Es ist vollbracht! Nach viel Arbeit steht meine Kanadareise von 2006 wieder im Netz.

Kanada war nach Neuseeland (2003/04) meine zweite große Reise. Am Anfang stand der Gedanke das ich meine Erfahrungen von damals einfach kopieren kann, was sich als Irrglaube herausgestellt hat. Kanada ist ganz anders. Die Distanzen sind rießig, die Backpackergemeinde bis auf ein paar wenige Orte kaum existent und weit verstreut. Doch oder gerade deswegen war es aber eine äußerst eindrückliche Reise zwischen zwei Ozeanen mit vielen Abenteuern, dem Kennenlernen interessanter Menschen und dem Bestaunen wunderschöner Landschaften. Taucht  ein in diese Welt und genießt einen virtuellen Streifzug durch ein Land welches so viele Facetten zu bieten hat.

Die Karte von Kanada:

Mein ungefährer Weg ist eingezeichnet, wobei die gestrichelte Linie den Flug von Toronto nach Winnipeg darstellt

1. Woche vom 9.-16.Mai 2006:
Es ist der 9.Mai 2006 und nach einer problemlosen Fahrt bin ich am Flughafen in Frankfurt/Main. Willkommen im neuen Zeitalter der Abfertigung. Dank E-Ticket checke ich mit der Kreditkarte am Automaten ein und bekomme den Bordpass ausgedruckt. Gepäck abgeben, die üblichen Sicherheitskontrollen und schon sitze ich im Flieger nach London Heathrow. Dort steige ich auf einem völlig chaotischen Flughafen um und starte gegen 15.30 Uhr Ortszeit in Richtung Kanada. Mein Platz findet sich an einem Fenster ganz hinten, was zum einen mehr Komfort und zum anderen einen herrlichen Blick auf unsere Erde bietet. Das Wetter bleibt ruhig, und häufig liegt der Ozean unter uns wie fein genarbtes Leder. Ungefähr 800 km vor der Küste von Labrador dann die ersten Eisfelder. Tausende von weißen Flecken auf dem Meer, von hier oben scheinbar nicht größer als Konfetti. Die Küste von Labrador taucht später noch komplett vereist auf, und erst weiter im Landesinneren wechselt die Farbe Weiß zu Braun.
Mehr als pünktlich landen wir in Toronto. Alles problemlos, bis ich beim Visa-Mann bin. Zig Fragen, zig verlangte Erklärungen und schließlich das Durchwühlen meines Handgepäcks machen die Einreise zu einem Nervenkrieg. Glücklicherweise steht mein Englisch auf sicheren Füßen, sonst wäre ich wohl durchgefallen.
Ab jetzt also Toronto. Das bereits gebuchte Hostel ist bald gefunden. Ein kleines, altviktorianisches Gebäude mitten in Chinatown. Schilder sind hier meist auf chinesisch und englisch, alle sind sehr freundlich und multikulturell. Keine Chance für Ausländerhass: hier gibt es fast nur Ausländer. So finden sich an der Strasse nebeneinander vietnamesische, italienische, japanische und griechische Läden in trauter Gesellschaft.
Die ersten Tage gewöhne ich mich ein und erledige all die kleinen Sachen wie kanadisches Handy, CD-Player, Haarschneider (läuft in Kanada alles auf 110 Volt) usw.
Viel Zeit braucht bereits die Suche nach einem Auto, wobei ein noch größeres Problem entsteht: Die Versicherung! Die Provinz Ontario hat die mit Abstand höchsten Prämien im Land. 6 Monate kosten mich 2300 CAD. Verrückt. Nach vielen Telefonaten und Gesprächen steht fest: ich muss nach Manitoba, der nächsten Provinz in Richtung Westen, wo das Ganze “nur” 600 Dollar kostet. Die 2000 km dahin sind in heutigen Zeiten kein Problem: Im Internet bei Air Canada einen billigen Flug (200 CAD) für den 16.Mai reserviert und alle Pläne auf den Kopf gestellt.

Willkommen in Kanada

Die ersten Eindrücke von Toronto - bei jedem Wetter

2.Woche vom 16.Mai bis 22.Mai 2006:
Wieder ist Dienstag, und wieder fliege ich. Die zwei Stunden nach Winnipeg sind allerdings schnell Geschichte. Kleiner Hinweis: Im europäischen Maßstab fliege ich von Berlin nach Moskau, will dort ein Auto kaufen und dann zurück nach Berlin fahren!!! Eigentlich Irrsinn.
Toronto blieb im Regen zurück, Winnipeg empfängt mich mit Sonne und sommerlichen Temperaturen. Ich versuche Nägel mit Köpfen zu machen und kümmere mich gleich nach der Ankunft im Hostel um ein Auto. Dienstag und Mittwoch der Besuch bei Händlern. Ziemlich frustrierend steht am Mittwoch Abend fest: Zu teuer oder zu schrottig.
Donnerstag der Versuch bei Privatleuten. Ab 10.00 Uhr bringt mich das hiesige Busunternehmen wie bereits gestern kreuz und quer durch die Stadt. Am frühen Abend steht noch kein Ergebnis, doch zwei Chancen bleiben. Ein Date am westlichen Ende, das andere im Nordosten. Es ist bereits nach 21.00 Uhr als ich bei John bin. Um es kurz zu machen: Der Handschlag nach einer halben Stunde. 96er Chevy, etwas old-style, aber gut in Schuss und gerade mal 130.000km auf dem Tacho. Die Maschine mit 2.2 Liter für hiesige Verhältnisse klein, doch gleichzeitig die Hoffnung auf einen niedrigen Benzinverbrauch, denn auch in Canada sind wir inzwischen bei fast 80 Eurocent für den Liter. Klingt wenig, aber vor zwei Jahren waren es noch 40 Cent. Der Preis fürs Auto bleibt im Budget: 2900 CAD.
Freitag will ich alles erledigen, habe mich aber selbst ausgetrickst. Mit Mastercard Geld abheben geht nicht, und EC rückt nur 800 CAD am Tag heraus. Aber John ist hilfsbereit und erledigt mit mir bereits den Papierkram inklusive Versicherung. Den Rest verschieben wir auf Montag.
Kopf und Herz sind nun frei und ich verbringe das Wochenende ganz entspannt. Herumstromern und Urlauber spielen. Samstag Abend gehe ich aus, aber Winnipeg ist trotz seiner Größe ein Provinznest. War also kaum aufregend.
Montag habe ich dann mit John alles abgewickelt. Wir verstehen uns, und waren nach einer längeren Unterhaltung bei ihm noch essen. Er freut sich darauf, das ich in ein paar Wochen wieder nach Winnipeg komme (liegt ja dann auf meinem Weg nach Westen) und hat mich schon eingeladen
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Winnipeg: eine Fußgängerbrücke und die Ruine der Basilika

nein, nicht mein Auto...           das ist John und mein Chevy

3.Woche vom 23.Mai bis 29. Mai 2006:
Es geht los. Am Dienstag klingelt der Wecker um 6.00 Uhr und bald liegt alles im vollgetankten Auto. Raus aus der Stadt und rauf auf den Highway. Der erscheint schnurgerade und bald sehr einsam. Mit 90 km/h und Tempomat “rase” ich gen Osten. Der Chevy hat eine 3-Gang Automatic, weshalb ich an der Ampel bei weitem nicht der schnellste bin.
Den Highway kreuzt ab und an ohne Hinweis eine kleine Straße (?!), manchmal taucht plötzlich eine Ampel oder ein unbeschrankter Bahnübergang auf. Ich sehe zum ersten Mal einen dieser ellenlangen Züge und höre bald nur noch Rauschen im Radio. An unzähligen kleinen Seen geht es im schönsten Sonnenschein vorbei. Gegen Abend treffe ich nach über 700 km Fahrt in Thunder Bay ein. Der Chevy läuft problemlos mit weniger als 7 Liter auf 100 km.
Die Nacht in einem Hostel außerhalb der Stadt, welches neben der Saison sehr ruhig erscheint. Willa ist die Gastgeberin und ich sitze gerade in einem ihrer drei sehr gemütlichen Wohnzimmer. Mein eigens Zimmer fühlt sich an wie ein zu Hause, fabelhaft. So ein Hostel werde ich wohl kaum wiedersehen, noch dazu für gerade mal 20 CAD (kanadische Dollar, 1 Euro = 1,40 CAD).
Mittwoch ein Streifzug durch die Gegend. Sehe mit dem Kakabeka Fall meinen ersten Wasserfall in Kanada. Ansonsten hat Thunder Bay wenig Außergewöhnliches zu bieten. Abends erkunde ich mit Sigrid, einem deutschen Backpacker Neuzugang, alles ums Hostel herum. Die zwei Stunden am Lake Superior und im Wald reichen aus die Biestern hier Kennen zu lernen. Moskito und Black Fly sind abartig. Sie lassen keine Ruhe und holen sich erbarmungslos ihr Blut. Das Jucken ist erträglich, aber ich sehe stellenweise aus wie ein Streuselkuchen.
Am Donnerstag der Wecker um 6.00 Uhr und eine Stunde später der Auto Start. Im Ouimet Canyon laufe ich über die längste Schwingbrücke Kanadas (200 m lang). Eintritt: 14 CAD. Es fällt schwer sich daran zu gewöhnen das praktisch jeder Park Eintritt kostet. Danach regiert die Strasse. Bei schwülen Temperaturen (habe Gott sei Dank Klima im Auto) folgen die nächsten 700 km am Lake Superior entlang durch Wald, Wald, Wald. Während kurzer Pausen stets anwesend: Moskitos. Die können einem jeden Outdoor Tag vermiesen, wobei es im Juni am schlimmsten sein soll.
Abends Ankunft in Sault Ste. Marie. 75.000 Einwohner und nur ein Hostel. Und was für eins!!! Mädels, hier würde ich euch abraten allein zu übernachten. In diesem alten und ziemlich heruntergekommenen Hotel könnten die Bewohner aus einem Psycho- oder Obdachlosenfilm stammen. Die Zimmer uralt, aber wenigstens sauber, wie die Küche. Es wurde einfach die alte Hotelküche genommen, die noch über einen 10 flammigen Herd verfügt. Obwohl kaum brauchbar, ist sie abgeschlossen und um den Schlüssel zu bekommen muss man fast den Reisepass vorlegen. Na dann: Gute Nacht...

der Kakabeka Wasserfall

Ouimet Canyon

Lake Superior

ein Stück Highway

Hatte wider Erwarten eine ruhige Nacht. Schaue mir heute Sault Ste. Marie an. Kaum sehenswert, auch nicht die Schleusen zwischen Lake Superior und Lake Huron. Also kurz nach 12.00 Uhr weiter in Richtung Osten. Die Sonne scheint und es ist heiß. Treffe nach 17.00 Uhr in Sudbury (70.000 Einwohner) ein. Problem: Übernachtung. Hostel gibt es keins, die B & B’s haben ihren Anrufbeantworter laufen und den ganzen Tag nicht zurückgerufen. Selbst die Uni und ihr Internat hat zu. Also bin ich so etwas wie gestrandet. Helfer in der Not: Ein Campingplatz in der Nähe. Für ein paar Dollar kann ich dort bleiben und die sanitären Einrichtungen benutzen. Eine Dusche nach diesem Tag tut echt gut. Die heutige Nacht eben im Auto. Kaum gemütlich, aber okay. Samstag dann Frühstück im schönsten Sonnenschein. Vormittag ins Scienic North Museum nach Sudbury. Nett, informativ und etwas abgefahren. Da gibt es Ungeziefer in einer Größe die ich noch nicht gesehen habe. Nachmittag weiter im Sonnenschein ins 250 km entfernte Orillia.
Das ist ein kleines Städtchen zum verlieben. Gut gelegen am Lake Simcoe, mit Strand, kleinen Restaurants und Bars. Mein Hostel in einem alten Haus, mit ebensolchen Gastgebern, die 1958 aus Deutschland ausgewandert sind. Das gibt was zu erzählen. Die Unterkunft mehr als einfach, aber okay. Schmunzel: die Küche liegt außerhalb des Hauses und wird 21.00 Uhr abgeschlossen. Naja, bin zur Zeit der einzige Gast und kann mich damit arrangieren.
Sonntag wollte ich am Strand liegen und faulenzen, aber leider spielt Petrus nicht mit. Wie unfair: wenn ich im Auto saß und lange Strecken fuhr, war bis jetzt immer das schönste Wetter.

heißes Teil...

Andreas und ich

Montag die letzten 150 km bis Toronto. Das Wetter hat sich erneut komplett gewandelt und wir haben Kaiserwetter. Schwitzend treffe ich im bereits bekannten Hostel ein. Der Verkehr war erträglich und ich habe mich zurechtgefunden. Nachmittag wollte ich Andreas mit den öffentlichen Verkehrsmitteln vom Flughafen abholen, aber die streiken gerade heute. Also wieder ins Auto und durch die Stadt kämpfen. Am frühen Abend sind wir zurück im Hostel. Zwei Bekannte, Claudia und Nils, waren zur Begrüßung da. Mit ihnen sind wir noch das eine oder andere Bierchen trinken gegangen.

Skyline Toronto

Blick in 346 m Tiefe...

Zeitungsautomaten in Toronto

Toronto Downtown von oben

4.Woche vom 30.Mai bis 5.Juni2006:
Ab heute bin ich also mit Andy unterwegs. Zuerst Sightseeing in Toronto. Wetterbericht: 34°C. Die Malls mit ihren Klimaanlagen sind gut zum Verschnaufen. Quer durch die Stadt bis hinunter zum Hafen und von dort mit der Fähre zu drei kleinen vorgelagerten Inseln. Ganz nett. Eine längere Mittagspause im Schatten der Bäume, denn die Sonne brennt mörderisch. Im Lake Ontario (ca.400 km lang) schaffen wir das Anbaden der Saison bei 16°C Wassertemperatur.
Von dort ein Abstecher zum CN-Tower. Volle Höhe: 553m, 1.Plattform: 346m. Die Aussicht könnte klarer sein, aber dafür ist das Stehen auf dem Glasfußboden ein echter Nervenkitzel. Von der Hitze kaputt gespielt reicht das für heute. Nach 20.00 Uhr kommen Claudia und Nils vorbei (original aus Erfurt). Mit ihnen gehen wir vietnamesisch essen und danach in eine Bar mit Live Programm: offenes Micro. Jeder darf für zwei Lieder ran. Manche sind richtig gut, manche zum weg hören. Ein witziger Abend der spät endet. Dienstag Morgen Aufbruch nach Süden. Das Wetter drückend warm. Zwei Stunden brauchen wir bis Niagara Falls. Im Hostel einchecken und gleich zu den Fällen. Die sind echt beeindruckend. Ich hätte sie mir lauter vorgestellt, aber das ändert nichts an ihrer Mächtigkeit. Zig Fotos werden geschossen, und es geht mit dem Schiff bis fast direkt darunter. Trotz Plaste - Poncho eine nasse Angelegenheit, aber bei den Temperaturen äußerst angenehm. Nachmittag laufen wir zu einem gigantischen Whirlpool weiter stromabwärts. Mit dabei: eine ständig stärker werdende Sonne. Abends gibt es im Hostel Burger vom Grill. Kurz ausspannen und wieder zu den Fällen. Nachts werden sie verschieden farbig angestrahlt. Super. Um das Programm zu beschließen bummeln wir durch die Neonstadt mit all ihren Casinos, Restaurants und Tourifallen. Laut, bunt und amerikanisch.

Niagara Fälle und Lutz

Niagara Fälle ganz nah...

...noch näher mit dem Schiff..

...und bunt bei Nacht

Mittwoch Morgen Aufbruch. Das Wetter grau und regnerisch. Den bekannten Weg zurück nach Toronto und gleich weiter in Richtung Nordosten, wo wir nach 400 km Fahrt in Kingston eintreffen. Nach heftigen Schauern sieht es langsam wieder besser aus, bei angenehmen 22°C. Leider ist das B&B auf einem ausgedienten Eisbrecher voll. Das Hostel gibt es nicht mehr, obwohl die Telefonnummer noch existiert. Wir landen schliesslich in einer riesigen Studentenunterkunft auf dem Campus, der zu Ferienzeiten auch fremdvermietet wird. Großes Zimmer zu zweit, aber
80 CAD die Nacht. Keine Küche, dafür Frühstück inklusive. Beim Rundgang landen wir in der campuseigenen Cafeteria, wo am Abend Schulgruppen essen, die zur Zeit auch hier wohnen. Ein kurzer Schwatz mit der Frau am Einlass, höfflich und charmant wie man mich kennt, und wir sind kostenlos mit dabei. Ein reichhaltiges Buffet mit Salat, Suppe, Hauptgang und Dessert bringt uns den vollen Magen. Hinterher brauchen wir einen Spaziergang durch Kingston. Hübsch. Alte Häuser und viele Kirchen aus Kalkstein, gebaut vor über 100 Jahren. So kann ein Tag enden.

