teilweise aktualisiert am 11.November 2018

Raus aus dem einen Abenteuer, und gleich hinein ins nächste...
...manchmal ist das eben so

Im Sommer 2018 besuchte ich Skandinavien
und begann Ende Mai in Dänemark.

Wer will, kann die Reise gern auf dieser Seite nachvollziehen.
Viel Spaß dabei

Übrigens: Ab Norwegen sind einige Bilder mit einem
* gekennzeichnet. Das sind Panoramabilder die ihr euch unbedingt in groß ansehen solltet.
 

Nach dem halben Jahr im Winter 2017/18 in Mittelamerika dachten viele, das es nun wieder in die Schweiz gehen würde. Doch mein Bauchgefühl gab mir zu verstehen das es doch lieber Skandinavien sein sollte. Also hänge ich noch eine Reiserunde dran. Die Zeit in Crimmitschau verging wie so häufig rasend schnell und so richtig Muse sich für das nächste Abenteuer vorzubereiten blieb nicht. Da war ich viel zu sehr mit Familie, Freunden und der Nachbereitung von Mexiko beschäftigt. Und so wusste ich abgesehen von einigen grundlegenden Dingen nur wo ich den ersten Halt einlegen wollte. Eigentlich nicht ganz meine Art, aber wird schon schief gehen ;-). Alle Sachen rein ins Auto - ja, der kleine Schwarze will bis zum Nordkap - und los!

1.Woche vom 20. bis 26. Mai 2018
Ich lege so etwas wie einen fliegenden Start hin. Nach einem kurzen Besuch bei Familie und Freunden in Hamburg und Schleswig überquere ich am Sonntag ganz unspektakulär die Grenze nach Dänemark. Mein erstes Ziel ist Ribe, eine der ältesten Städte im Land, gegründet um 869. Ein schönes Zentrum, die kleinen Gassen und noch kleineren Häuschen sind die reinste Zierde. Mitten drin die Kathedrale, trotz mehrfacher Umbauten schon fast 900 Jahre alt. Die ist im Inneren beeindruckend schön und von ihrem Turm reicht der Blick weit ins Land. Bei dem derzeit tollen Wetter kann ich mir dann einen Zeltplatz suchen, Hostels verkneife ich mir bei Preisen ab 30€ die Nacht vorerst lieber. Pfingstmontag ein Ausflug auf die Insel Mandö. Die ist nur bei Ebbe über eine grobe Schotterstrasse zu erreichen, also lieber nicht die rechtzeitige Rückkehr verpassen...

Blick auf Ribe                         Ribe - Kathedrale                    in den Gassen der Stadt           Ebbe auf Mandö

Tags darauf das nächste Kapitel Dänemark. Esbjerg liegt auf dem Weg und präsentiert sich sehenswert. Selbst der große Hafen verströmt historischen Charme, auch wenn im Hintergrund der 250m hohe Schornstein des Kraftwerks als höchster des Landes heraus sticht. Apropos Dimensionen: am nördlichen Rand der Stadt schauen vier übergroße Statuen raus aufs Meer - eines der Wahrzeichen von Esbjerg: Mennesket ved Havet, dänisch für: Mann trifft Meer. Sehr fotogen, vor allem bei blauem Himmel. Weiter in nördlicher Richtung immer an der Westküste entlang bis Hvide Sande. Der Campingplatz dort ist nur durch eine Düne vom Meer getrennt, dessen Strand es locker in die Karibik Liga schaffen würde. Badefreuden? Wohl eher weniger, denn das Wasser hat keine 15°C. Dafür schafft es die Sonne auf überraschende 30°C. Am Nachmittag gelingt mir noch eine kleine Radtour durch die Dünenlandschaft. Da sind Ferienhäuser, kleine Siedlungen und immer wieder ein sehr weiter und offener Horizont. Definitiv eine Gegend in der ich mich wohl fühle.

vor den Toren von Esbjerg        Hvide Sande - der Strand          Hvide Sande - die Gegend        ein Strandurlauber ;-)

Am Mittwoch weiter nach Norden, genauer gesagt bis Lökken. Auch hier ein unglaublich toller Strand mit einem feinen weißen Sand. Dazu sind es von meinem Zelt bis zum Wasser keine 100m. Verblüffend sind die zahlreichen Bunker auf einem Teilstück des Strandes, Überbleibsel aus dem zweiten Weltkrieg. Sie standen früher mal auf den Dünen, aber die Natur hat sie sich inzwischen geholt. Immerhin hat man so mehr Fotomotive und kann auf Entdeckungstour gehen. Das funktioniert auch mit dem Auto, obwohl mir schon ein wenig mulmig war mit meiner geringen Bodenfreiheit durch den Sand zu toben. Aber alles ging gut und irgendwann hatte ich wieder feste Strasse unter den Reifen. Am nächsten Tag fahre ich schon weiter. Das derzeit wirklich unglaublich tolle Wetter will ich nutzen und mehr von Dänemark sehen. Also nach Norden, wenn da auch nicht mehr viel Land übrig ist. Gleich außerhalb von Lökken ein Abstecher zum Leuchtturm Rubjerg Knude, dessen Umfeld zeitweise von einer Wanderdüne begraben wurde/begraben ist. Sehenswert, wie der Turm da zwischen den Bergen aus Sand noch herausragt. 

Strand in Lökken                     Krieg und Frieden                    Bunker am Strand                  Rubjerg Knude

Kurz nach dem Mittag bin ich in Hirtshals und besuche dort das Nordsee Ozeanarium. Hauptattraktion und Kernstück des - sagen wir mal - Museums, ist ein gigantisches Aquarium welches vier Stockwerke hoch ist. Dessen Wandung besteht aus einer 40cm dicken Plexiglasscheibe. Unglaublich! Gerade findet eine Fütterung statt, bei der ein Taucher mit Helmkamera und Mikrofon die Raubfische per Hand füttert, was live auf den Bildschirmen zu verfolgen ist. Prädikat: Super. Im Hintergrund schwimmt übrigens immer mal ein riesiger Mondfisch durchs Bild. Das mal nur am Rande. Es gibt noch mehr zu sehen, und auch die anderen Aquarien haben überdimensionale Abmessungen um ihren Bewohnern genug Raum zu geben. Später die Fütterung nebst Vorführung von Seehunden und Robben auf dem Außengelände. Das reicht dann für den heutigen Tag und ich mache Station in Skagen. Die Stadt war schon in früheren Zeiten Treffpunkt für die Schönen und Reichen, das sieht man ihr auch an. Nicht mithalten kann da der Strand. Zu schmal, zu steinig. Da wirken auch die längst aufgegebenen Bunker fehl am Platz. Freitag erkunde ich die Gegend per Fahrrad. Das Nordkap ist schnell erreicht, welches sich augenscheinlich auch hunderte von Touristen als Ziel auserkoren haben. Viel zu sehen gibt es nicht, eine flache Sandbank markiert das nördliche Ende Dänemarks und die Grenze zwischen Nord- und Ostsee, ohne das man das im Moment wirklich sieht. Danach radle ich knapp 20 km an Skagen vorbei zu einer der größten Wanderdünen Europas: Rabjerg Mile. Unaufhaltsam und mit 15m pro Jahr bewegt sie sich über das Land. Schon heute wird diskutiert was man in 30 Jahren mit Skagens einziger Verbindung per Strasse und Schiene macht, denn die holt sich dann die Düne... Interessant wie mitten in der Landschaft dieser Berg aus Sand liegt.

Ozeanarium in Hirtshals            das ist ein Fisch!!!                 Radeln in Skagen                     Rabjerg Mile

Samstag die Kehrtwende nach Süden. Zuerst ein Halt in Säby, einer kleinen und schmucken Stadt. Danach wird der Verkehr auf der Schnellstrasse langsam immer dichter. Gewöhnungsbedürftig nach den leeren Strassen der letzten Tage. Kurz nach Mittag bin ich in Aalborg und schaue mir Lindsholm Hoje an, ein uralter Wikingerfriedhof der lange von einer Wanderdüne bedeckt und somit konserviert wurde. Die Gräber sind mit Steinen in einer Schiffsform gekennzeichnet, mit größeren Steinen als Bug und Heck. Westlich von Arhus zwingt mich dann eine Strassensperrung über kleine Dörfer, wobei sich in einem davon gerade ein Morgan Company Club trifft. Diese Autos sind eine Show, vor allem wenn sie dann noch so geballt auftreten. Daumen hoch für diese Umleitung :-) Mein Zelt schlage ich heute in Skanderborg auf.
2.Woche vom 27. Mai bis 2. Juni 2018
Am Sonntag hinein nach Arhus. Zum ersten Mal auf dieser Reise ein Tag mit Wolken und kühlem Wind. Passend dazu hat die Stadt für mich weder viel Charme noch viel zu sehen. Einzig das neu bebaute, und noch im Bau befindliche, Wohngebiet am alten Hafen beeindruckt mit einer recht einzigartigen und sehr modernen Architektur.  

Lindsholm Hoje                       Morgan über Morgan               Arhus, am alten Hafen              Kunstmuseum Arhus

Am Montag kommen die nächsten Kilometer auf den Tacho. Ich verlasse das “Festland” Dänemark, wobei der Brückenschlag bis zur großen Insel Fünen eher klein ist. Ein längerer Besuch statte ich Odense ab, den Märchenfans bekannt als Geburts- und Schaffensort von H.C. Andersen. Die Stadt ist hübsch und macht einen entspannten Eindruck. Der Märchenschreiber begegnet einem auf Schritt und Tritt. Einige der sehr alten Fachwerkhäuser passen da nur all zu gut dazu. Die Nacht verbringe ich dann südlich von Nyborg, auf einem äußerst ruhigen Zeltplatz direkt an der Ostsee. Da kann die Seele baumeln... Am nächsten Morgen ein technisches Highlight: die Überquerung des Großen Belt auf der Storebältsbroen. Erst seit 1998 kann man über diese Brücke auf die Insel Seeland gelangen, eine ingenieurstechnische Meisterleistung. Teilweise fährt man 70m über dem Wasser, die längste Spannweite zwischen zwei Pfeilern beträgt mehr als 1,5 km! Bis die Kosten für den Bau wieder eingespielt sind - was wohl ewig dauern wird - kostet die Benutzung mit Auto derzeit 35€. Nicht günstig, aber die Fähre würde inzwischen wohl das gleiche kosten. Auf Seeland gleich die erste Pause: Trelleborg. In sehr alten Wikingertagen stand da eine wichtige Burg, mit Erdwall, Palisaden und Gräben. Bis auf den Wall ist nicht mehr viel zu sehen, aber es gibt Nachbauten und ehemalige Grundrisse wurden mit Steinen wieder sichtbar gemacht. Gebaut hat es König Blauzahn, dem es gelang die unterschiedlichen Gruppen Dänemarks im 10Jh. zu einen. Sein Name, in englisch Bluetooth, wird für die heutige Technik benutzt, eine Anspielung auf die Möglichkeit verschiedene Geräte und Techniken miteinander in Einklang bringt. Diese Skandinavier kommen auf Ideen...  

Odense und H.C. Andersen       Gamle Kramerboden                  Trelleborg, Langhaus der Wikinger, außen und innen

Auf Nebenstrassen erreiche ich dann die Insel Mön und tauche gleich ein in Glaubensfragen. Da sind zum einen 3.000 Jahre alte Grabhügel, die man sogar immer noch, oder wieder, im Entengang betreten kann. Zum anderen sind da Kirchen aus dem 13Jh. bis 16Jh. mit einer sehr eigenwilligen, fast cartoonhaften, Deckenbemalung. Eindrücklich. Den Hauptgrund meines Abstechers in den äußersten Südosten des Landes besuche ich am nächsten Tag: die Kreidefelsen Möns Klint. Wird manchen an Rügen erinnern, ist ja auch ähnlich, nur eben auf der anderen “Seite” des Wassers. Trotzdem sehr beeindruckend für mich, vor allem bei dem, immer noch, absolut herrlichen Wetter. Am Nachmittag zurück auf die Insel Seeland und Zeltaufbau bei Köge. Donnerstag bleibt das Auto mal stehen. Das Zentrum von Köge liegt nah genug um es zu Fuß zu erreichen. Wieder einmal sind da viele alte Fachwerkhäuser, wobei das älteste von 1527 stammt. Klar das da kein Balken mehr gerade ist. Übrigens ist das nur 4x5m groß und hat mal einer ganzen Familie mit 10 Kindern einen Platz zum Leben gegeben. Freitag Vormittag noch das Schloss in Vallö anschauen und dann sind es nur 40km bis in mein letztes Ziel in diesem Land: Kopenhagen.

Kirchenmalerei auf Mön                             Möns Klint, die Klippen von Mön                          Schloss Vallö

Da gibt es einen ganz einfachen Campingplatz, Bellahoj, auf dem man für kleines Geld nur ein paar Kilometer vom Zentrum entfernt sein Zelt aufschlagen kann. Ich bin schon Mittag dort und kann noch eine Stadtbesichtigung einschieben. Mit meinem Klapprad ist das problemlos möglich. Die Stadt gefällt mir von Beginn an. Trotz ihrer Größe kein Druck, kein Stress. Viele sind mit dem Rad unterwegs, es gibt genügend Radwege und die Autofahrer nehmen sehr viel Rücksicht, vor allem beim Abbiegen. In weniger als einer halben Stunde bin ich im Alten Zentrum und drehe einige Runden im und um Nyhavn. Samstag Kopenhagen total. Wieder mit dem Rad hinein ins Zentrum und dann in einem Mix aus Laufen und das Fahrrad umparkieren von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten. Beginnend am Rathaus, dann Schloss Slotsholmen, die alte Börse, das Gebiet um Ströget mit seinen Flaniermeilen und Fußgängerzonen, Nyhavn mit alten Schiffen und dazu passenden Häusern, Amalienburg, Botanischer Garten und Schloss Rosenborg. Als Höhepunkte mittendrin: der Dom, Marmorkirken, dem St. Petersdom in Rom nachempfunden und verständlicherweise schon Schauplatz königlicher Vermählungen; die kleine Meerjungfrau, auch wenn sie wirklich klein ist und anscheinend immer von hunderten Touristen belagert wird von denen jeder SEIN Foto mit dem Mädchen haben will. Am späten Nachmittag noch auf die östliche Seite des Hauptkanals, wo zwischen modernster Architektur und inmitten der Stadt immer wieder Badeplätze mit Bar und Musik zum verweilen einladen. Kopenhagen? Für mich genial und sehr sehenswert!    

DAS Wahrzeichen Kopenhagens              Nyhavn                                    Dom                     Kopenhagen modern

3.Woche vom 3. bis 9. Juni 2018
Am Sonntag wird es Zeit von Kopenhagen und Dänemark Abschied zu nehmen. Land und Leute waren definitiv einen Besuch wert. Auf in Richtung Schweden, was seit 1995 direkt über, und unter, dem Ostseewasser des Öresund möglich ist. Von Kopenhagen aus durch einen 3 km langen Tunnel zur künstlichen Insel Peberholm und dann über die 8 km lange Brücke zur Bezahlstation auf schwedischer Seite. Aus 28€ (2005) für die Nutzung wurden inzwischen 59€. Kein Schnäppchen, aber die Fährpreise, zum Beispiel in Helsingborg, sind ähnlich. Ich fahre gleich hinein nach Malmö. Um es kurz zu machen: die reinste Enttäuschung. Nur wenig zu sehen. Touristeninformation? Fehlanzeige. Weder die an der Autobahn noch in der Stadt existieren. Trotz, oder gerade wegen, Sonntag ist das Zentrum wie ausgestorben. Und selbst die Leute hier sind irgendwie... na ja! Gerade nach dem Besuch von Kopenhagen ein herber Rückschritt. Also weiter. Bei Malmö keine preiswerten Unterkünfte, selbst Camping kostet 25€. Wild zelten: schwierig. Keine Parkplatz, und ist da mal eine kleine Seitenstrasse, führt sie direkt zu einem Gehöft. Viele Grundstücke, wie auch der Wald, sind eingezäunt. Aber ich habe ein feines Näschen und stoße am Rand von Trelleborg auf ein kultiviertes Waldstück mit Parkplatz und WC. Perfekt zum zelten. Montag als erstes ein Besuch der restaurierten Wikingerburg in Trelleborg. Ganz interessant, allerdings wurde nur ein Viertel des Walles auf einem Grundstück mitten in der Stadt wieder hergerichtet. Danach an der Südküste entlang. Ein kurzer Halt in Smygehuk, der südlichste Punkt Schwedens. Eine längere Pause in Ystad, Fans von Wallander Krimis nur all zu gut bekannt. Hübsche Stadt. 20 km östlich davon das “Stonehenge” von Schweden: Ales Stenar. Auf einem Plateau oberhalb des Meeres, windumtost, stehen Steinblöcke in Form eines 67m langen und 19m breiten Schiffes. Geschätzte 1.700 Jahre alt, sind die 59 Monolithen genau nach den Sonnenwenden des Jahres ausgerichtet, ebenso nach den Tag- und Nachtgleichen von Frühjahr und Herbst. Beeindruckend. Weil mir die Schnellstrasse an der Küste zu monoton ist biege ich mehr ins Landesinnere ab. Da wird es viel besser! Kleine Siedlungen, einsame Strassen und überall was zu sehen. Das ist schon eher mein Fall.  

