meine Reiseroute durch Myanmar

1. Woche vom 1. bis 7. Januar 2015
Ein neues Jahr, eine neue Reise…
Gerade noch im „Hermitage“ in Luzern am Arbeiten auf der Sylvesterfeier, startet meine Reise nur Stunden später am Donnerstag Morgen. Zwar ohne Kreditkarte, die trotz Versprechen der Deutschen Bank nicht rechtzeitig ankam, dafür aber mit Vorfreude im Bauch. Der Flieger von Singapore Airlines ist das große Flaggschiff von Airbus: ein A380. Komfort, Essen und Entertainment sind wie erwartet ausgesprochen gut. Am Freitag ein pünktliches Umsteigen in Singapur und nur wenig später die Landung in Yangon, Myanmar 9:20 Uhr Ortszeit (fünf ein halb Stunden vor Mitteleuropa). Wetterbericht: blauer Himmel, Sonnenschein, 30 Grad Celsius. Mit dem Taxi in die Stadt, welche typisch ist für Asien: Vollgestopfte Strassen, leicht chaotisch. Die Fahrbahn teilen sich klapprige Busse, Autos und Fußgänger. Keine Motorräder, fast keine Fahrräder – wie ungewöhnlich (im Großraum Yangon sind Zweiräder verboten, ein Überbleibsel aus despotischen Zeiten des Militär). Die ersten zwei Tage zum Eingewöhnen. Kreise laufen in der Innenstadt um ein Gefühl für das Land zu bekommen. Was schnell auffällt: Die Bausubstanz häufig alt und marode, schöne Architektur Mangelware oder dem Verfall preisgegeben. Viel Müll, keine spürbare Abfallwirtschaft und des Öfteren Gerüche an der Schmerzgrenze. Scheinbar jeder hat sein eigenes Business, wie ein Restaurant an der Strasse (mit Kinder Plastik Stühlen, die aber für hier reichen) oder irgendwas verkaufen (zum Beispiel haufenweise Smartphone Hüllen ab 0,50€). Aber das kennen wir schon. Anderes ist neu.

Yangon, am Fluss                   WWohnen in Yangon               typische Bausubstanz            Wohnen in Yangon 2

Öffentliche Wassertrinkstellen, Schnüre vom Balkon/Fenster bis knapp 2 m über den Fußweg als Briefkasten/Klingel. Dazu überall Mönche, teils bettelnd, teils mit Smartphone am Ohr, welches auch hier mehr als jeder zweite besitzt. Auch die Hauptstrasse ist bis in die Fahrbahn hinein als Markt belegt, sprich Obst und Gemüse praktisch auf dem Straßenbelag. So liegt die frisch aufgeschnittene Melone nur einen Meter vom Dieselschmutz ausblasenden Bus entfernt… Eine Gefährdung für Touristen scheint schwer vorstellbar. Die Einheimischen sind freundlich, lächeln einen auch auf der Strasse an. Dazu bin selbst ich im Schnitt 10 cm größer als alle und bestimmt 10 kg schwerer.
Samstag ein erstes touristisches Highlight: die Shwedagon Pagode in Yangon, zugleich Wahrzeichen des Landes. Die erscheint auf einem kleinen Hügel wie ein separates kleines Dorf voller Buddhas, Gebetshallen und Pilger. Dazu viel Gold, viele Menschen. Etwas irritierend: barfuss ist Pflicht im gesamten Areal (heiliger Boden). Das trifft auch auf das Hostel zu, ich werde mich daran gewöhnen. Genau wie ans Essen. Noch bin ich vorsichtig und „speise“ in ordentlichen Restaurants, wo das einfache Essen bei 2€ los geht. Dafür gibt es Reis oder Nudeln mit Gemüse und auf Wunsch einen Hauch von Fleisch.

Shwedagon Pagode, Yangon     viel Gold, viel Staunen...        ...viel Buddha                       typisches Bild an der Pagode

Areal der Shwedagon Pagode   beeindruckend                      Strassenrestaurant                 öffentliche Wasserstelle

Am Montag (5.Januar) verlasse ich mit dem Zug Yangon. Für die 60 km bis Bago und wähle ich die „Holzklasse“, welche gerade mal 0,50€ kostet. Die Züge sind alt und scheinen manchmal fast aus der Schiene zu springen. Dafür fahren sie langsam und man sieht was vom Land. Zuerst die Slums und den Müll von Yangon, später flaches Land und Felder über Felder. Nach zwei Stunden die Ankunft in Bago, eine ehemalige Königsresidenz, wovon man aber kaum etwas spürt/sieht. Auf den zerschlissenen Strassen viel hektischer Verkehr, nun auch auf zwei Rädern. Dazu ist es heiß, wieder über 30 °C. Also wird der Stadtrundgang auf nach 15 Uhr verschoben. Unter den wenigen Sehenswürdigkeiten: ein riesiger Buddha und die große Pagode.
Dienstag geht alles ganz fix. Kurz nach 5 Uhr aufstehen, habe wegen der Hitze und dem Lärm eh kaum geschlafen. Im Dunkeln einen Pickup nach Kinpun suchen, der mich nach 10 Minuten in einen mittel großen Bus „umläd“. Ich darf auf dem Beifahrersitz Platz nehmen und „helfe“ bei Überholmanövern, denn trotz Rechtsverkehr werden die meisten Fahrzeuge rechts gelenkt (früher englisch Kolonie mit Linksverkehr, hat die Regierung über Nacht beschlossen auf Rechtsverkehr zu wechseln). Anscheinend sitze ich in der Expresslinie, die mich ohne extra Kosten ins 60 km entfernte Kinpun bringt, und das nach nur zwei Stunden statt der erwarteten vier! Weil die Uhr bei Ankunft erst acht anzeigt ein Planwechsel: Wandersachen an und los. Trotz der Hitze geht es hinauf zum Goldenen Felsen, eine Pilgerstätte für Tausende. Die Meisten überwinden die 1.000 Höhenmeter auf den schmalen Bänken einer Kleinlasterladefläche. Nichts für mich! In weniger als drei Stunden bin ich oben und habe mir auf dem Weg dutzendweise Hochachtung von Pilgern verdient die nach der Fahrt hinauf nun zu Fuß absteigen. Erste Fotowünsche mit mir drauf inklusive. Der Goldene Felsen dann einzigartig. Er scheint nur Zentimeter davon entfernt herabzustürzen – tut es aber nicht (ein Haar Buddhas hält ihn im Gleichgewicht…). Pilger kleben Blattgold an ihn und ich muss sagen das ein Berühren wirklich spirituelle Energie fühlen lässt. Frauen werden dies nie spüren, denn sie dürfen sich dem Felsen nicht mal richtig nähern. Nach dem Abstieg zählt für mich nur noch Erholung und Klimaanlage. Kleine Anekdote am Rand: beim Rasieren im Bad kitzelt mich etwas am Knöchel. Das Ausschütteln der, in dem Fall, langen Hose fördert eine 5 cm große Kakerlake zu Tage. Für mich eine eher lustige Begegnung…

           liegender Buddha in Bago...             ...und seine Fußsohlen

die “Holzklasse” im Zug                                    der Goldene Felsen von Kinpun

Am Mittwoch setzt sich die Reise fort, erneut mit einem Pick-up. Die Bänke auf der Ladefläche sind niedrig und mit der Zeit recht unbequem. Egal, nach zweieinhalb Stunden bin ich in Hpa-an. Ein Hostel suchen, dann was essen, am späten Nachmittag herumbummeln und eine Tour für morgen buchen, das war es für den Tag.
2. Woche vom 8. bis 14. Januar 2015
Donnerstag Morgen starten wir um 8.30 Uhr mit dem Tuk-Tuk. Wir sind zu sechst, eine nette Truppe mit einem Paar aus der Schweiz, dazu England, Finnland, sowie Italien. Die Tour für 6 € dauert den ganzen Tag und wir bekommen die Karstlandschaft der Gegend zu sehen. Hauptziel sind die Höhlen, meist religiös benutzt. Da heilig, sind sie nur barfuss zu betreten. Im schumm- rigen Licht über Stock und Stein mit teils glitschigem Boden… das darf sich jeder selbst ausmalen! Trotzdem beeindruckend. Vor der Kawt-Ka-Thaung Höhle steht eine lange Reihen mit Mönchen aus Ton, die Saddan Höhle ist einfach nur riesig und die Kawt-Gone Höhle voller Kunst die bis ins 8. Jh zurückreicht, was für mich das Highlight des Tages war. Dazwischen ein Buddha- garten mit 1.500 Figuren, das Kyat-Ka-Lat Seekloster mit Nadelfelsen, Mittagessen in einem kleinen Dorf und pünktlich zum Sonnenuntergang das Eintreffen an einer heiligen Höhle von der ungelogen ungefähr 100.000 Fledermäuse zur Jagd in die Nacht starten. Bei dem recht schmalen Höhlenausgang ein Spektakel der Extra Klasse. Was für ein toller Tag… Freitag dann Zwangs- pause. Es regnet, was hier einem Dauerwolkenbruch gleich kommt. Kein Wetter um als Backpacker ans nächste Ziel zu kommen

vor der Kawt-Ka-Thaung     Suchbild:wo ist der echte Mönch      rote Strassen der Gegend    Saddan Höhle - riesig   

1.500 Buddhas im Garten        Kyat-Ka-Lat Kloster                            die Kawt-Gone Höhle, beeindruckend schön

Am Samstag (10. Januar) weiter von Hpa-An aus in Richtung Südwesten. Der alte Bus schüttelt uns innerhalb von zwei Stunden nach Mawlamyaing (aus englischen Kolonialzeiten existiert auch der Name Moulmein). Trotz der offiziellen Einwohnerzahl von 300.000, gewinnt man eher den Eindruck einer größeren Kleinstadt. Ein paar alte Gebäude aus der Kolonialzeit und auf der Hügelkette quer durch die Stadt leuchtet eine goldige Pagode neben der anderen aus den Baumwipfeln hervor. Dazu ein geschäftiges Treiben auf dem Thanlwin, einer der größten und wichtigsten Flüsse Südostasiens.
Wegen anhaltender Rückenschmerzen besuche ich eines der besseren Hotels für eine Massage, die anscheinend einiges bewegt. Am Sonntag einen Ausflug in die nähere Umgebung. Gleich neben dem Städtchen Mudon liegt der derzeit größte Buddha der Welt. Sagenhafte 180 Meter lang und 8 Stockwerke hoch. Begonnen vor 20 Jahren ist er noch immer im Bau und die Räume in seinem Inneren werden wohl erst in 10 Jahre fertig sein… Gleich gegenüber wurde schon mit dem nächsten Buddha in der selben Größe begonnen. Davon sieht man aber bisher nur das Grundgerüst und die Kopfform. Eine trotzdem sehr imposante Ansicht. Später noch ein Bummel durch Mawlamyaings Strassen, wobei ich mehr als sonst in sprachlichen Kontakt mit Einheimischen komme.

