch gleich alte Bekannte. Einkaufen, schwatzen und die Weiterreise planen. Am Montag mit dem Zug hinaus nach Cranbourne und ab dort als Anhalter. Das Pärchen welches mich mitnimmt will in ihr Hause nach Leongatha, bringt mich aber letztlich bis nach Tidal River, meinem Ziel in der Wilsons Promontory. Das sind 90 km weiter

als die beiden eigentlich wollten. Ob einem das auch in Deutschland passieren kann? Ich erkunde noch die schöne Umgebung von Squeaky Bay und sehe die ersten wilden Wombats der Reise, die auch nachts in Tidal River um das Zelt herum grasen. Wilsons Promontory erscheint wie die Fortsetzung von Tasmanien. Eine große Halbinsel komplett als Nationalpark, praktisch un- bewohnt. Raue Küste mit wundervollen Buchten und Stränden, steil aufragende Gipfel und viel dichter Wald. Ein Abenteuer- spielplatz für Große sozusagen. Dienstag lasse ich einen Teil meiner Sachen im Büro des Nationalparks zurück und laufe mit leichtem Gepäck (immer noch 18 kg) los. Teils an der Küste entlang sind es über Oberon Bay 17 km bis zum Campingplatz Roaring Meg. Mitten im Wald gelegen, ein Bach als Wasserlieferant und außer einem Zelt 100 m weiter bin ich hier ganz allein. Cool. Am Nachmittag noch ein Abstecher zum South Point, dem südlichsten Punkt auf dem australischen Festland. Felsig und sehenswert, das kalte Bad im Ozean als Ersatz für die fehlende Dusche. Ein früher Gang in den Schlafsack, es wird inzwischen 19 Uhr dunkel. Ein paar Possums schauen vorbei und wollen auf der Suche nach Essen sogar ins Zelt, doch das weiß ich zu verhindern. Mittwoch über Stock und Stein zum Leuchtturm an der südöstlichen Ecke der Halbinsel, wo wie aufgefädelt an einer Schnur die großen Schiffe vorüberziehen. Es ist noch mal über 30°C heiß und die folgende Strecke über die Berge schlaucht mächtig. Nach 18 km erreiche ich den Zeltplatz Little Waterloo Bay. Auch der ist sehr einfach, aber nur 50 m vom wundervollen Strand entfernt. Die kleine Bucht ist ein Traum und es zelten nur 8 Leute hier. Also ändere ich den Plan für den Rest des Tages und mache einfach Badeurlaub in einem kleinen Paradies.

Wilsons Promontory               Tidal River                            Wombat                              Mountain Lowry

