Island - so wild, so einzigartig, so schön. 4 Wochen auf der Insel, die geprägt waren von Camping, einzigartiger Natur und der Fortbewegung per Anhalter. Der Zeitpunkt der Reise im Juli 2012 sehr glücklich. Praktisch endloses Tageslicht so kurz nach der Sommersonnenwende und dazu meist schönes und trockenes Wetter.

1.Woche vom 29. Juni bis 5. Juli 2012

Die Reise nach Island beginnt für mich in England.
Am Freitag startet der Tag grau und regnerisch. Ich breche südlich von London auf und habe 100 km bis zum Flughafen Stansted vor mir. Das Navi schickt mich doch tatsächlich mitten durch London, was auf Grund des massiven Verkehrs zeit- weise nervig ist. Außen herum wäre aber kaum besser gewesen und mein technischer Freund verhindert haarscharf das ich in die zu bezahlende Innenstadt muss :-). Am Nachmittag stelle ich den Mitsubishi auf den vorab gebuchten Langzeitparkplatz bei Stansted ab (nur 130 € für 4 Wochen!) und vertrödele die Zeit bis zum Abflug mit Iceland Express (22.40 Uhr)

30. Juni, morgens 1.30 Uhr beginnt das Abenteuer Island. Vom Flughafen Keflavik bringt mich der Bus ins 50 km entfernte Reykjavik. Eine Unterkunft ist nicht gebucht, die Nacht schon halb um und dank Mitternachtssonne ist und wird es nicht dunkel, was am Anfang gewöhnungsbedürftig ist. Die Sonne geht um ca. 23.00 Uhr unter, verschwindet aber nur wenig hinter dem Horizont, so das ich den ersten Rundgang in Reykjavik um 3.00 Uhr bei praktisch Tageslicht beginne. Die Leute sind gerade dabei die “Runtur” (so nennt man die Freitagnacht Party in der Gegend) zu beenden und die Strassen sind voller Menschen. Morgens um 7.00 Uhr ein kleines Nickerchen in wärmender Sonne auf der Parkbank und dann auf dem Zeltplatz einchecken. Die überfällige Dusche wird zur Bewährungsprobe: Das “Abfallwasser” eines Geothermalfeldes wird in Reykjavik genutzt, sehr heiß aber mächtig nach Schwefel riechend. Essen kochen kann man damit nicht, und selbst Zähneputzen endet mit kaltem Wasser
Der erste Tag in Reykjavik geht nach ein wenig Mittagsschlaf mit Stadtbesichtigung weiter. Hellgrimskirkja ist eines der Wahrzeichen, und ich klappere das kleine Zentrum in einem halben Tag bei bestem Wetter ab. Nur der Wind, das sollte ich noch öfters merken, weht kräftig, drückt die gefühlte Temperatur stark nach unten und trocknet einen auf die Dauer förmlich aus. Erste Pläne entstehen in meinem Kopf, vor allem den Transport betreffend. Bus fahren ist ziemlich teuer, Auto mieten fast unerschwinglich (Kleinwagen ab 100 €, Kombi 180 €, Allrad 160 € bis 280 € pro Tag). Des Busfahrens sowieso überdrüssig fällt die Entscheidung zugunsten mehr Abenteuer: Trampen.
Gleich am Sonntag probiere ich das aus und komme leicht, locker und leger ins 50 km entfernte Pengvellir. Hier kann man deutlich sehen wie die tektonischen Platten von Europa und Nordamerika auseinander driften und Island praktisch zerreißen - in geologischer Höchstgeschwindigkeit von bis zu 2 cm pro Jahr. Klingt wenig, ist es aber nicht. Und wirklich sieht das Tal aus als würde man hartes Brot brechen: Einige Spalten im Fels sind mit Wasser gefüllt: einer der Top 5 Tauchspots in der Welt, mit Sichtweiten im Wasser von 100 m (!). Allerdings nur in Trockenanzügen bei 8°C Wassertemperatur. Der Zeltplatz gleich nebenan wird mein nächster Schlafplatz, auch wenn es die halbe Nacht regnet.

Reiseroute in Island               Reykjavik - ein Überblick          Hellgrimskirkja                       Pingvellir, tektonische Platten

Montag Morgen stehe ich trotz wenig Verkehr nur 10 Min. an der Strasse bis mich ein Deutscher ins anvisierte Geysir mitnimmt, mein nächstes Tagesziel. Überraschend auch für mich: der Begriff “Geysir” stammt aus Island, und das erste (leider in den 50ger Jahren eingeschlafene) heißes Wasser spuckende Loch heißt einfach Geysir. Nun, gleich nebenan schafft sein Kollege, der Geysir Strokkur, zuverlässig ungefähr alle 10 Min. eine immerhin bis zu 30 m hohe Fontäne (Geysir schaffte 80 m). Das ganze Areal blubbert und dampft vor sich hin, kleine Bäche haben 50°C Wassertemperatur und es ist aufregend zu erleben wenn der immer wieder überraschende Ausbruch die Stille zerreißt. Falls ich die Datei konvertieren kann demnächst ein  Video dazu. Am Nachmittag schaffe ich noch einen Anhalterausflug zum nahen Gullfoss (Gull=Gold, Foss=Wasserfall). Gigantische Wassermassen ergießen sich donnernd über zwei Stufen in eine enge Schlucht. Das Wetter zeigt sich leider bedeckt und kühl, was den für Camper freien Eintritt in den nahen Hot Pot des Geysir Hotels noch attraktiver macht. 20.00 Uhr startet die nächste Regennacht. Wenn das so weitergeht verfliegt die Campingromantik, auch wenn sich das Zelt als wasserdicht erweißt.