Donnerstag ein all-you-can-eat Frühstück in der Uni-Cafeteria, diesmal offiziell. Ein kleiner Umweg neben dem Highway bringt uns nahe an den St. Lorenz Strom mit seinen 1000 Inseln. Wie definiert man hier Insel? Mindestens ein Baum steht darauf und die Insel schaut das ganze Jahr aus dem Wasser. Beweis: Foto weiter unten. Mit mäßigem Tempo fahren wir 200 km nach Ottawa, der Hauptstadt von Kanada. Das Hostel war vorgebucht und wir übernachten zwei Nächte im: KNAST. Ein Gefängnis aus dem 19. Jahrhundert dient als Unterkunft. Die Zimmer in original Zellen, alles mit Gitterstäben und die kleinen Todeszellen sind nach wie vor im Keller. Schon ein wenig grausig. Die Stadt: Viele alte Gebäude. Wir besuchen das oberste Gericht von Kanada und dürfen sogar live in eine Gerichtsverhandlung schauen. Die Basilika ist überwältigend und wir irgendwann pflastermüde. Abendessen, Fotos sortieren und doch noch mal in die City. Es ist Freitag Abend und diese Stadt schläft nicht...
Samstag wechselt das Wetter zu Regen. Das Parlamentsgebäude sehen wir heute von innen inklusive Senat und Volkshaus, bevor es ins Kriegsmuseum geht. Dort bleiben wir über vier Stunden. Kriegsgeschichte, Technik und das Auto von “Adolf” begeistert den Jungen in uns. Es ist bereits nach 18.00 Uhr als uns das Hostel wiedersieht. Heute Abend echte Männerarbeit: Kochen, Waschen, Trocknen. Aber die Wäsche hat es überlebt, wie auch unser Magen
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das ist eine Insel

Ottawa, die Bibliothek

Ottawa,  Parlamentsgebäude

unser Hostel, der Knast

Ruhelos geht es am Sonntag weiter. Wetter: Sonne pur bei 25°C. Heute nur 200 km bis Montreal. Die Stadt entpuppt sich Auto feindlich. Sperrungen, Umleitungen, keine Parkplätze. Der Weg zum Hostel ein Kampf. Am Nachmittag durch die Stadt schlendern. Viele Autobahnen, viel Beton. Selbst der Park Mount Royal (daher “Montreal”) ist eher bescheiden, abgesehen von einem Treffpunkt für Hippies. Einige davon sind wahrscheinlich schon seit Jahren nicht clean. Abends finden wir dann einen kleinen Marktplatz mit Künstlern und netten Bars.
Montag Montreal total. Die Sonne brennt mit 30°C vom Himmel und wir geben alles. Hafen, Quartier Latin, Olympisches Stadion und Downtown, um ein Stockwerk tiefer die Stadt unter der Stadt zu sehen. Verbunden durch breite Gänge voller Restaurants, Läden und Leben führen hier mehr als 30 km Wege von einem Hotel und Kino zum anderen. Stark.
Der späte Ausflug zum Hafen wird zur Show. Ein Lichtermeer in allen Farben zeigt eine Skyline von neu und alt. Doch insgesamt finden wir Montreal nicht so aufregend wie die anderen großen Städte hier.

alt und neu in Montreal: Kirche Notre Dame, Olympiastadion

Quebec, das Chateau und kleine Gassen in der Altstadt

5.Woche vom 7.Juni bis 12.Juni 2006:
Dienstag auf nach Quebec. Hitze, Sonne und 300 km langweilige Autobahn. Das Auto läuft wie am Schnürchen. Quebec: Aufregend alter Stadtkern mit kleinen Straßen und Gassen. Unser Hostel mitten drinn. Die Fahrerei unbeschreiblich. Irgendwas zwischen Chaos und wildem Probieren. Aber es lohnt sich. Das Hostel Klasse, fast schon ein Hotel. Nur die Küche hat viel zu wenig zu bieten. Die Stadt: der Hammer. Wir vergeben sofort die Höchstnote und bummeln durch die Gassen. Als wären wir in Frankreich. Die Cafes und Läden klein und verschieden. Kunst und Künstler überall. Die alte Zitadelle drohnt über der Stadt wie auch das nicht zu übersehende Chateau. Herrlich. Leider wechselt am Mittwoch das Wetter. Kalter starker Wind schiebt Wolken wie D-Züge über den Himmel. Wir bleiben unbeeindruckt, schlendern durch die Stadt, den Hafen und einen riesigen Park. Beim späteren Einkauf im Supermarkt ein paar Dosen Bier. Unglaublich: Als günstigstes steht hier “Wernesgrüner”, made in Germany, im Regal. Ein Wort zum Alkohol: Bier gibt es nur im Beerstore, nicht im Supermarkt (außer Region Quebec). Im Pub hat man meist die Auswahl zwischen acht gezapften Bieren. Happig: der halbe Liter (Pint: 460 ml) schlägt mit 5 bis 6 Euro zu Buche.
Es wird Zeit die nächsten Tage zu planen. Wetterbericht: grausig. Viel Regen und niedrige Temperaturen. Also beschließen wir die nächsten beiden Tage auf dem Highway zu verbringen.

ein Inuksuk in Quebec

Donnerstag Morgen ein letzter kleiner Abstecher nordöstlich von Quebec zum Montmorency Wasserfall. Danach 700 km weiter nach Fredericton. Stürmischer Wind, gleichbleibende Aussicht mit Schauern und Nebel. Außer einem Tank- und Einkaufsstop nichts zu berichten. Eintreffen in Fredericton am Abend. Hostel nett und fast leer. Abendessen (Steak, schön medium und zart), Video schauen (“Panic Room”, das richtige bei diesem Regenwetter) und ins Bett.
Freitag morgen weiter in Richtung Südosten nach Novia Scotia. Wetter unverändert. Stopp in Moncton. Magnetic Hill eine Touristenfalle (ein Hügel sieht aus als würde er bergauf führen, man rollt aber bergab). Die bestimmt interessante Bay of Fundy wollen wir uns auf dem Rückweg bei hoffentlich besserem Wetter anschauen.

Nachdem wir die Halbinsel Nova Scotia betreten (befahren) wird das Wetter etwas besser. Auch die Gegend wird abwechslungsreicher mit Hügeln und Bergen. Die Wälder sind sattgrün und alles tut dem Auge gut. 470 km nach Fredericton treffen wir in Halifax, der Provinzhauptstadt, ein. Immerhin 100.000 Einwohnern. Wetter: grau in grau.
Das Hostel ist okay. Einkaufen, essen und nach einem kleinen Rundgang bin ich breit:
Weil ich froh war überhaupt eine Autoversicherung bekommen zu haben, stehe ich als einziger Fahrer drin. Das heißt ich fahre trotz Andreas die gesamten Strecken. In den 18 Tagen seit Winnipeg immerhin 4.800 km. Ich brauche eine Pause, wozu die nächsten beiden Tage Gelegenheit bieten. Das Wetter bleibt mies und außer kurzen Spaziergängen hängen wir im Hostel ab. Lesen, PC und Fußball WM live on TV. Die Hoffnung auf besseres Wetter hält uns bei Laune.

Nebel in Halifax

das malerische Dörfchen Peggys Cove

Lunenberg

im Kejimkujik Park

Montag brechen wir 8.00 Uhr auf. Der Himmel nach wie vor grau, aber nach 30 km die ersten Wolken Lücken. Immer an der Küste entlang cruisen wir nach Süden. Malerische Fischerdörfer wie Peggys Cove, Chester und Lunenburg sind eine Pause wert. Der Kejimkujik Provincal Park hält uns mit seinen Stränden und dem inzwischen strahlend blauen Himmel  länger auf. Es wird Abend als wir nach 400 km in Yarmouth  eintreffen. Das Hostel sieht von außen ziemlich heruntergekommen aus, entpuppt sich aber im Inneren als kleines Juwel.

6. Woche vom 13. bis 19.Juni2006:
Am Dienstag Sonnenschein. Der Wecker um 7.00 Uhr und 9.00 Uhr sind wir bereits gemächlich raus aus der Stadt, wir haben Zeit. Die Orte gehen ohne Grenze ineinander über. Ein Ortskern ist kaum erkennbar, vielmehr liegen fast alle Grundstücke an der Strasse, wobei der Abstand zwischen den Häusern zwischen 50 und 800 Metern schwankt. Kein Zaun, überall perfekt gemähter Rasen. Die Wohnflächen scheinen häufig nur 60 m² zu betragen. Nur wenige Häuser sind größer, dafür aber alle schön bunt. Bei Digby biegen wir nach Süden ab, und fahren fast die gesamte Strecke auf einer immer schlanker werdenden Halbinsel wieder zurück. Zwei mal hilft die Fähre weiter, dann sind wir in Westport auf Brier Island. Die Insel nur 7 km lang und 3 km breit. Ein Dorf mit Tanke, Supermarkt, Baumarkt und Cafe in einem. Unser Backpacker ein Kleinod. Beim Check-In plötzlich Stress, denn die nächste Walbeobachtungstour startet in 15 Minuten.
Rechtzeitig sind wir auf dem kleinen Schiff, das mit 30 Touristen an Bord nur halb voll ist. Mit der Entfernung vom Land wird es kälter, trotz Sonne. Eine Stunde warten, dann heißt es: Wal voraus. Ein Buckelwal mit ca. 15 Meter Länge taucht auf. Herrlich. Auf dem Boot bricht die Fotomanie aus. Na gut, wir sind da auch mit dabei. Eine halbe Stunde bleiben wir an dem Wal dran, sehen ihn immer wieder auftauchen, umher schwimmen und abtauchen. Der Kapitän will  noch eine andere Stelle ausprobieren. Dort passiert nichts und wir geben fast die Hoffnung auf. Dann erneut der Ruf: Wal voraus. Diesmal sind es sogar drei Buckelwale die teilweise nur fünf Meter neben dem Schiff schwimmen. Genial.
Nach vier Stunden sind wir zurück im Hafen. Nun bleibt Zeit uns einzurichten. Im Hostel sind keine anderen Backpacker  zu sehen. Abendessen auf der großen Terrasse mit wohltuender Sonne. Später fahren wir mit dem Auto zu einem der Leuchttürme, aber ein toller Sonnenuntergang wird uns heute verwehrt.
Mittwoch wollten wir ausschlafen, aber das Nebelhorn eines nahen Leuchtturms weckt uns. Also aufstehen und die Insel erkunden. Der Weg an der Küste beschwerlich und kaum aufregend, trotzdem vergeht so der halbe Tag. Am Nachmittag sehen wir mit welcher Macht hier die Gezeiten wechseln. Ebbe und Flut unterscheiden sich in mehr als zwei Meter Wasserhöhe. Da ist viel in Bewegung.  

Buckelwale in ihrem natürlichen Lebensraum

Impressionen am Meer

Donnerstag Aufstehen um 6.00 Uhr und los. Der Wetterbericht war gut, doch die Tatsache ist nur nass. 50 bis 70 Liter Regen pro m² sind heftig. Dazu ein halber Sturm. Wir fahren in der Nähe der Küste in Richtung Norden bis Pictou. Die 500 km schaffen wir ohne große Pause. In Pictou erleben wir das etwas andere Hostel. Etwas schmuddelig, alt und mit dem Geruch von 5 Katzen. Auf dem Speiseplan steht heute Chili con Carne, denn EIN sauberer Topf ist zu finden...
Freitag stimmt der Wetterbericht wieder. Noch starker Wind, aber die Wolken sind weg. 10.00 Uhr sitzen wir im Auto und fahren bis in den hohen Norden von Nova Scotis nach Cape Breton Island. Wir lassen uns heute bei dem schönen Wetter Zeit und cruisen fast immer an der Küste entlang. Sind heute auch nur 350 km.
Die Gegend wird mit zerklüfteter Küste und steilen Klippen immer sehenswerter. Dazu kleine Fischerdörfer wie Pleasant Bay, in welchem wir bleiben. Schönes Hostel, herrlich gelegen. Abends treffen wir am kleinen Hafen einen Fischer. Der macht uns nach einem kurzen Gespräch Hoffnung für morgen..
Samstag früh. Der Wecker um 3.30 Uhr, und eine Stunde später stehen wir am Hafen. Es dauert nicht lange (bestimmt wurde er von seinem Kollegen vorgewarnt) und wir stehen bei Kapitän Bernard und seinem Co-Fischer Joseph an Bord. Das heutige Abenteuer heißt Hummer fangen. Okay, wir schauen zu, denn ungelernt wären wir den beiden nur im Weg. So sind wir live dabei wenn die Reusen (300 Stück) an Bord gehievt, die Hummer herausgeholt und die Fallen neu bestückt werden. Kein toller Fangtag heute, doch gestern war es stürmig und  das heutige Ergebnis absehbar. Auf dem Weg zurück holen wir noch ein Netz mit Heringen an Bord (um die 400 kg!) Der wird als Köder verwendet, und ist als Fisch nichts wert. Zum Abschluss darf ich ans Steuer und bringe das Schiff in Richtung Hafen. 14.00 Uhr sind wir zurück und bekommen zwei Hummer mit auf den Weg. Kurze Pause und ein Spaziergang an der Küste, wobei wir an einem  Buddhatempel vorbeilaufen. Abendessen: natürlich Hummer. Nicht sensationell, aber überaus lecker..

Hummerjagd mit Reusen

Hering als “Beifang”

Kapitän Lutz

unser Abendessen - noch lebend

Sonntag bleiben wir bis 8.00 Uhr liegen. Dann brechen wir mit Wanderschuhen in den Cape Breton Highland National Park auf. Eintritt: 7 CAD pro Person und Tag, und selbst das eine Prozedur. Die Eintrittskarten A5 groß und deren Nummer wird mehrfach notiert. Dafür darf man die Wanderwege benutzen, welche bei einem Park dieser Größe (950 km²) gerade mal 80 km in Addition betragen. Ein einfaches durch-den-Wald-gehen übrigens unmöglich, dafür ist der Wuchs einfach zu dicht. Tierwelt: der kleine Stock auf dem Weg entpuppt sich schnell mal als Schlange und gegen Mittag begegnen wir einem riesigem Moose. Im Laufe des Tages sehen wir Fishing Cove, Benjis Lake und den Skyline Trail. Nach 25 km Wanderung haben wir genug und verbringen einen gemütlichen Abend im Hostel.
Störende Kleinigkeit: Da sind sie wieder, meine Zahnprobleme. Seit Freitag wackelt die Krone des mir nur all zu bekannten Zahnes. Dentist gibt es hier keinen, also einige Tage warten und hoffen das sich nichts entzündet.
Montag ein früher Aufbruch vor 8.00 Uhr. Das Wetter ist herrlich und wir genießen die letzten Blicke auf Cape Breton.
Am Nachmittag treffen wir nach mehr als 500 km in Moncton (New Brunswick) ein. Wir waren vor 10 Tagen auf unserem Weg nach Nova Scotia hier, damals allerdings bei viel schlechterem Wetter. Heute trotz Sonnenschein der erste Gang zur Tourismus - Information um einen Zahnarzt zu finden. Die junge Frau dort hilft gern, nur bekomme ich keinen Termin, sondern nur Absagen. Die Emergency Line soll helfen innerhalb von 24 h einen freien Zahnarzt zu finden. Na Glückwunsch. Also Hostel suchen und entspannen. Der "C’mon" Backpacker entpuppt sich als altes Haus mit vollkommen überarbeitetem Innenleben und zwei jungen Leuten als Gastgeber. Bewertung: eines der besten Hostels bisher. Dazu existiert gleich um die Ecke eine “Lutz”-Street, witzig.