das andere Klassenfoto...        Grillstation in Mawlamyaing     Zinathukha Yan Aung Chanta, der größte liegende Buddha

Montag eine kleine Planänderung: zurück nach Yangon. Myanmar zieht sich zwar nach Mawlamyaing noch weit nach Süden, ist aber größtenteils für Touristen gesperrt und stand nicht auf meiner Wunschliste. Warum es aber nach Yangon geht erkläre ich gleich. Der Zug braucht auf jeden Fall für die 270 km geschlagene 10 Stunden. Schneller darf er auch nicht, denn die Gleiskörper wie die Züge sind so marode das sich der Waggon immer wieder aufschaukelt und es einen dabei komplett aus dem Sitz hebt (respektive: aus der Holzbank). So was habe ich noch nicht erlebt. In der Holzklasse sitze ich nur unter Einheimischen und werde von einer Oma praktisch genötigt einige selbst gemachte Süßigkeiten zu probieren. Lecker, und mein Magen hat es überlebt.
Yangon war notwendig geworden weil mich anscheinend das alte Jahr eingeholt hat. Schon in Bago vor einer Woche ist es mir ins Kreuz gefahren und in Hpa-an ein zweites Mal sehr heftig. Die Massage in Mawlamyaing brachte zuerst statt Erleichterung nur noch mehr Schmerz und am Morgen brauchte ich fast eine Stunde um aus dem Bett in die Senkrechte zu kommen. Klar das das Sorgen macht.

Transport in der Stadt           Zugfahrt nach Yangon           Transport auf dem Land           Reisanbau

Also ein Besuch des staatlichen Hospitals in Yangon. Nun, von unseren Vorstellungen eines Krankenhauses ist selbiges ein Stück entfernt und erinnert im Wartebereich eher an eine Bahnstation mit alten und zerbrochenen Plastebänken… Aber das Personal freundlich, hilfsbereit und nach etwas suchen auch englisch sprechend. Eine Stunde später steht fest was ich bereits gehofft hatte: knochentechnisch alles okay. Die Schmerzen als Ergebnis innerer Verspanntheit die wiederum aus der Summe des letzten Jahres entstanden ist. Also: entspannen, loslassen. Gar nicht so leicht für jemanden der es gewohnt ist dauernd zu denken und alles mit sich selber auszumachen… Röntgenbild und Untersuchung waren im Nachhinein übrigens kostenlos, die Ärzte sehen wohl selten Ausländer in ihrer Klinik und machten mir beides zum Geschenk. Mit der Diagnose im Gepäck ein neuer Plan: noch am Abend des 13. Januar entspannt zum Busbahnhof und über Nacht der Sprung nach Bagan, welches fast im Zentrum des Landes liegt. Nebenan übrigens mein Röntgenbild, made in Myanmar

Dienstag Abend teile ich mir mit drei anderen Backpackern das Taxi zum weit außerhalb gelegenen Busbahnhof, welcher sich als eine Ansammlung von schmalen Gassen und einem Wirrwarr von Unternehmen entpuppt. Doch wir werden ordentlich an richtiger Stelle abgesetzt und nach kurzer Wartezeit startet der Nachtbus nach Bagan. Für die 550 km brauchen wir neun Stunden mit einem für dieses Land überraschend guten Luxusbus. Dazu sind wir nur zwölf Fahrgäste, was uns jede Menge Platz lässt. Bereits um 4.00 Uhr die Ankunft am Busbahnhof außerhalb von Nyaung U. Dann mit dem Taxi ins Zentrum, wobei die
20 USD „Eintritt“ für Bagan fällig werden. Im vorab gebuchten Hostel sind die Besitzer schon wach und das Haus offen, genau wie gegenüber das Teehaus in dem wir frühstücken und Fahrräder können wir uns auch schon ausleihen. Myanmar – ein Land der Frühaufsteher. Wir fahren noch im Dunkeln los um den Sonnenaufgang von einer Pagode aus zu erleben.

typisches Frühstück              Bagan im Morgenlicht               Blick auf den Dhammayangyi    Aleya Gruppe

Bagan ist das „Angkor Wat“ von Myanmar. Alte Tempel und Stupas so weit das Auge reicht, teils gebaut im 11. Jahrhundert. Eigentlich Weltkulturerbe, aber da sich die Regierung nicht von der UNESCO hereinreden lässt, fehlt es auf der Liste und wird bzw. kann auch nicht vom Ausland unterstützt/restauriert werden. Trotzdem ist es ein Erlebnis zum Sonnenaufgang in einer flachen Savannenlandschaft zwischen vereinzelten Bäumen überall rote Ziegelbauten auftauchen zu sehen. Bauliche Unterschiede zeugen von den Epochen früherer Königreiche. Nach dem Sonnenaufgang starte ich mit dem alten Rad (Miete pro Tag 0,80 Euro) die Besichtigungstour. Auf meiner Liste stehen die Anlagen Sulamani, Dhammayangyi und Ananda, um mal die einfacheren Namen aufzuzählen (Somingyi Ok-Kaung wäre schon schwieriger). Um der Mittagshitze zu entgehen eine Pause im Hostel, wo unser Zimmer inzwischen bezugsbereit ist. Am Nachmittag die nächste Runde vom Dorf Nyaung U bis nach Alt Bagan. Die Shwezigon Stupa mit viel Gold und der Thatbyinnyu Tempel mit 61 m Höhe als Beispiel wie gut schon vor 800 Jahren ohne Stahlbeton gebaut worden ist. Nach dem Tag gehe ich früh zu Bett um am nächsten Morgen wieder 5.00 Uhr fit zu sein.

Ananda Tempel                      Shwezigon Pagode                  Detail Shwezigon Pagode         Transport in Bagan

3. Woche vom 15. bis 21. Januar 2015
Diesmal der Sonnenaufgang auf dem Nanmyint Turm (Eintritt 5 USD). Vom 13. Stockwerk der freie Blick auf die Tempel. Fünfzehn Heißluftballons die durch die Szenerie gleiten sind eine hübsche Zugabe. Danach auf Erkundung in teils abgelegenen Dörfern ohne andere Touristen mit mehr Pagoden und Tempeln, deren Mauerwerk praktisch keine Fugen zwischen den Ziegeln hat. Das lässt staunen. Dazu Architektur, Bildhauerei und Malereien aus uralten Zeiten. Das Staunen nimmt kein Ende. Nach dieser dritten Runde habe ich das Meiste gesehen und bin ziemlich geschafft. Als es am Nachmittag anfängt zu regnen bin ich doppelt froh, die für mich wichtigsten Orte besucht zu haben.

Sonnenaufgang am Nanmyint    Bagan im Morgennebel            im Dorf Minnanthu                 auch andere sind interessiert ;-)

Am Freitag (16.Januar) dann weiter nach Mandalay. Es regnet noch immer recht heftig und hört erst kurz vor der Ankunft wieder auf. Mandalay, der Name weckt romantisch verklärte Gefühle. Da steckt Melodie schon im Namen. Der erste Eindruck vor Ort. Nun ja… es ist… um es in wenige Worte zu packen… wie soll ich sagen…: Nö. Typisch asiatische Großstadt: laut, hektisch, chaotisch, dreckig. Da hatte ich mehr erwartet. Bezahlbare Zimmer sind knapp in der Stadt und ich teile mir eines mit dem Japaner der mir im Bus begegnet ist. Noch ein kleiner Streifzug durch den Stadtteil, mehr wird heute nicht.
Der Samstag in Mandalay grau und trüb. Zu Fuß erkunde ich das Zentrum der Stadt und stelle fest wie groß die Distanzen sind und wie störend die ehemalige zentrale Festungsanlage mit breitem Wassergraben und hohen Mauern, deren Betreten für Ausländer nur vom Osttor aus gestattet ist. So liegt die Anlage mit ihren 2 km mal 2 km „uneinnehmbar“ im Weg und auch der Verkehr zwängt sich um sie herum. Mein heutiger Besichtigungsplan: das hölzerne Shwenandaw Kloster, uralt und mit vielen Schnitzereien überzogen. Nebenan das Atumashi Kloster, welches nach einem Brand emotionslos aus Beton neu errichtet wurde. Eindrucksvoller und gleich in der Nähe: die Kuthowdaw Pagode (Pagode der königlichen Verdienste, erbaut 1868): 729 kleine Stupas beinhalten je eine Marmortafel, beidseitig per Reliefschrift ausgemeißelt. Gedruckt wäre es das größte Buch der Welt (ungefähr 36 Bücher a 400 Seiten). Ähnlich die Sandamani Pagode nebenan, nur das die Stupas noch enger stehen, die Farben abblättern und weniger Besucher vorbei kommen. Am Nachmittag ein Spaziergang südlich vom Zentrum. Dabei ein Besuch bei den Blattgoldschmieden. Eine harte Arbeit, die letztlich zum körperlichen Ruin führt.

Shwenandaw Kloster               viel uralte Schnitzerei              Sandamani Pagode                 Mandalay im Smog

Sonntag Ruhepause, es regnet in Strömen.
Montag ein Ausflug mit dem Rad. Etwas klapprig, aber auch nur 1,20 € Miete. Zuerst nach Süden, zur ehemaligen Königsstadt Amarapura, mit der ehemals längsten Holzbrücke der Welt. Die 1200m lange Teakholzbrücke war einst vergoldet. Hübsch anzu- sehen. Nebenan warten im Kloster geduldig hunderte Mönche auf die gespendete Essensausgabe – umringt von Busladungen fotografierender Touristen. Für mich eine sehr unangenehme und beschämende Situation, da fahre ich schnell weiter. Weil es gut rollt, flechte ich die 10 km entfernte ehemalige Hauptstadt Sagain ein (die Könige sind früher öfters mit ganzen Städten umgezogen). Schon von weitem leuchten goldige Pagoden von allen Hügeln, ein kleiner Wow-Effekt. Die von mir zufällig ausge- suchte bietet tolle Ausblicke und ich bin auf ihr mit einem alten, englisch sprechenden Mönch ganz allein. Das war super!
Zurück in Mandalay ein Halt an der Mahamuni Pagode, deren über alle Maßen verehrter Buddha bereits so dick mit Blattgold überzogen ist (Spenden der Pilger), das er seine Form schon teilweise verliert. In meinem Empfinden zählt dort mehr der Kommerz als das Spirituelle und war so wenig eindrucksvoll. Auch der später besuchte Königspalast eher eine Enttäuschung. Wie gesagt kann man nur durch das Osttor auf das „Palastgelände“. Nun ja, zu 97% besteht die Anlage aus militärischem Sperrgebiet und Gemüsebeeten. Der im zweiten Weltkrieg abgebrannte Palast wurde spät mit Beton und Wellblech nachgebaut, fast leer gelassen und mehr oder weniger dem Verfall preis gegeben. KEIN Vergleich mit anderen Palästen, wie z.B. in Bangkok. Schande über eine Kultur ohne Kultur!
Zum Abschluss des Tages hinauf auf den Mandalay Hill. Schon vom ersten Schritt an barfuss, führen unzählige Treppen fast 1.000 Stufen hinauf. Der Blick ins weite Rund endet schnell an der staubigen Dunstglocke. Zur beliebten Sonnenuntergangszeit (ach, diese romantischen Touristen. Komischerweise wirbt keiner für den Sonnenaufgang, obwohl mindestens genau so schön, aber eben schon um 6.30 Uhr…) ist die Sicht so schlecht das man kaum etwas von der Stadt sieht.
Übrigens: Nach der Radtour auf Mandalays Strassen lernt man wieder das Leben zu schätzen, und Länder mit Verkehrsregeln...