22.Woche vom 28.März bis 3.April 2013
Donnerstag Morgen weckt mich der Regen. Mist! Der Wetterwechsel war angekündigt, doch ich hatte darauf gehofft das es nicht ganz so dramatisch wird. Ist es aber! Ein Schauer jagt den nächsten, begleitet vom kühlen Wind. Da hilft nur die Zähne zusammen beißen. Im Regen machen die 14 km zurück nach Tidal River keinen Spaß, doch dort hört es wenigstens auf. Mir bleibt das Anhalterglück treu und nur eine halbe Stunde später bin ich bereits unterwegs nach Foster, 60 km nördlich. Das Hostel unüblicherweise vorgebucht, denn wir haben Ostern und nach meiner Erfahrung von Weihnachten wollte ich vorsorgen, was sich als richtige Entscheidung erweist. Das Hostel winzig (10 Betten) und wie ein zu Hause fern der Heimat. Ich kann meine Sachen waschen und trocknen, was bei häufigen Schauern zu einer Herausforderung wird. Am Karfreitag weht ein kühler Wind, es bleibt aber trocken. Ich komme wie geplant bis Lakes Entrance, ein Feriendomizil an der Küste von Victoria. Schnell steht fest: das ist nicht meins. Zwar eine nette Landschaft mit Inlandseen gleich hinter einem Dünenriegel von feinstem Sand, doch leider total überrannt und die endlose Aneinanderreihung von Motels, Wohnwagenplätzen und Minigolfanlagen macht es nicht besser. Ich habe zwei Nächte gebucht und mache das Beste daraus. Samstag ein paar schöne Spaziergänge und ein kulinarisches Osterverwöhnprogramm. Sonntag weiter. Trampen wird schwieriger und nur Stück für Stück geht es in Richtung der australischen Alpen. Ja, dieses Land hat welche, wenn auch von vielen Touristen unbeachtet. In Bruthen wendet sich das Glück nach dem Mittag zu meinen Gunsten und Tim, ein Deutscher, bietet mir eine Mitfahrgelegenheit. Hinter dem kleinen Städtchen Bruthen steigt die Strasse fast unbemerkt an und die Landschaft erinnert stark ans Voralpenland. Nach Omeo wird die Strecke kurvenreich und erreicht bei den Hotham Heights 1.600 m Höhe. Spätestens hier bleibt uns staunend der Mund offen stehen. Die Aussicht überrascht. Bergketten und lange Täler soweit das Auge reicht. Stark. Auf der Fahrt hinunter nach Bright durchqueren wir ein Gebiet in dem im Januar große Buschfeuer gewütet haben. Ein surrealer Eindruck mit rotbraunen, noch Laub tragenden Bäumen und verkohlten Straßenschildern. Wir bleiben in Bright und planen einen Ausflug, denn diese Gegend wollen wir uns näher anschauen. Ein Hostel existiert leider nicht mehr, doch ein schöner Zeltplatz ist schnell gefunden. Die nächsten Nächte werden schwierig und ich muss mit der Ausrüstung tricksen weil das Thermometer bis auf 8°C fällt.

Lakes Entrance                     australische Alpen                 Spuren des Feuers                  blattlose Bäume wie feines Haar

Ostermontag fahren wir die 40 km zu den Hotham Heights zurück (für einen Australier ist das gleich um die Ecke) und laufen auf dem Kamm des Razorback (Rasiermesserrücken) bis zum Gipfel des Mount Feathertop (1922 m hoch). Die Landschaft läßt uns staunen. Teils komplett verbrannt mit dem entsprechenden Geruch, teils von einer schnellen Feuerfront “gesäubert”, teils praktisch unberührt. Das sorgt für Fotos mit ungewöhnlichen Farben. In dieser Höhe ist es auch tagsüber nur 7°C warm, bei Wind und Wolken sind das gefühlte 0°C! Was für ein eindrücklicher Tag. Am Dienstag ziehe ich unabhängig von Tim weiter. In einem Zick Zack Kurs über Wangaratta, Albury und Wagga Wagga nach über 400 km mit Einbruch der Dunkelheit die Ankunft in Yass, einem kleinen Städtchen. Mit dem Sonnenaufgang stehe ich am Mittwoch bereits an der Strasse und komme mit dem Berufsverkehr ins 60 km entfernte Canberra. Geplant war sich den Sitz der Regierung näher anzuschauen, doch die Stadt hat nur wenige preiswerte Betten und die sind alle belegt. Das zusammen mit dem dunklen und grauen Himmel läßt mich Canberra gleich wieder verlassen. Geholfen wird mir dabei unter anderem von einem LKW Fahrer aus Samoa und später von Bill, dem mit 86 Jahren ältesten Fahrer bisher. Nach 150 km Ankunft an der Küste von New South Wales in Batemans Bay. Die Sonne kommt heraus und ich fühle mich gleich wohl an diesem Ort. Das Hostel angenehm und fast leer, der Strand praktisch vor der Tür.   