       Ystad                                     Ales Stenar                            im schwedischen Hinterland

Turning Torso in Malmö, ein 190m hohes Wohnhaus

Nach einer Nacht auf dem schönen Campingplatz von Kivik fahre ich weiter an der Küste entlang. Die Strecke langweilt. Doch außer der Schnellstrasse sind da nur gesperrte oder Schotterstrassen. Also im Eilzugtempo vorbei an Wald und See. Nach dem Mittag in Karlskrona, einer Großstadt mit viel Marine und Militär. Auch die für mich enttäuschend. Kein Flair, kein Charme und wenig zu sehen. Also weiter. Mehr zufällig stoße ich auf den Rastplatz Bröms, ungefähr 50km südlich von Kalmar. Der ist super ausgestattet und kaum in Nutzung. Dazu führen Pfade zum Friedensstein von 1645, einer alten Mühle und der ehemaligen Burg Brömsehus. Dahinter geht es weiter bis zu den Buchten und kleinen Inseln der Ostsee, wahre schwedische Idylle. Das gefällt viel mehr und ich kann dort ungestört im Wald campen. Mittwoch nach Kalmar. Das Schloss, eher eine Burg, ist eingerichtet wie im 13. bis 15.Jh. Super! Ich kann sogar auf dem Thron Probe sitzen. Die Räume machen viel her und die Schlosskirche ist eine der begehrtesten in ganz Schweden wenn es um Vermählungen geht. Auch der nahe Stadtkern von Kalmar kann sich sehen lassen. Einzige Überraschung: trotz 6. Juni, also schwedischer Nationalfeiertag, feiert niemand großartig. Am Nachmittag der lange Weg nach Eksjö, etwas mehr im Land. Die Stadt schaue ich mir tags darauf an. Im alten Kern dominieren Holzhäuser aus dem 18.Jh. Schön anzuschauen. Gegen Mittag zur nahen Schlucht Surugata. Geologisch selbst von Spezialisten schwer erklärbar existiert eine teils nur 7m breite Schlucht, deren Seitenwände sich vertikal bis zu 35m erheben. Am Grund herrscht ein deutlich kühleres und feuchteres Klima. Sehr interessant. Ich schaffe es dann bis Schloss Brokind, mitten in der Pampa. Wieder zufällig per maps.me drauf gestoßen. Am Schloss eine kleine Schleuse für den Kinda Kanal, dahinter ein Naturreservat, in dem man an einigen Stellen campen kann. Ist ein Stück zu laufen, dafür zelte ich an einem herrlichen See mitten im nirgendwo.     

Idylle bei Bröms                       Schloss Kalmar                      zur Audienz bitte                    Eksjö

Das der Freitag irgendwie nicht so wird spüre ich schon beim Aufstehen. Zuerst ins 30km entfernte Linköping. Dort wartet die nachgebaute Gamle (Alte) Stadt als Freiluftmuseum mit seinen meist roten Holzhäusern. Ganz nett. Eigentlich wollte ich noch ins Stadtzentrum, aber Parken dort ist selbst nach viel Suchen rar und teuer. Also lieber 15km weiter nach Berg mit dem alten Vreta Kloster und der Mündung des Göta Kanals in den See. Um die Höhendifferenz von 25m zu schaffen ist eine wahre Schleusentreppe notwendig. Technisch super und auch sehr sehenswert, obwohl der kleine Ort äußerst touristisch wirkt. Danach beginnt eine Odyssee zwecks Übernachtung. Die Zeltplätze voll, teuer oder kein Preis-/Leistungsverhältnis. Die Hostels  in Schweden haben nur selten gemeinsam genutzte Schlafräume, sehr backpackerunfreundlich. Als ich nach fünf Versuchen entnervt aufs wild zelten umschwenken will fehlt mir aber nach Aufbrauchen noch Trinkwasser. Drei (!) Supermärkte haben keins mehr, und der Tag nervt nur noch. Inzwischen bin ich in Norrköping, und schaue mir im Eiltempo das seit Jahren UMgenutzte industrielle Viertel mitten in der Stadt an. Das hat was, vor allem der sehr breite künstliche Wasserfall. Ein recht bequemes Bett bietet mir schließlich mein Auto, 20km außerhalb auf einem kleinen Parkplatz neben einem See. In dem habe ich am Samstag ein erfrischendes Morgenbad. Neuer Tag - neues Glück. Ganz entspannt die fehlenden Kilometer bis Stockholm zum Campingplatz Bredäng, 10km außerhalb und somit mautfrei erreichbar. Super ausgestattet machen sie hier sogar günstige Preise für Einzelreisende, sonst wird im Land meist der volle Preis angezogen, der für ein Zelt inklusive drei Leute gilt. Das Wetter super, eine Waschmaschine ist nötig und der Rest des Nachmittags wird am nahen Badestrand verbracht.

     kleine Monster                            Schleusentreppe Berg                Norrköping

Surugata, bei Eksjö

4.Woche vom 10. bis 16. Juni 2018
Am Sonntag mit dem Fahrrad hinein nach Stockholm und sich die Hauptstadt zu Gemüte führen. Vor allem die Insel mit der Altstadt, Gamle Stan, sollte sehenswert sein. Ist sie auch, wenngleich ich ein wenig Flair, Charme und Leichtigkeit vermisse. Stockholm wirkt eher nordisch streng und ernst. Das sieht man der Architektur an und spürt es bei den Menschen. Die hübschen Schwedinnen übrigens, scheinen zum Großteil inzwischen nach Dänemark ausgewandert zu sein ;-). Dafür sieht man sehr viele Migranten und Pfandjäger, die im Müll nach PET-Flaschen und Aludosen wühlen. Zurück zu den schönen Dingen. Da wären zum Beispiel jede Menge Museen, auch wenn ich nach dem fünften genug von Ausstellungen habe. Hängen bleiben vor allem die Eindrücke der königlichen Kutschensammlung und das Hallwyl Museum mit einem praktisch komplett eingerichteten Haus aus dem 18./19.Jh, vollgestopft mit Sammlerstücken und Möbeln einer vermögenden Familie. Für mehr Prunk ist die Kirche des Stockholmer Schlosses zu empfehlen und für Klaustrophoben die engen Gassen der Altstadt, allen voran die teils nur einen Meter breite Marten Trotzigs Gränd. Nach all den Sehenswürdigkeiten ist es erst mal gut und ich schiebe einen Ruhetag ein. An dem vorplanen, Einkäufe erledigen und einige Zeit am Laptop sitzen um euch ein weiteres Stück dieser Reise zu präsentieren.   

Schlosskirche Stockholm              der Könige Kutschen                   Hallwyl Museum

                                                                       die schmalste in Stockholm: Marten Trotzigs Grand

Dienstag verlasse ich Stockholm und wende mich nach Westen. Unterwegs halte ich in Eskilstuna, einer überraschend schönen Stadt voller Studenten und Leben. Nördlich davon zum einen die Felsritzung Sigurdsristningen, anscheinend eine Vorlage zur Sage von Siegfried dem Drachentöter. Alt ist sie, und im Fels relativ schwer zu sehen. Alt ist auch das kleine Dorf Torshälla, gleich um die Ecke. Sehenswert, auch wegen der vielen Skulpturen die überall stehen. Das Museum in dem mehr davon zu sehen ist hat heute leider geschlossen. Gezeltet wird heute an einem kleinen See in der Nähe von Glanshammar. Am nächsten Tag ist es nicht weit bis Örebro. Das Schloss mitten in der Stadt kommt wuchtig daher, genau wie die St. Nikolai Kirche. Als Gegenstück dazu der schöne Stadtpark mit dem alten Dorf Wadköping. In Zentralschweden verfügt wohl jede größere Stadt über ein derartiges Freiluftmuseum. Am Nachmittag finde ich einen sehr schönen Platz südlich von Kristinehamn, direkt am großen See Vänern. Der zeigt sich ruhig und spiegelglatt. Perfekt zum zelten und baden. Donnerstag Morgen ein etwas anderes Bild. Starker Wind peitscht das Wasser auf und ein trüber Tag kündigt sich an, der wohl ERSTE seit VIER Wochen. Das ist für Skandinavien wohl sehr ungewöhnlich, aber diese Wetterglück habe ich gern angenommen. Auf dem Weg ein Halt in Karlstadt. Nicht außergewöhnlich wenn man vom Svampen absieht, einem pilzförmigen Wasserturm der mit seinen 60m Höhe gleichzeitig als Aussichtsturm genutzt wird. Danach kommen und gehen Regenschauer, und die Landschaft wird langsam hügeliger. Arvika wird meine letzte Station für heute, eine hübsche Kleinstadt fern der Touristenroute. Freitag ist es nicht mehr weit bis zur Grenze Norwegens. Das Wetter wieder schön und die Landschaft immer sehenswerter. Bereits am Mittag treffe ich in Oslo ein.

Stockholm -  Tre Kroners               Eskilstuna                                 Torshälla

                                                                                                       der Svampen in Karlstadt

Auch wenn man es schon vorher wusste, so schocken die Preise in Norwegen erst einmal. Bereits die unvermeidliche Einfahrt nach Oslo schlägt mit 49 NOK (für den € gibt es etwas mehr als 9 Kronen, also 5,50€) zu Buche und an der Tankstelle sind wir bei 1,85€/l. Autsch. Meine Unterkunft ist das Hostel Vandrerhjem Haraldsheim, ungefähr 5km außerhalb. Zum ersten Mal auf dieser Reise schlafe ich in einem Haus... Weil vom Tag noch genug übrig ist ein Spaziergang in die Stadt um Informationen zu sammeln. Oslo zeigt sich dabei leider wenig sehenswert. Ohne richtiges Zentrum, die Flaniermeile eine normale Einkaufsstraße und viele, viele Baustellen, vor allem am und um den Hafen. In der Touristeninformation und dem DNT-Laden (norwegischer Wanderverein, verantwortlich für die vielen Berghütten) erhalte ich unzählige Fakten, meist wenig erfreulich: Mautgebühren für Städte, Strassen und Tunnel, die Preise für Fährverbindungen und selbst die Übernachtung in den einfachsten Hütten irgendwo in der Bergwelt scheinen mein Budget zu sprengen. Ein abschließender Besuch im Supermarkt rundet dieses Bild ab: Äpfel oder Tomaten 4€/kg, kleiner Käse 8€, Brot 5€ usw. Von Fleisch, Wurst und Alkohol ganz zu schweigen. Samstag: neuer Tag, neues Glück. Trotz “günstiger” Übernachtung (31€) ist ein sehr gutes Frühstücksbüffet inklusive. Dazu feiert das Haus heute seinen 65. Geburtstag und lädt alle zum Grillen ein. Bei schönem Wetter gebe ich der Stadt noch eine Chance und finde Oslo auf den zweiten Blick doch noch schön. Vor allem die Neue Oper, architektonisch einem ins Meer driftenden Eisberg nachempfunden, kann punkten. Auch innen macht sie viel her, das Foyer ist der Hammer und die Toiletten, genauer gesagt das Pissoir, sind äußerst ungewöhnlich. Selbiges kann man vom etwas entfernten Vigeland Park sagen. Ein ganzer Park samt Skulpturen geplant und ausgeführt von nur einem Künstler. Der Ausdruck zwar recht völkisch, aber sehenswert.   

das Oslo aus alten Tagen...      ...und das Oslo heute               die Neue Oper                         Vigelandpark

5.Woche vom 17. bis 23. Juni 2018
Am Sonntag verlasse ich Oslo in Richtung Westen. Auf den Strassen ist wenig los, was nach dem Wechsel auf die E134 bei Drammen noch mehr auffällt. Ein sehr sehenswerter Halt hinter Notodden an der Stabkirche Heddal. Gebaut im 13.Jh kommt sie überragend fotogen rüber. Weiter geht es und damit langsam hinein in die norwegische Berglandschaft. DAS ist genau nach meinem Geschmack. Der See Tinnsjo erinnert bereits an einen Fjord und kurz darauf erreiche ich in einem engen Tal die Anfang des 20.Jh aus dem Boden gestampfte Stadt Rjukan. Mit aufkommender Nutzung der Wasserkraft wurde Rjukan am Reißbrett geplant und bot genug Arbeit im Niemandsland. Einzig die Winter sind sehr verdrießlich weil das Tal genau von Ost nach West verläuft und kein Sonnenstrahl auf den Talboden fällt. Abhilfe schaffen drei große Spiegel hoch oben am Berg, die das Sonnenlicht auf den Marktplatz reflektieren. Nach einigen Schauern laufe ich am schönen Abend noch rauf nach Gvepseborg. Tags darauf graue Wolken und Schauer. Ein paar Spaziergänge durch und um die Stadt herum, mehr passiert nicht. Dienstag bin ich schon früh auf den Beinen und fahre mit dem Auto nach Svineroe. Von da aus geht es zu Fuß auf den 1.882m hohen Gaustatoppen. Der Ausblick vom Gipfel überwältigend, bei klarer Sicht sieht man ein Sechstel von Norwegen. Heute Morgen ziehen einige Wolken durch und der stürmische Wind mit Orkanböen lässt die gefühlte Temperatur klar unter 0°C sinken, also schnell wieder runter. Der Sturm begleitet mich dann auf der Weiterfahrt. Eine tolle Landschaft zieht vorüber, doch ab Haukeli nur noch niedrige Wolken, Regen und auf 1.000m Höhe einige Schneefelder. Mein Ziel: Odda, an einem Fjord gelegen. Bei dem schlechten Wetter übernachte ich lieber im Auto. Das Wetter wird am nächsten Tag nicht besser. Tief hängen die Wolken im Tal und die Vorhersage verspricht keine schnelle Besserung. Also nichts mit: hinein in die Berge. Statt dessen greift eine Idee die ich bereits seit Oslo spinne. Aus Abenteuerlust und Spargründen packe ich meinen großen Rucksack mit allem Nötigen, was Zelt und Küche beinhaltet, aber sonst vieles weglässt. So stelle ich mich am Donnerstag Morgen in Odda an die Strasse.  

Stabkirche Heddal                  norwegische Idylle                   in Odda                                 Blick vom Gaustatoppen

Schnell sind die ersten Kilometer bis Tyssedal und später Kinsarvik geschafft. Danach wird es zäh und ich stehe geschlagene zweieinhalb Stunden an einer kalten und zugigen Ecke. Doch Geduld zahlt sich aus. Zuerst bringen mich zwei junge Polinnen bis Voss(evangen), wo ich am letzten Kreisverkehr gerade meinen Rucksack abstelle als auch schon ein Mercedes SUV anhält. Die Fahrerin und ihr unheimlich lieber Dobermann nehmen mich die ganzen 100km bis Bergen mit. Obwohl sie 15km auswärts lebt, macht sie mit mir trotz Maut noch eine kleine Stadtrundfahrt und setzt mich praktisch vor der Tür des Hostels ab. Vielen Dank! Meine Wahl: der Stadtteil Montana, etwas außerhalb, aber mit unschlagbarem Blick auf Bergen. Dazu liegt der Hausberg der Stadt, der Ulriken, vor der Tür. Den besteige ich am Abend gleich noch für einen ersten Eindruck von Bergen. Freitag dann hinein in die Stadt. Vor allem um den alten Hafen herum ist das Zentrum sehr sehenswert, noch dazu wenn wie diese Tage gleich drei große Segler vor Anker liegen. Da passen die alten Handelshäuser perfekt dazu. Gleich um die Ecke der Fischmarkt, inzwischen zur Touristenfalle verkommen. Eckdaten: Kleines Fischfilet mit Kartoffelsalat: 32€, das Kilo Hummer zu 150€. Ab 1,80€ die öffentliche Toilette, meist nur mit Kreditkarte zu öffnen bzw. zu bezahlen. Noch zu erwähnen: hübsches Zentrum,  eine tolle (Johannes) Kirche und wenn man freundlich fragt geben einem die Mitarbeiter des Clariott Hotels eine elektronische Zimmerkarte um auf den Turm des Hauses zu gelangen. Von da hat man einen wunderbaren Blick auf den Hafen. Der Samstag recht trüb und nieselig. Genau richtig für mich, so kann ich den ganzen Tag recherchieren und planen. Nicht zu vergessen: König Fussball. Wir schlagen zwar Schweden mit knapper Not, doch mir schwant Schlimmes für diese deutsche Mannschaft... 

der Latefossen bei Odda          *Bergen - ein Überblick            Bergen am Hafen...                  ...die alten Handelshäuser

6.Woche vom 24. bis 30. Juni 2018
Am Sonntag nach dem Frühstück packen und weiter nach Stavanger. Ein Mitarbeiter vom Hostel hatte mir einen idealen Anhal- terplatz am Stadtrand erklärt, den ich mit Bus und Straßenbahn erreiche. Das Wetter trüb, aber trocken. Nach zehn Minuten hält ein junger Norweger, der gerade von einer Hochzeitsfeier kommt - und nach Stavanger will. Lucky Lutz. Wir verstehen uns ausgezeichnet, was die 200km lange Reise inklusive zwei Fährverbindungen sehr angenehm macht. 15 Uhr setzt er mich am Hostel ab. Die Zeit reicht noch für einen Bummel durch die Stadt. Die ist weniger aufregend als Bergen, aber auch weniger touristisch. Das alte Quartier komplett mit weißen Holzhäusern und am Hafen das futuristische Ölmuseum. Am nächsten Morgen schnell zum “Sverd i fjell”, drei riesige Schwerter im Fels, eine Erinnerung an die Norwegen einigende Schlacht von 872. Danach mit Sack und Pack wieder an die Strasse. Es sind “nur” 40 km bis zur Fähre in Lauvvik, was ich in zwei Stunden mit zwei Autos schaffe. Eines davon ein Tesla. Super mal in so einem Wagen voller Hightech zu sitzen. Schnurrt so leise wie ein Kätzchen und geht ab wie ein Tiger. Der Blick dann von der Fähre in den Lysefjord hinein ist wenig vielversprechend: graue, tief hängende Wolken, dabei sollte es doch schön werden. Von Oanes noch ein Stück bis zum Campingplatz Preikestolen und dort das Zelt aufbauen. Am Nachmittag kommt die Sonne raus und ich steige die 7km zum Felsen Preikestolen hinauf. Super timing, denn mir kommen viele Leute entgegen. Das macht Hoffnung das einer der meist besuchten Plätze in Norwegen nicht total überfüllt ist. So wird es auch, denn bei meiner Ankunft sind da vielleicht 30 Leute. Der Felsen? SPEKTAKULÄR!!! 600m über dem Fjord, mit einer sehr ebenen Fläche und zu drei Seiten senkrecht in den Fjord abfallend. Ich finde dann den Pfad rauf auf weitere Felsen, ein Tipp von Schweizern im Stadtbus Bergen, und kann dieses geologische Drama super mit der Kamera einfangen. 