  Pingvellir, klarstes Wasser        Geysir Strokkur                   Mineral Teich, ist das ein blau        Gullfoss - gigantisch

Dienstag früh klemmt die Säge beim Transport ein wenig. Nach den schnellen ersten Kilometern dauert es bei wenig Verkehr fast zwei Stunden bis mich eine Familie aus der Gegend aufsammelt. Dafür kann ich dann gleich die 60 km bis Selfoss sitzen bleiben. Ach ja, zum besseren Verständnis. Von Reykjavik aus (im Südwesten) umrunde ich Island entgegen dem Uhrzeigersinn. Selfoss: Proviant für die nächsten Tage kaufen (man lernt schnell das Supermärkte teils 100 km voneinander entfernt sein können) und sich gleich wieder an die Strasse stellen. Kurz vor Hella an einer Kreuzung im Niemandsland: Einheimische hatten mir gesagt das man auf der Strasse 26 leichter als irgendwo anders ins Hochland kommt. Mit Glück sammelt mich ein isländi- sches Pärchen auf, beide um die 65, englisch sprechend und auf Urlaub mit dem Wohnanhänger. Wir halten unterwegs am Grab ihres Vaters und werden noch von ihrer Familie die wir zufällig treffen zum Kaffee eingeladen, ich inklusive. Mit einem weiteren Jeep, der mich die letzten 18 km vor einem heftigen Regenguss bewahrt, komme ich nach Landmannalaugar, mitten in der Bergwelt von Island. Eigentlich wollte ich da bleiben und wieder heraustrampen, doch ich entscheide mich anders. Schon tags darauf beginne ich die Wanderung nach Porsmörk, respektive zur Küste nach Skogar. Ungeplant, weil schwierig als Anhalter, laufe ich so mit meiner GESAMTEN Ausrüstung los, was sich inklusive Proviant auf wenigstens 25 kg summiert. Doch das bremst mich nur unwesentlich und ich schaffe die 80 km mit über 2.000 Höhenmetern in drei Tagen.
Die Landschaft hatte sich bereits vor Landmannalaugar dramatisch verändert. Vulkane prägen das Bild, erstarrte Lavaströme sind allgegenwärtig und riesige Gegenden sind einfach nur unfruchtbar und öde, sprich bestehen nur aus Dreck, Steinen und Felsen. Farbig zum Beispiel sind die Berge rund um Landmannalaugar. Ryolith (langsam abkühlende Lava) bringt rot, orange und gelb ins Spiel. Das kann ich bereits am Abend vor dem Wanderstart bestaunen. Vulkanisch aktiv ist die Gegend noch immer, und gleich neben dem Zeltplatz kann man in einem kleinen natürlichen See bei mehr als 30°C Wassertemperatur entspannen.

isländische Idylle                   die Strasse 26                       Landmannalaugar, 22.30 Uhr    Tag 1 der Wanderung

Mittwoch früh der Start in Landmannalaugar. Es geht gleich über ein 500 Jahe altes Lavafeld steil bergauf. Alles was dann kommt ist neu für mich und ich staune Bauklötzer. Die Landschaft sieht absolut fantastisch aus. Es ist schwer zu beschreiben und genau so schwer mit nur wenigen Fotos wiederzugeben. Es zischt, brodelt und dampft überall. Der Boden hat teils fast 30°C (bei 12°C Lufttemperatur), dazwischen aber immer wieder Schneefelder (wir haben Juli und sind nur auf 500 m Höhe). Alles ist irgendwie farbig, auch wenn Vegetation nur punktuell existiert. Begeistert laufe ich umher und das obwohl der Himmel bewölkt ist, bei Sonne wäre es noch extremer. Zur Mittagszeit Ankunft an der Hütte Hrafntinnusker (kein Schreibfehler). Da- nach verändert sich die Landschaft erneut komplett. Schwarze Lavafelder wechseln sich mit Schneefeldern ab, die weich sind und das Laufen erschweren. Zwischendurch kleine Oasen mit grünem Moos und heißen Quellen. Als ich den Grat Jökultungur überquere öffnet sich ein riesiges grünes Tal das zu beiden Seiten von Gletschern eingerahmt ist, ein wahrlich genialer Ausblick. Das Zelt wird dann am See Alftavatn aufgeschlagen. Obwohl viele Leute in Landmannalaugar waren, begegneten mir heute nur etwa 20 und genau so viele zelten hier. Trotz aller Werbung (schönste Wanderung Islands) also nicht überlaufen.

auf dem Weg                          nach Hrafntinnusker               die Oase Storhiver                Jökultungur