Razorback Trek                     verbrannter Wald                   ein näherer Blick                   die Natur kehrt zurück

23.Woche vom 4. bis 10.April 2013
Donnerstag und Freitag bleibe ich in Batemans Bay. Das Wetter etwas durchwachsen, auch wenn es trocken bleibt. Rauch hängt in großen Fetzen in der Luft, die Farmer in der Gegend brennen die Stoppeln ihrer Felder nieder. Es bleibt zu hoffen das sie dabei alles unter Kontrolle haben. Ansonsten macht die Umgebung ihrem Namen alle Ehre: Fledermäuse. Schon am späten Nachmittag machen sie Rabatz, und wenn sie am Abend in großen Schwärmen auf Futtersuche losziehen hat das schon etwas von einem Vampirfilm. Samstag ziehe ich noch ein Stück weiter die Küste hinunter bis nach Narooma. Das Wetter hatte Bes- serung versprochen und hält sich auch daran. Unterwegs erzählen mir Einheimische von einer Motorradshow in Bergamui, etwas südlich von Narooma, also stelle ich meine Sachen schnell im Hostel ab und trampe gleich weiter, was problemlos klappt. Die Show ist sehenswert und viele Biker aus der Gegend tauchen mit ihren Maschinen auf, die man häufig schon von weitem hört.

in den Alpen                         in Batemans Bay                    Fledermäuse in Batmans Bay    Motorradshow Bergamui  

Ansonsten bietet die Umgebung sogar noch etwas mehr als Batemans Bay. Der Strand ist näher und schöner, große Inlets wechseln sich mit Brackwasserseen und kleinen Buchten ab. Dazu ist das Hostel kaum belegt, der Besitzer eine Wucht und sein Hund gleicht eher einem Kalb (70kg). Sonntag herrscht Kaiserwetter und der Strand ruft. Auf dem Weg dahin eine Schleife durch Narooma. An einer herrlichen versteckten Bucht entsteht ein Foto welches es erst zum Schluss zu sehen gibt und beim mehr oder weniger unerlaubten herumklettern in den Klippen komme ich auf dem Golfplatz heraus. Bemerkenswert ist nicht nur seine Lage genau am Ozean sondern auch das ihn drei Gräber zieren. Das nenne ich schräg. Eine Bucht weiter der wenig bekannte “Australia Rock”, dessen Loch entfernt an den Umriss von Australien erinnert. Nach den schönen Stunden am Strand verlängere ich um weitere zwei Nächte und verschiebe das Thema Sydney gern noch ein wenig nach hinten. Montag ein Aus- flug mit dem Mountainbike. Um Narooma herum, hinauf auf den Aussichtspunkt über das Inlet und danach teils auf anspruchs- vollen Schotterpisten durch das Hinterland. Tiefer Wald wechselt mit Farmland und das Rad fahren macht einfach nur Spaß. Nach dem Besuch des historischen Tilba, wo die Zeit seit dem Ende des 19.Jahrhunderts scheinbar stehen geblieben scheint, folgt die  Mystery Bay mit toller Küste bevor ich die Runde in Narooma beende. Dienstag ausruhen, den letzten Tag hier draußen am Strand genießen und meine Hausaufgaben in Bezug auf Rückkehr nach Sydney und Europa machen.

Strand in Narooma                  Golfplatz und Friedhof            Australia Rock                       historisches Tilba

Am Mittwoch stehe ich zum letzten Mal auf dieser Reise an der Strasse und komme Stück für Stück bis Berry, von wo aus ich wie geplant die S-Bahn ins Zentrum von Sydney nehme. Das gebuchte Hostel dort steht im Stadtteil Kings Cross. Nicht die beste Nachbarschaft, aber das Hostel ist gut und liegt verhältnismäßig ruhig in einer Seitenstrasse.
24.und letzte Woche in Australien vom 11. bis 17.April 2013
Donnerstag, und das schöne Wetter scheint kein Ende zu nehmen. Wir erleben derzeit so etwas wie einen Altweibersommer. Meist strahlend blauer Himmel mit tagsüber fast 30°C. Das Programm Sydney zum zweiten Mal, diesmal ohne Jetlag. Botanischer Garten, die Oper, Circular Quai, Darling Harbour usw. Das ziehe ich drei Tage lang durch, schaue nebenbei nach Souvenirs und sehe einige Bekannte die ich im Laufe der Reise kennengelernt hatte und die hier wohnen bzw. auch zur Zeit in der Stadt weilen. So verfliegt die Zeit. Eine Nacht ziehe ich mit der Kamera durch Sydney und finde besondere Blickwinkel. Ziemlich eindrücklich für mich. Mindestens genau so eindrücklich die Samstag Nacht auf der Amüsiermeile in Kings Cross. Grobe Regel: je höher die High Heels, desto kürzer der Rock...