Stavanger - Altstadt               Stavanger - Sverd i fjell          auf dem Preikestolen               der Preikestolen

Am Dienstag klingelt der Wecker 4 Uhr. Schnell packen und einen Kilometer zur Strasse laufen. Es klappt mit dem Trampen auf Anhieb und ich bin schon 5.15 Uhr in Forsand. Statt die Touristenfähre (340 NOK - 38€) drei Stunden später zu nehmen, die noch dazu ewig braucht, habe ich eine Expressfähre um 6 Uhr gefunden, für 120 NOK. So bin ich bereits zur Frühstückszeit in Lysebotn, am Ende des Lysefjord. Der Himmel grau, doch es reißt bald auf und ich starte zum Kjeragbolten. Vom Parkplatz in Oygardsstolen sind es nur 7km, aber es geht dabei 700m bergan und man läuft häufig auf nacktem Fels. Der ist im Trockenen wenigstens griffig. Der Ausblick auf den Fjord wie auch die weite Umgebung ist traumhaft, die Landschaft mit runden Felsen ohne Bäume einfach nur schön. Dann der Kjeragbolten: ein kleiner Fels, der 1.000m über dem Fjord in einer Spalte klemmt.
Kein Seil, kein Geländer, kein Haltegriff. Es braucht einen großen Schritt und eine gehörige Portion von Mut sich da drauf zu stellen!!! Am nächsten Tag erneut zeitig Aufstehen und mit der Expressfähre zurück nach Forsand. Vielleicht lag es am frühen Morgen oder es war einfach nur Glück, aber die “Schaffnerin” nimmt mich kostenlos mit. Das Glück bleibt mir an der Strasse treu. Erst sind es nur kürzere Strecken, einer davon ein sehr lebensfroher Mann, der GENAU 30 Jahre älter ist als ich. Nach der Fähre in Hjelmeland dann ein Ärztepaar aus Dänemark/Kanada die sich bei einem Hilfseinsatz in Bangladesch kennengelernt haben. Das gab Gesprächsstoff für Stunden, denn sie nehmen mich die fehlenden 150km bis Odda mit. Dort parkt seit einer Woche mein Auto. Es mag komisch klingen, aber mir ist ein ganz klein wenig wie nach Hause kommen. Das erhoffte Abenteuer “Anhalter”? War eine tolle Idee, hat super geklappt und mir Benzin-, Maut-, Park- und Fährkosten von ca. 250€ erspart.    

Blick über Lysebotn                  der Weg zum Kjeragbolten        mein Foto des Jahres             Lyse (Leiser) Fjord

Per Anhalter bin ich am Donnerstag gleich wieder unterwegs, diesmal mit dem Wanderrucksack. Von Odda bis Skjeggedal, dem Startpunkt einer sehr bekannten Wanderung, sind es nur 20km, wofür ich mit Wartezeit keine Stunde brauche. Das Parken dort kostet 500 NOK (55€). Verrückt! Wer sich die nächsten 400 Höhenmeter ersparen will zahlt in Magelitopp sogar 600 NOK!!! Ich laufe die fälligen 14km vom unteren Parkplatz. Der Weg bietet sehr schöne Blicke auf den Stausee Ringedalsvatnet, ist aber sonst weniger aufregend als in den letzten Tagen. Trolltunga (Trollszunge) ist dann eine 10m lange, spitz zulaufende Felsnase 700m über dem See. Spektakulär, aber viel zu überlaufen. Für das Foto muss ich eine halbe Stunde anstehen, wobei der böig stürmische Wind einen auskühlt und den Gang bis ganz nach vorn wirklich gefährlich macht. Insgesamt? Mittlere Note für dieses Highlight. Auch zurück nach Odda klappt das Trampen hervorragend und es bleibt noch genug Zeit bis Kinsarvik zu fahren und dort einen Platz zum Zelten zu finden. Bei weiterhin genialem Wetter am Freitag der nächste Ausflug in die Berge. Von Kinsarvik aus folge ich flussaufwärts dem Kinso. Hintereinander liegen da die Wasserfälle Tveita-, Nyastol-, Nykkjesoy- und Sotefossen brüllend und lärmend am Weg. Am Sotefossen zeigt die Uhr gerade mal 12, zu früh für eine Umkehr. Also auf einem alpinen Pfad sprich steil, unwegsam und teils gefährlich, hoch auf das Felsplateau Hardangervidda. Ist die größte Hochebene Europas und um die 1300m hoch. In den nächsten sechs Stunden begegne ich keiner Menschenseele und laufe teils querfeldein durch eine sehr sehenswerte Landschaft. Es werden viele Kilometer und sehr viele Höhenmeter, aber das hat sich wirklich gelohnt. Am Abend noch ein sehr erfrischendes Bad im Fjord, denn wer wild zeltet hat keine Dusche zur Verfügung.        

Trolltunga und Ringedalsvatnet   Trolltunga und ich                 der Tveitafossen                      der Nyastolfossen

Wetterbericht Samstag: blauer Himmel, Sonnenschein. Morgens noch einige Besorgungen in Kinsarvik, dann weiter. Ich helfe einem Anhalter aus Russland 40 km weiter, weiss ja selbst wie es ist an der Strasse zu stehen. In Eidfjord ein Besuch der Touristeninformation, wo ich zufällig sogar ein Buch von mir verkaufen kann. Die Damen dort geben mir nützliche Tipps, einer davon führt mich zum Bauernhof Kjaesen. Der liegt 600m über dem Fjord und ist erst seit den 80ger Jahren über eine schmale Strasse zu erreichen. Bis dahin war Jahrhunderte lang ein absurd steiler Pfad, der gefährlich nah am Abgrund entlangführt, die einzige Verbindung zur Außenwelt. Kinder gingen auf diesem Weg zur Schule und alles Baumaterial musste da hinauf geschleppt werden. Immerhin eine sehr exklusive Lage, mehr Sonne, eine bessere Ernte und mehr Jagdmöglichkeiten als im Tal.

*Hardangervidda                    Hardangervidda                       der Start zur Kjaesenfarm         Blick von Kjaesen auf Eidfjord

Am Nachmittag bin ich zurück von der Schweiß treibenden Tour und halte an einem Badeplatz am Fjord. Den hatte ich schon auf der Herfahrt gesehen. Norweger liegen in ihrer Freizeit gern am “Strand”, aber nur die wenigsten gehen ins Wasser. Bei 15°C Wassertemperatur verständlich. Nach dem SEHR erfrischenden Bad weiter auf der Strasse 7 nach Osten. Die Tunnel bei Mabo führen ordentlich bergan und teils 360° im Kreis. Gleich dahinter das Auto abstellen und in den engen Canyon absteigen.

Am Ende des Tales stürzt der Voringfossen aus 183m Höhe herunter. Ein imposanter Wasserfall mit zwei Regenbögen.Nur ein paar Kilometer weiter der Stausee Sysenvatn mit dem Gletscher Hardanger im Hintergrund. Danach führt die Strasse praktisch am Rand der Hardangervidda entlang, was tolle Eindrücke von der Hochebene vermittelt.  Hinter Geilo biege ich auf die 50 ab, eine kleine Verbindungsstrasse nach Nordwesten. Noch weniger Verkehr und tolle Landschaften. An einem Wasserfall mein Essen kochen und später am Strandavatn das Zelt aufschlagen. Das nenne ich die totale Freiheit. Losfahren wann immer man will, sich treiben lassen und anhalten wo immer es einem gefällt. Pläne sind nur grob, es ist der Eindruck vor Ort der zählt.

der Voringfossen

7.Woche vom 1. bis 7. Juli 2018
Am Sonntag weckt mich das Gebimmel von Glocken. Eine kleine Schafherde grast direkt vor meinem Zelt. Die Sonne steht bereits recht hoch (Sonnenaufgang 3.20 Uhr) und es scheint erneut ein herrlicher Tag zu werden. Frühstück am See. Danach eine kleine Wanderung auf den Einsetnuten, entdeckt auf einer örtlichen Karte. Das Land sorgt in fast jeder Kommune dafür das man als Reisender informiert wird, vielen Dank. Der Berg ist mit 1245m nicht besonders hoch, man hat aber vom Gipfel einen unschlagbaren Blick auf umliegende Berge, Gletscher und Seen. Leute, das ist eine Ruhe und ein Frieden hier oben. Nur schwer zu beschreiben, dafür um so intensiver zu erleben. Ein Traum für mich. Norwegen wird immer mehr zu (m)einem Paradies, “spielt” in einer Liga mit Neuseeland, den kanadischen Rockies, Teile der Anden und dem Himalaya. Mit diesem beschwingten Gefühl weiter durch den Tag. Die 50 ist nach wie vor sehr sehenswert und bei dem geringen Verkehr kann man auch mal direkt auf der Strasse für ein Foto halten. Vor Aurland dann die steile Abfahrt auf einer sehr schmalen Strasse mit engen Tunneln in denen es sogar Haarnadelkurven gibt. Touristen mit großen Wohnmobilen steht bei solchen Strecken wohl der Schweiß auf der Stirn. Pause mache ich in Flam. Oh je, was für ein Kulturschock. Kreuzfahrtschiffe, Fjordrundfahrten, Fähren, ein wichtiger Zugbahnhof, so viele Busse und Wohnmobile. Das ist nach der Stille der letzten Tage zu viel für mich. Schnell weiter. In Gudvangen ist es nur etwas besser. Das kleine Dorf scheinbar ein einziger Souvenirladen. Meiner “Nase” folgend nehme ich die kleine Strasse in den Naeroyfjord hinein. Gleich nach einem sehr engen Tunnel kehrt die Ruhe zurück. Für Busse, Wohnmobile und selbst Wohnanhänger ist die Strecke praktisch unpassierbar und sie endet in Bakka ohne großen Parkplatz oder Wendeschleife. Mein Ziel, der Campingplatz Dyrdal, ist klein und mehr ein Bauernhof, doch mit welch einer Lage. Man zeltet auf kleinen Rasenterrassen unterschiedlicher Höhe direkt am Fjord. GENIALER geht es nicht, exklusiver wohl kaum. Jede Stunde kommt eine Fähre vorbei, ansonsten herrscht Stille, wie in einem vergessenen Tal. Am nächsten Morgen mit den Wanderschu- hen los. Bei den engen und teils senkrechten Fjorden kann es nur steil bergan gehen. Der Rimstigen ist einer der bekanntesten Wege hier. Auf 750m Höhe hat man einen schönen Blick über Teile des Naeroyfjord, aber das reicht mir nicht. Ich folge dem Pfad durch ein hängendes Tal, steige neben einem Wasserfall steil bergan, umrunde einen Bergsee, kreuze Schneefelder und folge meinem Instinkt, die Berge betreffend, bis zu einem unbeschriebenen Aussichtspunkt. Was für ein Blick in den Naeroyfjord. Der Tag klingt dann auf “meiner” kleinen Terrasse aus. Essen, lesen und träumen mit Blick auf den friedlichen Fjord.

Blick vom Einsetnuten              auf dem Rimstigen Weg           sieht kälter aus als es ist          *Naeroy (schmaler) Fjord

Am Dienstag das nächste Stück Norwegen. Zunächst zurück nach Flam und Aurland. Dort führt eine schmale Strasse hinauf zum Aussichtspunkt Stegastein, wo eine Art Balkon wunderbare Ausblicke auf den Aurlandfjord und den Sognefjord bietet. Noch grandioser wird es einige hundert Meter höher vom Gipfel des 1365m hohen Prest, von wo aus einem die Landschaft praktisch zu Füßen liegt. Ich könnte weiter auf der 243 nach Laerdal fahren, aber da liegt noch eine Sehenswürdigkeit tief unter mir. Zwischen Aurland und Laerdal führt die E16 durch den mit 24,5 km längsten Straßentunnel der Welt, und das ohne Mautgebühr. Alle 6 km kann man in einer großen Halle halten und sogar wenden. Diese Hallen sind speziell beleuchtet und Glet- scherhöhlen nachempfunden. Also: wenn schon unterirdisch, dann wie im Laerdaltunnel. Kurz dahinter setze ich mit der Fähre nach Mannheller über und übernachte südlich von Gaupne. Abendessen und Frühstück auf einem Picknickplatz mit schönem Blick auf den Fjord. Mittwoch fahre ich das sehenswerte Jostedal hinauf, immer in der Nachbarschaft eines türkisfarbenen Schmelzwasserflusses. Hinter Gjerde am Gletscherzentrum parken und zum Nigardsbreen laufen, der ein Teil des größten europäischen Festlandsgletschers Jostedalsbreen ist. Schon von weitem sieht man wie er zu Tale kriecht und an seiner Zunge bricht das Eis in allen Formen und Farben. Cool, im wahrsten Sinne des Wortes. Gegen Abend eine Pause in Skjolden, am Ende des 204 km langen Sognefjords. Im selbigen baden und danach ein Stück hinauf in die Berge. Mein Zelt schlage ich in der Nähe vom schön gelegenen Turtagro Hotel auf, eine Ansammlung von Gebäuden an der Grenze zum Jotunheimen Nationalpark.

* Aurlandfjord, vom Prest aus    Laerdaltunnel                        der Nigardsbreen von fern...     ...und nah

Am nächsten Morgen weckt mich mal wieder das Gebimmel von Schafsglocken. Die laufen hier aber auch überall in kleinen Grup- pen herum. Schönes Wetter, auch wenn die Gipfel noch in den Wolken stecken. Wenn ich etwas in den norwegischen Bergen gelernt habe, dann, das im Gegensatz zu den Alpen, Wetter und Sicht meist erst gegen Mittag richtig gut werden. Also schön langsam los. Anfangs geht es lange durch ein Tal, an dessen Ende der Pfad dann steil ansteigt. Ziel ist die Fannarakhytta auf 2068m Höhe. Bei der Ankunft da oben bleibt mir fast der Mund offen stehen. Mit einem Mal liegt das Panorama des National- parks mit all dem Schnee, Eis und felsigen Gipfeln vor mir. Wunderschön. Dem Hinweis eines deutschen Paares folgend steige ich auf einem anderen Weg ab und habe die tolle Aussicht noch ein ganzes Stück länger, bevor ich über Schneefelder und vorbei an Gletscherseen wieder zum Zelt zurück kehre. Das abendliche Bad im Fluss tut gut, wobei Gletschertöpfe im Flusslauf wie eine Badewanne funktionieren und das Wasser nach meiner Schätzung erstaunliche 18°C warm ist.     

am Sognefjord                        wildromatisch zelten                Blick von der Fannarakhytta auf den Jotunheimen Nationalpark

Freitag die Sachen packen und weiter. War echt schön hier und der wilde Zeltplatz ideal. Auch heute kann ich mir Zeit lassen. Das Wetter zeigt sich ausnahmsweise trüb und dabei sollte es auch den ganzen Tag bleiben. Auf der 55, der Sognefjellstrasse, fahre ich am Jotunheimen Nationalpark entlang. Bekannt als eine der schönsten Strassen Norwegens bietet sie wirklich schöne Ausblicke, die allerdings längst nicht mit denen mitten aus den Bergen mithalten können. Vor Lom biege ich kurz entschlossen auf die Mautstrasse nach Spiterstulen ab. Die führt schmal und schlaglochreich 18 km das Visdal hinauf. Am Ende die Station Spiterstulen, mit großem Parkplatz, Hotel, Hütten und einem Platz für Zelte auf der anderen Flussseite. Nur die Atmosphäre erscheint mir sehr unangenehm, und somit leider ganz anders als am Turtagro Hotel. Kalter Wind und graue Wolken passen da nur all zu gut dazu. Samstag brennt die Sonne nach dem Frühstück die letzten Wolkenreste weg und mit einem Mal erscheint dieses Fleckchen Erde doch schön. Ich breche 10 Uhr zum Galdhoppigen auf, den mit 2.468m höchstem Berg von Norwegen und Nordeuropa. Am Wochenende und bei dem herrlichen Wetter ist der Aufstieg beinahe einer Art Prozession, denn viele Leute sind unterwegs. Doch das stört keineswegs. Steil ist der Weg, später kommen große Schneefelder, viel Geröll und Felsen dazu. Kein leichter Weg, keinesfalls. Doch dann steht man da oben und blickt auf so viele Gipfel. In der norwegischen Mythologie wird der Jotunheimen mit seinen Bergen als Wohnort der Götter beschrieben. An einem Tag wie diesem kann ich das mehr als verstehen. Mit einem tiefen Gefühl der Zufriedenheit kehre ich ins Tal zurück. Das wirkt heute so freundlich und ganz anders als gestern. In der wärmenden Nachmittagssonne sitzend fällt die Entscheidung leicht noch eine weitere Nacht zu bleiben.  

die Sognefjellstrasse                Spiterstulen am Morgen            *vom Gipfel des Galdhoppigen    eine Welt in Schnee und Eis

8.Woche vom 8. bis 14. Juli 2018
Der Sonntag beginnt erneut mit traumhaften Wetter. Nach dem Frühstück packen und weiter. Die Kilometer bis Lom sind fix geschafft. Der Ort voller Touristen, doch das blende ich aus. Die Stabkirche herrlich fotogen, dazu ein Freiluft Museum nebst  tosendem Wasserfall. Das gefällt. Danach folge ich dem breiten Tal nach Westen, wo einige schöne Wasserfälle direkt am Weg liegen. Am Horizont baut sich inzwischen wie versprochen eine dicke Wolkenbank auf. Bei Grotli auf die 258, genannt “Gamle Strynsfjellvegen”, abbiegen. Das ist eine schmale Passstrasse über die Berge aus alten Zeiten, meist aus Schotter und mit großen Steinen als Leitplankenersatz. Dafür mit Charakter und freiem Blick. Am Ende die steile Abfahrt von über 1.000m Höhe runter auf Meeresspiegelniveau. Die Ankunft in Hjelle am späten Nachmittag. Die Berge ringsum leider schon in Wolken, aber der Weiler direkt am See kann auch so bezaubern. Das Abendessen in einem kleinen Pavillon von 1903 direkt am See. Der ist komplett ausgestattet: Tisch, Bänke und sogar Strom. Wie für mich gemacht. Geschlafen wird heute im Auto etwas außerhalb, denn heftige Regenschauer ziehen durch. Montag früh zeigt sich der Himmel noch bewölkt, aber es reißt bald auf. Und DANN zeigt Hjelle all seine Schönheit. Ein stiller See, fast wie ein Spiegel. Dahinter steil aufragende Berge, intensiv grün und mit eisig weißer Spitze. Bin glücklich. Frühstück mit diesem Blick direkt am See. Und weiter, auch wenn es schwer fällt sich loszureißen.