Tags darauf bleibt es nicht lange grün und der Weg führt stundenlang durch eine Lavawüste. Ein Dank an Petrus: es regnet nicht - was derart schutzlos echt mies wäre, es ist windstill - ansonsten würde man sandgestrahlt, und nette Wolken verdecken teils die Sonne - sonst würde man gegrillt. Nach der Hütte Emstrur wechselt die Landschaft erneut und in einem stetigem auf und ab durch Schluchten und Flüsse (meist ohne Brücke, knietief und eiskalt) erreiche ich erschöpft Porsmörk. Dort nur noch das Zelt neben einem schicken Hostel aufschlagen und zur Entspannung die hauseigene Sauna nutzen
2. Woche vom 6.bis 12.Juli 2012
Freitag. Ich wusste der Tag wird schwer. Von Porsmörk aus gilt es einen 1.100 m hohen Pass zu überqueren. Der Pfad hinauf ist steil und verlangt das letzte von mir. Dicke Wolken verdecken den Himmel, aber es bleibt trocken. Steile Schluchten, Hänge und Plateaus. Dann wieder Schneefelder, die nass und schwer sind, unterbrochen von Geröllhalden an denen es an allen Ecken zischt und dampft. Zur Erlösung schliesslich der Pass, genau zwischen den Gletschern Myrdalsjökull und Eyafjallajökull (den kennt ihr, das war der der 2010 den halben europäischen Luftraum blockiert hatte) hindurch. Danach wird es leichter und die Sonne kommt sogar raus. Beim Abstieg bis auf Meereshöhe folge ich dem Fluss Skogar, der auf seinem Weg einen Wasserfall nach dem anderen bietet, alle unterschiedlich. Was für eine Show. Körperlich erledigt und mit einem leichten Schnupfen (der Wind ist furchtbar) trampe ich noch bis Vik, wobei ich für die 30 km nur eine Stunde, dafür aber 4 Autos brauche. 

schwarze Wüste vor Emstrur   Gletscher auf Augenhöhe        Wasserfall Skogarfoss            Küste, die Farben einfach schön

Diese Wanderung, Laugavegur genannt, war ein absoluter Höhepunkt, und das gleich in den ersten Tagen hier. Nur brauche ich jetzt körperlich gesehen eine Pause, denn diese Strecke mit dem Tempo, das schafft. Vik bietet sich dafür an. Netter Zelt- platz, billige Waschmaschine, Supermarkt und sehr schöne Gegend. Am Samstag haben wir traumhaftes Wetter, die Sonne scheint und im Ort ist es windstill - die ersten Leute liegen im Gras und nehmen ein Sonnenbad. Lasse mir mit allem Zeit, nur am Nachmittag eine kleine Tour. Direkt vor der Küste stehen Lavatürme im Wasser, laut Sage versteinerte Trolle. Gleich neben- an ein hohes Plateau, auf dem es wieder stürmisch windet, dafür gibt es eine schöne Sicht auf Dyrholaey, im Steilufer Möwen und Papageitaucher und auf der anderen Seite eine Basalthöhle. Um das windige Plateau zu vermeiden greift die blöde Idee am Steilufer nach Vik zurückzukehren. Was mit ein paar Felsen leicht beginnt, entwickelt sich zur Klettertour über teils 20 m hohe Kliffs am Meer entlang. Dafür sehe ich die garantiert fast unberührte Pflanzen- und Tierwelt ganz nah. Es war anstrengend und viel gefährlicher als gedacht, aber etwas Adrenalin im Blut tut mir gut. Das war mein Ausruhtag!

Vik                                      Blick nach Dyrholaey               Basalthöhle am Strand             Papageitauchern ganz nah

Sonntag. Trampen. 9.00 Uhr und nix los auf der Strasse. Ein Auto kommt aus der ANDEREN Richtung, wendet und hält. Ein US-Pärchen (um die 30, aus Montana), er hat seine Sonnenbrille an der Tankstelle vergessen und sie nahmen das als Zeichen mich mitzunehmen :-). Wir haben einen tollen Tag mit herrlichem Wetter (30°C, wie oft passiert das in Island) halten für Fotos und kurze Wanderungen. 100 km nach Vik beginnen die Sander, ein von Island geprägter geologischer Ausdruck. Durch mehrere Jökulhlaup (Vulkanausbruch unter dem Gletscher, Eis schmilzt, wenn Wasserdruck steigt hebt es den Gletscher und verursacht eine Sturzflut mit Dreck und Geröll) ist ein riesiges, lebloses Gebiet entstanden, welches nächstes Jahr wieder überschwemmt sein kann (die Ringstrasse wurde hier erst 1974 vollendet und z.B. 1996 durch einen Jökulhlaup mit 50.000 m³/s Wasser in Teilen wieder zerstört). In der Ferne sind bereits die Gletscher des Vatnajökull zu sehen, eine der größten Eishauben
(über 900 km²) außerhalb der Antarktis. Wir zelten in Skaftafell, gleich neben den Gletschern und ich schaffe noch eine Wanderung auf einen nahen Hügel für ein paar Fotos vom schönen und düsteren Svartifoss und den ausgedehnten Sandern.

Sander und Vatnajökull       in dt. Nationalpark Gletscher Vatna         Svartifoss                 Blick über die Sander zum Meer