Amarapura, trügerische Idylle und die schmutzige Realität          die U-Bein Brücke                   ohne Worte

Amarapura, farbenfrohe Boote   der etwas größere Reistopf       Speisung der Mönche               Blick auf Sagaing

Am Dienstag (20.Januar) die Weiterfahrt von Mandalay ins 70 km entfernte Pyin U Lwin, welches bereits in den Shan Bergen liegt. Der öffentliche Pick-Up als Busersatz braucht seine zwei Stunden um uns bis auf 900 Meter über dem Meer hinaufzuschaffen. Der Ort Pyin U Lwin klein und recht ansehnlich. Ein paar alte Kolonialbauten aus Englands Ära und urige Pferdekutschen aus eben dieser Zeit, wie geschaffen für Touristen. Trotz Tagestemperaturen von über 30°C kühlt es hier abends sehr schnell ab und das Thermometer fällt nachts unter 10°C. Gut das ich warme Sachen dabei habe. Am Mittwoch fällt mein komplettes Programm aus, also keine Radtour zu den Wasserfällen oder dem Botanischen Garten. Rätselhafte Geschichte: Der Magen spinnt, leichtes Fieber, Erschöpfung. Nach 24 Stunden mit viel Schlaf bin ich zwar noch leicht geschwächt, aber wieder okay (?!).

auf dem Land funktioniert noch vieles mit Handarbeit               in Pyin U Lwin                        da geht doch noch was drauf

4. Woche vom 22. bis 28. Januar 2015
Am Donnerstag mal wieder Zug fahren. Mit Rumpel, Holper und Schlenker weiter hinein in die Berge. Drei Ausländer sitzen in der Holzklasse (ich inklusive), der große Rest „Langnasen“ in der sogenannten Upper Class. Ich persönlich fühle mich bei den Einheimischen wohler. Der Grund warum viele den langsamen Zug anderen Verkehrsmitteln vorziehen ist der Gokteik Viadukt, das Highlight der Strecke. Von den Briten 1899 gebaut ist er 800 m lang und über der engen Schlucht 111 m hoch. Drüber geht es im Schritttempo, was bei der filigran wirkenden Architektur wohl auch besser ist. So bleibt auch mehr Zeit zum Schauen und Fotografieren
Das Tagesziel Hsipaw ist dann ein Örtchen ganz nach meinem Geschmack. Klein, übersichtlich und perfekt am Fluss liegend. Der Tee am Nachmittag auf der Terrasse am Fluss und später ein schöner Sonnenuntergang an der Pagode auf dem Hügel. So schön kann Reisen sein.

der Gokteik Viadukt                  mobiler Laden, Hsipaw             früh übt sich...                      touristenfreundliche Steckdose

Kleine Randgeschichte: Das Internet ist inzwischen mehr oder weniger in Myanmar angekommen. An manchen Orten funktioniert es gut, aber meist ist es unheimlich laaaangsam. Außerdem sind E-Mail Konten wie web.de häufig nicht zu öffnen und bringen dauernd Fehlermeldungen. Abhilfe schaffen da teilweise webbasierende Mail-Apps. Facebook Nachrichten zu öffnen kann schon mal zehn Minuten dauern und europäische Bankseiten… Die Aktualisierung meines Blogs betrifft das auch, und so muss ich Orte und Uhrzeiten nutzen wenn mal alles funktioniert.
Am Freitag steht in Hsipaw eine Wandertour an. Auf schmalen Pfaden erkunde ich die Gegend, ziehe dabei am Fluss entlang von Dorf zu Dorf, was genau meinen Geschmack trifft. Weg von der Strasse, weg vom Verkehr. Hin zu den Einheimischen und ihrem Leben. Landwirtschaft prägt das Bild, und so mancher Bauer auf dem Feld ist überrascht mich zu sehen. Auf dem Rückweg ein Halt an historischer Stelle am Rand von Hsipaw, wo in den 50ger Jahren eine Österreicherin als Shanprinzessin lebte bis ihr Mann 1962 vom Militär verschleppt wurde und nie wieder auftauchte. Ihre Geschichte in Buchform: „Dämmerung über Burma, meine Tage als Shanprinzessin„ ist auch auf deutsch erhältlich. Samstag Morgen noch mal das tolle Frühstücks Buffet vom Hotel auskosten (Lily‘s Home), das mit Abstand Beste der bisherigen Reise, und das bei einem Zimmerpreis von 10$! In den verbleibenden Stunden dann eine Erkundung der näheren Umgebung von Hsipaw Ort. Am eindrucksvollsten erscheint dabei ein altes Pagodenfeld, schon halb zerfallen und teils von der Natur zurückerobert.

       die Umgebung von Hsipaw, malerisch am Fluss gelegen

 wer hats erfunden ;-)                                  noch Stupa oder schon Baum?

Am späten Nachmittag des 23.Januar nehme ich den vorab gebuchten Nachtbus in Richtung Süden nach Nyaungshwe, am Inle See gelegen. Der in die Jahre gekommene Bus quält sich zuerst die Serpentinen über Pyin U Lwin und Mandalay hinunter, bevor er uns nach Mitternacht über Kalaw wieder hinauf schaukelt. Schlafen funktioniert so kaum, denkbar zerknirscht bin ich bei der Ankunft morgens um 5.00 Uhr. Um in den Tag zu kommen erst mal ein Tee und frittierte Teigstangen, dann mit der Morgen- dämmerung ein Zimmer suchen, wobei das „Gypsy Inn“ den für mich besten Deal bietet und ich trotz der frühen Stunde schon einchecken kann. Drei Stunden Schlaf nachholen, dann eine erste Erkundung: Nyaungshwe ist zwar ein Haupttouristenziel, hat es aber meiner Meinung nach geschafft authentisch zu bleiben. Im Ort einige Pagoden, und die Hotels bzw. Restaurants unaufdringlich über das Siedlungsgebiet verstreut. Im Ort dreht sich fast alles um den Inle See, nur ein paar Kilometer entfernt, 22 km lang und 11 km breit. Jeder zweite auf der Strasse will einem eine Tour darauf verkaufen. Ich buche lieber über mein Hotel und starte mit zwei Pärchen (Schweiz und Australien) am Montag Morgen um 8.00 Uhr. Die Langboote bieten Platz für fünf Touristen (oder zwanzig Einheimische!) plus Bootsführer, der den knatternden Außenbordmotor bedient. Nach
4 km durch den Verbindungskanal öffnet sich vor uns der See, fotogen „dekoriert“ mit den seespezifischen Einbeinruderern. Sie schlingen ein Bein um das Ruder um es zu halten (der See ist meist nur 1,5m tief) und somit beide Hände für die Arbeit frei zu haben. Funktioniert und sieht gut aus. Die nächsten Stunden fahren wir über den See, sehen schwimmende Gärten, Dörfer in denen die Fortbewegung nur per Boot möglich ist, besuchen alle Arten von Handwerksbetrieben (Goldschmiede, Bootsbauer, Zigarrenmacher, Eisenschmiede, sowie für mich am interessantesten: die Webereien). Zwischendurch die üblichen Besuche an den Pagoden (in einer stehen fünf kleine Buddhas die über die Jahre mit so viel Blattgold beklebt wurden das sie nicht mehr als Figuren erkennbar sind) und zum Schluss ein Besuch bei der Volksgruppe der Panaung, uns auch bekannt als Langhalsfrauen. Bei so vielen neuen und tollen Eindrücken vergeht der Tag wie im Flug.

in Nyaungshwe                        die Touristenshow                   das Original                            friedliche Morgenstimmung

im Labyrinth der Kanäle            Dorf im Wasser                       eine Paulang Frau                       Radtour am See

Dienstag, ein weiterer Tag am Inle See, zur Abwechslung mal eine Erkundung mit dem Rad. Am westlichen Ufer entlang fahre ich hinunter bis nach Indain, welches gestern nicht auf dem Programm stand. Die Gegend ist schön und der Verkehr auf den schmalen Strassen sehr überschaubar. Gleich neben dem See erheben sich die Shanberge steil und eindrucksvoll. In Indain dann eine Überraschung: unter dem im Reiseführer beschriebenen halb zerfallenen Pagodenfeld hatte ich mir wenig vorgestellt – womit ich daneben lag. Abgesehen von einigen alten Pagodenruinen neben dem Dorf existiert ein eindrucksvolles Feld mit 1045 weiteren, teils inzwischen restauriert. Zwar wurde dabei nicht die Detailtreue von früher erreicht, aber diese Anhäufung von Formen in rot, grau, gold und weiß prägt sich tief ein.

Tempelruine in Indain                uralte Buddhastatue               das Pagodenfeld bei Indain       selbiges aus der Nähe

Nach viel Umherlaufen in dem Gelände langsam der Weg zurück. Ein paar weitere Stopps an der Strasse, wo ich bereits Pagoden auf den ersten steilen Hügeln ausgemacht hatte. Der Blick von dort auf den See und seine Umgebung ist einfach umwerfend. Zufällig gerate ich dann in ein einheimisches Klosterfest, mit sicher 1.000 Leuten. Mönche bei der Speisung, Markt und Kirmes in einem – ohne Touristen. So schön, so ursprünglich. Sehe Pa-O Trachten und kann mich nur schwer von dem Trubel lösen. Der Inle See bekommt nach diesen zwei Tagen von mir die Top Bewertung: Myanmars Highlight.
Langsam wird nun meine Zeit knapp. Am 28. Januar noch ein Ortswechsel nicht weit weg vom Inle See. Der Transport landestypisch im Schneidersitz auf der Pritsche eines Leicht-LKW. Kalaw liegt dann malerisch zwischen kieferbewachsenen Hügeln und ist Ausgangspunkt für viele Trekkingtouren. Dafür habe ich keine Zeit mehr und schaue mir in den nächsten 24 Stunden wenigstens die nähere Umgebung an.

           nur nicht drängeln...                     auch andere schauen zu

Angehörige der Pa-O                                                          beim Klosterfest

5. Woche vom 29. Januar bis 4. Februar 2015
Am Donnerstag Vormittag findet gerade der große Markt in Kalaw statt. Für mich die letzte Gelegenheit das ganz normale Leben im Land zu spüren. Waren des täglichen Bedarfs, von Gemüse über Gewürze bis hin zu (ungekühltem) Fisch und Fleisch, wobei der Wedel die Fliegen fern hält. Trachten, Farben und ungewöhnliche Angebote reizen noch mal die Sinne.
Am Abend dann der Nachtbus zurück nach Yangon, wo ich nach der Ankunft am Freitag um 4.00 Uhr gleich zum nah gelegenen Flughafen fahre. Somit endet der erste Teil meines Abenteuers – Myanmar.