Stabkirche Lom                     Gamle Strynsfjellvegen             Hjelle am Morgen                    *Panorama Hjelle

Ich fahre etwas zurück, diesmal auf der neuen 15 mit vielen langen Tunneln bis zur 63. Dann nach Norden zum Geirangerfjord. Unterwegs am Aussichtspunkt Dalsnibba halten. Die 5km lange Mautstrasse kostet mit Auto 140 NOK, da laufe ich lieber. Oben passt das Timing noch nicht, auf 1.470m ziehen letzte Wolken durch. Während der Abfahrt lösen die sich auf. Durch zwei Kreuzfahrtschiffe im Fjord sind viele Busse unterwegs und verstopfen die schmale Strasse mit Haarnadelkurven. Ganz schlimm ist es am Flydalsjuvet. Doch das Motiv, das so viele Prospekte und Plakate schmückt, sehen die wenigsten, denn dafür muss man einen versteckten und gefährlichen Pfad hinunter, anscheinend fast unbekannt. Ich bin da mit ein paar Tschechen allein und wir können uns ganz in Ruhe gegenseitig fotografieren wie wir auf der Klippe stehen. Klasse. Später eine Wanderung am Fjord, mit 550 Höhenmeter recht beschwerlich und letztlich kaum lohnend. Zur Erfrischung ein Bad im Fjord, wobei das Wasser keine 13°C hat. Danach nur weg von hier, denn da sind mir zu viele Menschen auf zu wenig Raum. Am See Eidsdalsvatnet zieht dann wieder Ruhe ein. Dienstag früh schnell packen und los. So bekomme ich ohne Warterei die Fähre nach Linge und erlebe Gudbrandsjuvet und den Blick auf Trollstigen praktisch touristenfrei. Die Abfahrt auf der schmalen und kurvenreichen Trollstigen ebenso stressfrei und mein Frühstück gleich darauf an einem sehr schönen Picknickplatz. Weiter sind es nur einige Kilometer bis Andalsnes. Dort das Auto parken und gleich zum Wanderweg Romsdalsvegen. Er wird als einer der schönsten in ganz Norwegen beschrieben, und ich kann dem bald nur Recht geben. Die Aussicht ist SPEKTAKULÄR. Wohl so weit das Beste in diesem Land. Groß beschreiben muss ich das nicht, die Fotos sind besser dafür geeignet. Teils führt der Pfad über einen sehr schmalen Grat mit Klettereinlagen. Links und rechts fallen die Wände bis zu 800m senkrecht ab, Bauchkribbeln garantiert. Ich klettere als einer der wenigen bis zum Gipfel des Blanebba auf 1320m, was sich wirklich lohnt. Ein genialer Tag.   

Geirangerfjord                             *Romsdalsvegen                          *Blick vom Blanebba

 kleiner Mann ganz groß

Mittwoch: schon wieder schönes Wetter, oder immer noch? Mein Körper ist langsam müde nach all den Touren durch die Berge.  Einmal muss er aber noch ran. Nach dem Frühstück fahre ich hinauf zum Parkplatz Trollstigen und stelle da das Auto ab. Der Pfad dahinter schlängelt sich alpine Wiesen hinauf bis eine wüste Kletterei über Geröllhalden und Felsen beginnt. Schnell gewinne ich an Höhe und kreuze bald Schneefelder oder laufe neben Gletscherseen auf denen Eisschollen schwimmen. Bis zum Ziel, Trollvegen, sind es harte zweieinhalb Stunden. Diese Felswand erhebt sich senkrecht bis zu 1.800m aus dem Tal und ich stehe an ihrem oberen Rand mit Blick in den Abgrund. Stark. Da werden einem wirklich die Knie weich. Die atemberaubende Sicht reicht das Tal hinunter bis Andalsnes. Genial. Der Abstieg beginnt bald darauf, denn Wolken entwickeln sich am Horizont und deren Form kenne ich aus den Bergen. Zehn Minuten nach der Ankunft am Auto fängt es auch an zu regnen. Glück gehabt. Nun liegen noch einige Autokilometer vor mir bis ich am frühen Abend an der Küste in Alesund eintreffe. Nach all den kräfte- zehrenden Abenteuern braucht mein Körper unbedingt eine Pause, also mal im Hostel übernachten. Das Wetter hat auch ein Einsehen und hängt zwei Tage lang zähen Küstennebel über die Stadt. So können sich Körper und Geist richtig erholen und am Frühstücksbuffet stelle ich wohl Rekorde auf was die Menge des verzehrten Essens betrifft... Nebenher wird in kleinen Runden Alesund erkundet. Nette  Stadt, hübscher Jugendstil an allen Ecken und Enden. Am Samstag ist dann Schluss mit Ausruhen. Vormittags hinauf auf den nahen Sukkertoppen, von dessen Gipfel man einen tollen Blick auf Alesund genießt. Perfekterweise reißt auch die Wolkendecke auf und zeigt die Gegend im schönsten Licht. Noch ein Ausflug auf die mit Tunneln und Brücken verbundenen Inseln ringsum und weiter nach Vestnes, um von da mit der Fähre nach Molde über zu setzen. Dort finde ich ein Stück über der Stadt einen genialen Picknickplatz an einem Ministausee mit Bademöglichkeit und einer Wiese für mein Zelt.

Trollvegen                             Trollstigen                             Alesund                                Alesund

9.Woche vom 15. bis 21. Juli 2018
Am Sonntag Vormittag ein Spaziergang durch die Wälder zu einer Skihütte mit Ausblick. Später dann der obligatorische Bummel durch die Stadt. Molde präsentiert sich herrlich verschlafen, und das wo doch morgen eines der europaweit größten Jazz Festivals beginnt. Bei dem schönen Wetter endet der Tag mit Baden im See und einem Sonnenuntergang auf dem Varden mit Gipfelpanorama. Das schaue ich mir am nächsten Morgen gleich noch mal an. Das man wirklich 200 Gipfel sehen kann ist wenig wahrscheinlich, steht aber so im Reiseführer. Auf der 64 verlasse ich Molde und parke eine halbe Stunde später das Auto um in die Berge zu wandern. Bei herrlichem Sonnenschein brauche ich etwas mehr als eine Stunde bis Trollkyrkja. Das sind Höhlen, teilsweise aus Marmor, durch die ein Bach fließt. Der unterirdische Gang ist recht beschwerlich und abenteuerlich. Man folgt im Schein der Taschenlampe dem gewundenen Bachlauf über glatte Steine bis in eine hohe Höhle. Dort dringt Tageslicht durch ein Loch in der Decke, welches ebenso Startpunkt eines kleinen Wasserfalls ist. Coole Geschichte. Eine weitere Höhle erreicht man über eine SEHR abenteuerliche Leiter. Nach dem Mittag bleibe ich auf der 64, die bald darauf zur Atlantikstrasse wird. Kühn schwingt sich das Asphaltband über Brücken von einer kleinen Felseninsel zur nächsten. Muss bei Sturm einen fantastischen Anblick geben. Doch ich behalte lieber mein sonniges Wetter. Das auf dem Weg liegende Kristiansund lasse ich dann aus, fahre ein Stück auf der 64 zurück und auf der 279 und E39 zur Fähre nach Kanestraum. Die Szenerie unterwegs ist herrlich und ein kleiner Berg auf der Insel Bergsoya bietet tolles Panorama. Ab Halsa die Suche nach einer Stelle zum Zelten, doch da passt nichts. Recht spät noch einen Abstecher nach Hoston, wo ich dann aber einen tollen Platz direkt am See finde. 

Panorama über Molde              Höhle Trollkyrkja                    Beginn der Atlantikstrasse         Atlantikstrasse                  

Nach dem Frühstück am See die Sachen packen und eine Stunde später in Trondheim eintreffen. Wäre die eine Strasse nicht wegen Bauarbeiten komplett gesperrt gewesen, wäre es mir mit Haken schlagen gelungen die Stadtmaut zu umgehen. Wäre... Egal, sind nur ein paar Kronen. Einen halben Tag bummle ich durch die drittgrößte Stadt Norwegens, die sich gar nicht so groß anfühlt. Sehenswerte kleine Gassen mit alten Holzhäusern und über der Stadt die alte Festung. Kaum atemberaubend, aber hübsch. Am späten Nachmittag verdunkeln Gewitterwolken den Himmel und ein paar Schauer ziehen durch. Da bin ich schon auf dem Weg nach Norden. Fotostopp in Hell. Der Ortsname bedeutet in norwegisch: Erfolg - und in englisch: Hölle. Nun kann ich also sagen: I was in hell ;-). Weiter nach Stiklestad, einem der ganz großen Wallfahrtsorte in Europa. Ich sage nur: heiliger
St. Olav. Wer mehr wissen will: Wikipedia. Zu sehen gibt es jedoch wenig. Kirche, Kapelle und ein paar verstreute Gebäude aus ganz alten Zeiten. Immerhin beschreibt mir im großen Besucherzentrum ein Rezeptionist einen schönen Platz am nahen Fluss. Den hätte ich selbst nie gefunden. Am Mittwoch weiter nach Norden. Der erste Halt schon bald in Steinkjer. Das Wetter schwülwarm, die Luft zum Schneiden dunstig. Trotzdem eine kleine Wanderung hoch auf den Oftenasen. Das spezielle ist der übergroße Stuhl mit Blick über die Stadt. Weil keiner sonst hier ist: Fotos mit Selbstauslöser. Um dann noch rechtzeitig auf den Stuhl zu kommen muss ich ganz schön springen;-) Bei der Hitze, 32°C, erfrischt danach ein Bad im Fluss. Als dunkle Gewitterwolken aufziehen fahre ich weiter und schaffe noch 190km bis Myvatn, wo eine hübsche Bucht zum Nachtlager wird. 

Trondheim, am Nidelva                in den Gassen Trondheims            auf dem Oftenasen

                                                                                                           what a (the) hell ;-))

Das nächste Frühstück am See unter einem grauen Himmel. Regen ist versprochen, bleibt aber nicht lang. Gut das es derzeit passiert, denn die Gegend bietet wenig für mich und beim Auto fahren stört das trübe Wetter kaum. Hinter Myvatn biege ich von der ungeliebten E6 auf die schmale und wenig befahrene 274/273 ab. Das gefällt mir schon mehr. Später auf die 73 und ein Abstecher nach Schweden. Das ist zwar ein Umweg von 80km, aber ich erspare mir auf der E6 vier Mautstellen und kann in Hemavan günstig einkaufen wie auch tanken. Das Benzin ist in Schweden satte 30 Cent pro Liter günstiger. Bei der Rück- kehr auf norwegisches Gebiet übernachte ich erneut an einem See. Freitag wird das Wetter mit jedem Kilometer schöner und in Mo i Rana scheint die Sonne vom wolkenlosen Himmel. Die Touristeninformation in der Stadt hat einige Tipps für mich. Einem folgend stelle ich das Auto am Stadtrand ab und versuche mal wieder ein Stück per Anhalter. Die 40km bis Fisktjonna sind schwierig, denn die kleine Strasse wird immer einsamer. Ich schaffe es aber und werde mit dem Marmotslottet belohnt. In dieser kleinen Schlucht kreuzt der Fluss ein Marmorvorkommen und hat dieses pittoresk ausgewaschen. Echt interessant. Zurück nach Mo i Rana braucht es eine ordentliche Portion Glück, weil praktisch kein Auto mehr unterwegs ist. Doch das eine nimmt mich gleich die ganze Strecke mit. Am frühen Abend mit dem eigenen Wagen auf die viel beworbene Küstenstrasse 17. 

E12, vor Mo i Rana                   *Marmotslottet                      Marmotslottet                       Klasse Picknickplatz

Die beginnt recht “normal” und ich frage mich schon was der ganze Hype darum soll. Immerhin finde ich einen Rastplatz mit herrlich weichem Rasen und sternförmig angelegten Parktaschen. Ideal zum Zelten. Ein Abendspaziergang führt auf den Hügel dahinter. Dabei zeigt sich ein Berg den ich mir morgen unbedingt näher anschauen will. Samstag nach dem Frühstück in die Wandersachen und los. Der Berg der mich so interessiert ist scheinbar komplett kahl. Die felsigen Konturen sind rund und abgeschliffen. So was sieht man selten. Ein kleiner Pfad führt bis zu einer Hütte. Dahinter ist Schluss mit Wegkennzeichen und ich steige “frei Schnauze” auf. Die Ansicht täuscht. Der Berg ist steiler und höher als er aussieht. Hinter jeder felsigen “Welle” verbirgt sich eine kleine grüne Oase mit Teich oder Bach. Schwierig da voran zu kommen, aber die Abenteuerlust treibt mich bis auf den Gipfel in erstaunliche 973m Höhe. Lohn der Mühe: eine fantastische Aussicht. Das zaubert einfach so ein Lächeln in mein Gesicht. Gebadet wird heute in einem der Teiche am Berg, gespeist von einem glasklaren Bach. Auch wenn es hier sehr schön ist fahre ich noch am selben Tag weiter. Wer weis wie lange das tolle Wetter hält. Die Küstenstrasse fängt nun an das Versprochene zu halten. Hinter jeder Kurve wartet ein neuer Eindruck, ein neues Bild: schroffe Berge die praktisch direkt aus dem Meer ragen, Inseln jeder Größe, Fjorde und ein Meer in allen Nuancen. Beeindruckend schön. In Kilboghavn nehme ich die Fähre und kreuze mit ihr den Polarkreis. Der Kapitän macht extra eine Durchsage in mehreren Sprachen und am Ufer steht weit sichtbar ein Monument als Kennzeichen. Glückwunsch, ab nun beginnt neues Terrain für mich, denn Island liegt südlicher und in Kanada bin ich 300km vorher abgebogen. Mein Nachtlager wird ein schöner und stiller Rastplatz 15km östlich von Jektvik.

der “kahle” Berg                     was für eine Aussicht              auf der Küstenstrasse 17         mehr Küstenstrasse 17

10.Woche vom 22. bis 28. Juli 2018
Am Sonntag reißt nach dem Frühstück der Nebel auf und packt Stück für Stück die wunderschöne Landschaft aus. Das macht einige Fotostopps notwendig. Bald das Auto abstellen und in die Berge. Der Bjorntinden mit 887m Höhe ist das Ziel. Nur leider bleiben an seinem Gipfel die Wolken kleben und verwehren mir die Aussicht. Im Tal scheint wieder die Sonne, was nach dem Mittag zu einem Bad im See verleitet. Von Agskardet die kurze Fährverbindung nach Furoy und weiter auf der 17. In Richtung Süden kann man nun immer wieder Teile vom Svartisgletscher sehen, von denen manche fast bis runter an den Fjord reichen. Am frühen Abend trübt es sich leider ein und nachts beginnt es in Ornes zu regnen. Tags darauf jagen bis Mittag Regenschau- er durch, dann beruhigt sich das Wetter wieder. Ich bleibe an der Küste und sammle weiter Eindrücke der Gegend. Dann wird fast die Zeit knapp, denn ich möchte 15 Uhr an der Saltstraumenbrücke sein. Der Grund ist ein Malstrom, der zum Wechsel der Gezeiten entsteht wenn 400 Mio.m³ Wasser mehr oder weniger gleichzeitig versuchen durch die nur 150m breite Öffnung ins Meer bzw. zurück in den großen Fjord zu kommen. Ist ein Schauspiel mit zig Strudeln und Wasserwirbeln, wobei man manchmal den Eindruck hat als würde das Wasser kochen. Hinterher sind es nur noch 50 km bis Fauske, wo ich am Stadtrand zelte. 