Tags darauf schafft das Wetter die komplette Wende. Niesel, Schauer, dazwischen trockene Abschnitte. Ich gönne mir eine dringend nötige Ruhepause und tue praktisch nix, abgesehen von einem kleinen Spaziergang am Abend. Dafür am Dienstag das volle Programm! Typischer Lutz-Tag: Stehe 3.00 Uhr auf (ist ja schon hell) und starte hinauf auf den Kristinartindar, 1.125 m hoch. Der Himmel wolkenlos, die Temperatur bei 6°C. 6.00 Uhr bin ich auf dem Gipfel, genieße tolle Ausblicke auf die nahen Gletscher und frühstücke dabei. Erste Wanderer begegnen mir 8.00 Uhr und auch meine Bekannten aus den USA stehen gerade auf als ich wieder am Zelt bin. Zweites Frühstück, packen und weiter. Die nächsten 70 km bis Jökulsarlon nehmen mich zwei Polen mit. Jökulsarlon gehört definitiv zu den Höhepunkten von Island. Ein schrumpfender Gletscher hat eine riesige Lagune zurückgelassen, auf der abbrechende Eisblöcke (teilweise Hausgröße) herumtreiben bis sie schmelzen (kann Monate dauern) oder ins Meer gespült werden. Wunderschön anzusehen und bei Sonnenschein mit allen möglichen und unmöglichen Blautönen. Darüber wird Nachmittag, an dem ich noch mit einem alten deutschen Wohnmobil bis Höfn komme. Zwei Dinge zu Höfn: Seit Tagen mal wieder ein Supermarkt (kaufe hungrig ein - ohne Worte) und am nächsten Tag ein unerwartet schöner Morgenspa- ziergang. Nirgends steht geschrieben welch wunderschönen Blick man vom Strand in Höfn hat. Die Lagune vor der Stadt liegt an diesem Mittwoch Morgen bei Windstille wie ein Spiegel da. Dahinter erheben sich in der Ferne die Berge, von denen sich nicht weniger als VIER Gletscher bis an Meer schieben. Was für ein Anblick, hier könnte ich ewig sitzen und staunen...

Blick vom Kristinartindar                      die Lagune Jökulsarlon, Eis und Blautöne                        Morgens in Höfn

Der Tag geht genau so gut weiter. Nachdem ich an der Strasse etwas warten musste, halten zwei Belgier. Sie nehmen mich mit, warnen aber schon mal vor das sie des öfteren für Fotos halten - genau das Richtige für mich. Wir fahren Anfangs die Küste entlang und schießen bei toller Fernsicht und eindrucksvoller Landschaft wirklich viele Fotos. In Djupivogur ein Picknick und danach etwas mehr Richtung landeinwärts, wobei uns der Allradantrieb ihres Autos auch auf einer schlechten Piste über einen kleinen Paß bringt. Angekommen in Egilstadir kommt das Angebot der beiden mich noch auf einen Abstecher in den Mjoifjördur mitzunehmen, einer der Ostfjorde. Erneut eine abenteuerliche Fahrt über wüste Schotterstrassen, die sich aber lohnt. Schon der erste Eindruck vom Fjord nach dem Pass ist überwältigend, und abgesehen von unzähligen kleinen Wasser- fällen und endlosen Kaskaden finde ich auch meinen schönsten Wasserfall Islands: den Klifbrekkufossar. Durch die bereits tief stehenden Sonne schwer zu fotografieren, stürzt das Wasser in malerischer Umgebung über Stufen mit mehreren Richtungs- wechseln in die Tiefe. Abgesehen von ein paar Einheimischen (Schafe und Austernfänger) sehen wir nur wenige Touristen, das nennt sich wahre Abgeschiedenheit. Spät schlage ich das Zelt in Egilstadir auf, doch viel verpasst man in diesem Städtchen anscheinend sowieso nicht.

die Küste bei Djupivogur           Blick in den Mjoifjördur        mein Favorit, der Klifbrekkufossar       ein Austernfänger

Donnerstag. Mein Anhalterglück hält und ein Pole nimmt mich die ersten 70 km von Egilsstadir aus mit. Die Landschaft verliert bald jeglichen Bewuchs und alles ist graubraun und leblos. Angesichts der riesigen unnutzbaren Flächen in Island (und nicht nur da, die gibt es weltweit) sollten wir uns in Mitteleuropa bewusst sein das nahrhafter Boden nicht selbstverständlich ist und darum respektvoller mit ihm umgehen. Island war mal zu 30% mit Wald bedeckt (nicht vergleichbar mit unserem. Hiesiger Witz: Was tun, wenn man sich in einem isländischen Wald verläuft? Aufstehen.), doch Bau- und Brennstoffbedarf reduzierten das. Die nachfolgenden Weiden wurden durch Schafzucht bis auf die Wurzeln runtergefressen, worauf Wind und Wasser keine Mühe hatten die dünne Humusschicht wegzutragen. Westlich von Egilstadir existierte im 19. Jahrhundert eine 230 km² große Farm, die aufgegeben wurde und heute praktisch Wüste ist. Das sagt wohl alles!
Der Pole setzt mich schließlich irgendwo im Niemandsland ab, doch wer hält keine 10 Min. später? Die zwei Belgier von gestern. Ihr Hotel lag ein ganzes Stück nördlich von Egilsstadir. Trotzdem sind sie ehrlich erstaunt und erfreut wie weit ich schon wieder gekommen bin. Gemeinsam geht es in Richtung Westen zum See Myvatn, der sich schon von weitem farbenfroh und prächtig ankündigt. Ich campiere in Reykjahlid, wunderschön am Ufer des Sees gelegen. Die Mücken (My=Mücke, Vatn=See) sind Dank Trockenheit und Wind gnädig und ich sehe nur die Kleinen, die zwar nicht stechen, dich aber umschwärmen und auf der Suche nach CO2 am liebsten in Mund, Nase, Ohren und Augen (ganz böse und gemein) landen wollen.

zwischen Egilsstadir und Myvatn: trostlose Einöde                  isländische Raststätte ;-)       im Hintergrund der See Myvatn