Cape Breton Island                 die “Lutz” Strasse in Moncton   Hopewell Rocks in der Bay of Fundy, bei Ebbe entblößt

7.Woche vom 20. bis 26.Juni 2006:
Dienstag. Sonnenschein und 25°C. Ein Anruf nach dem Frühstück: ein Zahnarzt ist gefunden. Ich kann die Details abkürzen: Nichts entzündet, alles wieder festgeklebt, den Betrag von 110 CAD mit Kreditkarte beglichen. Jetzt ist mir wohler, auch weil Andy und ich damit im Zeitplan bleiben. Gleich ins Auto und 40 km südlich zu den Hopewell Rocks.
Die Bay of Fundy ist berühmt, weil der Unterschied zwischen Ebbe und Flut 12 Meterbetragen kann! Weltrekord! Bei Ebbe kann man auf dem Grund des Ozeans laufen. Bei den Hopewell Rocks lohnt sich das besonders, denn hier hat die Natur die eigentümlichsten Felsformationen geschaffen. Einige sehen aus als würden sie bald umfallen. Sehr schön, nur das Wetter ärgert. In Moncton blauer Himmel und Hochsommer, hier kalter Wind und graue Wolken. Das war ein Schreck nach dieser kurzen Strecke beim Ausstieg plötzlich 15°C weniger zu haben. Nach zwei Stunden der Weg zurück. Irre, nur 20 km nördlich erneut strahlend blauer Himmel und 25 °C. Erklären kann uns das heute keiner.
Mittwoch: Wecker 6.00 Uhr. Ins voll getankte Auto und los. Angenehmes Reisewetter mit Wolken und Schauern. Erst am Nachmittag wieder wolkenloser Himmel. Wir sind nach 840 km Fahrt platt. Die Nacht in Quebec fällt ins Wasser, beide Backpacker sind voll. Letztlich findet sich 30 km weiter nördlich im Wald ein herrliches Blockhaus unter Schweizer Führung, halb B&B, halb Hostel. Hier haben wir unsere Ruhe und viel gesunde Luft.
Herrlich geschlafen. Am Donnerstag ist das Frühstück inklusive, wie auch das lange Gespräch mit den Schweizer Besitzern. Wir kommen erst 10.00 Uhr los und brauchen eine Stunde im Supermarkt um für die nächsten Tage einzukaufen. Die Autobahn ist dann bei Montreal ziemlich verstopft und wir verlieren über eine Stunde im Stau. So wird die Zeit knapp, denn das Ziel liegt im Niemandsland hinter Ottawa. 650 km nach dem Start finden wir das Esprit Hostel mitten im Busch. Handy-Pegel bei null, wie gestern. Dafür eine coole Location direkt am See. Außer Essen (gegen halb elf) und Wäsche waschen wird nichts mehr, diese rasende Reiserei strengt an und wir sind mehr als platt.
Freitag. Wecker 6.30 Uhr. Erst Einweisung fürs Rafting, dann geht die Post ab. Den Ottawa River nehmen wir im Laufe des Tages zwei Mal auf verschiedenen Kanälen. Stromschnellen, 5m hohe Wasserfälle, Klippenspringen usw. Bei herrlichem Sonnenschein wird der Kontakt mit dem Wasser zur Erfrischung, und uns erfrischt es häufig! Beim surfen an einer Welle tauchen wir komplett ab und 4 von uns 9 spült es aus dem Rafting Boot. Cooler Tag, und mit unserer Mannschaft macht es richtig Spaß. Im Bus war ich dran mit Witze erzählen. Funktioniert auch in Englisch. Wir trennen uns am Abend nur ungern von Platz und Leuten, aber der enge Zeitplan schreibt weitere 230 km vor, die 22.30 Uhr Geschichte sind. Auch der nächste Stopp lohnt sich. Am Eingang vom Algonquin National Park schlafen wir im Wolfs Den Hostel. Stark: Wald, Blockhäuser, offenes Wohnen. Nur bekommen wir das heute kaum mit. Ich sage nur: MÜDE.
Samstag. Nach dem Frühstück packen wir unsere Sachen für einen besonderen Trip. Hinein in den Algonquin Park (14.000 km²) und zum Portage Store, einem Campingausrüster. Kurz darauf haben wir Karte, Kanu, Zelt,... Ins Boot und los. Die Sonne scheint von einem tiefblauen Himmel und wir sind auf dem Weg in die Wildnis. Im Park gibt es mehrere hundert Seen, teilweise mit Flüssen verbunden, teilweise mit Tragestrecken fürs Kanu. Die wenigen Touristen verlaufen (verkanuen?) sich bald und wir sind allein in der Natur. Ein Traum wie aus dem Bilderbuch. Stille, ruhiges Wasser und manches Tier. Wir sehen Moose, Biber, Schildkröten und leider jede Menge Moskitos. Die Viecher sind die Härte. Sobald man an Land geht stürzen sie sich förmlich auf einen. Selbst böse Chemie hilft da nur zum Teil.
Wir finden am späten Nachmittag unseren Campingplatz auf einer kleinen Insel. Diese Plätze sind gut gekennzeichnet, bieten maximal Platz für 9 Zelte, und haben nichts zu bieten außer einer Feuerstelle. Solange wenig  los ist, hat jedes Zelt seinen eigenen Campingplatz, so wie wir heute. Genial. Zelt aufbauen, Feuerholz sammeln und abspannen. Andreas versucht Fische zu fangen und erwischt sogar ein paar. Zum Essen leider zu klein. Also gibt es Grillwürstchen am offenen Feuer. Bald liegen wir im Schlafsack, wobei uns die Natur noch einige Ständchen bringt. Manche Vögel sind echte Krawallmacher. Vor allem bei dieser Stille hier fällt das auf. Es ist so ruhig, das wir manchmal die Flügelschläge der größeren Vögeln hören, wenn sie über unser Zelt fliegen.
Sonntag. Aufstehen und die Natur genießen. Das Wasser glatt wie eine Spiegelfläche. Wir paddeln bis zum späten Nachmittag durch den Park und treffen dabei erneut auf jede Menge Moskitos. Das tut dem Spaß keinen Abbruch, denn wir sind hart im Nehmen (ha, ha). Nach über 30 km Paddelei geben wir die Ausrüstung ab und treffen eine Stunde später erschöpft im Hostel “Wolfs Den” ein. Was für ein Wochenende.

unser Rafting Team               Algonquin National Park: der Start mit dem Kanu, ein Zeltplatz und die Stille am Morgen

Montag müssen wir uns aus den Federn quälen, denn auch heute steht ein Plan. Um 11.00 Uhr sind wir zum Wandern im Algonquin Park. Der Highland Trail führt uns 30 km durch den Wald. Immer mit dabei: die Moskitos. Trotz Moskitonetz und Gift bleibt keine Ruhe. Um uns säuseln die ganze Zeit wenigstens 15 Stück herum. Ist mehr als nervig. Ab und an werden sie mutiger und ich erschlage im Laufe des Tages mehr als 100 Stück. Erschlagen sind auch wir nach 8 Stunden im Wald.

8. Woche vom 27.Juni bis 3.Juli 2006:
Dienstag früh großes Packen. Der Himmel hängt voller Wolken und gibt einige Schauer ab. Kühler wird es dadurch nicht, nur noch schwüler. Gemütlich nach Toronto. 16.00 Uhr setze ich Andreas am Flughafen ab und bin so wieder allein. In Toronto eine Nacht im bekannten Hostel. Fühlt sich an wie nach Hause kommen. Die Skyline, die Strassen, das Hostel, alles bekannt. Am späten Abend ein Treffen mit Nils und Claudia zum fälligen Urlaubsbericht, das erst 2.30 Uhr endet.
Mittwoch um 6.00 Uhr raus. Die Flatrate vom Parkplatz läuft ab und ich suche mir eine andere Möglichkeit auf einem Hinterhof, wo ich das Auto nie über Nacht stehen lassen würde. Die frühe Stunde nutze ich um die Homepage hochzufahren und fällige e-mails zu schreiben.
Der Tag wird wieder heiß, doch es gibt einiges zu tun. Ich werde Wwoofer Mitglied, erledige Telefonate und komme 12.00 Uhr endlich aus der Stadt. Der Himmel glimmt gelb durch Hitze und Dreck, ideales Smogwetter. Nach 300 km bin ich wieder im Wolfs Den Backpacker und will erst mal kein Auto mehr fahren.
Die nächsten 48 Stunden passiert praktisch nichts. Das Reisetempo war hoch und die Strecken lang. Aber ich bin froh darüber, denn Kanda ist riesig, und ohne den Druck mit Andreas Ende Juni wieder in Toronto zu sein, würde mir am Ende Zeit für die Rocky Mountains fehlen. So hat manchmal auch die Eile im Urlaub etwas Gutes...
Freitag packe ich und bin 11.00 Uhr in einer kleinen Kneipe 10 km weiter. Auf vier Fernsehern läuft: Fußball WM. Das erste Spiel welches ich komplett sehe ist GER - ARG. Kein schönes Spiel, aber wenigstens gewonnen.
Hinterher ein Snack im Hostel und 16.00 Uhr Aufbruch. Die Kilometer ziehen sich. Nach 600 km eine Pause in Sault Ste Marie um Mitternacht. Drei Stunden Schlaf im Auto. Dann ein Morgen mit Regen und Nebel sowie schliesslich die Ankunft in Thunder Bay um 13.00 Uhr nach anstrengenden 1320 km. Warum diese Mamutetappe? Nun, ich kenne die Stecke bereits von vor vier Wochen und es gibt kein vernünftiges Hostel auf dem Weg.
1.Juli: Canada-Day. Die Einheimischen feiern was das Zeug hält, und überall kanadische Farben und Flaggen. Vielfältiges Programm in der Stadt und Nachts ein großes Feuerwerk. Trotz Müdigkeit lasse ich mir das nicht entgehen.
Übrigens ist der 1.Juli.2006 ein Meilenstein für das Land. Die GST (Teil der MWST.) sinkt von 7% auf 6%. Nicht viel, aber mal nachgedacht, welches Land kennt ihr, das die MWST senkt. Schon rein psychologisch viel wert.
Sonntag ausschlafen. Nachmittag fahre ich mit Jens, einem deutscher Backpacker, zu meinem ersten Pow Wow.

mein “Wolkentor” auf dem       Schulbus - unverwüstlicher     Pow Wow in Thunder Bay
Weg nach Westen                  Klassiker                               DAS Tanzfest der Indianer

Das Pow Wow ist das Tanzfest der Indianer. Wer will tanzt stundenlang zum Klang der Trommeln. Abgesehen davon bleibt es ein fauler Tag mit viel herumsitzen, Kaffee trinken und lange Gespräche in verschiedenen Sprachen führen.
Montag. 8.00 Uhr sitze ich mit Jens im Auto um die nächsten 700 km zu schaffen. Er begleitet mich bis Winnipeg und wir teilen die Spritkosten. Das Wetter kühl, was uns nur Recht ist. Zu zweit vergeht die Reise schnell, und wir sind mit erneuter Uhrdreherei um 16.00 Uhr im bekannten Hostel in Winnipeg und nun 7 Stunden hinter deutscher Zeit.  

9.Woche vom 4.Juli bis 10.Juli 2006:
Munter und erholt wache ich am Dienstag auf. Ein lang gezogenes Frühstück,dann werde ich betriebsam. Beim Chevy steht ein Ölwechsel an. Midas ist bereits aus Neuseeland bekannt, sie sind so etwas wie Pit Stop in Deutschland. Die 30 CAD sind billig, allerdings sollte man das in Kanada alle 5.000 km machen. Begründung: die Motoren sind schlechter als in Europa und Normalbenzin hat NUR 87 Oktan. Selbst bei Super Clean sind es gerade 91 Oktan. Midas checkt den Chevy durch, beruhigend das sie fast nichts finden. Der Auspuff hält noch ungefähr 15.000 km (hört man) und die Flüssigkeit der Servolenkung sieht etwas trüb aus.
Nach dem Mittag treffe ich in der Stadt Laura (heute zu uns gestoßen) und Jens. Gemeinsam schauen wir Fußball in einer Sport Bar. Dort ist um 14.00 Uhr Ortszeit an einem Arbeitstag wenig los, denn Fußball hat hier keinen hohen Stellenwert. Sollte ich den Hang zur Traurigkeit erwähnen, nachdem Dt. verloren hat...
Bei einem Stadtbummel findet sich ein sonniger Platz bei Starbucks, und dort ein doppelter Espresso der seinen Namen verdient. Abends im Internet die nächste schlechte Nachricht: Jan Ullrich suspendiert und nicht bei der Tour dabei. Wenn Vorbilder fallen, drückt das mehr runter als ein verlorenes WM-Spiel. Was mich zurückbringt ist ein sonniger Abend mit den anderen auf der großen Veranda hinter dem Hostel.
Mittwoch will ich früh los, doch Jens haben sie das Fahrrad vom Hostelgelände geklaut. Mist. Ich helfe und bringe ihn zu einem Autohändler weiter außerhalb, wo er gestern einen guten Van sah. Danach geht es allein weiter.
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Hinter Winnipeg beginnt die Prärie und damit das flache Land. Und wie flach! Hiesiger Witz: Läuft einem der Hund weg, sieht man ihn nach drei Tagen immer noch.
Die Strassen sind wie mit dem Lineal gezogen, und die Hügel sind kaum 20 Meter hoch. Entspanntes Fahren bei sehr wenig Verkehr. 200 km hinter Winnipeg ein 35 km Abstecher zum Spruce Woods Park bei strahlender Sonne. Der Park: Eine Art Wüste macht sich hier breit, mit Dünen, Sand, Kakteen, Schlangen (keine gesehen) usw. Ab und an taucht wegen Lehmschichten aus dem Nichts ein Teich oder Bach auf, das gefällt. Drei Stunden später wieder der Highway. Der Himmel inzwischen ein undefinierbares weiß - furchtbar. Schwül, drückend, unangenehm. Die 600 km bis Regina dauern. Vorteil: Erneutes Uhr drehen, denn Saskatchewan hat keine Sommerzeit. Bin nun 8 Stunden hinter Dt.
19.00 Uhr im Turgeon Hostel, ein hübsches altes Haus mit Flair. Nur 5 Backpacker da, das zeigt wie beliebt die Gegend ist. Regina tut man damit Unrecht, denn gleich um die Ecke beginnt zum Beispiel ein großer Park mitten in der Stadt.
Genau da erlebe ich den Sonnenuntergang, mehr aber auch nicht, das Bett ruft mit aller Macht.
Donnerstag ein ruhiger Morgen mit dunklen Wolken die sich bald verziehen. Ein Stadtbummel, Regina hat immerhin 160.000 Einwohner. 13.00 Uhr bin ich beim RCMP, der Royal Canadian Mountain Police (coole rote Uniformen). In Regina hat alles angefangen. Mittags zeigen sie einen Teil ihres Drills, leider in Trainigssachen. Der Besuch dort zeigt das ich mit der Army nichts verpasst habe. Wäre zu schwierig auf andere zu hören... Der ruhige Nachmittag am städtischen See, nur unterbrochen von einer Führung im Regierungsgebäude. Fühle mich sehr entspannt, what a good day. 

die Prärie beginnt                   Stadtzentrum Regina             mal was anderes...                 Besuch in Moose Jaw

Freitag ein tief blauer Himmel und 34°C. Erst den Kopf von jeglichem Haar befreien, dann eine Autowäsche. Klebriger Blütensaft und Staub fingen an eine feste Einheit zu bilden. Gegen Mittag ein Ausflug in Richtung Westen, nach Moose Jaw. Einst ein Eisenbahn Knotenpunkt, liegen die Geheimnisse im Untergrund: In Tunneln und Kellerräumen hausten einst Chinesen die auf offizielle Papiere warteten (Wie jedes Land hat auch Kanada seine dunkle Vergangenheit). Später fand Al Capone hier einen Fluchtort. Mit viel Professionalität, und Angestellten die fast Schauspieler waren, erleben wir unter der Erde einen tollen Nachmittag. Ein Pause im Park und zurück nach Regina, wo mir Sigrid über den Weg läuft, wie bereits vor 5 Wochen in Winnipeg. Nachts noch ins Habano, einem Club. Wird super und ich finde zum Glauben an die kanadische Frau zurück. Sie sind doch schlank und können sich bewegen. Die Musik ist gut, nur poppige Country-Songs verblüffen ein wenig. 2.00 Uhr noch die Schmuserunde, dann ist Polizeistunde und Schluss.
Samstag Morgen, und ich bin müde. Auschecken und Aufbruch nach Norden. Bald bin ich auf den Nebenstrassen und habe Zeit die Gegend zu genießen. Das Land ausgesprochen flach. Trotzdem oder gerade deshalb hat es seinen Reiz. So als hätten die Gedanken wie die Landschaft keine wirkliche Grenze. Alles ist weit, nichts unterbricht. Die Farben kräftig, mit saftigem Grün, Blau, Weiß und Gelb (Raps). Ab und an alte hohe Kornspeicher, die man von weitem sieht.
Pause in Manitou Beach, nach einer 95 km fast schnurgeraden Strasse. Dort ein kleiner See mit einer weit höheren Konzentration von Salzen und Mineralien als im Toten Meer. Ins Wasser, auf den Rücken legen und fast schwerelos fühlen. Mit der Abendsonne Eintreffen in Saskatoon. Essen beim Chinesen, Stadtbummel, Parken am Fluss. Ich gehe heute erneut aus. Die Stadt ist größer als Regina, aber dörflicher. 70% der Frauen wiegen (viel) mehr als ich. Dazu grauenhafte Musik. Keine Ahnung wann ich das letzte Mal eine Disco bereits nach 30 Minuten verlassen habe...
Bereits vor 1.00 Uhr liege ich im Auto und schlafe bald tief und fest.

schier endlose Weiten, nur unterbrochen durch Kornspeicher   die Strassen schnurgerade       Manitou Beach - wie das Tote Meer

Sonntag Aufstehen um 7.00 Uhr. Bin der Erste im Frühstücksrestaurant und 9.00 Uhr auch der Erste im Wanuskewin Park. Ein beeindruckender Film dort über das Leben der Indianer ohne Schnörkel, aber mit viel Spirit. Hinterher ein Spaziergang durch den Park mit allerlei Kleinigkeiten.
Rechtzeitig bin ich zurück in der Stadt um in einer schottischen Kneipe Fußball zu schauen. Finale Grande. Tolles Spiel mit dem falschen Gewinner und einem bitteren Nachgeschmack durch die Geschichte mit Zidan. Naja.
15.00 Uhr verlasse ich Saskatoon. Die Sonne brennt und die Strecke zieht sich. Hinter Northbattleford kaum noch Verkehr und Häuser. 100 km lang nur Wald und Wiesen, bis ich nahe Meadow Lake auf die Farm von Newton und Kelly treffe. Ich will die nächste Woche hier bleiben und durch wwoofen das Geld für Kost und Logis sparen. Wir essen heute Abend gemeinsam, beschnuppern uns dabei und spazieren später über einen Teil des Grundstückes.
Montag um 7.00 Uhr Frühstück. Für Kelly beginnt heute auf der Farm ein Camp für Kinder mit Reitunterricht, und Newton hat letzte Nacht noch den Holztruck zu seinem Compagnion gefahren, also beschäftige ich mich bis Mittag selbst. Nach dem Essen ein paar Reparaturen mit Newton, dann Einkaufstour in Meadow Lake, Zeltaufbau für die Kids und ein Rundgang um meine nächsten Aufgaben zu zeigen. Die Farm ist für mich typisch. Riesig, viel Arbeit mit Pferden und Rindern, kaum Zeit für Kleinigkeiten und einige “Dreckecken”. Was auf andere einen heruntergekommenen Eindruck macht, bin ich aus Neuseeland gewohnt. Das Leben hier ist bei nur  100 frostfreien Tagen im Jahr hart und das Geld knapp. Da helfe ich gern so gut es geht und schaue keinesfalls auf die Stunden.