Abendspaziergang Ornes           Rastplatz Ureddplassen            Strudelmuster Saltstraumen      als Größenvergleich

Dienstag will ich mir in der Touristeninformation Tipps holen, doch die öffnen erst 12 Uhr. Also Internetrecherche. Dabei stoße ich auf ein interessantes Foto vom Rago Nationalpark. Der liegt fast auf dem Weg, also hin. Von der E6 direkt hinter dem Tenn- flagtunnel auf die 617 abbiegen und gleich durch einen sehr schmalen und finsteren Tunnel. Dahinter beginnt ein schönes Tal. An dessen Ende parke ich und laufe los. Der Pfad folgt dem unglaublich klarem Wasser eines Flusses mit fantastischen Grün- und Blautönen der sich durch das Tal mäandert. Als visuelle Steigerung öffnen sich nach der Storskoghytta atemberaubende Panoramen des Nationalparks mit felsigen Gipfeln und malerischen Tälern voller kleiner Seen. Doch das absolute Highlight kommt noch: Wo sich der See Litlverivatnet über einen Wasserfall ins Tal ergießt führt über dessen oberen Rand spektakulär eine Hängebrücke. Kurz darauf schaut man auf den See, den Wasserfall, das Tal und all die Berge ringsum. Ein Bild zum Niederknien. Leute sind übrigens nur wenige unterwegs, was wohl auch daran liegt das viele die Fährverbindung Bodo/Lofoten benutzen. Ich bin auf jeden Fall sehr glücklich auf dieses versteckte Juwel gestoßen zu sein. Am frühen Abend bin ich wieder auf der E6 und biege in Ulvsvag auf die schmale 81 ab. Statt Autos begegnen mir bald Renntiere, die sich nicht vom Auto stören lassen, aber fluchtartig davon rennen als ich mich mit der Kamera nähere. Kurz darauf läuft auch noch ein junger Elch in aller Seelenruhe über die Strasse. Willkommen im wahren Norden! Mitternacht erreiche ich Skutvik, wo um 1 Uhr eine der täglich drei Fähren nach Svolvaer startet. Nur fünf Autos wollen mit und den Salon auf der Fähre mit ungefähr 200 Plätzen teilen sich zehn Leute. Die Fahrt kostet übrigens nur die Hälfte von der ab Bodo, wo man manchmal ohne kostenpflichtige Reservierung einige Fähren abwarten muss. Nachdem wir die schützende Bucht verlassen traue ich meinen Augen kaum. Tiefrot beleuchtet die Sonne, die nur knapp hinter dem Horizont verschwunden ist, das Meer und die schroffe Silhouette der Lofoten. Spektakulärer kann ich mir ein Willkommen kaum vorstellen, denn das Farbspiel bleibt uns während der zweistündigen Überfahrt dauerhaft erhalten.     

Fluss im Rago Nationalpark        *Panorama Rago Nationalpark   *Blick vom Litlverivatnet          Überfahrt zu den Lofoten

Mittwoch morgen 3 Uhr erreicht die Fähre Svolvaer. Dunkel ist es nicht und ich fahre durch eine schlafende Stadt. Meine Ruhe finde ich an einem See etwas außerhalb. Nach dem langen Tag gestern und dem späten zu-Bett-gehen stehe ich faul erst gegen 11 Uhr auf. Macht nichts, der Himmel ist eh trüb und Wolken verhangen. Das gibt Zeit und Möglichkeit sich intensiv mit dem Thema Lofoten zu befassen. Durch das straffe Programm der letzten Zeit hatte ich immer nur die Gelegenheit ein/zwei Tage voraus zu schauen. Bis zum Abend steht ein grober Plan für die nächsten Tage und die Vorhersage verspricht tolles Wetter. Donnerstag hängen noch letzte Wolken an den Gipfeln ringsum, aber es wird ein wunderschöner Tag. Am Vormittag ein Ausflug in die Berge von Svolvaer. Der Pfad hinauf ist steiler und heftiger als vieles bisher, und dabei war es schon manchmal ganz schön hart. Doch ich sollte noch feststellen das das auf den Lofoten häufig der Fall ist. Zuerst hinauf zur Djevelporten (Teufelspforte). Da klemmt ein Fels in einer Spalte, ähnlich wie der Kjeragbolten. Allerdings ist das hier etwas weniger gefähr- lich und auch weniger hoch. Nichts desto trotz hat man einen tollen Blick auf das Panorama weiter nördlich. Eine wüste Kletterei später stehe ich oberhalb des Svolvaergeita. Dieser Fels erhebt sich markant über die Stadt, ist selbst aber nur richtigen Bergsteigern mit Ausrüstung vorbehalten. Immerhin kann man ihn wunderbar in Bilder der Stadt mit einbinden. Das war schon mal ein schöner Einstieg in die Region der Lofoten, die ganz oben auf meiner Reise Wunschliste für Skandinavien stand.

Svolvaer                               Djevelporten                         *der Blick nach Norden           *Svolvaergeita und Svolvaer

Am Nachmittag sind es dann nur 20km bis zum Strand von Rorvik. Dort lasse ich das Auto stehen und fahre mit dem Rad nach Henningsvaer. Eine gute Idee, denn so kann ich auf der schmalen Strasse überall halten und fotografieren. Außerdem macht es Spaß und vermeidet das schwierige Parken in dem kleinen Fischerdorf das sich über einige kleine Felseninseln erstreckt. Einzig schade das der Leuchtturm auf Privatland steht, betreten strengstens verboten. Dabei hätte man von da bestimmt einen tollen Blick auf Henningsvaer und die Berge dahinter. Doch egal, die Eindrücke auf der Strecke reichen schon voll und ganz. Mein Abendessen mit Sicht auf die Gimsøystraumen bru (brücke) und dann gern von der E10 auf die 861/862 abbiegen, womit schlagartig der Verkehr gegen null geht. Über die E10 rollt praktisch die gesamte Flotte der Einheimischen, der Urlauber sowie aller Lieferanten weil sie die einzig durchgehende und praktikable Verbindung der Inseln untereinander wie auch zum Festland ist. Schön wenn man diese Hauptschlagader mal verlassen kann. In der Nähe von Hov schlage ich dann mein Nachtlager auf. 

bei Rorvik                               Strecke nach Henningsvaer       Strecke nach Henningsvaer     Henningsvaer

Beim Aufbruch am Freitag Morgen zeigt sich die Welt noch ganz still und ruhig. Es scheint als wäre ich als Einziger unterwegs. Die Szenerie ist wunderschön und ohne nennenswerten Verkehr kann ich überall für ein paar tolle Fotos halten. Ein spätes Frühstück auf dem Rastplatz Torvdalshalsen, mit genialen Picknickplätzen. Man sitzt fast wie in einem Separee und hat dabei einen weiten Blick über die Landschaft. Die Überraschung hier ganz allein zu sein hält nur zehn Minuten, dann kommen innerhalb kürzester Zeit ein dutzend Fahrzeuge dazu. Bei strahlend blauem Himmel geht es weiter. Mein Ziel: der Hauklandstrand. Dort ist viel los, aber ich finde einen Parkplatz. Die vielen Besucher erklären sich von selbst, denn hier kommt Karibikfeeling auf. Eine geschützte Bucht mit breitem Strand. Der Sand fein, fast weiß und die Farbe des klaren Wassers schimmert von grün bis blau. Und das auf dem 68. nördlichen Breitengrad! Strandpause. Die Temperatur liegt bei knapp 30°C, womit der Gang ins Wasser einige Überwindung kostet, denn das hat 13°C. Baden gehen da nur die Wenigsten. Mich sieht man ein paar Mal im Meer, bin ja nicht aus Zuckerwatte ;-). Am späten Nachmittag passt das Licht um vom nahen Gipfel des Mannen die traumhafte Gegend in Bilder zu fassen. Das Zelt schlage ich, so wie einige andere, gleich hinter dem Strand auf, der Platz ist einfach zu schön.

bei Hov                                der Berg Hoven am Morgen       Hauklandstrand                     *Panorama vom Mannen

Am nächsten Tag weckt mich die Sonne schon früh, was mir nach den Erfahrungen von gestern gut gefällt. Das Frühstück mit Blick aufs Meer, untermalt vom sanften Rauschen der Wellen. Als die anderen Camper langsam aufstehen sind meine Sachen schon gepackt und das Auto reisefertig. Auf der schmalen 990 geht es zurück zur E10 und auf der weiter nach Südwesten. Bald überquere ich die Insel Flakstoy, mit einem teils sehr sehenswerten und schroffen Profil. Davon abgesehen gibt es aber auch malerische Buchten, wie zum Beispiel den Strand von Ramberg. Es bleibt am heutigen Morgen bei kurzen Fotostopps, denn laut Plan liegt da noch ein langer Tag vor mir. Also auch keine großartige Pause in den sehenswerten Dörfern Hamnøya und Reine. Stattdessen stelle ich das Auto kurz dahinter auf einem Parklatz ab und ziehe die Wandersachen an. 

Blick vom Torvdalshalsen         Insel Flakstøy                        Ramberg                                Reine

Gleich neben der Strasse beginnt ein Pfad und führt am Djupfjorden entlang. Allerdings ein übler Weg. Rutschig, schlammig, mit vielen Wurzeln und halb überwuchert. Dazu führt er immer wieder auf und ab, so stehen nach 2km schon 100 Höhenmeter zu Buche. Am Ende des Fjords wird es etwas besser und ich gewinne schnell an Höhe. Die gebe ich nach der Munkebu Hütte teilweise wieder ab weil der Pfad steil zu einem Grat zwischen zwei Seen abfällt - und an der anderen Seite genau so steil wieder aufsteigt. Das kostet Schweiß und Energie. Trotz all der Seen kommt man übrigens unterwegs nur schwer an Wasser, denn das Ufer liegt meist steil ein ganzes Stück unter dem Weg. Schließlich der letzte und sehr steile Anstieg zum Gipfel des Hermannsdalstinden. Von 1029m Höhe hat man ungelogen einen tollen Blick auf die Insel Moskenesøy und all die Gipfel, Seen und Fjorde. Dazu ein schier endloses Panorama schroffer Gipfel der Lofoten bis hin zum Horizont. Allerdings kommen bei mir Zweifel auf ob sich das wirklich gelohnt hat. Der Aufstieg war sehr hart, schwierig und hat viel Kraft gekostet. Trotz aller Mühen war da nie ein Rhythmus zu finden, dabei gelingt mir das sonst an fast jedem Berg. Die Strecke muss ich logischerweise dann auch wieder zurück. Was für eine Freude am frühen Abend endlich wieder am Auto einzutreffen. Ich habe heute zufällig auch mal den Höhenmesser mitlaufen lassen und er zeigt nach dieser Tour mehr als 2100 Höhenmeter an. Durch das häufige auf und ab bin ich also theoretisch zwei Mal auf den Gipfel gestiegen... Trotz getrunkenen 4 (!) Liter Wasser ist mein Körper etwas dehydriert und ziemlich fertig. Wenigstens findet sich schnell ein schöner Platz für das Zelt am Sorvagvatnet, in dem ich auch gleich baden kann. Ein Abendspaziergang führt durchs nahe Dorf Å, doch heute kann ich das kaum genießen.

*Panorama vom Hermannsdalstinden, so viele Gipfel                am Abend in Å                       am Morgen in Å

11.Woche vom 29. Juli bis 4. August 2018
Am Sonntag komme ich nur schwer aus dem Schlafsack. Körper und Geist fühlen sich nach gestern verbraucht und müde an. Also erst mal leichtes Programm. Frühstück und ein Spaziergang durch Å. Das ist übrigens der letzte Buchstabe des norwegischen Alphabets und auf den Lofoten die letzte Siedlung. Allerdings stammt Å aus dem Lateinischen und bedeutet soviel wie: Wasser, oder auch: Bach. Netter kleiner Weiler mit ein paar Häusern, teilweise auf Pfählen errichtet. Danach kehre ich und fahre die Lofoten wieder “aufwärts”. Kurz vor Reine kostet es einige Überwindung die Wandersachen anzuziehen, aber ich habe mir da noch etwas aufgehoben... Ein sehr steiler und teils gefährlicher Pfad führt hinauf zum Reinebringen. Das örtliche Touristenbüro erinnert mit einigen Schildern an die Gefahr. Abhalten tut das wohl kaum jemand Wenigstens finde ich heute und hier einen Rhythmus, klettere damit Kopf wie auch Körper munter. Auf 440m Höhe erreicht man einen Grat und hat zum ersten Mal die Sicht auf Reine und die Landschaft dahinter. Phantastisch!! Es ist genau dieses Bild welches mich vor Jahren dazu bewog, eine Reise so weit in den Norden zu planen. Müdigkeit und Erschöpfung sind komplett vergessen. Den anderen Wanderern reicht dieser Punkt, ich bin fast der Einzige der noch bis zum richtigen Gipfel auf 666m klettert. Das Wetter, die Sicht, der Tag: einfach genial. Am Nachmittag fahre ich auf der E10 weiter und will eigentlich in Flakstad baden gehen. Sonne gibt es genug, aber ein stürmischer Wind und viele Quallen im Wasser halten mich davon ab. So bleibt Zeit für den Besuch vom Nusfjord, doch nach bisherigen Erlebnissen auf den Lofoten ist der eher langweilig. Nach Leknes biege ich auf die 815 ab und erlebe mehr von der dramatischen Küstenlandschaft. Geschlafen wird in der Nähe von Valberg. 

Blick vom Reinebringen             *Panorama von Reine              *Panorama vom Reinebringen   das Dorf Hamnøya

In der Nacht zum Montag wache ich auf - weil mir zu warm ist! 3 Uhr morgens zeigt das Thermometer noch sagenhafte 20°C. Der Tag beginnt dann recht trüb und Wolken verhangen, doch nach dem Frühstück an der schon bekannten Gimsøystraumen bru brennt die Sonne den Himmel blau. Gegen Mittag erreiche ich Svolvaer. Tanken macht immer weniger Spaß, wir sind nun bei 17,35 NOK/Liter. Das sind 1,90€. Wenigstens gibt es an fast jeder Tankstelle einen kostenlosen Waschplatz mit Schlauch und kaltem Wasser. Schwamm und Fensterleder habe ich dabei und so ist das Auto bald wieder blitzblank. An der Fähre steht übrigens eine lange Schlange. Gut das ich vor einer Woche die ungewöhnlichste Transferzeit gewählt hatte. Dann noch Einkaufen und weiter. Gleich nach dem Flughafen der Stadt zeigt sich der Austnesfjord in all seiner Schönheit. Da bleibt mir fast der Mund offen stehen, so wunderbar ist das. Auto abstellen und fotografieren. Das passiert schon bald darauf wieder, als bei einem Picknickplatz Treppen auf einen kleinen Hügel führen. Bei Fiskebøl verlasse ich die E10 und stoße nur 5km weiter auf einen schönen Strand. Weil man an dem auch wunderbar zelten kann, verschiebe ich das Restprogramm und bleibe heute hier.

bei Svolvaer                           bei Svolvaer                          *Panorama Austnesfjord         *Panorama Austnesfjord

Am Dienstag, ich traue mich schon fast nicht mehr es zu erwähnen, ein weiterer sonniger Tag. Das Frühstück am Strand, dann packen und los. Hurtigruten und einige Chartergesellschaften werben mit dem Trollfjord, und das er nur per Schiff zu erreichen ist. Ich habe aber auf der Karte gesehen das man auf der 868 den Raftsundfjord hinunterfahren kann bis man sich gegenüber einigen Inseln und dem dahinter liegenden Trollfjord befindet. Grund genug mir das anzuschauen. Das Panorama ist bereits von der Strasse aus äußerst beeindruckend, ein Wunder das hier kaum einer herkommt. Bei Tennstrand frage ich Einheimische, die mich einen kleinen Pfad entlang auf den Kariknausan schicken. Von da oben ist die Aussicht ein absoluter Traum. Weil aus diesem Blickwinkel die Insel Ulvøya nicht mehr stört gelingt auch der tiefe Blick in den Trollfjord. Wen wundert’s wenn mir das ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Die Sicht, das Licht, der Ort, dieser Tag - einfach perfekt. Am Storvatnet, ein schöner See, dann eine verspätete Mittagspause die sich bis weit in den Nachmittag hinzieht. Da stehen übrigens Wegweiser zum Moysalen, 1262m hoch, von dem aus man einen sagenhaften Blick haben soll..., aber nein, irgendwann ist auch mal gut: heute kein Berg mehr. Dafür mache ich noch 100 km auf der E10 und biege nach der Tjeldsundbrua auf die viel ruhigere 825 ab. In Sandstrand, ja das ist der norwegische Dorfname, findet sich bei der alten Kapelle ein schönes ruhiges Plätzchen für mein Zelt.     