Umgebung vom Inle See            Markt in Kalaw                        so ordentlich gestapelt             noch mal der Markt in Kalaw

meine Reiseroute durch Indien

Am Freitag Nachmittag (30.Januar) der Flug mit India Airlines von Yangon nach Kolkata, Indien, mit kurzem Zwischenstopp in Gaya. Der Airbus A 320 hat schon ein paar Jahre auf dem Buckel und ist spartanisch eingerichtet, aber er tut was er soll: ordentlich fliegen. In Kolkata nehme ich dank gemachter Hausaufgaben statt dem Taxi einen Bus ins Zentrum, welcher bei dem heftigen Verkehr über eine Stunde braucht. Die letzten Meter muss ich suchen, bis die Sudder Street als „Hotelmeile“ für Ausländer auftaucht: eine dunkle schmuddelige Gasse mit Zimmern die teilweise in die selbe Kategorie passen. Aber nach einigen Besichtigungen finde ich im „Pushpak“ ein ordentliches Dormbett für 400 IRP (IRP - indische Rupie, derzeit 1€ gleich 70 IRP). Am Samstag nach dem Frühstück als erstes Hausaufgaben machen, sprich im Touristenbüro eine nötige Genehmigung für den Marmorpalast besorgen und am Mittag das Reservationsbüro der Eisenbahn aufsuchen. Trotz zwei extra Schalter für Ausländer eine zeitraubende Geschichte. 3 Stunden warten, dann erhalte ich in
5 Minuten problemlos mein Ticket für Sonntag Abend.

Danach reicht die Zeit nur für einen kurzen Streifzug durchs Zentrum, genauer gesagt um die Howrah Brücke herum. Auf der ist fotografieren strengstens verboten und die Kamera bleibt im Rucksack, wie auch beim zufälligen Erleben einer Armenspeisung auf offener Strasse, bei der man sich als Tourist komplett deplaziert fühlt. Ansonsten viele alte verwitterte Häuser, an denen seit Jahrzehnten nichts mehr gemacht wurde, der Fuhrpark auf den Strassen ebenso alt, verbeult und ohne Abgasbeschrän- kung. Selbst mitten in der Stadt sieht man viel Armut, viel Elend. Menschenmassen sind unterwegs und ein Vorankommen zäh und langsam. Der Verkehr steht auch und es wird gehupt bis einem der Kopf weg fliegt. Was für ein Start in Indien… und der Werbeleitspruch für das Land wird für mich zum Mantra: Incredible India, Unglaubliches Indien!
Sonntag die guten Seiten: Zuerst zum sogenannten Marmorpalast, Wohnsitz einer alten einheimischen Herrscherfamilie. Noch bewohnt, steht die riesige Villa teilweise dem Besucher offen. Fotografieren ist verboten, ein Führer der zum Schluss Bakschisch verlangt sichert das ab. Mein Eindruck vom Haus: Spitzenklasse. Artefakte aus aller Welt, bunt zusammengewürfelt und eben deswegen so sehenswert. Rubensgemälde, Mingh Vasen, riesige belgische Spiegel, griechische Marmorstatuen und, und, und. Kein Museum, eher ein Wohnzimmer mit Kostbarkeiten. Der Ballsaal mit 90farbigem Marmor Fußboden, die Decken eine endlose Schnitzerei. Ich komme aus dem Staunen nicht heraus. Am Nachmittag zum Maidan, dem (staubig) grünem Herz der Stadt. Hunderte von Kricketteams aller Alters- und Leistungsklassen bevölkern die Flächen, Drachensteigen ist hier Volkssport und aufgepeppte Pferdekutschen fahren herum in denen man sich wie ein Maharadscha fühlt. Nebenan das Queen Victoria Memorial wie ein kleiner Palast. Überraschend: der Eintritt ist für Ausländer ZEHN mal teurer als für die Einheimischen.

“Taxistand” in Kolkata               Kolkata, der Maidan                 tolle Kutschen                        das Queen Victoria Memorial

 Am Abend der Gang zum Bahnhof, wo am Zug auf ausgedruckten Reservationslisten auch mein Name steht. Der gebuchte 2.Klasse Schlafwagen ist nicht so schön und bequem wie zum Beispiel in China, aber immerhin preiswert. Auf recht angenehmen 570 Kilometern geht es durch die Nacht nach New Jalpaiguri, und von dort gleich weiter mit dem Sammeljeep ins 50 km entfernte Darjeeling, gelegen am Beginn des Himalaya. Die schmale und löchrige Strasse steigt steil nach oben, fast aus dem Nichts von 300m auf über 2.000m. Trotz Winter und damit Nebensaison herrscht viel Verkehr am gefährlich nahen Abgrund. Der Ort Darjeeling dann eine Enttäuschung. Statt grüner Teeplantagen, die es in der Gegend ohne Ende gibt, ein komplett verbauter Ort auf einem engen Gipfel mit steilen Hängen. Über 300 Hotels zapfen die knappen Ressourcen an, kein Ort für mich um die Hauptsaison zu erleben. Ich finde eine kleine Herberge und plane die nächsten Tage. Am Nachmittag ein zufälliger Besuch auf dem Hauptplatz in Darjeeling, wo gerade ein Wettbewerb statt findet. In verschiedenen Altersgruppen werden mit Tänzen Hindugötter geehrt, überraschend professionell und sehenswert. Abends wird es dann empfindlich kühl und das Thermometer sinkt schnell unter 10°C. Gut das die ungeheizten Hotels über dicke Decken verfügen.

     ausgearbeitete Performance         in Darjeeling                              Siliguri, am Fluss

 DSDS - Darjeeling sucht den Superstar

Dienstag lasse ich einen Teil meines Gepäcks in der Herberge und nehme sehr früh einen Jeep tiefer hinein die Berge. Nach vier Stunden die Ankunft im Dorf Rimbik, von wo aus ich sofort ins Gebirge aufbreche. Eigentlich ist das nur mit Führer erlaubt, aber dazu habe ich keine Lust. Mit Glück und Geschick gelingt mir ein Abenteuer. Ohne Karte und mit vagen Informationen steige ich an einem Tag von Rimbik (2.100m) bis Phalut (3.600m) auf. Neun Stunden dauert das, die letzten beiden im Mondlicht und bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. Grenzwertig, aber für mich Abenteuer pur. In der kleinen Berghütte erhalte ich Essen und ein warmes Bett. Als Belohnung am nächsten Morgen der umwerfende Blick auf eisige Gipfel, wie zum Beispiel auf den nahen Kanchenjunga, als 3.höchster Berg der Welt ein Anblick der Extraklasse, und auch die Mt. Everest Gruppe leuchtet scheinbar nah am Horizont. Das schöne Wetter wird nicht lange anhalten, also beiße ich erneut die Zähne zusammen und laufe in einer Schleife wieder hinunter bis Rimbik. Das waren zwei Tage Trekking der Extraklasse!

mitten im Himalaya                 Blick auf den Kanchenjunga       die Mt. Everest Gruppe            auf alten Pfaden unterwegs

6. Woche vom 5.  bis 11. Februar 2015
Am Donnerstag Morgen ein frühe Fahrt mit dem Jeep von Rimbik zurück nach Darjeeling, wobei ich auf dem Beifahrersitz viel mehr von der Gegend sehe als auf der Herfahrt. In Darjeeling holt mich dann am Nachmittag die indische Wirklichkeit ein: kein Platz in den Zügen für die nächsten Tage. Es wäre vielleicht möglich ohne Reservierung, aber wir kennen alle die Bilder von komplett überfüllten Zügen. Also brüte ich bis zum Schlafengehen einen neuen Plan aus. Mittwoch früh mit einem Sammeljeep hinunter nach Siliguri, wo ich mir auf einem chaotischen Busbahnhof einen Nachtbus nach Patna organisiere, nur 260km vom Ziel Varanasi entfernt. Im Zugbahnhof hole ich mir dann sicherheitshalber schon die Fahrkarte ab Varanasi, man lernt ja dazu. Der Rest vom Mittwoch vergeht mit Bummeln in Siliguri. Am Abend ein sehenswertes Beladen der Busse, wobei wahre Tonnen aufs Dach wandern, ein harter Job für die Träger. Der Bus ist dann ganz okay, aber dauernde Überladung haben die Federung so ermüdet das jedes Schlagloch voll durchgegeben wird, und davon gab es viele auf der Strasse. Ergebnis: Die bisher härteste Nachtbusfahrt all meiner Reisen. Am Samstag um 6.00 Uhr Ankunft in Patna, wo alles wie am Schnürchen klappt. Das Tuk Tuk zum nahen Bahnhof, dort in 5 Minuten eine Fahrkarte kaufen (wo sind die normalerweise langen Schlangen?) und 10 Minuten später den Zug nehmen, in dem sogar noch ein Sitzplatz frei ist. Nach 10.00 Uhr die Ankunft in Varanasi, der ältesten und heiligsten Stadt in Indien. Erster Eindruck: der Horror. Komplett verstopfte Strassen, auf denen man selbst als Fußgänger nicht sicher ist, ein Hupkonzert ohne Unterbruch und überaus lästige und nervige Rikschafahrer. Doch dann verschwindet man in der Altstadt, in den kleinen Gassen die zu schmal für Straßenverkehr sind, und alles ist anders. Ruhe – und ursprüngliches Indien. .

in den Gassen von Varanasi       Rush Hour in den Gassen         ein Kleinod im engen Gewirr      in einer Ruine über dem Ganges 

             ein buntes Treiben                    Brahmanen im Gespräch...       ...und bei der Meditation