10.Woche vom 11.Juli bis 17.Juli 2006:
Dienstag wieder Start um 7.00 Uhr. Ich grabe einen alten Torpfosten aus, warte alle Autobatterien, schneide einer alten 200 l Eisentonne den Deckel ab um sie demnächst als Müllverbrennungsanlage zu nutzen, reinige den großen Pferdetrailer usw. Bei der Sonne ein harter Job, nur durch Mittag und Kaffeepause unterbrochen. Am frühen Abend laufe ich um das Grundstück und vermerke wo Zäune repariert werden müssen und was wir dafür ungefähr brauchen.
Mittwoch, die Sonne brennt nach wie vor vom Himmel. Vormittag lerne ich Traktor fahren und bringe als Testbeweis den fälligen neuen Torpfosten mit Newtons Unterstützung an Ort und Stelle. Ich fand gestern einiges brauchbares Zaunmaterial (4m lange Balken oder 3m lange starke Bretter), womit nach Einsammeln die ersten Zaunfelder repariert werden. Abends dann Pferde satteln. Ich bekomme von Kelly einen Crashkurs im Reiten und das zahmste Pferd vom Hof. Meine erste Reitstunde. Wir (Kelly, Emma und ich) bringen dann eine Kuhherde von der Weide zum See. Wie richtige Cowboys mit Hund, rumpfeifen und Kühe anbrüllen. Ist einfacher als gedacht, jedenfalls wenn man mit Profis unterwegs ist. Alles wie im Film. Über uns ein dramatischer Himmel mit Donnergrollen von einem entfernten Gewitter, dazu ein Regenbogen, später das Heulen der Koyoten und ich auf einem Pferd. Was für ein cooler Abend.
Donnerstag. Der vom Wetterbericht versprochene Regen samt Abkühlung zeigt sich als blauen Himmel mit 32°C. Für Kelly setze ich zwei neue Pfosten am Sattelstall. Morgen soll noch die Querstange drauf, dann sieht das Ding aus wie vor dem Westernsalon. Ich helfe mit den Pferdetrailern und sammel mit dem Pickup Werkzeug und Baumaterial vom Grundstück ein, wobei mich Allrad vom stecken bleiben bewart. Nachmittags wird der Torpfosten vollendet und das 4 m lange Tor ohne Hilfe wieder eingesetzt. Später koche ich für alle sechs und genieße den Feierabend beim Sonnenuntergang. Die sind hier unheimlich lang. Am Horizont versperren weder Berge noch Hügelketten das Licht und es bleibt bis nach 22.00 Uhr hell. Und dabei hat Saskatchewan nicht mal Sommerzeit!
An diesem Ort zu sein genieße ich. Zwar wäre das Farmerleben auf die Dauer nicht mein Ding, aber für diese begrenzte Zeit hier ist es Genuss. Die Landschaft, die Leute, der Job, alles passt.

Sonnenaufgang auf der Farm   Warm up fürs Reitturnier         das Springreiten                     Familie Friedrich und Freunde

Freitag Morgen wieder Zäune. Schaffe bis Mittag mehr als gedacht. Kurz mit Emma in die 25 km entfernte Stadt und an anderer Stelle mit den Reparaturen weiter. Ab dem späten Nachmittag sind alle mit dem Packen der Ausrüstung für morgen beschäftigt. Pause um 20.00 Uhr. Mr.Brown, ein auf dem Grundstück lebender Rentner, hat Hamburger auf dem Grill und Kelly gibt mir für gute Arbeit ein Bier aus, nette Geste. Wir haben bis 23.00 Uhr zu tun, dann ab ins Bett.
Samstag klingelt der Wecker 4.00 Uhr. Toller Sonnenaufgang. Erst 6.30 Uhr haben alle gefrühstückt, sind die Tiere versorgt und die Pferde, 6 Stück, im Trailer verladen. Nach zwei Stunden treffen wir in Cold Water Lake ein, wo heute für die Einheimischen eine “große” Pferdeshow stattfindet. Immerhin werden mehr als 100 Leute erwartet. Allein wir sind zu zehnt. Die Kleinen beginnen mit der Dressurprüfung, dann folgen die Größeren mit immer schwierigeren und höheren Springparkuren. Wird ein interessanter und sonniger Tag. Ich fungiere als Fotograf mit Spiegelreflex und Digicam. Nebenbei viele Gespräche mit Besuchern und Einheimischen. Spät geht es zurück. Kelly ist  kaputt und ich steuere den großen Pickup mit sechs Pferden im Trailer nach Hause. Nach 22 Stunden liegen wir endlich wieder im Bett.
Sonntag ausschlafen. 9.00 klingelt der Wecker, doch es regnet und ich drehe mich wieder um. Als ich 10.30 Uhr aufstehe, sind außer Kelly und Marylin noch alle im Bett. Ich wasche meine Sachen und putze die Küche. Langsam tauchen alle zerknautscht auf, und auch die Sonne zeigt sich mehr und mehr. Spätes Mittag, dann fahren wir mit zwei Autos zum Makwa Lake, wo entfernte Verwandtschaft über ein großes Wochenendhaus verfügt. Schlüssel brauchen wir nicht, die wenigsten Leute schließen ihr Haus oder ihr Auto ab. Es wird einer dieser sprichwörtlichen Sonntage. Abspannen, Spaß haben, rumalbern. Ich fühle mich erholt, trotz der vielen Arbeit diese Woche. Für einen Wwoofer sind 20 Stunden normal, bei mir waren es wohl 50. Doch alles war freiwillig und mir wird der Abschied schwer fallen...
Montag zeitig packen. Das übliche Abschiedsfoto, aber leider sind noch nicht alle wach. Auf nach Edmonton. Die ersten 200 km auf “Highways”, eher Landstrassen, die kaum befahren werden. Schnurgerade Strassen, die Hügel verschwinden wieder und das Land wird flach. Die Sonne brennt und die Fahrt strengt an. Dann die ersten Vororte und schließlich Edmonton. Ich treffe die nette und hübsche Tochter von Kelly, um ihr ein Päckchen von Mama zu bringen. Sie wohnt in der Gegend und lädt mich dahin ein, doch das Hostel ist gebucht und einiges in der Stadt zu erledigen.

Edmonton - aus verschiedenen Blickwinkeln                          ein weiterer Klassiker               Edmonton West Mall, gigantisch

11.Woche vom 18.Juli bis 24.Juli 2006:
Dienstag schlafen bis 10.00 Uhr. Stadtbummel, Wanderschuhe kaufen, das Regierungsgebäude anschauen (Edmonton ist die Hauptstadt der Provinz Alberta) und Hostel. Dort am PC, dann mit dem Auto los. Ich brauche Campingsachen, um im hohen Norden, wo Hostels teilweise 2.000 km voneinander entfernt sind, gerüstet zu sein. Viele Sachen sind schnell besorgt, nur mit dem Zelt klemmt es. Die billigen bei Walmart sind ausverkauft, auch bei den Filialen im Umkreis. Zellers: Fehlanzeige. Nach zwei Stunden werde ich bei Canadian Tire fündig. 21.00 Uhr: Abendessen. Betrachtungen: Das Hostel hier fängt bereits an mich zu deprimieren. Vor allem Männer die einen Job bei den zahlreichen Öl- und Gasfirmen suchen, wohnen hier, kaum Reisende. Alle ziehen ein Gesicht, weil wahrscheinlich Arbeit knapp ist, obwohl die offizielle Arbeitslosenquote in Alberta fast gegen NULL tendiert!!! Es wird eben höchste Zeit für die Rockies.
Mittwoch zeitig raus. Schaue bei der West Edmonton Mall vorbei. Ein Gigant unter den Einkaufsmeilen (500.000m²). Über 800 Geschäfte unter einem Dach. Darunter 30 Schuhläden, 26 Kinosäle, riesiges Schwimmbad (17 Rutschen), Eisarena (auch im Sommer!), Unterwasserwelt, Funpark mit Achterbahn usw. Man kann  eine Woche bleiben und sieht trotzdem nicht alles. Erstaunlich: ringsum existieren in der Nähe zig Geschäfte. Kanada als Einkaufsparadies und shoppen bis der Arzt kommt. Dazu an wirklich jeder Ecke Fast Food Ketten, teilweise die Gleiche drei Mal auf einem Kilometer, oder an einer Kreuzung genau gegenüber. Das prägt Essgewohnheiten. Im Supermarkt reihenweise Gefrierschränke mit Fertiggerichten und eine Auswahl an Dressings und Flaschensaucen das einem schwindlig wird.
Zurück zum Tag. Ich verlasse Edmonton in der Hitze des Nachmittages. Richtung Westen verändert sich nach 250 km die Landschaft. Kaum zu glauben, aber ich bin aufgeregt wie ein Kind. Und dann tauchen sie auf, die Berge der Rocky Mountains. Am Eingang vom Jasper Nationalpark hole ich mir den Jahrespass für alle Nationalparks in der Gegend, welcher sich die die nächste Zeit rechnet. 10 km weiter der erste Hinweis das hier die Natur Vorrang hat. Eine Gruppe Rehe blockiert die Strasse als wäre es ihr Revier. Kein Wunder, durch den “Park” (200 km breit, 400 km lang) führen nur zwei Strassen. 70 km später in Jasper, einer kleinen, aber feinen Touristenstadt. Mein Hostel 7 km auswärts.
Einrichten, Essen kochen, Pläne machen, umschauen. Apropo Pläne: Meine Reise hat noch nicht mal Halbzeit (ist am 1.8. soweit), und ich bin nur noch 10 Autostunden vom Endziel Vancouver entfernt. Also bleibt genug Zeit für den hohen Norden. Nach (reiflicher?) Überlegung will ich bis Dawson City in der Provinz Yukon. Das sind 2.500 km von hier. Ab da vielleicht bis zum 70.Breitengrad und über Alaska zurück in den Süden. Die Zeit sollte dafür reichen, und im Norden ist noch Sommer. Dazu ist es hier jetzt heiß, mehr als 30°C und Horden von Touris sind unterwegs. Der Abend im Hostel: Tolle Leute, viele Gespräche, entspannte Atmosphäre. Ganz anders als in den Großstädten. 
Donnerstag. Wandersachen packen und gleich hinter dem Hostel hinauf zum Mt. Whistler. Nach 1200 Höhenmetern stehe ich auf dem Gipfel in 2450 m. Der Ausblick herrlich, wenn auch durch den Dunst der Hitze geschmälert. Am Nachmittag zum Pyramide Lake und Abends zum Lake Beaufort. Einen gefundenen Stock zum Wandergehilfen umschnitzend sitze ich am Ufer und sehe langsam den Tag entschwinden. Der See wird fast so ruhig wie ein Spiegel und mir geht es seit ich in den Bergen bin einfach nur noch Spitze.
Freitag. Faul am Morgen. Möchte dem Körper vor einem harten Wochenende etwas Erholung gönnen. Gegen 11.00 Uhr ein Ausflug ins Tal der fünf Seen. Leichter Wanderweg durch den Wald. Die Seen von einer überwältigenden Farbe. Leuchtend blau, türkis und grün. Dazu ein klares Wasser das es fast weh tut. Am Nachmittag: Blauer Himmel, über 30°C, klarer Bergsee, Strand, Bikinis. Ist doch klar was ich da mache: Baden gehen, faulenzen. Yeah!!!  

Mt. Edith Cavell                     Jasper und die Seen                Abend am Lake Beaufort          das Tal der fünf Seen

Samstag zeitig raus und mit dem Auto 30 km weiter. Sehe meinen ersten Bär. 8.00 Uhr bin ich im nächsten Hostel am Mt. Edith Cavell und starte ein Wanderung. Wird ein schöner, aber heißer Tag der mich bis zum Amethyst Lake bringt. Ab und an Moskitos und viel Aussicht. Der Rückweg wird es zur Hitzeschlacht. Trotz 2,5 Liter Wasser fange ich an zu dehydrieren. Später höre ich vom 25jährigen Hitzerekord hier mit 35,6°C. Kein Wanderwetter. Gegen 19.00 Uhr bin ich nach 45 km zurück. Das Hostel ist rustikal, also kein fließend Wasser. Was mich zurück ins Leben bringt ist ein Bad im nahen Gletschersee. Die Schwimmrunde verkneife ich mir bei einer ungefähren Wassertemperatur von 10°C.
Sonntag. Wecker 6.00 Uhr und auf die Wiesen am Mt. Edith Cavell. Sehe einige Tiere und ein nahendes Gewitter. Bin  vor dem Regen zurück im Hostel und mache Frühstück. 10.00 Uhr Aufbruch zum Maligne Lake. Wetterbericht: Wieder heiß. Der Weg zum baumlosen Bald Hill wird anstrengend. Schöne Aussicht von oben, aber durch die Hitze zu diesig für tolle Fotos. Am späten Nachmittag Ankunft im nächsten rustikalen Hostel und kurz darauf am Maligne Canyon. Herrlich. Eine 30 m tiefe und teils nur 3 m breite Schlucht mit tollen Farben.
Montag früh startet meine Reise in Richtung Norden. Raus aus dem Jasper National Park und auf den  Highway 40. Den ersten Bären auf der Strecke verpasse ich knapp. Zu schnell verschwindet er im Wald. Ab jetzt wird der Verkehr sehr dünn. Meist die Berge Richtung Westen in Sichtweite verbringe ich den Tag im Auto.
Am Nachmittag schlage ich auf dem Musreau Lake Campingplatz mein Lager auf. Wird der erste richtige Zeltabend mit neuer Ausrüstung. Die Plätze hier sind einzeln im Wald gelegen, also schaut mir keiner auf die Finger. Ist ein schöner lauer Abend und die Erfrischung bringt statt der nicht vorhandenen Dusche der nahe See. 

der heiße Tag am Amethyst Lake und der Gletschersee vom Mt. Edith Cavell

der Maligne Canyon und Camping am Musreau Lake

12.Woche vom 25.Juli bis 31.Juli 2006:
Dienstag ein entspanntes Frühstück mit gutem Porridge. Der Blick zum Himmel verspricht erneut einen heißen Tag. In Grande Prairie ein Einkaufsstop und 130 km weiter in Dawson Creek Einkehr im Tourist Information Center. Bin jetzt in der Provinz British Columbia. Ich erhalte innerhalb von fünf Minuten mehr Fakten und Broschüren als gedacht und schieße um die Ecke das allfällige Foto vom Kilometerstein “0” des offiziellen Alaska-Highways.
Das Wetter trübt sich ein und 200 km später fallen die ersten Regentropfen. Gut, denn die Hitze war anstrengend. Ich komme heute bis zum Zeltplatz am Prophet River. Selbst registrieren und 10 CAD in den Briefkasten. Neben ein paar amerikanischen Wohnmobilen werde ich freudig von Moskitos begrüsst. Kochen, Essen und Zeltaufbau wird zur Routine. 22.00 Uhr fängt es heftig an zu regnen. Eine Stunde hält mein Zelt, dann gibt es erste Lecks. Überrascht kaum bei einem Preis von 30 CAD. Umzug ins Auto. Ungemütlich, aber trocken.
Mittwoch Morgen ein grauer Himmel. Im Zelt steht eine kleine Pfütze vom Regen, nicht weiter schlimm. Die Moskitos stürzen sich übrigens förmlich auf mich. Kein guter Start in den Tag. Ohne Frühstück ins Auto und los. Es bleibt bei Regen und Schauern. Die grauen Wolken hängen tief und versperren den Blick auf die bestimmt schöne Gegend. Ab Summit Lake hält das Wetter. Es reicht um auf einen nahen Gipfel zu steigen und ein wenig von der Landschaft zu sehen. Bergab dann Bergziegen und junge Karibus ohne große Scheu.
Es bleibt ab jetzt fast trocken und nach 350 km erreiche ich Muncho Lake, das heutiges Ziel. Bei Sonne entfaltet sich seine strahlend türkise Farbe, aber eben nur dann. Die Sonnenstrahlen die den See erreichen, lassen erahnen wie es sein kann. Ich finde meinen Platz zum Zelten und steige auf einen nahen Hügel. Hübsche Aussicht, aber leider sehe ich auch die nächsten Schauer kommen. Kurz vor dem Auto saut es mich ein. Aktueller Stand: Nasse Sachen, Regen und das Wissen das mein Zelt das nicht aushält. Na toll!!!
21.00 Uhr: Regenpause. Schnell kochen und essen. Dabei dramatische Bilder am Ende des Sees. Wie ein Blick ins Höllenfeuer zaubert die Sonne einen Untergang der Sonderklasse. Gar nicht einfach, fotografieren und nebenbei essen so lange es warm ist. Es scheint trocken zu bleiben und ich baue mein Zelt auf. Keine 3 Minuten nach Bezug fängt es wieder an zu regnen. Aber das Glück bleibt mir hold, und kein Tropfen schafft es heute ins Innere.