Raftsundfjord mit Trollfjord       was für eine Landschaft          Pause am Storvatnet            *ein erstes Panorama von Senja

Am nächsten Morgen finde ich nach einigen Kilometern einen sehr schönen Platz am Fjord um zu frühstücken. Die Landschaft ist schön, wie auch das Wetter. Hinter Gratangsbotn stoße ich nach langer Zeit mal wieder auf die E6, verlasse sie aber bei Fossbaken gleich wieder um die ruhigere 84 zu nutzen, die später von der 86 abgelöst wird. Neben der Strasse immer wieder einzelne Gehöfte oder kleine Weiler, schwer vorstellbar von was die Leute hier leben. Meistens wird es sich wohl um Fischfang oder Fischzucht handeln, jedenfalls komme ich öfters an großen schwimmenden Wasserfarmen vorbei. In Finnsnes über die Gisundbrua und damit auf die Insel Senja. Laut Werbung mit einer den Lofoten ähnlichen Landschaft, nur mit viel weniger Touristen. Letzteres kann ich bald bestätigen, denn es wird auf der nun rumpeligen 86 sehr ruhig. Einzig die Gegend erscheint vorerst eher uninspirierend. Ein Halt bei Senjatrollet, wo die weltweit größte Trollfamilie “wohnt”. Die ist aus Beton und 15m hoch. Drumherum ein Sammelsurium an Trollsachen, ganz nett. Kurz darauf erreiche ich Hamn und bekomme vom Utsikten ein erstes Panorama der Insel. Das beeindruckt dann schon. Leider zieht es zu und beginnt noch am Abend zu regnen. Donnerstag strahlt die Sonne zum Frühstück, verzieht sich dann jedoch hinter die Wolken. Trotzdem präsentiert sich bald darauf Bergsbotn und der Fjord eindrücklich. Noch besser wird es ein paar Kilometer weiter am Rastplatz Tungeneset wo man auf den runden Klippen herumklettern kann und einen tollen Blick auf die schroffen Gipfel gegenüber hat. Der Werbung muss ich recht geben: das ist Lofoten Liga. Kurz darauf in einer Bucht das Dorf Ersfjord mit sehenswertem Strand. Ich mache eine lange Mittagspause und warte auf Wetterbesserung. Die tritt nach 14 Uhr langsam ein. Also weiter. Durch dunkle und schmale Tunnel mit teils engen Kurven an Senjahopen vorbei, dann das Auto abstellen und auf den Grytetippen steigen. Vo da oben hat man einen herrlichen Rundumblick. Bei dem inzwischen schönen Wetter kehre ich danach gern zum Ersfjord Strand zurück und zelte da.    

Senjatrollet                             Bergsbotn                             Rastplatz Tungeneset              *Panorama vom Grytetippen

Der nächste Morgen beginnt sonnig, es trübt sich aber bald ein. Nach dem Frühstück gemütlich nach Botnhamn fahren, mit einigen Fotostopps unterwegs. Leider verpasse ich die Fähre nach Brensholmen knapp und habe somit vier Stunden Pause. Immerhin kann ich die gut nutzen. 14 Uhr die Überfahrt. Es beginnt zu nieseln und auch wenn es bald aufhört bleibt der Rest vom Tag trüb. Bei Brensholmen laufe ich auf den Ømfloya. Das ist eher ein Hügel, aber mit einer Aussicht auf das Meer, die Berge, viele Inseln und alles was dazwischen liegt. Keine 3 km weiter eine schöne Bucht mit Sandstrand, ein sehr guter Platz zum Zelten. Der Samstag wird ein eher gemütlicher Tag. Das Wetter wechselt öfters von Sonne zu Schauern und wieder zurück. Immerhin gelingt am Nachmittag in einer längeren Schönwetterphase die Wanderung auf den Nattmalsfjellet, nahe Erstfjord. Was soll ich noch erzählen, das Foto sagt mehr als 1000 Worte. Danach sind sind es gerade mal 15 km bis zum Stadtrand von Tromsø, wo ich etwas außerhalb einen ruhigen Parkplatz für die Nacht finde.

12.Woche vom 5. bis 11. August 2018
Am Sonntag die Erkundung von Tromsø. Zu berichten gibt es da wenig. Die Stadt ist weder schön noch strahlt sie etwas aus, von Charme ganz zu schweigen. Der Botanische Garten mit einem Querschnitt nordischer Flora schneidet noch am besten ab, wenn er auch recht klein ist. Alles andere ein Mix aus phantasielosem Beton und in die Jahre gekommene Holzhäuser. Dazu hat am Sonntag ALLES geschlossen, ein Novum in einer norwegischen Stadt dieser Größe. Vorräte auffüllen: Fehlanzeige. Der Montag beginnt mit einer netten Überraschung als an meinem Frühstücksplatz, der Schutzhütte eines kommunalen Versorgers, ein paar Rentiere vorbei schauen. Dann beginnt es zu regnen und Tromsø wird von grauen Regenschleiern zugedeckt. Kein Grund für mich länger zu bleiben und so verlasse ich nach den Einkäufen die Stadt.

*Panorama vom Ømfloya               *Panorama Erstfjord                         Tromsø                                          Botanischer Garten Tromsø

Um weiter nach Norden zu gelangen ist erst einmal ein ordentlicher Haken nach Süden notwendig. Die E6/E8 umgeht dabei den Lyngenfjord und die Lyngenalpen. Letztere wohl ein sehr wildes Terrain voller Berge und Gletscher, allerdings größtenteils nur für Bergsteiger geeignet. Ich erhoffe mir wenigstens den einen oder anderen Blick darauf. Als erste Voraussetzung dafür hört es ungefähr 50km hinter Tromsø auf zu regnen und es entstehen sogar erste Wolkenlücken. Ab Oteren direkt am Lyngenfjord entlang. Die Farbe des Meeres erstrahlt auch ohne viel Sonne intensiv türkis. Mir bleibt zwischendurch viel Muse das zu bewundern, denn einige Tunnel- baustellen sind längere Zeit beidseitig gesperrt und man wird danach mit einem Führungsfahrzeug als Konvoi hindurch geführt. Am frühen Abend findet sich bei Djupvik eine geeignete Campingstelle und das Bergpanorama auf der anderen Fjordseite taucht mehr und mehr aus den Wolken auf Der nächste Morgen beginnt noch bewölkt, aber ich vertraue auf den Wetterbericht und warte ab. Genau die richtige Zeit um an der Homepage zu arbeiten. Gegen Mittag reißt es langsam auf. Hinter Djupvik führt ein Pfad zum gar nicht mal so hohen Hammersletta. Doch das reicht für eine phantastische Aussicht auf den Fjord und die Berge. Nebenbei verführen die inzwischen reifen Blaubeeren zum Naschen. Beim Wandern habe ich nun immer eine kleine Plastikbox dabei und sammle frische Vitamine. Ein Teil der Beeren gleich vom Strauch in den Bauch - so lecker. Am Nachmittag weiter nach Alta. Die Landschaft bleibt dramatisch und sehenswert, der Wind, passend zum hohen Norden, kräftig und kalt.

morgendlicher Besuch             am Lyngenfjord                     *Panorama vom Hammersletta    *Strecke nach Alta

Die Nacht habe ich am Kafjord verbracht. Da hatte sich vor 75 Jahren die Tirpitz, das zu seiner Zeit größte Schlachtschiff der Welt, versteckt. Ein örtliches Museum ist ganz diesem Thema gewidmet. Bei einem Spaziergang durch die Gegend eine nächste persönliche Rekordmarke: ein Freiluftbad im See auf 70° nördlicher Breite. Luft 13°C, Wasser 11°C. Nennen wir es erfrischend...
Als sich am Nachmittag die Sonne immer mehr durchsetzt ein Bummel durch Alta. Die Ortschaft ist eher funktionell, was die hypermoderne Architektur der Kirche, die Kathedrale des Nordens, nur bestätigt. Die Zeit reicht danach noch für einen Ausflug 30km nach Süden. Das letzte Stück eine teils üble Schotterstrasse, wovon das örtliche Touristenbüro nichts erwähnt hat. Vom Parkplatz führt ein Weg zum 8km entfernten Sautso Canyon. Die Schlucht ist recht sehenswert, doch was viel mehr überrascht ist die Landschaft ringsum. Nach all dem dramatischen auf und ab ist es nun plötzlich - flach. Es ist der Beginn des Finnmark- plateaus, welches sich über große Teile des Nordens erstreckt und circa 400m über dem Meeresspiegel liegt. Meist baumlos und ohne nennenswerte Erhebung beschränkt einzig der Horizont den Blick. Meiner Meinung nach sehr einprägsam.

Alta, Kathedrale des Nordens     Sautso Canyon                       Finnmarkplateau                     da war jemand neugierig

Am Donnerstag schafft das Wetter die Rolle rückwärts, sprich auf den trüben Morgen folgt ein Tag mit Nieselregen. Verwöhnt von so viel Sonnenschein bisher, kann ich mit diesem, für hiesige Verhältnisse normalen, Wetter leben. Noch Vorräte auffüllen, dann verlasse ich Alta und strebe auf der E6 Richtung Norden. In Olderfjord auf die E69 abbiegen und dann an der Küste entlang. Die Landschaft wird dabei immer karger, wobei sich der Eindruck durch das graue Wetter noch verstärkt. Am späten Nachmittag bin ich am Nordkaptunnel, der mit einem Gefälle von 9 % bis zu 212m unter den Meeresspiegel führt. Es verursacht schon ein etwas mulmiges Gefühl so viel Wasser über einem zu wissen. Auf der anderen Seite liegt die große Insel Magerøya, auf der sich auch das Nordkap befindet. Den “Angriff” darauf verschiebe ich und übernachte auf dem sehr guten Rastplatz gleich hinter dem Tunnel. Der Freitag ein trockener, aber neblig trüber Tag. Nach dem Frühstück ein Spaziergang auf den kleinen Berg hinter dem Rastplatz. Außer Rentieren begegnet mir niemand und ich habe einen guten Blick auf die nähere Umgebung. Am Nachmittag soll es schöner werden und ich fahre bis 6 km vor das Nordkap. Selbiges lasse ich aus. Grund: Massentourismus, ein inzwischen saftiger Eintrittspreis von knapp 30€, die hohe Chance auf dem Fels stehend in den Nebel zu schauen und - es ist NICHT der nördlichste Punkt in Europa. Den nämlich erreicht man nur über einen 9 km langen Pfad über Stock und Stein. DAS gefällt mir. Am Schluss markiert ein flaches steiniges Kap, Knivskjellodden, das nördliche Ende von Europa (ohne Spitzbergen). Damit wäre nach 88 Tagen und 10.000 Straßenkilometern mein Wendepunkt erreicht. Auf einem direkteren Weg käme man laut Routenplaner mit 3100km aus, doch was hätte ich dabei alles versäumt... Es ist etwas ganz besonderes für mich da zu stehen, auch wenn man nicht viel sehen kann. Die versprochene Wetterbesserung kommt erst als ich ein Stück später schon wieder im Auto sitze und gen Süden fahre. Persönlicher Eindruck: Im Vergleich passen Wolken und Nebel besser als Sonnenschein zu der Landschaft hier.

Insel Magerøya                            sieht man öfter als Einheimische                 das Nordkap

                                                                                                         Knivskjellodden, nördlichster Punkt Europas

Samstag bleibt es beim trüben Wetter. Auf der E 69 fahre ich bis Olderfjord zurück und wechsle dort auf die E6. Was bleibt ist die Nähe zur Küste mit neuen Eindrücken nach jeder Kurve, jedem Tunnel. Später mache ich im Naturreservat Stabbursnes eine lange Pause und laufe eine größere Runde. Im schönen Fjord liegen einige Inseln und durch nur wenig flachen Bewuchs bedeckt, steigen Hügel und Berge langsam in Richtung Inland an. Diese Nacht bleibe ich in Lakselv, einem kleinen, einfachen und sehr funktionellen Ort am Ende des Fjords.  

13.Woche vom 12. bis 18. August 2018
Am Sonntag bleibt es beim trüben und regnerischen Wetter, doch auch so hält mich nichts in Lakselv. Straßentechnisch bleibt es bei der E6 und der südlichen Richtung. Mein Tagesziel, Karasjok, liegt nur 80km entfernt und ist so etwas wie die Hauptstadt der “Samen” (Eigenbezeichnung: Sami), früher als “Lappen” bezeichnet. Diese indigene Volksgruppe verteilt sich über Norwegen, Schweden, Finnland und Russland. Trotz gleicher Geschichte und Herkunft unterscheiden sich die Samen in Kultur, Tracht und vor allem der Sprache. Das macht ein Auftreten nach Außen schwierig. Was von früher blieb ist das Geschäft mit Rentieren, heutzutage mit moderner Technik vereinfacht und durch den Tourismus ergänzt. Unter Karasjok sollte man sich nicht viel vorstellen, der Ort hat keine 3.000 Einwohner und macht wenig her. Höhepunkt meines Besuches ist am Montag ein geführter Rundgang durch das hiesige Parlament der Samen, architektonisch dem Tipi des nomadenhaften Lebens nachempfunden und im Inneren mit der Verwendung von nordischen Hölzern und Rentierprodukten nah an ihrem Leben. 

im hohen Norden                    Stabburnes Naturreservat          Torfhütte der Samen               *Parlament der Samen

Nach dem Mittag verlasse ich Karasjok und bin kurz darauf an der finnischen Grenze, die nur aus einem Hinweisschild besteht, doch praktisch einiges verändert. Finnland liegt in einer anderen Zeitzone, also die Uhr eine Stunde vor stellen. Zahlungsmittel ist der gute, “alte” Euro, womit sich auch die Preise, egal ob an der Tankstelle oder im Supermarkt, wieder auf deutschem Niveau bewegen. Was vorerst bleibt ist die meist flache Landschaft mit teils wenigen Bäumen und das regnerische Wetter. Letzteres verleidet mir den Aufenthalt am Inari See und ich fahre weiter bis Saariselka, wo an der Grenze zum Urho Kekkonen Nationalpark ein Hostel steht. Dort übernachte ich zum ersten Mal seit Ålesund, sprich nach einem Monat, wieder in einem Haus. Ist ein irgendwie komisches Gefühl. Die Anlage in Kiilopää deckt jeden Anspruch ab und bietet auch ein Hotel, ein Restaurant und zahlreiche Bungalows. Die hauseigene Sauna darf jeder benutzen, ein Genuss bei dem Wetter! Am Dienstag hinein in den Nationalpark. Der nahe Berg Kiilopää, ganze 546m hoch, bietet einen Rundumblick. Die Landschaft ist karg, Bäume halten sich da nur in geschützten Bereichen. Immerhin stehen zwischen den Steinen viele Sträucher - mit leckeren Blaubeeren. Dazu unterbrechen kleine Seen und Schluchten die Eintönigkeit. Am Tag darauf fahre ich weiter. Es bleibt bewölkt, doch wie gestern schon, trocken. Auf der E75/4 herrscht wenig Verkehr, trotzdem muss man die Augen offen halten denn da sind immer wieder Rentiere auf der Strasse. Unerschrocken vor Autos, rennen sie weg wenn man anhält und aussteigt. Südlich von Sodankylä biege ich nach Luosto ab. Dieser Ort erwacht vor allem im Winter zu Leben, wenn Skifahrer den steilen “Hügel” Ukko-Luosto in Beschlag nehmen. Als Berg würden ihn Mitteleuropäer mit seiner Höhe von 514m kaum bezeichnen, aber dieser langgezogene Rücken ist die einzig nennenswerte Erhebung im weiten Umfeld. Geologisch sehr alt, ungefähr 2.000.000.000 Jahre, waren es mal mächtige Berge. Dank ihres äußerst harten Gesteins stehen heute immerhin noch die Reste. Erde oder Vegetation sucht man fast vergeblich. Ausgiebig erkunde ich das tags darauf im nahen Pyhätunturi mit den Schluchten Isokuru und Aittakuru. In letztere wurde ein Amphitheater integriert, was bei Aufführungen bestimmt ein ganz besonderes Flair vermittelt.     

*Panorama vom Ukko-Luosto    Isokuru Schlucht                   *Amphitheater in der Aittakuru  *der Horizont ist weit...

Bei der Weiterfahrt stoße ich bald auf die 5/E63 in Richtung Süden. Ein kurzer Halt in Kemijärvi um Vorräte aufzufüllen und weiter. 60km später findet sich ein schöner Rastplatz am See um zu Übernachten. Samstag brennt die Sonne bald die Wolken weg und es wird ein schöner Tag zum Wandern. 25km weiter stelle ich das Auto ab und breche zum Karhunkierros (Bärenweg) auf. Dieser Trek ist insgesamt 84km lang, doch ich nehme mir “nur” das sehenswerteste Stück von 56km heraus. Bald komme ich an den schönen Klippen von Ristikallio vorbei, später an den Flussinseln Taivalköngäs und der eindrücklichen Schlucht des Oulankajoki. Es macht Spaß hier zu Laufen und obwohl die Landschaft eher flach ist muss man des Öfteren steil bergan oder bergab. Ich laufe dann wieder ein Stück des heutigen Weges zurück und übernachte weiter südlich am Fluss. Blaubeeren gibt es hier übrigens derzeit wie Sand am Meer und meine Finger färben sich zusehends violett...