Noch am Donnerstag Nachmittag nutze ich das tolle Wetter und mache eine kleine Rundwanderung an der Ostseite des Sees. Auf dem Weg zuerst die Grjotagia Spalte, ein Bruch in der Lavakruste mit einer Art Höhle, gefüllt mit heißem Wasser (um die 50°C). Danach der Vulkankegel des Hverfell, 300 m hoch, 400 m Durchmesser und nur aus lockerem Lavagestein bestehend. Zum Abschluss das Lavafeld Dimmuborgir, wo die dicke Lavaschicht seit Hunderten von Jahren erodiert und nun alle Formen annimmt: Bögen, Türme und mit etwas Phantasie: Tiere und Menschengestalten. Nicht umsonst ein Gebiet der Trolle...
3.Woche vom 13.bis 19.Juli 2012
Freitag, der 13, doch was für ein wunderbarer Tag. Der bisherige grobe Plan hat gepasst: bin nach der Hälfte meiner Zeit in Island bei der Hälfte der Strecke. Ich leihe mir heute vom Zeltplatz ein MTB und erkunde die Gegend auf zwei Rädern. Vom See zuerst nach Westen. Vorbei an der “Blauen Lagune”, Restwasser der Industrie, toxisch belastet und nicht zum Baden geeignet, doch schön zum Ansehen. Von da über einen kleinen Pass und nach Norden zur Krafla. Das vulkanisch aktive Gebiet hat allerhand zu bieten. Da wäre zum Beispiel ein Geothermalkraftwerk, wo ungenutztes Restwasser als weißer Bach mit über 40°C abfließt. Gleich dahinter geht es steil bergan bis zum Krater Stora-Viti, dessen Kratersee in einem tiefen Blau erstrahlt

“Blaue Lagune” von Reykjahlid    das Kraftwerk bei Krafla          Technik die begeistert            der Kratersee Stora-Viti

Danach wird es ausserirdisch. An den Solfatarenfeldern (Erklärung siehe am besten Wikipedia) von Leirhnjukur hat man wirklich das Gefühl auf einem anderen Planeten zu sein. Austretende Schwefelgase prägen die Gegend farblich und haben einen eigenen Mikrokosmos geschaffen, in dem normale Pflanzen und Organismen nicht überleben können. Es dampft, zischt und man wird öfters gewarnt nicht die Wege zu verlassen, denn es besteht die Gefahr einzubrechen und dabei mit heißem und säure- haltigem Dampf gegart zu werden. Davon abgesehen regiert hier vor allem die Farbe schwarz. Lavaströme unterschiedlichen Alters sind anhand ihrer Färbung gut zu erkennen und überziehen die ganze Gegend. Von da aus führt mein Weg zurück in Richtung See. An dem kleinen Pass (Namaskard) ein Rundgang auf dem Berggrat mit weiteren Solfatarenfeldern und dem Blick auf Namafjall Hverir, wo es ähnlich “bunt” zugeht wie bei Leirhnjukur.

           die Solfatarenfelder von Namafjall Hverir und Leirhnjukur, wie von einem anderen Planeten

Nach der Mittagspause am See geht es an dessen Ostufer hinunter vorbei an Dimmuborgir. Bei Höfdi, man mag es kaum glauben, laufe ich durch Birkenwald. Dazu ist der See mit außergewöhnlich geformten Felsen und kleinsten Inseln übersät, Reste alter Vulkanausbrüche. Mit letztem Ehrgeiz (der Wind hat mich nur zeitweise unterstützt und kam nun manchmal heftig von vorn) ein Besuch der Pseudokrater von Skutustadagigar. Nicht Vulkane schafften diese Krater, sondern sie sind das Ergebniss heftiger Wasserdampfexplosionen, als heiße Lava in den See floss. Den besten Blick darauf hätte man aus luftiger Höhe. Das war dann mein toller Tag am See Myvatn, der von mir nur Höchstnoten bekommt.

nochmal Leirhnjukur                  bei Höfdi                             Pseudokrater Skutusadagigar     Myvatn im Abendlicht

Am Samstag zeigt sich der Tag vorerst grau und trüb. Mit dem Wind liegt die gefühlte Temperatur ein Stück unter 10°C. Auf der Strasse ist wenig los, doch nach einer Stunde sammelt mich ein Franzose mit Wohnmobil und vier Kindern (7 - 19) auf, der für die Europäische Union in Afrika arbeitet. Eine gute Voraussetzung für interessante Gespräche. Unterwegs halten wir am Godafoss (göttlicher Wasserfall) der sich auch bei dem Wetter eindrucksvoll präsentiert. 70 km nach Myvatn erreichen wir Akureyri, mein heutiges Ziel. Die Quasi-Hauptstadt des Nordens (Ha, ha: 17.500 Einwohner) zeigt sich gemütlich und hübsch. Die Sonne kommt raus und ich spaziere durch die Stadt mit Hafen und botanischem Garten. Trotz Samstag ist am Abend in Akureyri wenig los, klar - bei der Größe. Egal, ich bin ja nicht zum Feiern hier. Nach Mitternacht entflammt sich der Himmel intensiv über mehr als eine Stunde. Schwer zu sagen wo da der Sonnenuntergang aufhört und der Sonnenaufgang beginnt.

der Godafoss                         in Akureyri                            der botanische Garten           auf dem Weg nach Dalvik