Menschen am Ganges

Das Gewirr der Gassen fasziniert mich, ein Verlaufen ist praktisch vorprogrammiert. Doch das ist egal, denn man findet wieder heraus und hinter jeder Ecke etwas Neues für die Sinne (leider auch geruchstechnisch). Kleinste Läden, Teestuben, Wohnhäuser, alte Paläste und Tempel. Teilen muss man sich das mit den heiligen Kühen, die für eine Stadt recht zahlreich sind und alle Freiheiten haben (immer aufpassen wohin man tritt). Das alles öffnet sich dann zum Fluss, dem Ganges. An den Ghats (gemauerte Flusszugänge) spielt sich ein ganz eigenes Leben ab. Baden würde ich in dem Fluss nicht mal für Geld, aber für Hindus ist es nach wie vor das Maß aller Dinge. Wie auch in Varanasi zu sterben und dann am Flussufer verbrannt zu werden. Das geschieht praktisch öffentlich, ein Erlebnis welches sich  tief eingeprägt hat. Als schöner Abschluss der Tage in Varanasi eine Bootsfahrt auf dem Ganges mit einer komplett anderen Sicht auf die Stadt. Und mir wird wieder klar: unglaubliches Indien!
Ein Wort zum Essen. Soweit (toi, toi, toi) habe ich keine Probleme, ganz im Gegenteil. Die nordindische Küche ist abwechs- lungsreich und nur mittelscharf. Der Verzicht auf Fleisch fällt mir leicht und die vegetarische Auswahl ist überraschend groß. Dazu kostet es gerade in den einfachen Restaurants erschreckend wenig. Und ein Ersatz für meinen geliebten Kaffee ist auch gefunden: kräftiger und gesüßter Chai Tee.

das Dhobi Ghat - Wäscherei     Varanasi vom Boot aus            Feiern am Ganges                   Baden im Ganges

Der sehr schöne Aufenthalt in Varanasi bekam noch einen bitteren Nachgeschmack. Mehrfach bewunderte ein Mitarbeiter des dortigen Gasthauses meine Schuhe und möchte sie gern. Nun, im nächsten Ort musste ich feststellen das er sich selbst bedient hat als ich meinen Rucksack ein paar Stunden an der Rezeption zurückließ. Es ist nicht der Wert der mich ärgert (40 Euro), es ist die Sache an sich.
Am Montag Abend geht es mit dem Nachtzug weiter nach Khajuraho. Ich lerne im Zug ein Paar kennen mit dem ich die nächsten Tage unterwegs bin. Später kommt mit Markus noch ein weiterer Deutscher dazu.
Im Dorf Khajuraho steht eine sehenswerte Tempelanlage der Chandella, gebaut im 10. bis12. Jahrhundert, die der Wissenschaft Rätsel aufgibt. Vor allem, weil seine Wände innen wie außen mit teils sehr sinnlichen und erotischen Reliefs überzogen sind die an das Kamasutra erinnern. Gut vorstellbar wie entrüstet die prüden Engländer bei der Entdeckung im 19. Jh. waren. Nun, die Tempel sind auf jeden Fall einen Besuch wert und in einem überraschend guten Zustand. Dazu machte man sich die Mühe das Areal in einen schönen Garten zu verwandeln, ein eher seltener Fall in Indien. Der Aufenthalt im Dorf ist sehr angenehm, es sind nur wenige Touristen da und alles erscheint unerwartet ruhig. Tags darauf reist unsere Minigruppe mit einer Kombination aus Tuk Tuk und Bus ins 170 km entfernte Orchha („versteckter Ort“), ein Sitz lokaler Herrscher, aufgegeben im 17. Jh. Seitdem wurde wenig verändert und die gut erhaltenen Ruinen sind ein Tummelplatz gerade für große Kinder. Vor allem der Palast mit zahllosen Treppen, Balkonen und Räumen macht uns außerordentlich Spaß. In zwei halben Tagen erkunden wir die Tempel und das Gelände ringsum, wie auch das beschauliche Dörfchen, das keineswegs touristisch wirkt. Einziger Wermutstropfen: Mit etwas Mühe und nur sehr wenig Aufwand (bezahlte Wächter sind den ganzen Tag da und tun praktisch nichts) könnte man daraus etwas richtig tolles machen, woran aber anscheinend niemand Interesse hat. Schade.

Tempel in Khajuharo...               ...mit viel Bildhauerei                   die Bandbreite der Objekte von                                                                                                                        sinnlich bis gewagt

Orchha aus der Ferne               der Palast als Abenteurspielplatz von Aussen wie von Innen      Tempel in Orchha

Einheimische in Khajuraho

7. Woche vom 12. bis 18. Februar 2015
Am Donnerstag trennen sich die Wege und jeder geht seinen weiteren Plänen nach. Ich nehme am Abend ein Tuk Tuk ins nahe Jhansi. Dabei werden zeitweise 11 Menschen in das kleine Gefährt gepresst, was keinen sonderlich stört. Von Jhansi aus mache ich einen ordentlichen Abstecher hinunter nach Süden, wobei mich der Nachtzug bis nach Bhusaval bringt. Das Zug fahren klappt inzwischen ziemlich gut. Ich hole mir die Fahrkarten derzeit möglichst drei Tage im voraus, was gute Planung erfordert und leider Spontanität unterdrückt.

“Make-Up” Farben auf dem Markt

Mit Wartezeiten am Reservationsschalter zwischen 20 und 90 Minuten ergattere ich häufig gerade noch so einen Platz im Zug, und brauche manchmal das Glück mit einem kleinen Preisaufschlag von der sogenannten Touristenquote zu profitieren.
Zurück zur aktuellen Reise. Am Freitag (dem 13.!) die Ankunft in Bhusaval mit nur einer Stunde Verspätung morgens um acht. Ohne die Möglichkeit einer vorherigen Planung organisiere ich alles vor Ort „aus der Hüfte heraus“. Ein lokaler Bus ist schnell gefunden und steht praktischerweise schon abfahrbereit. Anderthalb Stunden später werde ich nahe dem Dorf Ajanta abgesetzt, wo der Fluss Waghora eine enge u-förmige Schlucht herausgewaschen hat. Mein Ziel sind die dortigen Höhlen, die Mönche in mühevoller Arbeit in die felsigen Wände geschlagen haben. Die buddhistischen Werke wurden mit viel Bildhauerei und vor allem Malerei verschönt, wobei beides trotz teils 2.000 jährigem Alter noch überraschend gut erhalten ist. Mehr als
20 Höhlen von teils überraschender Größe laden zum Bestaunen ein. Das relativ frühes Eintreffen dort beschert mir einen ruhigen Rundgang ohne Massen von Besuchern, was diesen Ort noch mystischer macht. Am Nachmittag bringt mich ein weiterer Bus ins 100 km südlich gelegene Aurangabad, meine Basis für die nächsten Ausflüge.

die Höhlen von Ajanta              eines der Portale zur Unterwelt   mystische Eindrücke              Wandmalerei: 2.000 Jahre alt

Hallen, tief in den Fels getrieben und in Szene gesetzt                          nebenan: ein paar Einheimische...

Samstag geht es relativ früh mit dem Bus ins 30 km entfernte Ellora. Auch hier wurden religiöse Höhlen in den Fels getrieben, später als in Ajanta (wahrscheinlich hat ein Ort dem anderen den Rang abgelaufen), und demzufolge vollkommener. Kaum Malerei (oder wenig erhalten, weil der moslemische „Bildersturm“ im 13.Jh viel zerstört hat), dafür aber ausgesprochen schöne Bildhauerei. Einige Höhlen sind riesig und erstrecken sich über drei Stockwerke. Das Meisterstück: der Kailash Tempel. Dem heiligen Berg nachempfunden ist dieser nur teilweise eine Höhle. Der zentrale und freistehende Tempel wurde wie die umgebenden Nebenhöhlen KOMPLETT aus dem Fels herausgearbeitet, was 100 Jahre gedauert hat, wobei mit einfachsten Mitteln unvorstellbare 250.000 Tonnen Fels entfernt wurden. Fehler bei der Arbeit waren dabei nicht korrigierbar. Für dieses Meisterwerk gibt es von mir: fünf Sterne. Zu fotografieren war das Glanzstück in seiner ganzen Pracht sehr schwierig, aber ich habe bei 35°C im Schatten mein Bestes versucht. Ellora wird übrigens von wahren Menschenmassen besucht, zum größten Teil indische Touristen und Schulkinder, was leider einen Teil der Mystik einfach verschwinden lässt. Am Nachmittag folgt noch ein Besuch der Kuppelgräber von Khuldabad (kaum erwähnenswert) und der Ruine der Festung Daulatabad. Hoch auf einem Granitfels thront die schier uneinnehmbare Festung. Die Gänge die durch den Fels nach oben führen sind ein wahres Labyrinth und nach wie vor unbeleuchtet, ein Abenteuer das man sich mit vielen Fledermäusen teilt. Darüber hinaus ist die Festung ziemlich verwahrlost, leider recht typisch für Indien. Sonntag zum Abschluss noch ein Bummel durch die Millionenstadt Aurangabad. Schon sehr moslemisch geprägt ist es vergleichsweise angenehm durch die Strassen zu laufen. Weniger Gehupe, weniger Druck. Dafür liegen die Temperaturen tags bei weit über 30°C und sinken nachts nur knapp darunter. Nicht mein Klima, auch wenn es angenehm trocken ist. Sonntag Abend der Weg zurück nach Norden. Weil die Züge von Aurangabad hoffnungslos ausgebucht sind geht es zuerst mit einem Rüttel Schüttel Bus zurück nach Bhusaval, wobei ich die letzte halbe Stunde auf dem Beifahrersitz miterlebe. Das schafft wenig Vertrauen, denn die Überholmanöver sind teils haarsträubend (ich durfte bereits gestern miterleben wie rücksichtslos sich Inder untereinander im Stau verhalten) und ich bin froh als wir gesund in Bhusaval ankommen. Die Zugverbindung ins 900 km entfernte Agra ist diesmal leider nicht ideal. 3.00 Uhr Abfahrt, da bleibt wenig von der Nacht und bei 15 Stunden Fahrt noch weniger vom darauffolgenden Tag. Für mich jedoch die Gelegenheit zu planen und den Reisebericht voranzutreiben.

Höhleneingang in Ellora              tief im Berg                                 wunderschöne und gut erhaltene                                                                                                                                Bildhauerei

Prunkstück: der Kailash Tempel   hiesige Wochenendausflügler   Festungsruine Daulatabad         alles Burka - oder was?