Karhunkierros - Weg des Bären  die Klippen Ristikallio                Oulankaschlucht                     Mühle bei Juuma

14.Woche vom 19. bis 25. August 2018
Am Sonntag wird das Wetter sogar noch schöner. Nach dem Frühstück packe ich meine Sachen und laufe weiter auf dem Karhunkierros. Zuerst geht es noch am Fluss Oulanka entlang bis sich der Pfad durch den Wald schlängelt. Neben einigen Wanderern begegnen mir selbst im dichten Wald Rentiere. Richtig sehenswert wird es wieder ab Mittag mit dem Abstieg zum Kitkajoki. Wunderschöne Landschaften am Fluss, Hängebrücken über stille und spiegelglatte Seen und eine sehr friedliche Ruhe. Mit der ist es ab dem Abzweig zum Pieni Karhunkierros (kleiner Bärenweg) vorbei. Aber damit war an einem so schönen Sonntag zu rechnen, und ich brauche ja auch eine Mitfahrgelegenheit zum Auto, welches 30km weiter steht. Doch zuvor kann ich noch die wirklich herrliche Landschaft genießen. Der Fluss verändert sich hinter jeder Biegung, ist mal wild, mal friedlich. Dazu Stromschnellen, ein recht imposanter Wasserfall und Wald, Wald, Wald. Bei Juuma erreiche ich am Nachmittag die Zivilisation und schaffe es Dank freundlicher Finnen in anderthalb Stunden wieder an meinem Auto zu sein. Glücklicherweise findet sich bald schon bei Käylä eine Möglichkeit zum Baden und Übernachten, denn ich bin ganz schön erschöpft. Montag biege ich bei Ruka kurz von der 5/E63 ab und laufe noch mal ein kleines Stück auf dem Karhunkierros. Von den hier steil aufragenden Hügeln hat man einen imposanten Ausblick auf schier endlose Wälder, einzig durchbrochen von Seen und kleinsten Siedlungen. Was mir nach den letzten Tagen zu Fuß klar geworden ist: in Norwegen zu wandern war aufregend, Finnland dagegen wirkt eher beruhigend, ohne jedoch langweilig zu sein. Am Nachmittag fahre ich weiter und finde 60km südlich von Kuusamo einen tollen Rastplatz am See mit einer ausgesprochen weichen Wiese fürs Zelt. Genau richtig um etwas zu Faulenzen.    

         unterwegs auf dem (Pieni) Karhunkierros                      bei Ruka                               bei Kuusamo

Dienstag halte ich bereits nach 15km an einer künstlerischen Installation, genannt “Das stille Volk”. Hunderte unterschiedlich gekleidete “Vogelscheuchen” machen als Gruppe einen interessanten Eindruck. Bald darauf erreiche ich Suomussalmi. Die Stadt bleibt blaß, aber im angrenzenden Wald haben Künstler überdimensionale Instrumente erbaut an denen sich jeder austoben kann. Noch dazu liegt gleich dahinter eine bezaubernde Landschaft. Danach benutze ich Nebenstrassen und fahre bis kurz vor die russische Grenze nach Raatteen zu einem Kriegsdenkmal vom finnisch-russischen Winterkrieg 1939. Auf einem Feld liegt für jeden gefallenen Soldaten ein Felsbrocken, dazu steht in der Mitte ein windgetriebenes Glockenspiel mit so vielen Glocken wie Kriegstage. Die Finnen sind sehr stolz auf ihre damalige Leistung der Verteidigung, wie man an vielen Orten sieht. Trotz der Kriege führen beide Nationen heute eine überraschend freundschaftliche Beziehung. Als Ausdruck dessen werden häufig beide Sprachen gleichberechtigt verwendet. Weiter fast parallel an der Grenze entlang übernachte ich später südlich von Kuhmo.    

Das stille Volk                        Landschaft bei Suomussalmi     kleinste Insel ever                  herrliche Seenlandschaft

Tags darauf fahre ich bei schönstem Wetter auf der 75 weiter nach Süden. Das Gebiet gehört zu Karelien, einst eine Republik, die heute größtenteils in Russland liegt. Sichtbar ist das heute vor allem durch den Baustil der Häuser. Beispiele dafür sehe ich in Nurmes, wo mit dem Bomba Haus eines der größten Holzhäuser in diesem Stil steht. Die beworbene Altstadt, eher Dorf, von Nurmes lohnt übrigens kaum und ich fahre bald weiter. Genau so enttäuschend entpuppt sich das 30km entfernte Juuka, dessen Dorfkern nicht mehr interessant, sondern eher verwahrlost und heruntergekommen ist. Durch die Kriege im Land in den 30ger, 40ger Jahren wurde leider viel alte Bausubstanz zerstört. Der Aufbau danach geschah augenscheinlich vor allem praktisch und selten schön. Schade. 20km weiter biege ich zum Weiler Koli ab und steige dort auf den 350m hohen Ukko-Koli. Vom Gipfel entfaltet sich eine der poetisch verklärten und in vielen Bildern kopierten Seenlandschaft Finnlands. Wirklich schön. Ich durchquere mit dem Auto noch den hiesigen Nationalpark, doch außer Schotterstrassen durch dichten Wald wird kaum etwas geboten. Am nächsten Vormittag komme ich in Kontiolahti vorbei, wohl nur Freunden des Biathlon Sports ein Begriff. Als Fan lasse ich es mir nicht nehmen das Stadion und Umfeld unter die Lupe zu nehmen. Man kann überall herumlaufen und sich auch die Schießstände aus der Nähe anschauen. Es ist aufregend dort zu stehen wo Dahlmeier, Fourcade & Co. Wettkämpfe bestreiten. Gleich ums Eck die Universitätsstadt Joensuu. Seit Wochen mal wieder eine richtige “Stadt”, noch dazu eine die gefällt. Ihren Anteil an der guten Atmosphäre hat die große Zahl von Studenten. Einziges Manko: die Touristeninformation! Die schlecht informierten und übellaunigen Mitarbeiter wurden wohl gezwungen hier zu arbeiten...

karelischer Hausstil               *Panorama vom Ukko-Koli          Ukko-Koli Nationalpark            in Joensuu

Der Freitag wird nur wettermäßig ein strahlend schöner Tag. Ich fahre auf der 9/23 westlich nach Käsämä. Laut Reiseführer soll man ab da mit dem Rad bis Sotkuma fahren um eine der schönsten Landstriche Finnlands zu genießen. Mein Bauchgefühl zweifelt das vor Ort an und als ich die 15km mit dem Auto abfahre behält es Recht. Kein bisschen sehenswert! Enttäuscht die Wende nach Süden auf die Nebenstrassen 482, 476 und 474. Erhoffte Panoramen, ich fahre mitten durch die Seenplatte des Landes, bleiben hinter Wald und Feld versteckt. In Kerimäki ein Höhepunkt: die größte Holzkirche der Welt. Der Pastor der 10.000 Seelengemeinde fand 1848 das am Sonntag jeder Dritte zum Gottesdienst erscheinen sollte, also bietet die Kirche 3.400 Sitz- oder 5.000 Stehplätze! Gigantisch, nur im Winter trotz vier großer Öfen kaum auf Temperatur zu bringen. Am frühen Nachmittag erreiche ich 25km südlicher den Punkaharju Grat. Der windet sich märchenhaft beschrieben durch die Seen. Für mich enttäuschend, da es keinen freien oder erhöhten Ausblick gibt, nur eine schmale Strasse von der man zwischen den Bäumen hindurch Stücke der Seen sieht. Auch Spaziergänge bringen nichts und ich fahre bald weiter. Nach dem langen Tag im Auto treffe ich abends in Savonlinna ein und - man mag es ahnen, frage mich schnell warum dieser Ort im Fokus steht. Diese Meinung bleibt auch am Samstag nach einem Besuch der Burg, die jeden Sommer eines der größten Opernfestivals der Welt austrägt. Äußerlich noch recht beeindruckend, bleiben die Mauern innen kalt und leer. Die fünfzigminütige Tour, nur so kommt man hinein, hätte man auch auf die Hälfte kürzen können. Schwer vorstellbar das hier schon Putin im Kreise der finnischen Regierung gespeist hat. Ich ärgere mich inzwischen über die letzten 24 Stunden, denn diesen Umweg von 250km hätte ich mir komplett sparen können. Aber so was passiert beim Reisen. Der Rest des Tages geht für die Fahrt nach Jyväskylä drauf, wo ich nur 5 km außerhalb des Zentrums ein Waldgebiet mit Parkplatz, See und Picknickausstattung finde. Super.
15.Woche vom 26. August bis 1. September 2018
Am Sonntag bleibe ich in Jyväskylä. In der Stadt gibt es einiges zu sehen, wenn auch nichts davon spektakulär ist. Tags darauf fahre ich weiter. Auf der Strecke liegen kleinere Sehenswürdigkeiten und ein hübscher Badesee. Die Ankunft in Tampere kurz nach dem Mittag. Ein Parkplatz in Zentrumsnähe ist schnell gefunden. Im Gegensatz zu manch anderem Land auf dieser Reise kann man in Finnland oft stundenlang sein Auto kostenlos abstellen. Tampere? Eine schöne und interessante Stadt. Vor allem die umgebaute und neu genutzte Textilfabrik von Finlayson aus dem 19. Jh. macht was her. Die sehr presenten Back- steinbauten beheimaten heute Restaurants, Läden, Cafes und kleine Start-up Firmen. Weiter draußen gefällt mir vor allem die Hatanpää Villa mit einem herrlichen Rosengarten und schön angelegten Parkanlagen.             

Kerimäki, riesige Holzkirche       die Burg Savonlinna                 Tampere, an der Villa Hatanpää und den Finlayson Fabriken  

Dienstag fahre ich gemütlich weiter und erreiche nach dem Mittag Turku. Die Stadt macht einen hektischen Eindruck und nach einem kurzen Bummel habe ich genug gesehen. In der gut organisierten Touristeninformation versorgt man mich mit Prospekten und Ideen. Darüber brüte dann ich eine ganze Weile um eine Aland-Insel-Rundreise zu planen. Schwierig, echt schwierig, denn die Fähren fahren selten und zu Unzeiten. Auch eine abgekürzte Runde funktioniert auf Grund einer bereits eingestellten Route nicht. Doof. Um den Kopf frei zu bekommen ein Ausflug ins nahe Naantali, ein hübsch restauriertes Dorf mit Holzhäusern. Die späte Stunde (18 Uhr) ist perfekt. Es sind kaum noch Leute unterwegs und ich spaziere fast ungestört in den schönen Gassen. Die Übernachtung dann an einem See, mit exklusiver Lage zwischen noblem Viertel und Golfplatz. Inzwischen habe ich auch eine Idee für die Schärenwelt vor der finnischen Küste mit seinen fast 10.000 Inseln. Am nächsten Morgen kreuze ich Turku und parke in Kaarina. Der nun abgespeckte Plan sieht vor per Anhalter und Fähren auf die Insel Houtskär zu gelangen. Das klappt mit etwas Geduld bis Nachmittag. Auf dem Zeltplatz gleich neben dem Anleger ist zwei Tage vor Saisonschluss nichts los und ich bin der einzige Gast. Heute bleibt noch genug Zeit die Insel zu erkunden. Vom Borgberg (56m!) ein Rundblick, in der “Stadt” Nasby ein Rundgang und dazwischen viel Weg zu Fuß in einer sehr friedlichen Umgebung. Falls sich jemand mal wirklich rausnehmen will aus Stress, Druck und Gesellschaft, kann ich diese Gegend wärmstens empfehlen. Donnerstag der Weg zurück, wobei mir vor allem ein seit 2004 (!) Studierender nach Kaarina hilft. Bei schönstem Sonnenschein fahre ich mit dem Auto nach Teijo und übernachte dort im schönen Nationalpark auf einer Insel die man nur per kleiner Seilfähre erreicht. Coole Geschichte. 

Naantali                                 die Welt der Schären              auf Houtskär                          Kirche in Nasby

Der Freitag mit kleinen, schönen Dingen. Nebenstrassen bringen mich nach Fiskars, einem Weiler der im 19. Jh. eine große Bedeutung für die Eisenindustrie hatte. Die alten Fabrikgebäude stehen noch immer malerisch am Fluss. Dann die Burgruine bei Roseborg, ein weiterer historischer Weiler, Fagervik, und Inga mit seiner eindrucksvollen Kirche. Die Strassen winden sich dabei zwischen abgeschliffenen Felsrücken gen Osten und basieren auf teils seit tausend Jahren genutzten Routen. So wird schon die Fahrt an sich zu einer Attraktion. Am frühen Abend erreiche ich mit Espoo die Außenbezirke von Helsinki. Die Nacht bricht inzwischen schon gegen 20 Uhr herein und ich sitze abends öfters im McDonalds, nutze dort WLAN, Beleuchtung und Steck- dose. Der späte Zeltaufbau dann im Dunkeln geht schnell und findet am See Bodom statt. Samstag die erste Runde Helsinki. Erneut bewahrheitet sich das es am Wochenende leichter ist solch eine Großstadt zu erkunden. Wenig Verkehr, problemloses Parken und entspannte Einheimische. Wahnsinnig viele Sehenswürdigkeiten sollte man nicht erwarten, doch die Lage am Meer und ein Mix aus Stilepochen lassen keine Langeweile aufkommen. Dazu schöne Kirchen verschiedener Konfessionen.

16.Woche vom 2. bis 8. September 2018
Am Sonntag eine weitere und größere Runde durch Helsinki. Sehr hilfreich dabei: mein Klapprad. Das Sibelius Denkmal, einige Parks, das Olympiagelände und der große Friedhof stehen unter anderem auf dem Programm. Nach dem Abendessen fahre ich hinunter zum Hafen und nehme 21.30 Uhr die vor Tagen gebuchte Fähre nach Tallin. Die Überfahrt dauert nur zwei Stunden.

in Fagervik                            mitten in Helsinki                   orthodoxe Kirche, Helsinki         Abschied aus Finnland

Kurz nach Mitternacht finde ich etwas außerhalb von Tallin in Strandnähe einen Platz zum Übernachten und kann den Morgen mit einem Spaziergang an der Ostsee beginnen. Kurios: Estland ist auch nicht viel fremder als die bisherigen Länder auf dieser Reise, trotzdem brauche ich wenigstens den heutigen Tag um “anzukommen”. Immerhin finde ich ein gutes Hostel nur 300m von der historischen Altstadt entfernt und mache mich mit der Gegend vertraut. Dienstag dann das volle Touristenprogramm. Tallin entpuppt sich schnell als wahre Perle. Die Altstadt ist klein und überschaubar, bietet aber in ihren Gassen hinter jeder Ecke etwas Neues, wie die gut erhaltene Stadtmauer mit Türmen, alte Gildehäuser und sehenswerte Kirchen. Große Limousinen quetschen sich an Passanten und zahllosen Reisegruppen vorbei, denn anscheinend haben alle Nationen ihre Botschaft im historischen Stadtteil. Am Nachmittag ein Gang durch die Neustadt bis hinaus zum Kadriorg Park. Das dortige Schloss ist eine Augenweide und die Außenanlage genau so sehenswert. Apropos sehenswert: in Tallin laufen auffallend viele schöne Frauen herum. Das ist nach dem, auch in dieser Hinsicht, kargen Norden ein Fest für meine Sinne ;-) Den Abend beschließe ich in der hiesigen “Depeche Mode” Bar, wo sich Einrichtung, Musik und auch die Getränkekarte an der von mir verehrten Band orientiert.

Schloss Kadriorg                     Stadtmauer Tallin                     Gildehaus Tallin                      in den Gassen der Altstadt

Mein Zeitplan drängt, also fahre ich Mittwoch weiter. Es ist ziemlich schwierig sich weitere Ziele heraus zu suchen, denn laut Reiseführer bietet Estland so einiges, doch ich will recht direkt in Richtung Heimat weiter. 50km südwestlich von Tallin liegt Paldiski mit seinen schönen Klippen. Das dazugehörige Dorf ist wohl nur für “richtige” Westeuropäer sehenswert und erinnert mich eher an brandenburgische Kleinstädte Mitte der 80ger Jahre. Im nahen Padis besuche ich eine interessante Klosterruine und entdecke von deren Turm im Osten einen ungewöhnlichen Hügel. Der gehört zu einem spektakulären Steinbruch In Rumu. Den anscheinend puren Kalksteinfels haben die Elemente außergewöhnlich geformt und ausgewaschen. Die Grube daneben ist inzwischen mit Wasser gefüllt, Gebäude und Technik halb oder ganz darin versunken. Ein Abenteuerspielplatz für Große, doch der Besitzer lässt nur Wenige aufs Gelände und ich muss mir einen Pfad hinten herum suchen um dieses Highlight zu sehen. Danach auf die Autobahn nach Süden. Ich komme heute bis Pernau, ein altes Seebad. Hübsch, übersichtlich und authentisch. Donnerstag tausche ich die viel befahrene Strasse 4 bald gegen die sehr ruhige 6 und fahre mehr “über Land”. Kleine Städte und Dörfer liegen am Weg, wie auch die unscheinbare Grenze nach Lettland. Gegen Mittag in Mazsalaca, wo ich am stillen Fluss Salaca entlang laufe. Am Weg stehen schöne Holzskulpturen, die “Werwolfkiefer” und Höhlen. Am Nachmittag noch die Kleinstädte Valmiera und Cesis. Bei beiden hätte ich mehr erwartet. Bei schwülen 30°C ein Besuch am Araisi See und am Abend bei Sigulda campen. Tags darauf erkunde ich ausgiebig die sogenannte “Schweiz Lettlands”. Das Tal des Gauja windet sich sehenswert durch grüne Hügel mit einigen Höhlen, Schlössern und Burgruinen. Am Nachmittag weiter in Richtung Riga.