 Kilometer, Kilometer, Kilometer   typischer Campingplatz          “Höllenfeuer” am Muncho Lake

der offizielle Kilometer “0” des Alaska Highway

Donnerstag, ein kühler Tagesanfang. Es dauert bis die Sonne über den Berg schaut. Schnelles Frühstück und 9.00 Uhr weiter. Ein letzter Blick auf den malerischen See, dann volle Konzentration auf den Highway. Ein schöner Tag mit kurzen Stopps. Die heißen Quellen vom Liard River laden ein zum Bad. Natürliche Pools dampfen vor sich hin, und in einigen Ecken steigt die Wassertemperatur über 40°C. Autsch.
Weitere Pausen am Fluß, an einem Wasserfall und am Strassenrand um Tiere zu beobachten. Sehe meine ersten freilaufenden Bisons. Ein Kribbeln wenn ein zig Kilo schwerer Bulle nur einen Meter neben dem Auto langläuft. Auch wenn sie zottelig und gemütlich aussehen sind es wilde Tiere die mit kurzem Anlauf Kleinholz aus dir machen können.
In Watson Lake ein besonderer Fotostop: Irgendwann angefangen, ziert jetzt ein Schilderwald das Gelände. Lustig.
Dann wird die Strasse langweilig, und ich fange an die Fahrzeuge zu zählen. Auf 100 km wären das: 57 Wohnmobile bzw. Wohnwagen, 17 PKW, 6 Trucks und 5 Pickup’s. Darum auch an jeder Ecke ein Wohnmobil-Park.
Es trübt sich wieder ein, und bis Whitehorse kommen noch einige Schauer. Ungewöhnlich, normalerweise sollte es viel trockener sein. Aber was ist heutzutage schon beim Wetter normal. Nach einem langen Tag im Auto fehlt in Whitehorse die Kochlust und Boston Pizza wird mein kulinarischer Retter.
Freitag passiert nichts. Wäsche waschen, Ausrüstung säubern, große Toilette nach 5 Tage ohne fließend Wasser (man konnte mich schon fast “Fellfresse” nennen) und noch im Informationscenter Broschüren sowie Ideen holen. Samstag schönes Wetter und Aufbruch in Richtung Nordwesten. Auf dem Klondike Highway ist wenig los und ich kann ungestört durch eine nette und dünn besiedelte Gegend cruisen. Die 540 km Strecke verbrauchen den Großteil des heutigen Tages. Am Nachmittag treffe ich in Dawson City ein, DER Goldgräber Stadt. Heute allerdings kaum vorstellbar, das dies vor 100 Jahren die 2.größte Stadt im westlichen Amerika nach San Francisco war und als Klein-Paris bezeichnet wurde. Auf mich macht hier alles von Anfang an einen deprimierenden Eindruck. Viele heruntergekommene Häuser, außer dem Highway ist keine Strasse geteert und Fußwege sind selten. Der vielbeschworene Yukon-River hat durch Sedimente die Farbe von altem Abwaschwasser, Romantiker würden vielleicht Milchkaffee dazu sagen. Egal, ich bin hier. Mein Hostel liegt auf der anderen Seite des Flusses, nur durch die Fähre zu erreichen. Es ist mehr als Basic, ohne fließend Wasser, nur Freiluftküche mit Dach ohne irgendwelche Utensilien.

typische Hausbauweise          so nur noch für Touristen        Knapp 1 Tonne auf Beinen       Alaska Highway - unendliche Weite

willkommen im hohen Norden   Schilderwald in Watson Lake    Dawson City - für Touristen... ...oder die nackte Wahrheit

Sonntag nach Norden. Der Dempster Highway ist die ersten 6 km geteert, danach Dreck und Schotter. Es empfiehlt sich nicht zu rasen, Plattfuß und Steinschlag drohen. Nach 100 km bin ich im Tombstone Territorial Park, dem heutigen Ziel. Netter Campingplatz am Klondike River. Platz suchen und weiterziehen. 3 km nördlich ein Trek rauf auf den Berg. Die Aussicht von da ins Klondike Tal ist gigantisch. Weite, Stille. Zeit zum Durchatmen. Nach weiteren 25 km im Auto stehe ich am nördlichsten Punkt der Kanada Reise über dem 64. Breitengrad Nord, nur knapp unter dem arktischen Kreis. Ich könnte weiterfahren bis Inuvik, aber das sind harte 1500 km auf Schotterpisten. Zurück zum Tombstone Park, wo die Landschaft in arktische Tundra übergeht. Nur 1 Meter unter der Oberfläche beginnt der Permafrostboden, die Baumgrenze ist scharf gezogen und ab hier dominiert “Wiese”. Allerdings eine ganz andere als daheim. Ein eigenes Ökosystem, bunt, vielfältig und abstrakt. Versucht mal darauf zu laufen. Ein Gefühl wie auf Schwämme zu treten. Montag Morgen dauert es bis ich warm werde. Nach der Hitze in den Rockies sind 6°C nachts gewöhnungsbedürftig. Der Himmel zeigt sich bewölkt und es weht ein frischer Wind. Die Wanderung auf einen weiteren Berg ist kaum erwähnenswert, und so geht es am Nachmittag zurück nach Dawson City. Dort ist alles bekannt und ich bereite mit der Campingausrüstung ein gutes Abendessen. Einziger Vorteil des Hostels ist eine Privatsauna. Ein kleiner Raum mit Wasserfass und Ofen (besser gesagt einer umfunktionierten Eisentonne). Feuer machen, 20 Minuten warten und dann mit warmen Wasser rummatschen.
Spät am Abend nehme ich die Fähre hinüber in die Stadt, wo mir Jens, den ich aus Winnipeg kenne, über den Weg läuft. Klar das wir ein Bier trinken gehen und die letzten Wochen Revue passieren lassen. So wird es Mitternacht bis ich ins Casino komme. Ich bin kein Spielertyp, aber es ist das weltweit nördlichste Casino, und hat immer noch den Charm der alten Goldgräberstadt, inclusive den Darbietungen einer Can Can Gruppe. Ich habe viel Spaß an den einarmigen Banditen. Kaum zu glauben wie lange man mit ein paar Dollar spielen kann. Häufige kleine Gewinne lassen mich bis 2.00 Uhr verweilen. Draussen ist es um diese Zeit endlich richtig dunkel, allerdings nur die nächste Stunde, bevor ein leichtes Glimmen den neuenTag ankündigt.

auf dem Dempster Highway     im einsamen Norden               Blick über die nordische Tundra  letztlich gewinnt die Natur...

13.Woche vom 1.August bis 7.August 2006
Dienstag wird ein Auto Tag. Nachdem ich Neuseeland zu Fuß erkundet habe, entdecke ich Kanada auf 4 Rädern. Gleich hinter Dawson City beginnt in westlicher Richtung der Top of the World Highway. Die Steigung auf die Bergrücken ist geteert, danach nur noch Schotter. Der Name Top of the World stimmt. In einem leichten Auf und Ab zieht sich die Strasse über die Bergrücken. Schöne Aussichten, wenn auch selten spektakulär. Der Grenzposten nach Alaska winzig, das Visa für 6 US Dollar reine Formsache. Die “Orte” ab jetzt winzigst, Boundary und Chicken. Der “Highway” fängt an zu nerven, auf US Seite ist er teilweise autotötend. Verständliches Aufatmen als nach 200 km Piste wieder Asphalt beginnt. Ein Schwenk nach Südwesten auf den Alaskahighway in Richtung Kanada. Trotz (oder gerade wegen) der Asphaltdecke ist Vorsicht geboten. Unerfahren mit Permafrostboden wurde ohne Isolierung gebaut. Ergebniss: Auftauender Boden unter der dunklen Strasse welcher bemerkenswerte Schlaglöcher und Bodenwellen verursacht. Trotz der herrlichen Landschaft empfiehlt sich ein waches Auge auf die Verhältnisse voraus. Nach 9 Stunden im Auto bin ich zurück in Kanada und schlage in der Nähe von Beaver Creek das Zelt auf.

drei Schilder auf dem Alaskahighway die immer wieder in der selben Reihenfolge auftauchen:   ...und das was darauf folgt...

ohne Worte...                      das Städtchen Chicken            morgendlicher Besucher auf dem Zeltplatz

Am Mittwoch bemerkenswert schönes Wetter. Südlich liegt der Kluane Nationalpark und ich blicke auf schneebedeckte Berge, deren Gipfel bis auf 5900 m (Mt.Logan, höchster Berg Kanadas) steigen. Stopp in Haines Junction, wo mir der Wetterbericht Kopfzerbrechen bereitet. Zuviele Möglichkeiten. Ich entscheide mich für Haines und die Fähre. Empfehlungen anderer brachten mich auf diese lohnende Idee. Der Himmel bewölkt sich zwar bald, und Schauer ziehen durch, aber die nächsten 200 km gehören meiner Meinung zu den Schönsten in ganz Kanada. Grüne Täler, Gipfel mit Eis und Schnee, dazu Sonne und Wolken im ständigen Wechsel. Trotz bisheriger Erlebnisse bin ich tief beeindruckt..
Kurz vor Haines der Abstieg auf Meeresniveau. Ich passiere erneut die Grenze nach Alaska und komme in schlechtes Wetter. Ist okay, für heute gab es genug zu sehen. Ein breites Flussbett begleitet mich von nun an bis zur Stadt und damit zum Ende der Strasse. Ein kleiner Stadtbummel durch Haines, dann für Samstag ein Hostel gebucht und auf einem nahen Campingplatz Abendessen gekocht. Schliesslich packe ich den kleinen Rucksack für 2 Tage, schlafe kurz im Auto und bin morgens um 3.00 Uhr an der Fähre. Mein Chevrolet bleibt in Haines.

am Kluane Lake                     die Haines Road, eine der schönsten Strassen in Kanada          das Örtchen Haines

Ich halte auf dem Schiff ein weiteres Nickerchen und wache kurz vor Juneau auf. Der Himmel zeigt sich grau in grau, doch die Hoffnung stirbt zuletzt. Noch während wir in Juneau sind reißt der Himmel langsam auf und zeigt Gletscher, Berge und zerklüftete Landschaft. Graue Wolken bleiben nur an den hohen Bergspitzen hängen.
Ich bin unterwegs auf der sogenannten Inlandpassage. Die Fjordlandschaft im Süden Alaskas hat eine wilde Küstenlinie mit vielen Inseln erschaffen. Dichte grüne Wälder beherrschen steil aus dem Wasser ragende Bergzüge. Dazu ab und an der Blick auf ferne Gletscher. Hiesige Orte sind nur durch die Luft oder per Schiff erreichbar, deshalb die Fähre.
Gemessen am Klima (16 Regentage pro Monat) wird es ein schöner Tag. Die Sonne scheint kräftig und ich verbringe viel Zeit draussen. Fischerboote, kleine Fähren, Wale und andere Meerestiere ziehen vorüber. Am späten Nachmittag passieren wir die Narrows. Durch ein Gewirr aus Inseln schlängelt sich die große Fähre (4 Stockwerke) bei teils nur
30 m Entfernung zum Ufer. Hirsch, Bär und Adler komplettieren die gesichtete Tiersammlung, wenn auch zu entfernt für gute Fotos. Die Fahrt wird mehr und mehr zum Genuß. Ich bewege mich ohne etwas zu tun. Sehe Land- schaften vorüberziehen ohne Auto zu fahren oder zu wandern. Die Szenerie beruhigt und befreit auf unglaubliche Weise.
Späte Ankunft in Sitka, meiner Umsteigestation. Leider präsentiert sich der Ort so unglücklich wie alle anderen Städte auf der Fährlinie, denn das Terminal liegt 12 km außerhalb. Eigentlich wollte ich mir Sitka anschauen, doch ohne Nahverkehr ist das zu weit weg. Also Buch schnappen und in die Ecke setzen. Im Gegensatz zu Haines wird das Terminal aber um Mitternacht geschlossen und ich auf die Strasse gesetzt. Also doch zu Fuß in die Stadt. Nur 500 m stehen Strassenlaternen, dann geht es im Dunkeln weiter. Nach 1 km bewegt sich etwas auf mich zu. Personal vom Terminal hat vor Bären gewarnt. Das ist dann der Moment wo mein Herz zwei Etagen tiefer rutscht. Nach mehreren Anrufen  entpuppt sich die Gestalt als betrunkener Einheimischer. Puh. Nach der halben Strecke stoppt eines der seltenen Autos und nimmt mich mit ins Zentrum. Hotels und Motels liegen über meinem Budget, außerdem ist es bereits 2.00 Uhr morgens. So findet sich ein Plätzchen auf einer Bank unter einem großen Dach am Hafen. Kühl, aber trocken.

Juneau und sein Gletscher      ein schöner Tag auf See      Abendstimmung am Rand des Pazifik       Einfahrt in die Narrows

Lärm von Fischersleuten weckt mich um 5.00 Uhr auf. Die Bank war komfortabler als gedacht. Der Himmel hinter Sitka leuchtet intensiv rosa, aber ich bleibe im warmen Schlafsack und verzichte auf Fotos. Eine halbe Stunde später stehe ich auf und finde ein Restaurant das bereits Frühstück serviert. Der dann geplante Stadtbummel fällt dem Regen zum Opfer. Per Anhalter komme ich fast trocken zur Fähre. 10.00 Uhr startet ein nun anderes Schiff in Richtung Haines. Regen, Nebel und tiefe Wolken vermiesen den Ausblick. Also lesen, ausspannen und Filme im Schiffskino schauen. Samstag Morgen um 3.00 Uhr bin ich zurück in Haines. Ein bisschen Schlaf im Auto, dann fahre ich zum Hostel. Dort folgt ein fauler Tag mit Lesen und Bilder sortieren, denn der Regen macht kaum Pause. Schade, denn die Gegend ist echt schön. Sonntag steuere ich zurück in Richtung Norden. Ich lasse mir Zeit und halte so oft wie möglich, trotz der Schauer und dem Nieselregen. In der Nähe von Haines lebt eine beträchtliche Anzahl von Weißkopfadlern, von denen ich einige sehe, allerdings nur durchs gute Fernglas. An der kanadischen Grenze die Uhr eine Stunde vorstellen und weiter. Der Himmel bleibt grau, aber es wird trockener. Am hübschen Dezadish Lake schlage ich das Zelt auf. Es wird leider immer kälter und windiger. Von den Rekordtemperaturen im Süden bin ich weit entfernt und wünsche mir langsam einen Teil davon zurück. Montag. 6.00 Uhr treibt mich ein körperliches Bedürfniss aus dem Zelt. Das Wetter: neblig, feucht und kalt. Schnell zurück in den Schlafsack. Eine Stunde später weckt mich ein Tapsen aus dem Wald. Gleich darauf ein Schnüffeln am Auto wie am Zelt und ich sehe den Schatten einer Bärennase nur 20 cm neben meinem Kopf an der Zeltwand. Gaaaaanz ruhig bleibe ich liegen. Eine halbe Stunde nachdem der Bär weg ist stehe ich auf und mache Frühstück. Es dauert nicht lange und wieder das Rascheln im Wald. Diesmal sehe ich den Besucher. Ein ausgewachsener Grizzlybär!!! Foto schießen? Vergesst es. So schnell wie möglich schaffe ich alles Essen ins Auto und behalte ihn dabei immer im Auge. Unentschlossen läuft er hin und her durchs nahe Unterholz. Ich weis das die Viecher unheimlich schnell sein können und bleibe so nah es geht an der offenen Wagentür. Es ist ein großer Unterschied ob du einen Grizzly im Zoo hinter Gittern siehst, oder aber in freier Wildbahn nur 15 Meter weit weg. Als ein Auto kommt trollt er sich und ich genieße als Ausgleich für die Aufregung wunderbare Morgenstimmungen am spiegelglatten See.
Bei wechselndem Wetter halte ich auf der Weiterfahrt am Kathleen Lake, von wo aus ein Trek in zweieinhalb Stunden steil bergan zum King’s Throne führt. Trotz Kälte und Wind lohnt der Aufstieg. Vom Gipfel kann ich auf einen Bruchteil des Kluane National Park schauen. Tiefe Täler, riesige Seen und so weit das Auge reicht weiße Gipfel. Ein Hammer bei purer Sonne und ein Erlebniss bei einem Wetter wie heute. Am späten Nachmittag bin ich in Haines Junction. Wetterbericht für die nächsten Tage: Mies. Also Planänderung. Ein Anruf im Hostel in Whitehorse: Ab morgen ein Bett, doch zelten ist schon heute möglich. Die 160 km dahin sind in zwei Stunden Geschichte.

aufreisender Nebel nach dem “Bärenmorgen”am Dezadish Lake  Blick vom Kings Throne           Abendstimmung in Whitehorse