Die Ankunft am Montag Abend in Agra fast pünktlich. Die Rikschafahrer am Bahnhof sind wie erwartet aggressiv und vergleichsweise teuer. Nach dem „Kampf““ mit ihnen finde ich überraschend im Ortsteil Taj Ganj ein kleines Hotelzimmer das über meinem bisherigen qualitativen Erfahrungen liegt – und das für 500 INR (7€). Von der Dachterrasse kann ich das Taj Mahal sehen, was mir ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Am nächsten Morgen heißt es um 5.30 Uhr aufstehen, frühstücken, was um diese Zeit nur im Joey‘s möglich ist, und zum Taj Mahal laufen. Die Kassen öffnen wider Erwarten erst 6.30 Uhr, das Westtor erst 7.00 Uhr als es schon hell ist, die Inder halten es da gemütlich. Eintrittspreis: 750 INR, was dem 35fachem des Preises für Einheimische entspricht!
Ich bin dann unter den ersten 200 die nach einem Sicherheitscheck hinein dürfen. Durchs große Tor führt der Weg in den Garten an dessen Ende sich das Taj Mahal erhebt. Der erste Eindruck: WUNDERVOLL. Es ist groß, es ist beeindruckend, es ist schön. Drei Stunden bleibe ich und lasse alles auf mich wirken. Selbst die Massen von Touristen können da nicht stören. Einziger Minuspunkt: der Smog. Keine Ahnung wann es hier mal einen blauen Himmel gibt, meist hüllt milchig grauer Dunst die Gegend ein. Was in der Luft liegt merkt man spätestens beim Nase putzen – der reinste Dreck! Am Nachmittag ein Besuch der Festung Agra. Groß und mächtig, allerdings drinnen wieder mit leeren Räumen, was das Erlebnis meiner Meinung nach deutlich schmälert. Von dort ist das Taj Mahal übrigens nur 1.500 Meter entfernt – und im Smog kaum zu sehen…
Der Dienstag wird zum Großplantag. Ich quäle das Internet, und selbiges mich. Das Ergebnis sind wichtige Informationen, (hoffentlich) interessante Sehenswürdigkeiten und das ganze was, wann, wo. Als mir der Kopf brummt der Spaziergang zum Bahnhof um die Zugfahrkarte für den 22. zu besorgen. Nebenbei entdecke ich Petha, eine süße Spezialität der Gegend. Aus geriebenem Kürbis, Zucker und Honig entsteht eine Art fester Gelee, unheimlich süß, aber lecker.

das Taj Mahal, Agra                LG - Life’s Good                       das Rote Fort, Agra                 das Sunder Palace in Jaipur

Am Mittwoch recht früh aufstehen und mit dem Tuk Tuk zum Busbahnhof, wo erneut festzustellen gilt das Inder keine Frühaufsteher sind und der Tag erst spät und gemütlich beginnt: eine Stunde steht der Bus abfahrbereit bis es los geht. Gegen 9.30 Uhr Ankunft in Fatehpur Sikri, 40 km westlich von Agra. Von der ehemaligen Reichshauptstadt des Mogul Akbar ist nur noch eine Geisterstadt übrig. Nett anzusehen, mehr aber auch nicht. Das angrenzende Dorf ist auch nicht mein Geschmack, also Mittag an der Strasse einen Bus anhalten und weiter nach Jaipur, wo ich 16 Uhr ankomme. Für eine indische Großstadt entpuppt sich Jaipur überraschend grün und sauber. Dazu finde ich mit dem „Sunder Palace“ ein tolles Hotel für wenig Geld.
8. Woche vom 19. bis 25. Februar 2015
Donnerstag Vollzeitstadtbummel. Nach dem Frühstück hinein in die Altstadt von Jaipur, auch Pink City genannt. Naja, Pink… Die Hauptgebäude haben einen orange rötlichen Putz. Aber schön anzusehen, vor allem der Palast der Winde mit seiner einprägsamen Fassade. Weiter mit dem Bus ins nahe Amber, wo der Palast und das dazugehörige Fort spektakulär hinter einem künstlichen See auf einem Hügel liegen. Der steile Weg hinauf entweder zu Fuß oder „Touristenlike“ auf dem Rücken bunt geschmückter Elefanten. Rings um das Gelände ziehen sich die Festungsanlagen wie die Chinesische Mauer über steile Hügel. Ich finde hinter den letzten Häusern des Dorfes den verborgenen Weg und steige bei 35°C knapp 500 Stufen nach oben – tolle Ausblicke inklusive. Auf dem Rückweg nach Jaipur noch ein Halt am Jal Mahal, hübsch in einem See gelegen, und in Jaipur am späten Nachmittag ein Spaziergang hinauf zum Nahargar Fort, wo exklusive Aussichten garantiert sind. Das war schließlich genug für einen wirklich schönen Tag.
Randgeschichte: In Fatehpur Sikri traf ich auf eine irische Reisegruppe, jung genug für ein wenig Small Talk. Wir trafen uns dann lustigerweise erneut in Amber und auch noch in Jaipur, was schon fast mehr als ein Zufall war. 

Agra, Wäscherei am Fluss         Agra, traurige Wirklichkeit         Fatehpur Sikri                         Jaipur, Palast der Winde

Amber, Garten und Palast         Touristentransport                   Blick über Amber                      das Jal Mahal, bei Jaipur

Am Freitag Vormittag will ich mit dem Zug weiter nach Sawai Madhopur. Das sind nur zwei Stunden, also löse ich die normale 2.Klasse ohne Reservierung (Sitzklasse nur ohne Reservierung möglich). Der Bahnsteig füllt sich dann jedoch zusehends und als der Zug kommt die Szenen wie im Fernsehen: alles stürmt die Waggons. Vor mir hält ein Gepäckabteil, in das ich mich geistesgegenwärtig mit anderen dränge. Auf dem Rucksack sitzend geht es eigentlich, wir sind 40 Leute auf vielleicht 14m². Nur kommen im nächsten Bahnhof noch mal 30 Leute dazu, womit nun kein Blatt mehr zu Boden fallen kann: Willkommen in der indischen Eisenbahn. Aber die Fahrt ist ja bald um.
Der Besuch in Sawai Madhopur nur aus einem Grund: der Ranthambore Nationalpark mit Tigerreservat. Die Hotels ringsum verhältnismäßig teuer, doch was hilft es. Ich buche für den nächsten Morgen eine „Safari“ und laufe noch ein wenig herum. An der Strasse ein Hotel am anderen, jedoch keine Restaurants, also am besten im eigenen Haus essen.
Am Samstag bereits um 6.00 Uhr aufstehen. Ein ungutes Gefühl das mich beschleicht bestätigt sich leider schnell. Die Abholung erst spät, wie auch die Ankunft im Park. Praktisch fahren wir auf einem Leicht LKW 30 Minuten auf holprigen Feldwegen hinein und auf gleicher Strecke zurück. Wir sehen dabei ein paar Antilopen, ein paar Hirsche – und zugegebenermaßen auch frische Tigerspuren. Für den Aufwand und das eingesetzte Geld allerdings alles in allem ein Witz. Der Versuch sich zu beschweren endet mit Schuldzuweisungen der Verantwortlichen untereinander und dem Schicken von einem Büro zum nächsten, wobei das letzte Sonntag geschlossen hat. Mies was die hier mit Touristen machen. Ich habe die Nase voll, packe und finde am Bahnhof schnell einen Zug nach Kota. Auch der ist voll, aber ich habe dazugelernt und finde einen Sitzplatz. Von Kota noch ein Rüttelbus ins 30 km entfernte Bundi. Müde und genervt die Ankunft dort, doch nun wird alles besser, auch weil ich ein ruhiges Zimmer in einem uralten Haveli finde, versteckt in den Gassen der Altstadt.

in Jaipurs Strassen                  Sonnenschirm mal anders          ein hartes Arbeitsleben             im Ranthambore Nationalpark

Am Montag erkunde ich das kleine Städtchen. Über Bundi thront ein alter Palast mit Fort. Beides ist ziemlich zerfallen und vernachlässigt (auch wenn ich mich wiederhole: typisch für Indien), aber sehenswert. Alte Wandgemälde, Bundi-Kunst genannt, bedecken Wände und Decken. Dazu hat das ruinenhafte etwas fesselndes, und weil weit weniger Touristen als an anderen Orten umherlaufen kann man das auch mehr genießen. Später entdecke ich noch das Labyrinth der Altstadtgassen von Bundi mit Tempeln, bemalten Havelis und Stufenbrunnen bevor es am Abend zurück nach Kota geht.

Palastruine Bundi                    Palastgarten Bundi                   prachtvolle Ruine                   Noch Elefant oder schon Pferd?

Von Kota aus mit dem Nachtbus weiter nach Udaipur. Der rüttelt und schüttelt uns auf schlechten Strassen durch die Nacht, mit einer Ankunft 6.00 Uhr morgens in einer noch stillen Stadt. Ich erlebe den Sonnenaufgang am ruhigen See inmitten des Zentrums und suche mir dann ein Zimmer. Leider finde ich keine Verbindung zu Udaipur, welches nach meinem Empfinden nichts besonderes bietet. Viele Touristen, hohe Preise und der Zugang zum See völlig verbaut. Da nützt auch die Werbung wenig das hier ein James Bond Film gedreht wurde (Octopussy, 1983). Also meinen Plan ändern, den Transport für die nächsten vier Tage organisieren und am Mittwoch nach dem Frühstück mit dem Bus nach Mt. Abu. Nach vier Stunden Fahrt erhebt sich vor uns die Bergkette wie aus dem Nichts und eine verschlungene Strasse führt 800 Meter höher auf 1.200m. Die einzige Bergstation Rajasthans (ein Verwaltungsbezirk Indiens, vergleichbar mit einem Bundesland in Deutschland) dann voller indischer Touristen, aber schön. Klare Luft, angenehm frischer Wind und am Morgen werde ich zum ersten Mal in Indien von Vogelgezwitscher geweckt. Genug Gründe zwei Tage lang durch die hiesigen Wälder und schroffen Berge zu spazieren. Nicht aufregend, aber sehr angenehm. 

gastronomisches Stillleben         Bundi, Havelieingang              Udaipur, Blick vom Hotel aus     Udaipur, die Wasserfront

Mt. Abu

Als Highlight ein Besuch des Dilwara Tempel, ein Jain - Schrein, etwas außerhalb von Mt. Abu. Vor Betreten alles abgeben was elektronisch ist, keine Taschen, kein Essen, Trinken oder Schuhwerk. Dafür ein kostenloser Zugang zu einem der schönsten Tempel auf der Reise. Gebaut aus Marmor zwischen dem 11. Und 16. Jahrhundert haben Bildhauer ganze Arbeit geleistet. Praktisch kein Zentimeter von Wänden, Säulen oder Decken ist eben oder leer. Prachtvolle und filigrane Arbeiten wohin man schaut. Fast wäre mir vor Staunen der Mund offen geblieben…