Sydney, die Skyline aus unterschiedlichen Perspektiven           Kollegen getroffen                Ortsname mit 8 “O”

Eine Nacht in Sydney, die Hafenbrücke und auch die Oper, bei dem Licht was ganz anderes, genau wie dieser Springbrunnen

Am Sonntag Abend lädt unser Hostel zum Pizza Abend. Pizza mit Cocktail für 5 Dollar. Bedingung: Dresscode. Was schräg klingt wird Wirklichkeit. Wir landen in einem schicken Club in dem viele angezogen sind als wäre noch immer Samstag Nacht. So nobel habe ich selten Pizza gegessen - und sie war auch noch Spitze. Montag Abend geht die Kulinarik weiter. Praktisch als Abschlussessen gehe ich mit einem Schweizer Pärchen, welches ich aus dem Saratz kenne und die gerade für zwei Tage in Sydney weilen, in die O-Lounge. 47. Stock, Blick über das nächtliche Sydney und Drehrestaurant, da wird das gute Essen fast zur Nebensache. Dienstag das finale Packen und am Abend der Weg hinaus zum Flughafen. An alles gedacht? Nicht ganz, denn ich werde davon überrascht das der INTERNATIONALE Flughafen Sydney über Nacht geschlossen ist. Ich bin bei weitem nicht der Einzige der verblüfft vor geschlossenen Türen steht. Nun, es ist nicht kalt und ich sitze bis morgens um 3.00 Uhr mit einer Deutschen auf einer Bank. Als wir endlich in die “heiligen” Hallen dürfen ist der Flughafen gähnend leer - so was habe ich in dieser Größe auch noch nie erlebt. Der Flug mit Korean Air dann sehr schön. Am Abend die Ankunft in Incheon/Seoul, wo mich das gebuchte Guesthouse abholt. Die Zeit reicht um in der Stadt essen zu gehen, wobei ich (fast logisch) in einem Restaurant lande wo niemand ein Wort englisch spricht. Doch mit Händen und Füßen geht es auch und das geglaubte Bier stellt sich eben als Flasche Sake heraus. Die folgende Nacht ist sehr erholsam und am Donnerstag setze ich mich ausgeruht für weitere
11 Stunden in den Flieger. Das ist diesmal ein A 380 - was für ein Riesenvogel. Ich sitze genau am Ende der gigantischen Tragflächen und kann technisch alles verfolgen. An Bord merkt man wenig von den 853 Sitzplätzen, nur bei Start und Landung werden die Wege bei 560 Tonnen Startgewicht deutlich länger. Alles in allem: ein tolles Erlebnis. Donnerstag Abend die Landung in Frankfurt und weil sich viele Kreise schließen: eine abenteuerliche Heimfahrt mit der Deutschen Bahn die um Mitternacht in Erfurt endet, von wo mich meine Nicht abholt. Das, liebe Leute, war mein Australien 2012 / 2013 - was für eine Reise. 

Whitehaven Beach,                        33.230 Fotos seit März 2008            Australien - Auf Wiedersehen
Whitsunday Inseln                                  - Danke Canon -