Sonntag weiter. Ich trampe nach Norden, immer am Eyjafjördur entlang fast bis an die Küste nach Dalvik. Einer Empfehlung folgend trampe ich nachmittags nach Olafsfjördur, wobei das letzte Stück durch einen Tunnel führt. Isländische Tunnel: meist eng und dunkel. Der ADAC würde bei einem Test Panik bekommen. Trotz 3,5 km Länge existiert nur eine grob in den Fels gehauene Spur die alle 100 m eine Ausweichbucht bietet. Verrückt. Von Olafsfjördur laufe ich auf der alten Strasse um das felsige Kap zurück. Montag der eigentliche Grund um nach Dalvik zu kommen: Walbeobachtung. Husavik weiter östlich steht an erster Stelle der Touristen, doch hier in Dalvik ist alles weniger kommerziell und viel entspannter. Nur ein Schiff fährt raus, ein alter Holzkutter (die Draumur) für max. 40 Personen. Wir sind heute 20, bei Vollbesetzung wäre es ganz schön eng. Den ersten Wal sehen wir schon nach einer Viertelstunde, und weitere drei teils mehrfach in den nächsten Stunden. Leider zeigt keiner von Ihnen seine Schwanzflosse. Trotzdem schön, vor allem weil wir manchmal bis auf 20 m herankommen. Auf der Rückfahrt verteilt der Kapitän Angelrouten und in 10 Min. fangen wir sagenhafte 15 Fische (Schellfisch und Kabeljau) zwischen 50 und 70 cm groß. Unglaublich. Die Fische werden gleich an Bord filetiert und die Überreste den Möwen überlassen, die sich heftig darum “prügeln” Im Hafen wird der Grill angeheizt und wir können unsere Beute fangfrisch genießen. Lecker.

Dalvik’s Hafen mit der “Draumur”     Blick vom Schiff                    Buckelwal voraus, was nicht jeden interessiert hat

Wir sind 12.00 Uhr von der Waltour zurück und ich fackel nicht lange. Zum Zeltplatz, packen und sich bei schönstem Sonnen- schein an die Strasse stellen. Schnell sind die 40 km bis kurz vor Akureyri geschafft, wo die Ringstrasse 1 nach Westen führt. Auch dort warte ich weniger als 10 Minuten, dann nehmen mich zwei Deutsche und eine Französin mit, die gerade von einem Heavy Metall Festival aus den Ostfjorden kommen und mich 250 km bis Stadarskali bringen. Damit bin ich schneller als gedacht am Eingang zu den Westfjorden. Auf einem kleinen ruhigen Zeltplatz übernachten und sich am nächsten Morgen gleich wieder an die Strasse stellen. Auch am Dienstag klappt es als Anhalter. Zuerst ein belgisches Pärchen in den Flitterwochen und später ein deutscher Profifotograf mit Freundin, die mit mir so manchen Fotostopp machen. Im Laufe des Tages ebbt der Verkehr praktisch ganz ab, die wenigen Häuser liegen weit auseinander und mitten in den Westfjorden wird der Unterschied zwischen Luftlinie und zu fahrenden Kilometern immer größer, weil wir fast jeden Fjord komplett umfahren müssen. Das gefällt aber, denn die Landschaft lädt dazu ein sie zu bestaunen. Steile Felswände, tiefblaues Meer und in der Ferne schneebedeckte Berge. Spät die Ankunft in Isafjördur, der Hauptstadt der Westfjorde (2.500 Einwohner).

Farbspiele: Kirche in den Westfjorden, blaues Meer nur wo die Sonne scheint, Sonnenuntergang und Silbermeer bei Flatey

Am Mittwoch ausschlafen, was 9.00 Uhr bedeutet. Schlafen ist hier im Sommer ein Thema für sich. Durch die fehlende Dunkelheit wird der Körper (für Sonnenlicht bin ich sehr empfänglich) mit Serotin versorgt, was ihn aufputscht. So schlafe ich kaum mehr als 6 Stunden, und das auch selten am Stück. Trotzdem fühle ich mich weder erschöpft noch müde. Zurück zu Isafjördur: Ich stocke Proviant auf und suche Informationen zusammen. Auf Grund des Wetterberichtes (recht mies) und der unpassenden Fährzeiten (mir bleibt nur noch eine Woche) streiche ich den Plan nach Hornstrandir. Sonst hält mich nichts mehr in der Stadt und ich fahre am Nachmittag ins 50 km entfernte Pingerey, ein kleines Dorf mitten in den Fjorden. Bei Nieselregen bleibt einzig ein Besuch im Schwimmbad (praktisch jedes Dorf hat eines), wo für 3 € ein Schwimmbecken, ein Hot Pot und eine Sauna warten. Mein Wellnesstag. Später beruhigt sich das Wetter und ich laufe fotografierend umher, der Fjord mit spiegelglattem Wasser und das Dorf laden dazu ein. Donnerstag regnet es immer wieder und neben faulenzen im Zelt steht erneut Wellness an.
4.Woche vom 20.bis 26.Juli 2012
Meine letzte Woche in Island startet mit herrlichem Sonnenschein. Eine Einheimische nimmt mich am Morgen glücklicherweise mit, sie war in einer Stunde das dritte Auto! So komme ich 40 km weiter bis zum Wasserfall von Dynjandi, einer der Schönsten hier. Auf 60 m Breite fällt das Wasser über zig Stufen sehenswert zu Tale. Damit enden erst mal die schönen Dinge des Tages, den ich klebe dann förmlich an dieser Stelle fest. Die wenigen Autos halten nicht und der Tag vergeht. Nach geschlagenen viereinhalb Stunden (mein absoluter Rekord in Island) hält ein weißer SUV mit teurer Ausstattung, welcher von einem indischen Paar gefahren wird. Unglaublich, aber wahr. Da müssen die beiden erst um die halbe Welt fliegen um mich in einer der abgeschiedensten Gegenden von Island aufzusammeln. Danke. Mein Plan ist allerdings inzwischen hinfällig. Der schnell neu gemachte beinhaltet um 19.00 Uhr die Fähre von Brjanslaekur nach Stykkisholmur (Halbinsel Snaefellsnes). Was für ein Tag.