     Steinbruch bei Rumu                   am Fluss Salaca                         Höhle Maza Velnala, Sigulda

die Klippen von Paldiski

Freitag Nachmittag fahre ich auf der A2 nach Riga. Die Autobahn ist streckenweise eine schreckliche Holperstrecke, auf der sich die Höchstgeschwindigkeit automatisch auf maximal 70 km/h begrenzt. In Riga wird es mit üblem Kopfsteinpflaster noch schlimmer und ich leide mit meinem Auto. Parken scheint in der Innenstadt so gut wie unmöglich und im ersten Hostel erlebe ich dann auch noch die schlechteste und überheblichste Rezeption meines Reiselebens. Gut das ich dort nicht reserviert habe. Immerhin findet sich bald ein passendes Haus, noch dazu mit sicherem Parkplatz. Trotz des langen Tages gelingt mir noch ein schöner Abendspaziergang durchs Zentrum bei dem ich einen guten Eindruck von Riga bekomme. Samstag lockt wieder tolles Wetter, doch ich kümmere mich erst mal um meine berufliche Zukunft. Gegen Mittag dann hinein in die Hauptstadt Lettlands. Ums Eck liegt einer der größten (Lebensmittel-) Märkte Europas, teils in 1930 dafür umfunktionierten Luftschiffhallen. Darüber hinaus besticht die Stadt durch einen ausgewogenen Mix aus Neu und Alt. Da stehen noch Häuser aus dem 15. bis 17. Jh. Sonst? Wo Tallin eher klein und verspielt daher kam erscheint Riga eher großzügig und pompös. Kleine Überraschung an der Petrikirche: eine Skulptur der Bremer Stadtmusikanten, ein Geschenk der Partnerstadt. Am Abend ist scheinbar die ganze Stadt auf den Beinen und man hört in den Gassen viel Livemusik verschiedenster Stilrichtungen, teils qualitativ erstaunlich gut.

       Ensemble: Drei Brüder                  in den Gassen Rigas

Schwarzhäupterhaus                                                 es geht auch modern

17.Woche vom 9. bis 15. September 2018
Am Sonntag Morgen ist es noch still auf Rigas Strassen und ich verlasse die Metropole auf der A7 nach Süden. Wie üblich gibt es von der Autobahn aus nur wenig zu sehen. Nach 60km ein Halt in Bauska. Die Burg dort, teilweise noch eine Ruine, liegt sehenswert auf einem Hügel am Fluss. 10km weiter das Schloss Rundale. Es wird überschwänglich als “Versailles von Lettland” bezeichnet - und wird dem voll gerecht. Im 18. Jh. von der russischen Zarin für einen deutschen Herzog gebaut, gleicht schon das Äußere dem französischem Vorbild im Stil von Barock und Rokoko. Innen wird es dann richtig prunkvoll. Der goldene Saal mit viel Glanz und Farbe, der weiße Saal problemlos als Tanzsaal für große Feiern vorstellbar. Dazu jede Menge Themenräume die wuchtig und farbig Eindruck schinden. Die Gärten dahinter stehen dem keinesfalls nach. Geometrisch unterteilt sorgen hohe Hecken dafür das man sie nur Stück für Stück erkunden kann. Erst kleine Tore geben den Blick auf das abwechslungsreiche Innere frei. Im Frühling oder einem nicht so trockenen Sommer zeigt sich Rundales Parkanlagen bestimmt noch prächtiger. Schön das sich zum Sonntag Mittag die Besucherströme im Rahmen halten, so macht der Schlossbummel richtig Spaß.     

Schloss Rundale                      der Goldene Saal                    das Grüne Zimmer                    verblüffende 3D-Malerei

Gegen 16 Uhr fahre ich weiter und überquere kurz darauf die Grenze nach Litauen. Derzeit jagt wirklich ein Land das andere und ich bin nur froh das im Baltikum inzwischen überall der Euro Zahlungsmittel ist. Auf der A12 komme ich gut voran und bin bald bei Siauliai. Übrigens verwende ich die Landesnamen und verzichte weitestgehend auf die häufig parallel verwendeten deutschen Bezeichnungen. Siauliai: 12 km nördlich der Stadt liegt der Berg (Hügel) der Kreuze. Schon im 14. Jh. Opferstätte, errichtete man in späteren Zeiten Kreuze verschiedener Bedeutung. Je nach Herrscher/Regierung wurden diese mehrfach komplett entfernt, doch, teils geheim, auch immer wieder aufgestellt. Derzeit zieren wohl an die 100.000 Kreuze jeglicher Größe den Wallfahrtsort. Selbst für mich, als Atheist, hat dieser Ort etwas an sich was berührt. Das war dann genug Erlebtes für heute und ich schlage mein Nachtlager in einem Vorort von Siauliai am See auf. Montag cruise ich auf ruhigen Nebenstrassen und nehme später die A1. Was auffällt: ich bin wohl der Einzige der sich wenigstens grob an die Geschwindigkeitsbegrenzungen hält und werde, egal wo und wie, überholt. Das stört nicht, und ich will die Fahrt an sich ja auch genießen. Bei schönstem Wetter ziehen Felder, Dörfer und schöne Landschaften vorüber. Nordwestlich von Kaunas dann Kontrastprogramm. Das Neunte Fort, eine 1902 gebaute Befestigungsanlage, diente später dem jeweiligen Regime als Gefängnis und Konzentrationslager. Ein 1958 errichtetes monumentales Denkmal nebenan ist zwar sowjetisch expressionistisch, macht aber was her.  

         der Berg der Kreuze in der Nähe von Siauliai                   auf dem Weg nach Kaunas       das Neunte Fort, Kaunas

Gegen Mittag bin ich im Zentrum von Kaunas, von 1920 bis 1940 die provisorische Hauptstadt Litauens. An den Flüssen Memel und Neris gelegen, macht vor allem die Altstadt von sich reden. Überreste der Burg, einige Kirchen wie auch Klöster und als Höhepunkt der im Inneren phantastisch hergerichtete Dom. So hell und farbig abgestimmt gehört er für mich zu den schönsten dieser Reise. Die sich anschließende Neustadt ist schon spürbar den modernen Metropolen Westeuropas angepasst, nett anzu- sehen aber auch irgendwie austauschbar. Den Rest des Tages verbringe ich an einem schönen Stausee in Stadtnähe. Dienstag das Frühstück am See und weiter nach Süden. Wenig frequentierte Landstrassen bringen mich bis Gruto Parkas, ein etwas anderes Freilichtmuseum. Champignonmillionär Malinauskas bekam Ende der 90ger den Zuschlag für die “Zweitverwendung” sozialistischer Denkmäler und stellte diese in einem Park auf. So stehen da nun Stalin, Lenin und andere zwischen den Bäumen. Dazu noch ein paar Baracken gefüllt mit Orden, alten Zeitungen und anderen Zeugnissen kommunistischer Zeiten. Gleich neben an der Kurort Druskininkai, in Grenznähe zu Weißrussland. Schönes Städtchen, welches dem angestaubten Image mit modernen Wellnesstempeln entgegentritt. Einige Heilquellen sind öffentlich und ich trinke aus der “Quelle ewiger Schönheit”. Mal sehen ob es hilft ;-). Nur Übernachten kann ich hier nicht und fahre weiter bis Veisiejai. Mittwoch Vormittag hinein nach Polen. Nördlich von Suwalki liegt mit dem Hancza der tiefste und anscheinend klarste See des Landes. Schön dort durch die Hügellandschaft zu wandern. Später am Tag nach Stanczyki, wo aus preußischen Zeiten zwei große Bahnbrücken stehen - praktisch bedeu- tungslos und nie wirklich in Betrieb. Immerhin hat damit eine abgelegene Ecke Polens ein touristisches Ziel zu bieten. 20 km weiter findet sich schließlich am See Loyer ein toller Platz zum Zelten. Tags darauf weiter nach Westen, wo mitten im Wald Geschichte steht: Mamerki (Mauerwald), Bunkeranlangen aus den 40ger Jahren vom Oberkommando des Heeres. Wahnsinn, wenn man die Größe der Bunker im Verhälnis zu den kleinen Innenräumen sieht. Eine halbe Stunde weiter die “Wolfsschanze”, Führerhauptquartier im 2. Weltkrieg. Versteckt im tiefen Wald, mit bis zu 8 m dicken Bunkerwänden aus Stahlbeton, neben natürlichem Bewuchs professionell getarnt und mit tausenden von Minen geschützt. Versuche die Bauten vor Kriegsende mit Tonnen von Explosivstoffen zu sprengen verursachten teils nur Risse in den Wänden - so massiv wurde damals gebaut.  


im Dom von Kaunas                  Gruto Parkas                          Wolfsschanze                        Mauerwald

So vergeht der Tag an dem ich es noch bis Swieta Lipka (Heilige Linde) schaffe. Dieser Wallfahrtsort ist einer der bekanntesten in Polen, doch am Donnerstag Abend so gut wie ausgestorben. Die Kirche sehr sehenswert, der See nebenan überaus friedlich. Am nächsten Morgen auf Nebenstrassen weiter, schöne Landschaft, herrliches Wetter. Bereits am Mittag bin ich in Olsztyn ein und finde schnell ein Hostel. Die Stadt macht einen sehr angenehmen Eindruck und verschafft mir einen schönen Aufenthalt. 

Kopernikus in Olsztyn

Samstag fahre ich ab Ostroda nördlich und biege bei Buczyniec in den Wald ab. Da versteckt sich der Elblaski (Oberlandkanal) mit einer technischen Raffinesse. Der Höhenunterschied wird hier mit sogenannten Rollbergen überwunden. Interessant zu sehen wie die Schiffe per “Standseilbahn” von einem Kanalteil in den nächsten gelangen. Sonst rollt es sich leicht auf den Strassen und ich erreiche am frühen Nachmittag Malbork. Dort steht, gebaut aus rotem Backstein, die Mutter aller Burgen: Marienburg. Im 13. Jh. vom deutschen Orden (Kreuzritter) errichtet, war es der Sitz des Hochmeisters und flächenmäßig gerade mal ein Drittel kleiner als der Vatikan.

Rollberg am Oberlandkanal

Den richtigen Besuch verschiebe ich, denn für eine Anlage dieser Größe würde die Zeit heute zu knapp werden. Außerdem drängen sich Massen von Besuchern in und um die Burg. Da spaziere ich heute lieber noch ein wenig durch die Stadt.

18.Woche vom 16. bis 22. September 2018
Am Sonntag Morgen gehöre ich kurz nach Öffnung der Burg zu deren ersten Besuchern. Einen Führer brauche ich nicht, denn wer will bekommt einen Audioguide in passender Sprache mit auf den Weg. Der weis per GPS genau wo man steht und unterstützt das Finden des Weges mit Wort und Bild. Eine geniale Technik, die jedem erlaubt im selbst gewählten Tempo die weitläufige Anlage zu erkunden. Dank frühem Start kommen mir außer wenigen Touristen nur einige Gruppen in den Weg, die eine abgekürzte Route verfolgen. Marienburg, das wird mir schnell klar, ist der Hammer. Architektur, Geschichte und eine interessante Ausstellung neben der anderen. Waffen, Rüstungen, Bernstein, Geschichte aus dem Mittelalter und manch amü- sante Begebenheit würzen den Besuch und lassen die Zeit verfliegen. Letztlich verbringe ich geschlagene fünf Stunden in den roten Mauern und habe keine Einzige davon bereut. Am Nachmittag ist der Burghof dann so voll mit Menschen das fast kein Blatt mehr zu Boden fallen könnte... Ich fahre weiter und erreiche problemlos Gdansk, wo ich am Rande der Stadt im “Mamas und Papas” absteige, ein sehr ursprüngliches Hostel in dem ich mich sofort sehr wohl fühle. A Home away from home :-) 

die Marienburg                       das Hochschloss der Burg       altes Toilettenzeichen ;-)         die Hochmeister der Burg

Am Montag das Rad aus dem Auto nehmen und damit ins Zentrum von Gdansk fahren. Schön am kleinen Kanal entlang radeln und dem geballten Verkehr ausweichen. Am Hohen Tor parke ich und erkunde die Altstadt zu Fuß. Es ist erstaunlich wie gut das Häuserensemble nach der kompletten Zerstörung am Ende des zweiten Weltkrieges wieder aufgebaut wurde. Meine Hochachtung vor dieser Leistung. Trotzdem bleibt ein wenig das Gefühl eine Kopie zu sehen, und nach den Perlen der Ostsee mit Tallin und Riga kann mich Gdansk kaum beeindrucken. Vieles ist irgendwie schön, aber auch nicht mehr. Vielleicht waren auch meine Erwartungen zu hoch. Am nächsten Tag bleibe ich in der Nähe vom Hostel, schiebe einen Bürotag ein und kümmere mich intensiv um die berufliche Zukunft. Am Mittwoch Sachen packen und in südlicher Richtung die Ostsee endgültig hinter mir lassen. Auf der 91 herrscht überraschend viel Verkehr und die Reisegeschwindigkeit bleibt niedrig. Später wird mir klar das anscheinend viele der mautpflichtigen Autobahn ausweichen. Bei schönem Wetter nehme ich das gelassen und kann die Fahrt wie geplant mit schönen Pausen in den sehenswerten Kleinstädten Gniew und Chelmno unterbrechen. In Torun suche ich mir nach guten Erfahrungen wieder ein Schulheim. Die haben kein Bett frei, bieten mir aber eine 3-Raum-Wohnung an, pro Nacht für 50 Zloty (12 €). Was für ein Deal. Donnerstag Vormittag ein Stadtbummel durch Torun. Bei herrlichem Wetter spaziere ich Teile der alten Stadtmauer am Flussufer der Wisla ab und begutachte die Altstadt. Ein lohnender Besuch. Auf teils üblen Schlaglochpisten geht es danach durchs polnische Hinterland zum Dorf Biskupin. Dort wurde 1933 ein altes Wehrdorf aus der Eisenzeit entdeckt. Als viele in Europa noch unorganisiert in Höhlen lebten, stand hier bereits vor fast 3.000 Jahren eine durchdachte Siedlung. Mein freudiger Entdeckerdrang wird allerdings schon auf dem Parkplatz stark ausgebremst. Da stehen unter anderem mehr als 50 Busse, deren Fahrgäste, fast alle junge Schüler, lärmend das gesamte Freiluftmuseum in Beschlag genommen haben. Dazu geht es allerorts eher um das Mittelalter als um die Eisenzeit, Plastikwaffen und Rüstungsgerassel inklusive. Na ja, manchmal bekommt man etwas ganz anderes als erwartet. Danach ist es nicht mehr weit bis Poznan, wo allerdings gerade Feierabendverkehr herrscht. Für die letzten 5 km brauche ich eine geschlagene Stunde - reine Nervensache.   

Hafen Gdansk mit Krantor         Gdansk - Zeughaus                Wehrsiedlung Biskupin              mittelalterliches Spektakel

Am Freitag schaue ich mir Poznan näher an - und werde mal wieder überrascht. Diese Stadt kann sich wirklich sehen lassen. Vor allem der Marktplatz macht viel her und gehört zu den schönsten die ich bisher gesehen habe. Schmucke Fassaden, viel Raum, in jeder Ecke des Platzes ein schöner Springbrunnen und mitten auf dem Platz das schöne Rathaus samt farbenfroher Häuschen. In den Gassen ringsum setzt sich dieser verspielte Charme nahtlos fort. Da steht auch die Marienkirche, deren Fassade man in den engen Strassen gar nicht richtig anschauen, geschweige denn bewundern kann. Umso mehr deren Inneres, welches locker in einer Liga mit dem Dom in Kaunas mitspielen kann. Gehalten in dunklen Tönen, mit viel Ornamenten, Gemälden und Deckenmalerei. Was für ein Gotteshaus! Da kommt selbst der Dom auf der anderen Flussseite nur sporadisch mit.

Poznan, eine Marktecke             bunte Häuschen auf dem Markt     gelungene 3D Malerei

                                                                                       das Innere der Marienkirche in Poznan

Ebenso erwähnenswert: die sehr gelungene 3D Malerei an einer Häuserwand. Am Abend zieht leider schlechtes Wetter auf und der Plan eines gemütlichen Abends auf dem Markt lößt sich in Regen auf. So fahre ich ein Stück weiter und kampiere 20 km südlich am Rand des Wielkopolski Nationalparkes. Den besuche ich dann am Samstag, auch wenn es kühl, windig und regnerisch ist. Schöne Gegend mit einigen Seen. Als der Himmel gegen Mittag aufreißt besuche ich das nur wenige Kilometer entfernte

uralte Stieleichen

Schloss Rogalin, welches jedoch zur Nebensache wird. Mehr interessiert mich der Schlossgarten mit seinen 700 Jahre alten Stieleichen die einen Stammdurchmesser bis zu 9 m haben. Was die wohl schon alles erlebt haben... Mit diesen Gedanken im Kopf fahre ich am frühen Nachmittag weiter nach Süden. Den letzten Abend auf polnischem Grund möchte ich in Legnica ver- bringen, wo ich gegen 16 Uhr eintreffe. Ein ruhiges Ausklingen der Reise wird mir aber vergält, denn alle Häuser, vom Schulheim bis zum höherklassigen Hotel, sind ausgebucht. Erst nach Stunden gelingt es mir etwas außerhalb ein kleines Hotel zu finden, in welchem noch genau ein Einzelzimmer frei ist.

Schloss Rogalin

19.Woche, der 23. September 2018
Am Sonntag endet meine Skandinavienreise. Nach dem Frühstück in Legnica zum letzten Mal die Sachen ins Auto räumen und auf fast leeren Strassen die fehlenden 130 km bis Deutschland einsammeln. Exakt 18 Wochen nachdem ich die Heimat bei Flensburg verlassen habe, betrete ich in Görlitz wieder deutschen Boden. Dort kann ich einen Teil meiner Familie besuchen und fühle mich damit sofort wieder wie zu Hause...

Noch auf ein Wort:
Ich möchte es wie üblich nicht versäumen mit etwas zeitlichem Abstand ein Resümee dieser Reise zu ziehen. 

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