14.Woche vom 8.August zum 14.August 2006:
Whitehorse scheint meine Ausruhstation zu sein. Wie vor zwei Wochen passiert wenig. Highlight: das heutige Abendessen. Als kleine persönliche Nachfeier zum Reise Bergfest vor ein paar Tagen gibt es frische Forelle (ein Monsterding) mit Reis, Paprika und Bohnensprossen. Gelingt mir super. Hinterher werden mit Bekannten bis tief in die Nacht Karten gezockt. Mittwoch checke ich stündlich den Wetterbericht und führe ein Telefonat wegen morgen. Sonst lesen, Karten spielen und ausruhen. Nach dem Abendessen beruhigt sich das Wetter zusehends und ich schaue mir Whitehorse an. Der Yukon zeigt sich erstaunlich breit und verdient den Ausdruck: schöner Fluss. Vollkommen klar mit einem leicht türkisfarbenen Touch fließt er ruhig dahin und wird nur in einem kleinen Canyon schnell und gefährlich.
Donnerstag um 6.00 Uhr raus. Sachen packen und wieder nach Haines Junction. Pünktlich bin ich kurz vor 10.00 Uhr am Flugfeld. Ben, der Pilot, wartet bereits mit einem Pärchen aus Quebec auf mich. Kurzes Gespräch, Kreditkarte durchziehen und ab. Ich sitze mal wieder in einer kleinen Cesna (diesmal eine 205/210). Ziel: der Kluane National Park. Laut Wetterbericht ist heute der einzig sonnige Tag der Woche, perfekt zum Fliegen geeignet. Die nächsten 90 min. gehören zu den schönsten Flugstunden meines Lebens. Es existieren so gut wie keine Wege, geschweige denn Strassen in diesem Park mit 22.000 km². Umso einmaliger der Blick aus dem Flieger. Bergketten, endlose Täler, 60 km lange Gletscher und schneebedeckte Gipfel ohne Ende. Ganz in der Ferne der Mt. Logan. Gigantisch. Fotos über Fotos. Die Berge scheinen aus dem Flieger zum Greifen nahe und das knappe Überqueren von Pässen kommt einem Sprung über eine Mauer gleich. Noch im Tiefflug über eine Gletscherzunge und Ben versorgt uns mit allerlei nützlichen Wissen.
Der Tag ist bis dato keine 12 Stunden alt und für mich schon gelaufen. Was soll nach dem Abenteuer noch kommen? Ich mache nach einer Empfehlung der Parkinformation den 15 km langen Aurioltrail. Hübsch. Das schöne Wetter hält und am Abend sitze ich mit einem Buch am Sandstrand des Pine Lake im Sonnenschein. Kann das Leben besser sein?

der Kluane NP taucht auf         unsere Cesna                           im Kluane NP: riesige Gletscher und eisbedeckte Gipfel ganz nah

Freitag nach dem Frühstück mit dem Auto zum 30 km entfernten Startpunkt zum Mt. Decoili, 2232 m hoch. Bis zum Anstieg des Berges folgt der Trek einem Bachbett, das heißt Steine und Bachquerungen. Dazu ein starker und kalter Wind mit grauen Wolken voraus, was einige Wanderer bald umkehren läßt. Neben der Gletscherzunge geht es über alpine Wiesen mit all seinen Bewohnern, und danach nur mehr senkrecht bergan. Kein Pfad, keine Zeichen, nur Steine und Felsen. Das ist der Unterschied zwischen einem Trail und einer Route, zwischen Wandern und Abenteuer. Und das hier ist ein Abenteuer. Nur ich und der Berg, welcher nach drei Stunden bezwungen ist. Ein herrlicher Blick vom Gipfel, auch wenn Wolken den Blick teilweise versperren.
Samstag die bekannte Strecke zurück nach Whitehorse, wo man mich im Hostel als Stammgast begrüßt. Ich schaue bei wolkenverhangenem Himmel am Miles Canyon vorbei und erledige Büroarbeit. Sonntag nach Süden. Christian, ein Österreicher, sitzt mit im Auto. Wir reisen erneut nach Alaska ein und erreichen bei immer schönerem Wetter Skagway. Eigentlich die verregnetste Ecke von Alaska, präsentiert sich Skagway heute im Sonnenschein. Im Visitor Center holen wir uns die Genehmigung für den Chilkoot Trail. Christian läuft heute schon los, ich suche mir ein Hostel im Ort und mache einen Stadtbummel. In Skagway legen im Sommer zeitgleich bis zu 5 Kreuzfahrschiffe an, macht ca. 7.500 gut zahlende Touristen auf einen Schlag, wie ein Juwelierladen neben dem anderen zeigt. Am Nachmittag röhren die Schiffssirenen und eine halbe Stunde später scheint der Ort wie ausgestorben.

der “Eingang” nach Alaska      in Skagway                           Schifffahrt in früheren Jahren... und heute

Montag, 14.August 2006, mein längster Tag. Der Wecker um 2.00 Uhr. Kein Problem, denn einer im Zimmer schnarrcht furchtbar. Frühstück und um kurz vor 4.00 Uhr stehe ich am Startpunkt vom Chilkoot Trail - seines Zeichens DER Weg zum Gold am Yukon vor 100 Jahren. Jack London war unter anderem mit dabei. Eine halbe Stunde brauche ich die Taschenlampe im Wald, dann fällt das erste Tageslicht durchs Blätterdach. Ich mache absichtlich Lärm um nicht etwa einen Bären zu überraschen. 8.00 Uhr Eintreffen am ersten Camp und kleines Frühstück. Dann geht es bergan durch felsiges Gebiet, eine Bachquerung nach der anderen. Der Nebel fängt mich bei ca. 600 Meter Höhe ein. Gestalten tauchen vor mir auf und hinter mir unter - Wanderer mit viel Gepäck. Die Sichtweite verringert sich bis auf 10 Meter und am Sichtrand verschwimmen Farben und Formen zu einem Einheitsgrau: ganz normales Wetter am Chilkoot-Pass. Die letzten 400 Höhenmeter dann auf den berühmt berüchtigten “Stairs” (engl.: Treppen). Allerdings sind hier damit Felsen gemeint. Eine wüste Kletterei beginnt, und jeder falsche Schritt zwischen den tiefen Spalten kann der letzte sein. Wenn Beinbruch, dann hier. Die Sicht reicht gerade um von einer orangen Polstange als Wegweiser zur nächsten zu schauen. Erschreckend. Aber auch das ist geschafft und ich bin um 11.00 Uhr in der Schutzhütte am Pass. Kurze Pause und Gespräche mit anderen Wanderern. Ranger hatten mich bereits angekündigt (man gilt bei der Bewältigung in einem Tag als “Runner”) und einige hatten mich bereits erwartet. Nebel und Schweiss gehen inzwischen bis auf die Haut und es sind nicht mehr als 5°C. So schnell wie möglich laufe ich weiter um nicht auszukühlen. 2 km hinter dem Pass ein erster blauer Tupfer am Himmel und voller Erstaunen sehe ich wie sich die Sonne durch die Wolken kämpft. Was für eine Wohltat. Über Stock und Stein durchschreite ich eine unheimlich schöne Landschaft an der ich mich gar nicht satt sehen kann. Nach 14 Stunden am Ziel des Trails. 2.000 Höhenmeter und 56 km harter Fussmarsch liegen hinter mir. Vor 100 Jahren hatten die Männer bis zu 40 kg auf dem Rücken und brachten diese Strecke 30 mal hinter sich um die erforderliche Tonne Ausrüstung über den Pass zu schaffen. Allerdings brauchten sie dazu mehr als einen Tag pro Strecke - insgesamt mehrere Monate - und viele starben bei schlechtem Wetter und Abstürzen. Zurück nach Skagway komme ich als Anhalter. Ein Einheimischer ist so beeindruckt von meiner Leistung das er mich bis zum Auto bringt, obwohl er an einer ganz anderen Ecke wohnt. Übrigens: Normal brauchen Wanderer 3 Tage für den Trail.

vor dem Chilkoot Pass im Nebel, danach im Sonnenschein     der Trail im Kennzeichen verewigt    die Gegend um Skagway

15.Woche vom 15.August bis 21.August 2006:
Ich packe und starte solo zu einem gemütlichen Tag im Auto. Ich bin ein wenig träge, aber nicht kaputt. Die Füße sind zu spüren, aber sie schmerzen nicht. Das Wetter wechselt zu bewölkt und ich bin glücklich gestern den Chilkoot Trek gemacht zu haben. Über Carcross geht es meist auf Schotterstrasse bis hinunter nach Atlin. Hübsche Gegend. Der Zeltplatz am Ende von Nichts wird mit 5 CAD zur billigsten Übernachtung bisher. Am Mittwoch weiter. Von Johnson Crossing sind die 500 km bis Watson Lake von vor zwei Wochen bekannt, ebenso wie die Regenschauer auf dieser Strecke. Kurz vor Watson Lake biege ich südlich auf den Highway 37 ab. Der bisher ruhige Verkehr stirbt fast ganz ab und ich bin mit der Natur allein. In Boya Lake Zeltaufbau, Essen und ein paar Seiten lesen, dann winkt der Bettzipfel. Donnerstag: Ständig wechselndes Wetter. Immer wieder Sonne, doch nach dem 12. Schauer höre ich auf zu zählen. Die Gegend ist schön und wird immer wilder. Eine Bärin mit ihren zwei Jungen zeigt sich am Waldrand und immer wieder wildromantische Lichtspiele am Himmel. Nach über 500 km biege ich ab auf die 37a nach Stewart. Links und rechts steigen die Bergwände steil in den Himmel und Gletscher strecken ihre Zungen weit in Richtung Strasse. Mehr Bären (alles Schwarzbären) und endlich bin ich am Ziel in Stewart. Der Zeltplatz ist preiswert und gut, mit Duschen und allem. Ausruhen ist nicht, die Besitzerin schickt mich ins 20 km entfernte Hyder, nach Alaska. Ihres Zeichens die freundlichste Geisterstadt der Welt, mit einem Bach in dem die Lachse zu Hunderten versuchen an ihre Laichplätze zu kommen. Ein idealer Futterplatz für Bären. Leider kein Grizzly dabei, nur Schwarzbären. 

der Himmel wie das Land: wild    Bärenfamilie ganz nah           passend: der Bärengletscher      Lachsgletscher mit Regenbogen

Freitag. Nach dem Frühstücksplausch mit einem deutschen Paar eine Planänderung. Erneut hinüber nach Hyder und auf einer schlechten Schotterstrasse zum Salmon Glacier. Die Ausblicke bewegend, nur auf 700 m holt mich der Nebel ein. 15 Meter Sichtweite bei einer ungesicherten Strasse, Nervenkitzel inklusive. Teile des Gletschers sehe ich, der Rest bleibt verborgen. Langsam steigt der Nebel, aber länger kann ich nicht warten. 13.00 Uhr Aufbruch von Stewart. Wieder Bären und andere Tiere auf der Strasse, was fast zur Normalität wird. Die Sonne kommt heraus und es bleibt ab jetzt trocken. 240 km südlich treffe ich auf den Highway 16 und komme so in die Zivilisation zurück. Der Verkehr nimmt zu und kleine Städte liegen am Weg. Am Abend Eintreffen an der Westküste in der Hafenstadt Prince Ruppert.
Samstag. Zeit zum Abspannen und nebenbei Stadt sowie Gegend anschauen. Ein guter Tag. Sonntag zeitig aufstehen, denn 750 km liegen vor mir. Um 7.00 Uhr habe ich die Strasse praktisch für mich allein. Nebelbänke liegen mystisch über der Gegend, schön. Terrace, New Hazeltown und Smithers ziehen vorbei. Die Gegend verändert sich stündlich. Zerklüftete Landschaft, schneebedeckte Gipfel und immer wieder Flüsse und Seen. Das Radio spielt das Richtige und nach einem Stopp bei Timmy Horton steht ein halber Liter Kaffee neben mir. Dazu ein strahlend blauer Himmel, so lässt sich die Strecke genießen. 17.00 Uhr erreiche ich Prince George. Keine tolle Stadt, mehr ein Versorgungspunkt. Ein Zeltplatz findet sich gleich außerhalb. Zwar am Highway, aber Ohrenstöpsel verschaffen eine ruhige Nacht.
Montag. Ein Ölwechsel am Auto ist notwendig. Midas hat keine Zeit und schickt mich zu Great Canadian, einem Drive-Thru Ölwechsel. Bedeutet: Anstellen, Reinfahren, zwei Leute arbeiten gleichzeitig über und unter dem Auto, Bezahlen, Rausfahren. Dabei bleibt man im Auto sitzen und ist in 10 Minuten fertig. This is America. Mit viel Sonne nach Osten. Am Nachmittag erscheinen die Berge der Rockies. Super. Weitere 30 km und genau vor mir taucht er in seiner ganzen Pracht auf: Mt Robson, mit 3950 m der höchste Berg der Rockies in Kanada. Wow. Gleich Infos im Touristen- büro holen und um die Ecke einen Zeltplatz suchen. Noch ein wenig wandern als Warm up für morgen und bald zu Bett. Anmerkung: Hier ist es bereits 21.00 Uhr stockdunkel. Daran muss ich mich erst gewöhnen.

der Mt. Robson in all seiner Pracht... und seine Nordseite         Gletscherzunge am Berg          mächtiger Wasserfall am Weg

16.Woche vom 22.August bis 28.August 2006:
Dienstag. Der Wecker um 5.00 Uhr und es ist schwierig im Halbdunkel bei der Kälte Frühstück zu machen.
6.15 Uhr stehe ich am Beginn des Berg Lake Trail. Vorbei an herrlichen Seen, Flüssen, vielen Wasserfällen geht es bis zur Nordseite des Mt. Robson mit seinen Gletschern. Das Wetter zeigt sich bedeckt, aber ich bleibe hoffnungsvoll. Bereits nach elf bin ich am Robson Pass, eigentlich Halbzeit. Zurück ein Umweg über Mumm Basin und den Hargreaves Lake mit traumhaften Aussichten. Die Sonne kommt immer mehr heraus und macht alles nur noch schöner. Ich leiste mir einige Stopps und genieße die Gegend. Trotzdem schaffe ich 50 km in elf Stunden und kann mir nach einer Erholungsdusche ein kräftiges Dinner kochen bevor die frühe Dunkelheit hereinbricht.
Mittwoch weckt mich um 4.00 Uhr der Regen. Gegen acht aufstehen, alles schnell ins Auto und bei dem Wetter ohne Essen los. Begleitet von tief grauen Wolken komme ich bis Jasper und schließe damit den vor vier Wochen begonnen Kreis. Von hier aus brach ich in Richtung Norden auf, was nie geplant war, doch sich als beste Entscheidung auf dieser Reise herausgestellt hat. Die Schönheit und Freiheit des Nordens wären mir sonst verborgen geblieben.
Jasper: Das bekannte Hostel hat nichts frei, also neue Pläne schmieden und in Richtung Süden fahren. Unterwegs Stopp am Horseshoe Lake, der so klar ist das einem die Augen weh tun, und am Althabasca Wasserfall, der mit Touristen so überlaufen ist das mir Angst und Bange wird. Im Althabasca Hostel finde ich Unterschlupf. Ist zwar basic, aber preiswert und gut. Ausruhen, abspannen und mit anderen unterhalten. Mit dabei: ein deutsches Pärchen das in
18 Monaten von Alaska bis zur Südspitze von Argentinien reist. MIT DEM FAHRRAD. Hut ab.
Donnerstag. Bedeckter Himmel. Ich lasse mir Zeit, denn mein Gefühl sagt das es besser wird. Und es wird. 10.00 Uhr reißt die Nebeldecke auf, wodurch Berggipfel erscheinen und verschwinden. Ich bin bereits wieder mit dem Auto unterwegs auf dem Icefield Parkway, eines der szenisch schönsten Stücke Strasse hier. Leider kommen die Wolken zurück und der Rest des Tages bleibt bedeckt. Trotzdem halte ich häufig an Aussichtspunkten, Wasserfällen, Seen und kurzen Wanderungen. Nachmittag bin ich am Icefield Center nahe am Althabasca Gletscher. DER Treffpunkt für Touristen. Gegen Abend Eintreffen am Moskito Creek Hostel. Wieder Rustic, ohne fließend Wasser. Nebenan ein Zeltplatz, doch bei den kühlen Nächten bevorzuge ich die teurere und wärmere Variante. Freitag hätte ich vielleicht DIE Fotos eines Sonnenaufgangs am meist fotografierten See in den Rockies machen können. Hätte. Problemloses Aufstehen um 6.00 Uhr. Leider lässt mich überraschend der Chevy im Stich und springt nicht an. Ich schiebe es auf die kalte dünne Luft. Und wirklich, zwei Stunden später mit Sonne ein problemloser Start. So steht meine Person mit  Horden von Touristen am Peyto Lake und am Bow Lake, doch die Fotos können sich trotzdem sehen lassen. Bald darauf bin ich im 45 km entfernten heutigen Ziel: Lake Louise, eine der schönsten und teuersten Ecken in den Rockies. Das Dormbett im Hostel bei 38 CAD (Durchschnitt 21 CAD), autsch. Im Supermarkt einkaufen ist ähnlich. Am Nachmittag hinauf zum Lake Louise. Ein Traum, der die vielen Touris (nur noch eine Woche Schulferien!) vergessen läßt.

wunderschön: Peyto Lake...     und Bow Lake...                   und Lake Agnes...                  und Lake Louise

Samstag ein früher Wecker, um bereits 8.30 Uhr am Lake Moraine zu sein. Ich will ins “Tal der zehn Gipfel”, einem Grizzly-Gebiet, wo es nur Gruppen mit mindestens 6 Leuten erlaubt ist hineinzulaufen. Als Glückspilz finde ich fast sofort fünf Leute aus Calgary und Edmonton, die rauf zum Mt. Temple wollen. Ist nicht zu 100% was ich wollte, aber okay. Zwei Stunden brauchen wir bis hinauf zum Sentinal Pass in 2600 m Höhe. Dann heißt es Abschied nehmen vom Wanderweg. Mehr oder weniger senkrecht suchen wir den Weg zum Gipfel. Meine Gruppe bleibt bald zurück, aber hier oben gibt es eh keine Bären. Die Aussicht wird immer besser und der Himmel strahlt im tiefen blau. Die Kletterei ist nicht ohne und manchmal klebe ich wie eine Fliege mit allen vieren am Felsen. 13.00 Uhr Ankunft auf dem Gipfel in 3544 m Höhe, dem anscheinend höchsten Punkt im weiten Umkreis. Der Rundumblick ist einfach gigantisch. Beim Abstieg begegnet mir die Gruppe, aber ich habe inzwischen andere eingeholt und komme mit ihnen zum Lake Moraine zurück.