Isafjördur                             stiller Fjord bei Pingerey          der Dynjandi Wasserfall            der Borgarfjördur

Am Samstag hält das Wetter anfangs noch. Ich bummle durch das malerische Stykkisholmur (Küstenseeschwalben greifen mich in Strandnähe an, bin wohl in ihrem Brutgebiet) und trampe erst nach dem Mittag weiter nach Olafsfjördur. Den Zeltplatz dort teile ich mir mit einem französischem Paar. Es trübt sich ein und fängt an zu regnen. Die örtliche Rangerin gibt uns am Abend ihre Telefonnummer, denn für später ist Sturm gemeldet. Es wird eine heftige Nacht, doch der Platz war geschützt gewählt und obwohl Wind und Regen wüten kann ich recht gut schlafen. Sonntag nieselt es manchmal, ist aber auszuhalten. Ich trampe bis Arnastapi, südlich vom Vulkan Snaefellsnes. Jules Vernes machte ihn berühmt, denn er ist das Eingangstor zur “Reise zum Mittelpunkt der Erde”. Noch heute hält sich die Meinung das der Berg über magische Kräfte verfügt. Leider versteckt er sich in dichten und tiefen Wolken. Dafür hat die Küste viel zu bieten. Basaltfelsen, Klippen und Blaslöcher von denen eines wohl in “Fluch der Karibik” mitspielt. Leider ist der Zeltplatz in Arnastapi teuer, schutzlos, ohne warmes Wasser und die Wetterprogno- se mies. Also den Plan ändern. Mit Glück und zwei dänischen Frauen schaffe ich noch 120 km bis Borgarnes.

Stykkishulmur                        Angiff der Küstenseeschwalbe        in Arnastapi                          nochmal Arnastapi

Montag auf zum letzten Ziel, von Borgarnes etwas mehr ins Landesinnere. Über Reykholt, in dessen Nähe eine der produktivsten heißen Quellen sprudelt (pro Sekunde 180 Liter kochendes Wasser) vorbei am sehr schönen Hraunfossar (das Wasser zwängt sich zwischen zwei unterschiedlich alten Lavaschichten hindurch) bis ins Tal von Husafell, wo viele Leute aus Reykjavik im “Wald” ihre Wochendhäuser verstecken. Dort schlage auch ich das Zelt auf und erkunde die Gegend. Am Dienstag ein Ausflug zu den Lavahöhlen Surtshellir. Früher unter Gletschereis verborgen, erstarrte die oberste Lavaschicht eines kleinen Vulkanausbruchs, jedoch floss die Lava darunter weiter und hinterließ einen mehr als 2 km langen Tunnel, der in Teilen wie von Menschenhand geschaffen scheint. Mit etwas Mut und einer kleinen Kopflampe wage ich mich in die Dunkelheit. Erstaunlich wie gut sich das Auge langsam an das wenige Licht gewöhnt. Ebenso erstaunlich welch interessanten Details die Höhlenwand und -decke bietet. Glücklich kehre ich nach einigen Klettereinlagen wieder ans Tageslicht zurück und streife am Nachmittag durch die nahen Berge (ein Gletschergipfel heißt einfach Ok). Am Mittwoch heißt es Abschied nehmen von der rauen Landschaft Islands. Ich riskiere es und nehme die schlechte Schotterstrasse durchs Hinterland. Es dauert seine Zeit, dann nimmt mich eine belgische Familie 70 km mit. Unterwegs noch einmal dramatische Bilder von Einöde, wechselndem Wetter und eisbe- deckten Bergen. In Pengvellir wird die Runde durch Island vollendet, hierher kam ich vor knapp 4 Wochen zuerst. Die letzten Kilometer bis Reykjavik sind nur Formsache. Hatte ich die Hauptstadt vor einem Monat noch als ruhig und entspannt gesehen, verstehe ich nun die Isländer die sie als hektisch empfinden. In zwei Stunden sehe ich mehr Autos und Menschen als in den letzten zwei Wochen und ich brauche etwas Zeit um damit umgehen zu können.

ausgewachsener Baum            Lavahöhle Surtshellir               die Höhlenwand ganz nah       zwei meiner besten Freunde