Mt.Abu, Tempel in den Bergen

9. Woche vom 26. Februar bis 4.März 2015
Am späten Donnerstag Nachmittag fahre ich mit dem Bus den Berg hinunter zum Bahnhof Abu Road, wo ich erfahre das meine Wartelistenfahrkarte inzwischen zu einem reservierten Platz geworden ist. Eine Sorge weniger. Dann noch preiswert, wenn auch qualitativ sehr einfach, im Bahnhofsrestaurant essen und die Zeit herumbringen. Als der Zug nach Mitternacht einrollt bin ich durch die niedrigen Temperaturen schon etwas angeschlagen. Dann ist auch noch mein Bett besetzt und der Schaffner muss mir ein anderes besorgen. Das gelingt, auch wenn die Nähe zur Tür nur durchwachsenen Schlaf zulässt.
Am Freitag Morgen die Ankunft in Jodhpur. Die Stadt schläft noch als ich mich mit dem ersten Sonnenlicht auf Zimmersuche begebe, was mir aber die Schlepper erspart. Fündig werde ich im Hill View Guesthouse, gleich unterhalb der sehr markanten Festung. Duschen, umziehen und gleich wieder los. Zuerst zum schönen Jaswant Thada, eine Art Mini Taj Mahal, von wo aus man einen tollen Blick auf die Festung Meherangarh hat. Die umgebende Landschaft ist inzwischen schon sehr trocken, die Wüste nicht mehr weit weg. Zum späten Frühstück „stolpere“ ich über den Omlettstand am Markt, so bekannt das schon deutsche Zeitungen über ihn berichtet haben. Ein leckeres und überraschend großes Käse-Butter-Masala-Omlett mit doppelt Toast für 45 Rupien. Deal! Am Nachmittag dann mehr von Jodhpur, auch die blaue Stadt genannt, weil die führende Kaste es sich leisten konnte ihre Häuser blau zu tünchen (Insektenabwehr und Hitzeschutz). Am Ende einer Gasse entdecke ich ein Tor mit Zugang aufs unbesuchte Burggelände mit künstlichen Seen. Herrlich, ursprünglich und scheinbar nur Einheimischen bekannt. Am Sonntag ein früher Gang in die Festung Meherangarh um den Massen von Besuchern zu entgehen. Die Burg mit dazugehö- rigem Palast wird für mich das bisher sehenswerteste dieser Art in Indien. Endlich neben der bloßen Architektur auch gefüllte Räume mit Waffen, Sänften, Elefantensatteln usw. Ich staune mich drei Stunden mit dem Audioguide durchs Gelände (übrigens wurde hier mit Geldern und Spezialisten aus Deutschland restauriert…) Am Nachmittag verliere ich mich dann in den aufregen- den Märkten und Gassen der Stadt, wo ein buntes Treiben herrscht und ein Verlaufen praktisch garantiert ist. Spät der Abschied vom guten Hostel in dem ich noch mal duschen kann und dann in der Nacht erneut mit dem Zug ans nächste Ziel.
Randnotiz: Es ist erstaunlich wie viel Sehenswürdigkeiten man in Indien in eine Woche packen kann. Vor allem der Nachttransport - wenn man ihn früh genug organisieren kann - macht es schnell und einfach, ganz abgesehen von der Ersparnis der Unterkunft. Abends einsteigen, schlafen und am nächsten Morgen am neuen Ort durchstarten. Super.

Jodhpur, Meherangarh Fort        die Festung von aussen...         ...und von innen                    Jodhpur, Jaswant Thanda

Jodhpur, die blaue Stadt           intensiv blau                           farbiger Markt                        noch immer kohlegeheizt

Am Sonntag ist es bei Ankunft in Jaisalmer, wie inzwischen gewohnt, noch dunkel, aber bereits mit dem ersten Tageslicht finde ich eine Unterkunft mitten in der sehenswerten Festung, was derzeit trotz aufkommenden statischen Problemen wegen fehlender Abwasserrohre noch möglich ist. Die aus Sandstein gebaute Burg thront malerisch über der Stadt, die unweit der pakistanischen Grenze schon mitten in der Wüste Thar liegt. Das hält das Wetter aber nicht davon ab einen kühlen und regnerischen Tag einzulegen. Ein Ruhetag für mich, was vor allem am Abend gilt, denn wenn die Touristen verschwinden liegt über der Burg eine für Indien seltene Stille. Am Montag wird das Wetter wieder schön, ich organisiere alles für morgen und erkunde auf selten begangenen Wegen die Festung, wobei vor allem die Kletterei ringsum auf dem ehemaligen Wachgang Freude macht. Die Steine zur möglichen Abwehr von belagernden Feinden liegen übrigens immer noch auf der äußeren Mauer. Später noch ein Bummel durch die Stadt, in der teils wunderschöne Havelis stehen, bis hinüber zum “Sonnenuntergang Aussichtspunkt” von wo aus man einen tollen Blick über die Stadt genießen kann.

Jaisalmer                              die Festung Jaisalmer                Sandsteinmauern                   vor den Toren:Gadi Sagar See

 Dienstag heißt es früh aufstehen, den schon um 6.30 Uhr startet der Jeep vom Veranstalter Trotters. Mit im Auto sitzen Rowan und David, so wie ich unterwegs zur ersten Kamelsafari ihres Lebens. 30 km außerhalb von Jaisalmer treffen wir auf Gowinda, unseren Führer und Koch, sowie die drei Kamele, wobei der kleine Radju mein Reittier wird. Nach dem Frühstück inklusive sehenswertem Sonnenaufgang starten wir hinein in die Wüste Thar. Es geht gemächlich voran, und zum Mittag machen wir bei der Hitze eine lange Pause im Schatten eines der hier seltenen Bäume. Gowinda zaubert trotz der einfachen Bedingungen ein schmackhaftes Essen auf einem mit etwas Bruchholz betriebenem Feuer. Wir schauen uns derweil um: Die Wüste hat überraschend einigen Bewuchs zu bieten und wird sogar landwirtschaftlich genutzt, was für uns bei der derzeitigen Trockenheit schwer vorstellbar ist. Am Nachmittag dann noch ein paar Stunden Kamel reiten bis wir am Abend an den großen Dünen auf andere Grüppchen stoßen. Gemeinsam genießen wir den Sonnenuntergang bei einem kühlen Bier (!!!, organisiert von unseren Führern und zum selben Preis wie in der Stadt) und erleben den farbenfrohen Zauber der Lichter. Später können wir zusammen am Lagerfeuer essen, was erneut recht lecker ist. Geschlafen wird mit Hilfe dicker Decken auf den Sanddünen direkt unter den Sternen, ein echtes Gefühl von Abenteuer. Mittwoch das Frühstück mit dem Sonnenaufgang und weitere Stunden auf dem Kamel, was für manche, da ungewohnt, langsam anstrengend und schmerzhaft wird. Abgesehen von Muskelkater im inneren Oberschenkel ging es mir aber gut. Am späten Nachmittag sind wir zurück in Jaisalmer, geschafft von der Sonne und dem ungewohnten Reiten. Ich kann mich noch im Hotel duschen, etwas ausruhen und starte dann mit dem nächsten Nachtzug nach Bikaner, gelegen im nördlichen Teil der Wüste Thar

Haveli in Jaisalmer                  Aufbruch in die Wüste              “mein” Radju                          Wüstenküche

Abendstimmung mit Mond         Wüstenhotel                          seltener Besucher: Eisvogel       Wüste Thar

10. Woche vom 5. bis 11.März 2015
Am Donnerstag Morgen die Ankunft in Bikaner. Ein nettes Hotel findet sich nach einigem Suchen, dazu herrscht tolles Wetter mit einer fast erbarmungslosen Sonne, Wüstenklima sozusagen. Was mich gewaltig nervt ist der chaotische und laute Verkehr. Nach einer kurzen Nacht im Zug und den letzten beiden Tagen voller Wüstenstille fällt es mir schwer das Gehupe und Gedrängel zu ertragen. Selbst durch die kleinen Gassen der Altstadt sausen Motorräder und machen den Stadtspaziergang kaputt, auch wenn da ein paar sehr schöne Havelis stehen. Nachmittag dann ein paar Regenschauer und ich ziehe mich ins Hotel zurück.
Am Freitag DER Tag der Tage hier – der Höhepunkt vom Holi Fest. Praktisch alles hat geschlossen und es wird für mich schon zur Frühstückszeit schwierig einen geöffneten Stand an der Strasse zu finden, von Restaurants ganz zu schweigen. Ausgelassen feiern die Einheimischen das Frühlingsfest mit viel Farbe… Das sehr intensive Farbpulver gibt es an jeder Ecke zu kaufen und wird von jedem großzügig an alle anderen verteilt. Nach ein paar Stunden in den Strassen der Stadt sehe ich so bunt aus wie noch nie zuvor in meinem Leben – und wäre bereits sturz betrunken hätte ich jede Einladung der überaus freundlichen Leute angenommen. Touristen sind weit und breit keine zu sehen, ich bin scheinbar der einzige in der Stadt. Nach der Rückkehr ins Hotel kann ich meine Kleidung (auch die Unterhosen) gleich in den Müll geben, die zu waschen hätte wenig Sinn, so voller Farbe sind sie. Mit jeder Dusche wird mein Körper etwas sauberer, letzte Farbreste halten sich allerdings hartnäckig noch ein paar Tage – was für eine denkwürdige Feier.

Haveli in Bikaner                        Tempel in Bikaner                       Holi Fest

                                                                                                                 nie war ich bunter

Am späten Abend schaffe ich es im Schutz der Dunkelheit ohne weitere Farbattacken  bis in den Bahnhof, wo es auch etwas zu essen gibt. Spät dann ein Zug hinauf in den Norden, Richtung Himalaya. Die Landschaft verändert sich am nächsten Tag spürbar und wird ein ganzes Stück grüner. Der Zug braucht dreizehn Stunden bis nach Pathankot, wo ich nach einer kleinen Essenspause gleich in den nächsten Bus steige. Dreieinhalb Stunden quält der Fahrer das alte Fahrzeug über immer schmalere und schlechtere Strassen hinauf nach Dharamsala. Unterwegs fängt es an zu regnen und ich bin bei der Ankunft im Dunkeln praktisch gezwungen ein Taxi hinauf nach Mc Leod Ganj zu nehmen. Das kostet mich 200 IRP für steile 4km hinauf. Weil die Hauptzufahrt derzeit gebaut wird quält sich auf einer zu engen Strasse eine endlose Schlange Autos hinauf und hinunter. Ohne Rücksicht aufeinander wird dabei gedrängelt was das Zeug hält. Mal wieder der Beweis dafür das im Stau sich jeder der Nächste ist. Traurig.  So brauche ich fast 40 Minuten bis nach Mc Leod Ganj, ein Dorf auf 1.800m Höhe am Rand des Himalaya. Enge verstopfte Gassen, verbaute Hügel – und Sitz des Dalai Lama samt seiner Exilregierung. Alles sehr tibetisch, aber deswegen nicht schöner. Die Lage am Fuß mächtiger Berge jedoch genial. Geschafft von vielen Stunden teils hartem Transport und der letzten Taxifahrt trifft mich die Kälte hier oben wie ein Schlag. Erschöpft finde ich jedoch ein überraschend preiswertes Zimmer und kann mir gerade vor Küchenschluss noch etwas zu essen bestellen. Danach zählt nur noch eine warme Dusche und schnell unter die warmen Decken bei nächtlichen Temperaturen unter dem Gefrierpunkt.
Am Sonntag erkunde ich die nähere Umgebung und hoffe nach einigen Schauern und Gewittern mit Hagel auf Wetterbesserung. Die gibt es für ein paar Stunden am Montag Vormittag, also ab in die Berge. Leider hat es letzte Nacht bis auf 1.900m herunter geschneit (zur Erinnerung: vor ein paar Tagen schwitzte ich in der Wüste), und bei 2.400m muss ich umkehren weil eine Lawine den Weg versperrt. Nachmittag schneit es dann auch in Mc Leod Ganj und im ungeheizten Hotelzimmer (wie in fast allen Häusern hier) herrschen 11 Grad Celsius. Kein Grund für mich länger zu bleiben.