Blick vom Mount Temple

Mein heutiges Hostel heißt Whisky Jack, in Sichtweite vom Takakkaw Fall, dem zweithöchsten Wasserfall in Kanada.
Sonntag. Aufstehen fällt etwas schwer nach gestern. Erst nach neun mache ich mich auf den Weg. Bei traumhaften  Wetter geht es über den Yohopass, vorbei am Emerald Lake bis hinauf zum Hamilton Lake. Vor allem der Emerald Lake bezaubert mit seinem herrlichen Hellgrün. Gedacht als ein Tag zum Ausruhen, werden es wieder 30 km mit 1.800 Höhenmetern. Egal, noch geht es mir gut.

der 384 m hohe Takakkaw Fall

Montag. Wecker um 5.30 Uhr. Start um 7.30 Uhr an der Lake O’Hara Road. Ein Bus fährt rauf zum See, aber der ist ausgebucht. Also 11 km Schotterstrasse zu Fuß. Ab Lake O’Hara abbiegen auf eine alpine Route. Die bringt mich hinauf zur Wiwaxy Gap und damit zu herrlichen Aussichten. Die Luft ist leider nicht so klar wie die letzten Tage, der Wind treibt Dunst von den Waldbränden in Washington herüber, aber es reicht um stark zu beeindrucken. Ich bleibe auf der felsigen Alpine Route. Das bringt zwar ein ständiges auf und ab mit gefährlichen Stücken, vielen Felsen und manchmal nur zu erahnenden “Wegen”, doch dafür entgehe ich dem Hauptfeld der Touristen und habe mit Abstand die besten Aussichten. Es bleibt ein wunderschöner Tag und erst 12 Stunden später bin ich wieder am Auto.

17.Woche vom 29.August bis 4.September 2006:
Dienstag. In den letzten 7 Tagen bin ich an 5 durch die Berge gestiefelt. Macht 200 km und 6.000 Höhenmeter. Mein Körper ist müde !!! Da passt eine Wetteränderung. Es trübt sich ein und soll bald regnen. Träge mache ich mich auf in Richtung Süden. Ein Stopp in Lake Louise und am Nachmittag der Johnston Canyon mit schönen Wasserfällen und weiter westlich die Painted Pots, eine farbenfrohe Gegend durch das Ausschwemmen von Eisen in allen möglichen Verbindungen. Bereits am Nachmittag bin ich im Castle Mountain Hostel und lege die Beine hoch.

Lake O’Hara                          Idylle am Lake O’Hara               erwischt: scheuer Pfeifhase     an den Painted Pots

Mittwoch der versprochene Regen. Es ist ziemlich kalt und ich höre das ab 2.000 m der erste Schnee fällt. So langsam naht das Sommerende. Nur eine halbe Stunde brauche ich bis Banff, DER  Urlauberstadt in den Rockies. Ich halte jedoch bei dem Wetter nur am Infobüro um Ideen und Fakten zu sammeln. Dann gleich 30 km weiter nach Canmore, wo die Hostels um einiges günstiger sind. Was ich vorfinde, kommt in meine kanadischen Top 3. Nur 21 CAD, aber herrlich gelegen, mit toller Küche, Sesseln, Kamin und eine wunderschöne Terasse mit Blick übers Tal.
Donnerstag. Gerade mal 10°C heute. Die Wolken reißen auf und geben den Blick frei auf die schneebedeckten Gipfel. Die Luft ist so klar und crisp das man am liebsten “hineinbeißen” würde. Genial. Ich fahre nach Banff, hole eine Backcountry Genehmigung fürs Campen und schaue mir die Stadt an. Da kann sich die Schweiz eine Scheibe abschnei- den. Wunderschöne Holzhäuser, auf alt getrimmt, aber nicht aufdringlich. Am Nachmittag hinauf zum Tunnel Mountain, und später zum Mt. Sulphur, von dem aus man die ganze Gegend überblicken kann. Dort oben stehe ich dann auch in frischem Schnee. Ganz witzig: Touris kommen mit Flip-Flops die Gondelbahn herauf. Übrigens melden die Nachrichten tolles Wetter für die nächsten Tage, wenn auch sehr kühle Nächte. 

mitten in Banff                      ein Morgen in Canmore...         ...und mit Teleobjektiv           Im Schnee auf dem Mt. Sulphur

Freitag Aufbruch in die Wildnis. 48 km Schotter- strasse, dann zu Fuß weiter. Ausrüstung und Essen für zweieinhalb Tage habe ich auf dem Buckel. Mein Equipment ist nur bedingt dafür geschaffen, und darum auf jeden Fall ein paar Kilo zu schwer. Aber ich muss ja nur 14 km bis zum Camp. Den Nachmittag verbringe ich am See und schaffe es fast hinauf zum Marvel-Pass. Zurück davon reicht das Tageslicht gerade zum Essen. Offenes Feuer ist bei Höchststrafe verboten, also schon um 21.30 Uhr Bettzeit. Übrigens stehen nur drei Zelte weit verstreut im dichten Wald, ein Abenteuer im Bärenland. Samstag Morgen fällt es schwer aus dem warmen Schlafsack zu kommen. Die Nase ist eiskalt und der Atem wird zu fluffigen Wolken. Erst 8.30 Uhr kommt die Sonne hinter den Bergen hervor. Tagesprogramm: Über den Wonderpass (2400 m) zur Assiniboine Lodge und über den gleichnamigen Pass (2180 m) zurück. Das sind viele Höhenmeter sowie 30 km über Stock und Stein bei  fast 30°C und strahlend blauem Himmel. Lohn der Mühe: Grandiose Blicke auf den Mt. Assiniboine, dem “Matterhorn” von Kanada. Glücklich, müde und geschafft bin ich 18.00 Uhr zurück. Das Duschen übernimmt der eiskalte Bach.
Sonntag. Wieder ein kalter Morgen. Nach dem Frühstück packen und zurück zum Auto. Ich merke wie müde der Körper nach den letzten zwei Wochen ist und bin froh ab morgen die Berge erst mal hinter mir zu lassen. Die Sonne brennt für die Jahreszeit wieder ungewöhnlich heiß vom Himmel, und der Wetterbericht verspricht das es so bleiben soll. Ich komme heute Nachmittag wieder im Hostel in Canmore unter. Die Hochzeitsgesellschaft von gestern hat jede Menge Essen zurückgelassen und so schlemmen die Backpacker bei Truthahnkeule und Schokoladentorte.

am Marvel Lake bei Tag...      ...und Nacht                         der Mt. Assiniboine                Olympic Plaza in Calgary

Montag ein frischer Morgen, doch die Sonne kündigt einen heißen Tag an. Auf dem Highway 1 geht es östlich nach Calgary. Bereits kurz hinter Canmore bleiben die Berge schlagartig zurück und es geht nahtlos in flache Prärie über. Der Verkehr nimmt stark zu und ich muss mich erst wieder an den Gedanken Großstadt gewöhnen. Am Rande von Calgary ein Stopp am Olympic Park, in welchem ‘88 ein Teil der olympischen Winterspiele ausgetragen wurde. Ist wenig los, und vom Zauber der Spiele fast nichts zu spüren. Durch den Dschungel der Wolkenkratzer finde ich dann mein Hostel. Nach einer Mittagspause zu Fuß durch die Stadt. Wer einmal die andere Seite des Lebens sehen will, mit gestrandeten Typen, Fixern und Dealern, der ist hier genau richtig. Gleich neben dem Hostel gehts los, obwohl ich sagen muss das sie einen in Ruhe lassen. Ansonsten hat die nette Stadt wenig zu bieten. Einzig der Olympic Plaza gefällt. Rings um den Platz sind alle Medaillengewinner in Bronze namentlich verewigt. Nach dem Stadtbummel eine schattige Pause auf der Parkinsel. Abends war ein bisschen Nachtleben geplant, doch am Labourday hat fast alles geschlossen.

18.Woche vom 5.September zum 11.September 2006:
Dienstag. Bereits 9.00 Uhr bin ich auf der Strasse. Letzte Besorgungen und tanken. Dabei wird deutlich wie das Öl ist. Nur 89 Cent der Liter (macht 60 Eurocent), so billig war es in Kanada noch nie. Bald nutze ich Nebenstrassen, wo der Verkehr merklich abnimmt. Nordöstlich komme ich nach 150 km in die Nähe von Drummheller, der Dinosaurierstadt. Man sieht die Siedlung erst als die Strasse von der flachen Prärie förmlich in einen Canyon “fällt”. Überall künstliche Dinos, der größte vor dem Infocenter. Grund dafür: hier wurden weltweit die meisten und verschiedensten Fossilien gefunden. Richtig zu bestaunen ein paar Kilometer außerhalb im Royal Tyrrell Museum.

Öl und Landwirtschaft

 Ich flüchte in die dortigen klimatisierten Hallen, denn trotz September haben wir draußen 34°C. Das Museum ist richtig gut, und es dauert seine Zeit bis ich an all den Skeletten und Erklärungen vorbei bin. Im Auto (kein Baum weit und breit) dann 50°C. Die Klima läuft auf Hochtouren. Um Drumheller herum geht es mal im, mal über dem Canyon entlang. Aussichten, Kornfelder und mittendrin viele kleine Ölpumpen. Der Tag endet am Pinters Campground. Gelegen am Fluß und mein Zelt das einzige im weiten Umkreis. Mittwoch Morgen zu den Hoodoos, einzeln stehende Sandsteinsäulen in bizarren Formen. Danach südöstlich. Die Gegend flach und landwirtschaftlich. Eigentlich ist der Himmel blau, aber der Staub der vielen Schotterstrassen vermischt sich mit Strohresten aufgewirbelt von Erntemaschinen zu einem braungelben Schleier. Es ist wieder drückend heiß. Nach zwei Stunden bin ich am Dinosaur National Park (UNESCO Heritage Site). Im Zusammenspiel mit der Drumheller Gegend wurden auch hier jede Menge Fossilien gefunden. Eigentlich ist alles ein Canyon, nur Drumheller liegt zentraler. Hier ist der Canyon weiter, und alles unberührter .Die Mittagspause dehne ich im Schatten der Bäume bis halb drei, bevor ich teils zu Fuß, teils mit dem Auto den Park erkunde. Die Gegend wie von einer anderen Welt. Außer am Fluß keine Bäume, nur Stein, Staub und Gräser. Vorsicht beim Laufen: Es wird gewarnt vor Klapperschlangen, Skorpionen, Kakteen und Spinnen. Keine Gegend für mich. Im Sommer 40°C genau wie im Winter, dann nur mit einem Minus davor. Ich sehe keine gefährlichen Tiere, und schlage mein Zelt am einzigen Campingplatz auf.

die Gegend von Drumheller      Royal Tyrell Museum außen...   ...und innen                        sogenannte Hoodoos

Dinosaur National Park           kommt ohne Worte aus           Umzug auf amerikanisch          Erholung für das Auge - Nikka Yuko

Donnerstag. Über kleine Strassen nach Süden, die US Grenze schon recht nah. Pause in Lethbridge, im herrlichen japanischen Garten, Nikka Yuko, in dem ich entspanne und genieße. Mittag im Pizza Hut mit Buffett für 6,99 CAD. Am Nachmittag nach Westen bis hinter Fort McLeod, genauer zum Head-Smashed-In. Dies sind Klippen, die Indianer bereits seit über 5.000 Jahren zur Büffeljagd nutzen. Zwar nur 15 m hoch, aber ausreichend um Büffel zu töten oder schwer zu verletzen. All die Jahre in Einklang mit der Natur, und dann kommt der Europäer und macht alles zunichte...
Es ist spät geworden und ich bleibe im nahen Campingplatz. Viel ist nicht los, und bald senkt sich der Abend still über die Prärie. Ein schöner Sonnenuntergang, danach ein großer und am Anfang sehr orangefarbener Vollmond. Als Begleit- musik das Zirpen der Zikaden und, mal nah mal fern, das Heulen der Kojoten. Freitag. Nach 50 km im Auto kurzer Stopp in Cardstone um einen Mormonentempel von außen zu sehen. Weitere 40 km und sie tauchen auf: die Rocky Mountains des Waterton National Parks. Der Übergang von Prärie zu den 3.000er Gipfeln ist überraschend kurz. Das Städtchen Waterton verschlafen, nur das Prince Wales Hotel thront als Wahrzeichen über dem See. Leider bleibt die Aussicht neblig, denn der Wind treibt den Dunst der großen Waldbrände aus 200 km Entfernung herüber. Im Park Abstecher zum Red Rock Canyon, Cameron Lake und Cameron Wasserfall. Kein Platz für mich im hiesigen Hostel, also schlage ich das Zelt vor den Toren des Parks auf.

Mormonentempel Cardstone     endlose Strassen, erst mit Zivilisation...       ...dann ohne...   ... und plötzlich wieder Berge

Samstag. Nach einem kalten Abend ein überraschend warmer Morgen. Das heißt warme, trockene Luft aus Süden mit neuen Rauchschwaden. Egal. Ich bin 10.00 Uhr am kleinen Hafen von Waterton. Ein Schiff bringt uns 30 Wanderer zur anderen Seite, von wo einer der schönsten Wanderungen hinauf zum Crypt Lake startet. Trotz Zeit lassen bin ich bald der Erste der sich weit auseinanderziehenden Gruppe. Der Weg recht leicht, trotz der über 700 Höhenmeter. Nerven- kitzel kurz vor dem See: eine Eisenleiter am Fels, danach ein 20 m langer und sehr enger Tunnel, den ein paar meiner Kollegen wohl auf allen vieren durchqueren müssen, bevor es kurz am steilen Fels entlang geht, zur Sicherheit mit Stahlseil. Der See selbst hübsch, aber da gab es schönere. Ausruhen im Sonnenschein und dann auf den Rückweg machen, um noch durch den Roaring Falls Canyon zu laufen. Ich kann mir Zeit lassen, denn das einzige Boot zurück geht erst um 17.30 Uhr. Abends Check-In im hiesigen Hostel. Welche Enttäuschung. Gemanagt vom Hotel nebenan ist es wohl ein ungeliebtes Kind. Miese Miniküche und kaum Platz. Die “Lounge” ein Witz: ein Tisch, sechs unterschiedliche Stühle (bei 20 Betten) und kein Fenster. Dafür 33 CAD !!! Morgen bin ich hier weg.

Red Rock Canyon                  Cameron Wasserfall               A-Hörnchen und B-Hörnchen   am Crypt Lake

Sonntag:Check-Out. Ich bleibe noch in Waterton und mache den Anderson-Carthrew-Trail. Hinter dem Dorf geht es hinein in den Wald und bald ordentlich bergan. Nach einer Stunde der erste Bergsee, dem weitere folgen. Ich hatte nach gestern wenig erwartet, allerdings komme ich spätestens am Gipfelgrat aus dem Staunen nicht mehr heraus. Starker Wind hat wenigstens einen Teil der Rauchschwaden vertrieben und von hier oben kann man tief in den Park schauen. Weiße Gipfel, hängende Täler, verborgene Bergseen und alle erdenklichen Farben. Grandios. Bald begegnen mir Truppen von Touris, die vom Cameron Lake kommend auf dem Weg nach Waterton sind. Mein Weg führt am Summit Lake vorbei hinunter zum Boundary Creek. Ein Bärenterritorium, aber das bin ich inzwischen gewohnt. Nur das der selten benutzte Pfad manchmal fast im dichten Wald verschwindet. Zur Beruhigung begegnen mir zwei Pärchen  - und keine Bären. Irgendwo kreuze ich die Grenze zur USA und komme am Waterton Lake ohne Grenzposten wieder zurück nach Kanada. Am späten Nachmittag bin ich am Auto und verlasse den Nationalpark. Es dauert keine Stunde bis Pincher Creek, wo ich einen Zeltplatz mit Duschen für gerade mal 5 CAD entdecke. Montag. Das Wetter nach wie vor traumhaft schön und mit 27°C angenehm warm. Entlang den Bergen, die den Tälern viel Raum lassen, geht es gen Norden. Crowsnest Pass, Cranbrooke, Radium Hot Springs liegen auf dem Weg eh ich am Nachmittag in Golden eintreffe. Das Hostel in der Stadt liegt genau an der Eisenbahn und ich versuche es außerhalb im “On the Caribou Hostel”. Volltreffer. Ruhig im Wald gelegen, und eingerichtet wie zu Hause. Ich bin der einzige Gast und habe alles für mich, was für ein Geschenk. Seit langem ein Abend vor dem TV. Das hat nicht gefehlt, ist aber eine Abwechslung.