Donnerstag Reykjavik. Das Wetter wieder wie im Sommer. Postkarten, kleine Souvenirs, diesen Teil der Reise ausklingen lassen und am Abend schön Essen gehen. Hoffentlich gibt es jetzt keinen Aufschrei, denn ich esse - Wal. War lecker. Es erinnert in erster Linie an sehr dunkles und grob faseriges Rindfleisch, ist sehr zart und geschmackvoll.
5.Woche vom 27.Juli bis 2.August 2012
Am letzten Tag in Island das letzte Highlight. Schon 10.30 Uhr nehme ich den Bus in Richtung Flughafen Keflavik, der unterwegs zur “Blauen Lagune” abbiegt. Mitten in einer Mondlandschaft liegt DIE Touristenfalle des Landes. Ein leuchtend blauer See mit mineralhaltigen Wasser aus dem nahen Geothermalkraftwerk wurde zu einem Bad der besonderen Art. Gemischt mit kaltem Wasser um die ideale Badetemperatur von knapp 40°C zu erreichen. Dazu Silikatschlamm der die Haut verschönern soll (musste mir häufig das Lachen verkneifen wenn mir Leute mit weißem Schlamm im Gesicht begegneten) und gleichzeitig Boden und Steine im Becken glatt und weiß macht. 35 Euro Eintritt ist für meinen Geschmack ein wenig viel und es geht zu wie am Strand von Italien in der Hochsaison, aber auf der anderen Seite ist es die ideale Art vom Land Abschied zu nehmen. Am Nachmittag zum Flughafen und pünktlich 18.00 Uhr Abheben in Richtung England.

Husafell - Pengvellir                die “Blaue Lagune”                  letztes Bad in Island               Sonnenuntergang vor England

Island - ein Resümee
Das war es, mein Abenteuer auf der Insel aus Feuer und Eis. Ein Versuch das Land in wenigen Worten beschreiben: Ungefähr so groß wie die Neuen Bundesländer, raues Klima, eine exklusive Landschaft, nette Menschen, viel Weite und Stille (abgesehen von einigen extrem lauten Vögeln). Das Land hat 300.000 Einwohner, wobei schon 200.000 im Raum Reykjavik leben. Crimmit- schau wäre die 4.größte Stadt in Island (!!!). Jede Ansammlung von Häusern ist ein Ort, mit meist um die 100 Einwohner. Supermärkte sind selten, manche Leute fahren 2 Mal im Monat 60 km zum nächsten Einkauf. Tankstellen haben kleine Shops, mit begrenzter Auswahl und ziemlich teuer. Preise: das Land bleibt teuer, auch wenn die isländische Krone 2008 die Hälfte ihres Wertes verlor. Transport (ich hatte Mietwagen- und Buspreise genannt), Unterkunft (Hostel ab 23 € im Schlafsaal), Essen (Restaurant, Hauptgang 25 €, Lamm bei 35 €) und geführte Tagestouren (min. 100 €). Als Verfechter des einfachen Lebens brauchte ich nur 28 € am Tag, also mit Flug gerade Mal 1.000 €. Wer das nachmachen will wird sich schwer tun. Ich musste auf nichts verzichten, habe gern die ganze Zeit gezeltet und mich zu 95% im Supermarkt ernährt. Neue kulinarische Eindrücke: Trockenfisch - sehr nahrhaft, Snudur - eine riesige Gebäckschnecke. Skyr - ein isländischer Joghurt der süchtig macht. Wal - den ich noch nirgendwo auf der Speisekarte hatte. Sonst hielten mich Spaghetti und Porridge auf gutem Niveau. Viele Kilometer Laufen haben trotzdem ein paar Kilo schrumpfen lassen (neue Geschäftsidee: Lutz-Reisen, preiswerter Abenteuerurlaub mit garantierter Gewichtsreduzierung ;-). Das Wetter war für hiesige Verhältnisse super. Die ersten drei Wochen bis auf zwei Nächte und einen Tag regenfrei, nur die letzte Woche gab es das wahre Island Wetter. Ich stand nie im Regen an der Strasse, wurde nie beim Wandern eingeweicht, das ist enorm. Anders wäre mir auch die Lust am Zelten vergan- gen. Hostels: Gut das ich die auslassen konnte. Abgesehen von recht intensiven Preisen sind sie meist voll. Viele buchen ihren gesamten Urlaub schon Monate im voraus (schade, wo bleibt da Spontanität) und die Häuser haben meist nur 25 Betten, sind allso praktisch den ganzen Sommer ausgebucht. Abenteuer: jeden Tag. Schon wegen dem Trampen. Das hat wider Erwarten sensationell geklappt, abgesehen vom kleinen Ausrutscher am Dynjandi stand ich im Durchschnitt nur 20 Minuten an der Strasse, ein gutes Ergebnis, und habe dabei interessante Menschen kennen gelernt (48 Autos für 2.500 km) Die Landschaft verändert sich immer wieder und läßt keine Langeweile aufkommen, auch wenn sich öde Abschnitte teils über viele Kilometer hinziehen. Für Mitteleuropäer ist auch das sehenswert. Wer her kommt sollte gut vorbereitet sein. Regensa- chen, und noch wichtiger: winddichte Kleidung. Der Wind kühlt und trocknet aus. Trotz reichlichem Trinken mussten meine Augen leiden (sind ja so schon trocken) und meine Hände sahen zwar dunkelbraun, aber um 10 Jahre älter aus. Trinken: Bier gibt es inzwischen im Supermarkt, mit 2,5% Alkohol. Wasser: kann man auch aus Bächen und Flüssen schöpfen. Selbst für das Trinkwassernetz muss es nicht behandelt werden wie bei uns, sondern kommt aus dem Hahn wie frisch vom Berg (sprich eiskalt).
Ein letzter Satz: Auch mit den Erfahrungen von praktisch jedem Kontinent dieser Erde hat mich Island des öfteren mit offenem Mund staunen lassen, mir viel Energie gegeben und ein Lächeln ins Gesicht gezaubert, das sagt wohl alles.

Wer wissen will wie es mit mir und diesem Sommer weiterging,
der schaut bitte auf den Link: England, Frankreich und Benelux.