24 Wochen Australien - ein Resümee
Das Fazit von Australien kommt spät, sehr spät. Gründe dafür zu nennen wäre einfach, ändert aber nichts an der Tatsache.
Das Rückbesinnen auf die Monate in Down Under tut ungemein gut. Tief in mir ist da immer noch ein Stückchen Glut dieses meist heißen Kontinents. Es fühlt sich an wie ein Kamin an kalten Wintertagen, wie ein Stück Licht inmitten eines nebligen Novembers.
Die nüchternen Fakten zur Reise die dann doch nicht so nüchtern zu vermitteln sind: 168 Tage auf dem ehemals als Gefängnis missbrauchten Kontinent auf welchem die Leute schnell lernten das man nur gemeinsam überleben kann und das deswegen das Helfen für den Nächsten praktisch in den Genen weitergegeben wurde. Mir half das bei dem Abenteuer als Anhalter durch das Land zu kommen. Ich saß in knapp 250 Fahrzeugen, von der Nobelkarosse bis zur Rostlaube, vom Wohnmobil bis zum Roadtrain. So verschieden die Fahrzeuge, so verschieden die Fahrer. Jung, alt, männlich, weiblich, Paare, Familien, Singles. Unterschicht, Privilegierte, mental Angeschlagene genau wie Männer Gottes oder seines Gegen- spielers. Mal waren es 5 Kilometer die ich mitfahren durfte, mal mehr als 1.600. Da wurden Umwege gefahren und Regeln gebrochen um mich weiter oder ans Ziel zu bringen. Der Australier an sich ist eine Wucht und genau der Schlag von Mensch den ich so manches Mal in Europa vermisse.
Es waren 20.500 km die ich als Tramper in Australien zurückgelegt habe, 1.200 km als Ride Share gefunden im Internet auf Gumtree, 2.500 km im tollen Jeep als Relocation car durchs Outback, 350 km mit Vorortzügen und durch den Besuch von Tasmanien noch 1.200 km mit dem Flieger.
Durch die unzähligen Gespräche auf den teils langen Fahren gelang es mir ein Bild des Landes zu bekommen wie es kein Buch oder Reiseführer vermitteln kann. Danke dafür.
Preise? Die waren entsprechend hoch, vor allem bei dem zu dieser Zeit für Europäer schlechten Wechselkurs. Die Kosten auf Schweizer Niveau konnten nur durch zeitweises Camping, Selbstversorger und die Fortbewegung als Anhalter im Rahmen gehalten werden.
Die besuchten Hostels boten wie in jedem Land ein sehr weites Spektrum. Von reinen „Übernachtungsmaschinen“ in den Großstädten mit hunderten von Betten bis hin zu den kleinen Häusern auf dem Land in denen man sich ein wenig wie zu Hause fühlen konnte. Einzig das Gros meiner Reisekollegen gab mir zu denken, denn deren Verhalten hat sich dramatisch verändert… Nichts desto trotz waren da noch genug Persönlichkeiten die in der Erinnerung so fest haften bleiben das zu einigen von ihnen der Kontakt noch immer besteht.
Australien hat es mit seinen abwechslungsreichen Landschaften geschafft mich in Atem zu halten, wobei die vielbereiste und gepriesene Ostküste mir am wenigsten in Erinnerung bleibt. Zu ausgetreten und touristisch die Strecke, zu durchschnittlich was man da sieht. Ausgenommen sei dabei einzig und allein das Great Barrier Riff, dessen Farben und Vielfalt der Lebensformen einzigartig ist. Ansonsten beginnt das Australien welches mich begeistert so bald man die Ostküste verlässt. Das dschungelhafte Grün des Nordens, die überraschend schönen Alpen, das gar nicht langweilige Outback, die unvergesslichen Strände im Südwesten, der abenteuerliche Abschnitt nördlich von Perth und als Punkt auf dem i das sagenhafte Tasmanien.
Man könnte und müsste über das Thema der Aborigine etwas sagen, aber ich will nicht die meist romantisch verklärte Vorstellung der Meisten darüber zerstören. Ein trauriges Thema das sich nicht lösen lassen wird weil beide Seiten viel zu viele Fehler gemacht haben.   
Der Umgang mit der ach so gefährlichen Tierwelt hat sich glücklicherweise im Laufe der Monate relativiert. Respekt habe ich noch immer, aber eine gewisse Phobie ist gewichen. Es waren knapp zwei dutzend Schlangen denen ich begegnet bin, fast alle giftig und häufig nur Meter entfernt. Wirklich zu kämpfen hatte ich eher gegen Nager die an meine Vorräte im Zelt ran wollten.
Ein paar Dinge bleiben trotz dem halben Jahr intensiven Reisens noch offen. Der äußerste Norden z.B., den man nicht gerade in der Regenzeit besuchen sollte. Aber vielleicht ergibt sich ja in den nächsten Jahren für mich noch einmal die Möglichkeit in dieses inspirierende Land zurückzukehren.