Wasserversorgung Mc Leod Ganj  gefährliche Schneepfade         am Weg gefunden                   die Berge des Himalaya so nah

Am Dienstag sehr früh aufstehen und zu Fuß die 4 Kilometer hinunter nach Dharamsala. Die im Verhältnis saftigen Taxigebühren spare ich mir lieber. Am Busbahnhof entscheide ich mich spontan gegen das geplante Kullu/Nagar, denn die Aussicht auf mehr Kälte und mieses Wetter behagt mir gar nicht. Stattdessen nehme ich den abfahrbereiten Bus nach Shimla der um 6.00 Uhr los fährt. Wie sich herausstellt ist das sogar ein Expressbus, der selten hält, nur zwei Pausen macht und die 240 km in weniger als 7 Stunden schafft. Das klingt langsam, doch die Strasse windet sich auf engen Strassen die Hänge des Himalaya rauf und runter. Gegen 13 Uhr erreichen wir bei tollstem Sonnenschein das Ziel Shimla auf 2.200m Höhe. Die Stadt hat 160.000 Einwohner, was man kaum spürt. Verteilt auf kiefernbewachsene Hügel ringsum fühlt es sich eher an wie eine Kleinstadt. Die verkehrsfreien breiten Fußgängerzonen und steile Marktgassen sorgen für erholsame Ruhe vor dem Verkehr. Im Gegensatz zum engen und total verbauten Dharamsala oder auch Darjeeling bekomme ich hier Luft und kann „atmen“. Die Zimmersuche gestaltet sich schwierig, denn das Preisniveau liegt hier etwas höher, ganz im Gegensatz zum Qualitätsniveau. Als das geklärt ist noch ein wenig die Stadt erkunden, gut essen und einen schönen Sonnenuntergang erleben.
Am Mittwoch nach einer klaren und kalten Nacht ein weiterer sonniger Tag. Zimmertemperatur am Morgen: 8°C! Beim Spaziergang in der Morgensonne fällt mir unwillkürlich Goethe’s „Osterspaziergang“ ein: wie herrlich nach der Kälte die warme Sonne zu spüren… Ich spaziere durch Shimla, früher ein Sommersitz der britischen Kolonialregierung wenn es in Dehli zu heiß war. Es stehen noch einige koloniale Gebäude, doch die sind meist dem Verfall preisgegeben. Trotzdem sehenswert, wie auch die vielen indischen Touristen, die sich hier teilweise wie auf dem Laufsteg präsentieren. Prädikat: Ich fühle mich wohl.

Scandal Point, Shimla              Shimla und Himalaya              so britisch kann Indien sein       Sonnenuntergang Shimla

11. Woche vom 12. bis 18.März 2015
Donnerstag aus Zeitgründen dann doch der Weg heraus aus den Bergen. Eine Schmalspureisenbahn bringt mich zuerst 96 km hinunter nach Kalka. Von den Briten im 19. Jahrhundert erbaut helfen 102 Tunnel, 988 Brücken und 917 Kurven die 1.600 Höhenmeter zu überwinden, wofür der kleine Zug geschlagene sechs Stunden braucht. Für mich die tollste Fahrt der gesamten Reise mit herrlichen Ausblicken auf den Himalaya. Die letzten Kilometern allerdings schaffen sehr deutlich den Wechsel von den sauberen Bergen zurück ins laute und vermüllte Indien… Die Fahrkarte übrigens zum Preis von 25 Rupien, sprich 33 Cent (!). Der Touristenzug der zwei Stunden später in Shimla startet kostet das 10fache. Der frühe Vogel fängt eben den Wurm…
Nach Kalka „dreht“ der Tag leider komplett. Eigentlich war ein Kurzaufenthalt in Chandigarh geplant, aber die Stadt ist von Anfang an nicht „meins“. In den 60gern auf dem Reißbrett entstanden, besteht Chandigarh praktisch nur aus breiten grünen Autobahnen, die hässlichen Betonbauten aus den 60gern mehr oder weniger dahinter verborgen. Fußgängerfeindliche Strassen, dazu unfreundliche Leute und die Suche nach einer bezahlbaren Unterkunft praktisch erfolglos. Eine miese Absteige für 950 Rupien die Nacht? Ohne mich. Also muss schnell ein neuer Plan her, was bei meiner Flexibilität schnell funktioniert. Der Weg zum Bahnhof zum ersten Mal in meinem Leben mittels Fahrradrikscha, wo es bei der Ankunft einen heftigen Streit über den bereits vorher verhandelten Fahrpreis gibt – diese Stadt mag mich einfach nicht. Nach zermürbenden zwei Stunden Wartezeit am Fahrkartenschalter bekomme ich dann wenigstens einen Platz im Nachtzug nach Dehli. Die Wartezeit bis zur Abfahrt bringe ich mit Essen und Lesen herum. Passend zur zweiten Hälfte des Tages wird es dann eine unangenehme Zugfahrt mit wenig Schlaf.

die Schmalspureisenbahn          gemächlich durch den Himalaya   ein Bahnhof in den Bergen       Kleinstverpackung-Müllwahnsinn

Mit der Ankunft am Freitag in den frühen Morgenstunden schließt sich ein Kreis, denn wie mein erster Zug in Indien ist auch der letzte eine Viertelstunde zu früh am Ziel. Ungewöhnlich für dieses Land, in dem Züge Strecken von bis zu 3.000 km zurücklegen und durchaus auch mal 11 Stunden Verspätung haben.
Dehli: die frühe Ankunft erspart mir einen Teil der hier penetranten Rikschafahrer genau so wie nervige Hotelschlepper. In den Strassen wacht die Stadt gerade erst auf. Müde Leute, ein paar Chai Verkäufer und erste Anlieferungen bzw. Säuberungen der Strasse, mehr gibt es noch nicht zu erleben. In der angepeilten Arakashan Road liegt dann ein Hotel neben dem anderen, was die Wahl eher erschwert als erleichtert. Doch ich finde ein passendes und lasse mich im Neha Inn nieder. Die letzten Tage in Indien erkunde ich dann deren Hauptstadt, welche sehr weitläufig ist und praktisch aus mehreren Zentren besteht. Das Wetter zeigt sich meist grau und regnerisch, doch ein paar Sonnenstunden bekomme ich auch ab.

das Rote Fort, Dehli                 die Jama Masjid Moschee         das Indien Gate                      Baha’i Tempel

Dehli erscheint mir nach all den Erlebnissen weder besonders aufregend noch besonders schön, aber auch weniger schlimm als erwartet. Die Straßenkinder bleiben auf Abstand und nicht alle Strassen sind hoffnungslos verstopft, wenn es auch im Altstadtzentrum Old Dehli einige Zeiten gab wo ich nicht mal als Fußgänger mehr vorwärts kam. Einige Sehenswürdigkeiten, allerdings teilweise von Touristen förmlich überrannt:
das Rote Fort, vergleichbar mit dem in Agra, die Jama Masjid, größte Moschee Indiens mit einem Fassungsvermögen von
25.000 Menschen, das India Gate (eine Art „Arc de Triomphe“) als Kriegsdenkmal und der kreisrund angelegte Connaught Place mit vielen Geschäften. Sonntag ein Ausflug zum Baha’i Tempel der ein ganz klein wenig an die Oper in Sydney erinnert. Dort werde ich fast Opfer von Taschendieben, die als Gruppe arbeiten: künstliches Gedränge erzeugen, schnell zugreifen und verschwinden, so die Taktik. Gut das mein Gespür für ungewöhnliche Situationen noch funktioniert und der Deuter Rucksack schwierig zu öffnen ist, so bleibt mir im Gegensatz zu anderen all mein Hab und Gut. Später noch der schöne Lodi Garten, toll angelegt, gepflegt und mit sehenswerten Bauwerken aus dem 16. Jahrhundert.

Lodi Garten                            Alt-Dehli, verstopfte Strassen    Strom? Kein Problem!              typisch Indien: ein Thali

Am Dienstag den 17. März heißt es zum letzten Mal packen. Der Rucksack ist leichter geworden, denn einige Sachen mussten aussortiert werden, das Klima und die etwas andere Wäschebehandlung in diesem Land gehen ganz schön über das Material. Nach einem guten Frühstück im Hotel auschecken und am Bahnhof meinen Rucksack zur Aufbewahrung geben. Weil schönstes Wetter herrscht noch ein letzter kleiner Ausflug. Mit der Metro hinüber auf die andere Seite des Yamuna Flusses zum Akshardham Tempel, auf den ich eher zufällig gestoßen bin. Am Eingang Sicherheitsvorkehrungen wie am Flughafen. Wieder gilt es alles abzugeben, keine Taschen, keine elektronischen Geräte, keine Lebensmittel. Detektoren und Leibesvisitationen stellen das sicher. Das fühlt sich fremd und steril an, doch einmal auf dem Tempelgelände angekommen ändert sich dieses Gefühl schnell. Wow, was für eine Anlage!!! Sauber, gepflegt, großzügig und einfach nur wunderschön. Ich bin tief beeindruckt. Die Fotos davon stammen aus einem Prospekt, denn wie gesagt darf drinnen auf keinen Fall fotografiert werden. Für mich ein toller Abschluss einer abenteuerlichen Reise. Am Abend dann mit der Metro hinaus zum Flughafen und pünktlich mit Etihad zurück nach Zürich.

der Akshardam Tempel in Dehli

                                             ein Meisterwerk

           wie aus dem Bilderbuch

Es ist (fast)) geschafft. Die Reisebeschreibung ist in Form gebracht und hoch geladen. Was noch fehlt ist das Fazit, welches noch folgen soll