Anderson-Carthrew Trail        Grenze Kanada - USA              bei den Wölfen in Golden          der Glacier Nationalpark

19.Woche vom 12. zum 18.September 2006:
Dienstag. Kleines Jubiläum. Noch in Golden vollende ich den 25.000sten Autokilometer in diesem Land. Macht bei
112 Tagen fast 225 km PRO TAG. Wird Zeit weniger Auto zu fahren, wobei ich sagen muss das mir die Fahrerei kaum mehr was ausmacht. Der erste Stopp heute außerhalb von Golden bei Northern Wolfes, wo Wölfe aufgezogen, trainiert und so nah wie möglich an ihrem normalen Leben gehalten werden. Sehr interessant. Am Mittag im Glacier Nationalpark. Dort geht es im Eilzugtempo hinauf auf den Glaciercrest in 2250 m Höhe, mit einem herrlichen Ausblick auf die Gegend. Ein weiterer Stopp im Revelstoke Nationalpark um mir riesige, 500 jährige Zedern anzuschauen, und am ein spätes Eintreffen in Revelstoke. Zum Feierabend mal ausnahmsweise Bier und Zigarre, denn mein Gefühl und der Wetterbericht sagt das das heute der letzte richtige Sommertag war. Es wird Zeit sich auf den Herbst einzustellen.
Mittwoch. Kühler Morgen mit einigen Wolken. Träge hinauf zum Mt. Revelstoke. Eine Strasse führt fast bis zum Gipfel in 1930 m Höhe. Ab dort zu Fuß weiter. Die Wege sind gut und leicht, genau das Richtige nach vielen schweren Tracks. Eine schöne, fast mystische Gegend, bis mich am Eva Lake Donnergrollen umkehren läßt. Der erste Schauer mit Graupel, beim zweiten sitze ich schon im Auto. Im Hostel treffen sich ein paar interessante Leute. Mit Paul aus Neufundland, der sein Geld in Fort Mac Murray verdient, verquatsche ich die halbe Nacht.
Donnerstag. Der Wetterbericht lag richtig. Es begann letzte Nacht zu regnen, und will bei 10°C auch nicht aufhören.  Ich bin heute nach kurzer Strecke früh in Kelowna, und mitten im Okanagan Valley gelegen, dem Obstgarten von British Columbia. Ein paar Telefonate bringen mich zu Germaine, und damit vielleicht zu einem Erntejob. Freitag. Der Wecker 6.00 Uhr. Alex, der Iraner, sagt wir gehen nicht zu Germaine, sondern zu Nick und Jessie. Ist mir gleich. Wir nehmen die Koreaner Chum und Jed mit, dazu noch die Japanerin Aki. Noch nicht international genug, entpuppen sich unsere Arbeitgeber als Inder. Kurze Einweisung und los gehts. Bezahlt wird pro Großkiste, in die fast 400 kg Äpfel passen. Trotz kurzer Schauer finde ich meinen Rhythmus und habe am Abend fast vier Kisten voll, Durchschnitt. Samstag. Wie gestern. Nur der Himmel ist blau und die Sonne drückt. Das bedeutet viel Durst. Äpfel vom Baum bleiben tabu, zu schwarz und schmierig waren gestern Abend die Hände vom Pflücken. Ein Grund mehr ab heute Handschuhe zu tragen.
Sonntag. Selber Rhythmus. Unsere Truppe versteht sich und wir machen alles zusammen: Essen, Arbeiten und das bisschen Freizeit miteinander verbringen. Außerdem sind alle sehr glücklich über mein Auto. Das spart so manchen Fußweg vor und nach der Arbeit. Am Montag graue Wolken am Himmel. Auf dem Weg zur Plantage fängt es an zu regnen. Alle außer ich verziehen sich unter einen Baum, doch nach einer Stunde und einer halbe Kiste gebe auch ich auf. Im Hostel: Ausruhen, abspannen und Wäsche waschen. Auf Arbeiten eingestellt, fahre ich jedoch ohne die anderen am Nachmittag noch mal zur Plantage. Es hört auf zu regnen und ich schaffe easy zwei weitere Kisten.

herbstliche Stimmung auf dem Mt. Revelstoke                        unsere internationale Apfelpflückerbrigade

20. Woche vom 19. zum 25.September 2006:
Dienstag. Grauer Himmel. Heute kommt nur Aki mit, die Jungs machen Pause. Bäume wie Äpfel sind nass und kalt, aber es reißt auf und wird ein schöner Tag, mein letzter hier. Ich habe nicht mehr viel Zeit in Kanada und möchte noch einiges sehen. Auch werden es mir die Knochen danken, denn es unangenehm mit einem 15 kg schweren Beutel voller Äpfel vor dem Bauch herumzulaufen. Wahrscheinlich fühlt es sich so an schwanger zu sein...
Jessie schreibt am Abend meinen Scheck aus, den ich rechtzeitig vor Bankschluss zu Geld machen kann. Aki kocht heute für uns und wir haben einen schönen letzten Abend zusammen. Mittwoch. Abschiedszeremonie auf asiatisch. Dazu der Himmel dunkelgrau. Kleine Highways bringen mich über Meritt zum Highway 1 und zum Fraser River. Ihm folge ich durch so manche Schlucht, wie bezeichnenderweise dem Hells Gate Canyon. Es hat inzwischen angefangen zu regnen und der Himmel scheint voll damit. Eine Pause in Hope, mit Originaldrehplätzen von “Rambo 1”. Othello-Tunnels, die steilen Canyons, dazu Brücken und der Ort an sich. Dann weiter nach Westen durch seltene Strassentunnel. Die Strassenschilder davor: “Achtung Tunnel, Sonnenbrille absetzen”, das ist Amerika. Der Regen wird stärker und der Himmel dunkler. Theoretische Ankunft in Vancouver, doch biege ich vom Downtown Highway zum Fährhafen von Tsawassen ab. Eine zum Ablegen bereite Fähre schaffe ich nur mit Vollgas, und bin zwei Stunden später in Nanaimo auf Vancouver Island. Durch Mitternacht zu spät für ein Hostel, wird in einer ruhigen Seitenstrasse mein Auto zum Bett.

Brücke Nähe Hells Gate Canyon      Othello Tunnel (Rambo 1)        bei den Bridal Vail Falls

Donnerstag. Schlafe immerhin bis 8.00 Uhr im Auto. Der Himmel blau und das Frühstück ein paar Kilometer ausserhalb an einem schönen Strand. Keine Ahnung warum, aber ich fühle mich auf der Insel sofort sehr wohl. Vielleicht weil sie mich bereits nach kurzer Zeit sehr stark an Neuseeland erinnert. Gemütlich cruise ich nach Norden. Rechts das Meer zwischen Kanada und der 450 km langen Insel. Links gleich nach den Sandstränden steil aufragende, bis 2000m hohe Berge. Das ist meine Gegend, definitiv. Dazu kleine ansprechende Orte. Auf dem Festland waren die Städte entweder groß, oder aber nach amerikanischen Vorbild klein und klar gegliedert. Ein paar parallele Strassen ohne Charme, Tanke, Shoppingmall, mehr nicht. Ganz anders hier. Mehr Leben, allerdings vor allem Senioren die sich dank dem milden Klima hier zur Ruhe setzen. Pause im Doppelstädtchen Courtenay/Comox. Das Hostel macht erst 16.30 Uhr auf, also bei Starbucks einen dieser riesigen Kaffees geholt und mit einem Buch an den Strand gesetzt. Abends checke ich ein im Shantz Haus. Nett, klein und gemütlich. Freitag. Blauer Himmel den ganzen Tag. Ich hole meine Wandersachen raus. Von Meereshöhe bringt mich das Auto bis auf 1000 m zum Mt. Washington Ski Resort. Ab hier zu Fuß durch eine herrliche Gegend bis hinauf zum Mt. Albert Edward. Mal gemütlich über Wiesen, mal durch den Wald, häufig vorbei an kleinen Seen führt letztendlich der Pfad fast senkrecht den Fels hinauf. Von 2093 m Höhe ein traumhafter Ausblick. Vancouver Island, dazu die kleinen Inselchen und dahinter das Festland mit einer ganzen Reihe schneebedeckter Gipfel. Ich verbringe den ganzen Tag da oben und komme erst spät heim. .

am Strand etwas außerhalb von Nanaimo                              auf der Paradise Meadow       auf dem Mt. Washington

Samstag. Blauer Himmel, Sonnenschein. Trotz der 4°C nachts schaffft es das Thermometer am Tag auf angenehme 25°C. Mit dem Auto weiter nach Norden. Die Städtchen werden immer kleiner und verschwinden schließlich fast komplett. Mal geht es an der Küste entlang, dann wieder mehr durchs Inselinnere. Gegen 13.00 Uhr Ankunft in Telegraph Cove. Nun geht wieder alles ganz schnell, denn ein geplantes Boot legt bereits in 15 Minuten ab, was ich nicht wusste. In Rekordzeit zum Auto, Sachen schnappen und einschiffen zum Whale watching. Diesmal allerdings Orcas (Killerwale). Es dauert nicht lange und wir begegnen einer Gruppe Delphine. Die spielen eine Weile am Boot und surfen in unseren Wellen. Niedlich. Nicht viel später sehen wir dann die ersten großen und schwarzen Finflossen aus dem Wasser ragen. Orcas leben in Familien, und so sehen wir gleich einige von ihnen. Im Laufe der Fahrt kommen mir mehr als 20 davon vor die Linse. Sie sind schneller als die großen Wale und schwierig zu fotografieren, aber es ist eine Show ihnen zuzusehen. Zum Abschluss zeigen sich noch zwei Buckelwale, dann bringt uns der Kapitän gegen 18.00 Uhr zurück in den Hafen. Was für ein Abenteuer. Ich komme heute bis Port Mc Neil, dann verlässt mich das Glück. Alle Backpacker ausgebucht, da bleibt nur das Zelt. Immerhin kann ich es gleich am Strand aufschlagen und der Klang der Wellen wiegt mich in den Schlaf. Sonntag. Das Nebelhorn weckt mich zusammen mit dem Klang kleiner Regentropfen.  Gut das der Zeltplatz einen überdachten Picknickplatz hat und ich zu einem trockenen Frühstück komme. Weiter in nördlicher Richtung. Der Regen hört auf, aber der dichte Nebel bleibt. Es ist nur ein Stück bis Port Hardy, dem heutigen Ziel. Eine Pause im Cafe, danach herumstromern. Am nahen Strand gelingen ein paar tolle Fotos, und ich höre Wale im Nebel auftauchen und ausblasen. Am späten Nachmittag checke ich im C & N Backpacker ein, eine ziemlich ominöse Geschichte. Hier sollte gestern alles voll gewesen sein, es waren aber nur vier Gäste da. Dazu erscheint der Manager erst nach telefonischen Anruf und wird danach nicht wieder gesehen. Merkwürdig. Montag. Wieder dichter Nebel. Einen Besuch im Cape Scott Nationalpark lasse ich bei dem Wetter sein und fahre zurück nach Port Mc Neil.

Walbeobachtung: Killerwale     die perfekte Symmetrie           Lichtspiele am Strand von Port Hardy: mystisch

Totems auf Alert Bay

Ich nehme die Fähre um 11.30 Uhr und bin 30 Minuten später auf Alert Bay, einer 5 km langen Insel die als interessante Fussion zwischen Fischerdorf und First Nation wärmstens empfohlen wurde. Naja, mein Ding ist das nlcht. Überall zeigt sich der Verfall. Zwar an jeder Ecke Totems und die Insel durchzogen mit Wanderwegen, aber auf mich macht das einen depressiven Eindruck. Das Hostel dafür top und ich der einzige Gast

21.Woche vom 26.September zum 2.Oktober 2006

Dienstag. Nebel, wie inzwischen üblich. Nach dem Frühstück streikt zum zweiten Mal der Chevy. 20 Minuten später und mit Batterie quälen klappt das Anspringen. Ich glaube es liegt an der Feuchtigkeit und dem inzwischen innerlich sehr verfaulten Auspuff. Gerade noch rechtzeitig erreiche ich die Fähre zurück nach Vancouver Island. Auf bekanntem Weg zurück nach Süden. 40 km weiter herrscht blauer Himmel, und die Sonne vertreibt schnell die trüben Gedanken und depressiven Gefühle über den Norden. Kurze Kaffeepause in Courtenay und abbiegen ins Innere der Insel. Eine Stunde später Ankunft in Port Alberni, selbsternannte “Lachshauptstadt”. Die Stadt selbst Durchschnitt. Der Backpacker etwas außerhalb, klein und besonders, schon wegen seinem Besitzer. Selbst Reisender mit viel Asienerfahrung (u.a. in China ein Gefängnissaufenthalt), dem Hang zur Selbstverpflegung und Minimalist. Am Abend Videosshow mit zwei Baum- pflanzern aus Ontario. “Corporation” und nach Jahren mal wieder “Bowling for Columbine”. Michael Moore kann es eben. Mittwoch. Langsam ziehe ich weiter. Der Hostelbesitzer empfahl die Stamp Falls, gleich außerhalb Port Alberni, wo die Lachse über einen kleinen Wasserfall müssen. Zu Hunderten schwimmen sie im natürlichen Pool unterhalb der Fälle, teils richtige Brocken!!! Kaum zu glauben das sie es schaffen bei der Strömung weiter flussaufwärts zu kommen, aber mit gewaltigen Sprüngen klappt es. Auf schmalen Strassen, die sich über Berge und durch enge Schluchten schlängeln, komme ich bald an die Westküste von Vancouver Island, und damit zum offenen pazifischen Ozean. Das Dorf Ucluelet, und dann langsam am Strand hinauf nach Tofino, dem Ende der Strasse. Ab und an kurze Walks zu Buchten, Stränden und durch nordischen Regenwald. Das Wetter ist weiterhin eine Wucht und nach dem morgendlichen Nebel triumphiert blauer Himmel. Nachmittag: Tofino. Ich hätte mehr erwartet. Zu touristisch und kommerziell. Selbst das hochgelobte Hostel liegt nicht in Richtung Ozean, so wie ich es häufig in Neuseeland sah, sondern in Richtung Hafen. Also nichts mit stürmischer See und traumhaften Sonnenuntergängen. Am Donnerstag ein fauler Morgen. Der Nebel bleibt bis Mittag hängen, dann löst ihn die Sonne langsam auf. Für mich die richtige Zeit aufzubrechen. 20 km südlich liegt der Long Beach. Hier hängt der Nebel noch immer am Strand fest und zaubert fast mystische Momente. Ich bleibe eine Weile  und genieße die Stimmung. Zurück im Hostel heißt es Wäsche waschen und danach zu einer nahen Bucht. Langsam sinkt die Sonne zum Horizont und schafft viele gelbe und orange Farben. Ich würde länger bleiben, aber es wird empfindlich kühl. Kochen in der überfüllten Küche und Essen in deutscher Runde. Freitag. Nicht nur Nebel, auch Niesel. Nach dem Frühstück gleich mit Buch und PC auf die Couch. Den Vormittag beschließt ein Mittagsschläfchen. Als ich die Augen öffne: Sonnenschein! Ab ans Wasser. Diesmal Tonquin Park. Faulenzen und Sonnenbad. Danach Cafe und mit dem Auto zur Schooner Cove, einer weiteren schönen Bucht. Am Abend Pläne schmieden mit Robert, Sarah und Sophia.

Westküste Vancouver Island     eine Baumwurzel wie ein Fels      mitten in Tofino 

Samstag. Mein Chevy wird zum “Polenauto”. Vier Leute mit Gepäck. Deutsche Jungs und dänische Mädels. Wir liegen auf der Strasse wie auf Schienen. Gemütlich durchqueren wir die Insel. Einziger Stopp in der Cathedral Crove, wo ein Stück uralter Wald der Säge entgangen ist. 800 Jahre alte Douglas Fichten die teilweise über 2 m dick und 70 m hoch sind. Am späten Nachmittag Ankunft in Victoria, der größten Stadt auf der Insel. Kulturschock. Nach langer Zeit in Kleinstädten und Dörfern zeigt diese Victoria alles. Völker die eigentlich ausgestorben sind, wie Punker, Irokesen, Grufties, Grunchies, Kiffer und sonstiges hängen hier rum, auch im Hostel. Das hat über 100 Betten, ist laut und nicht sauber. Leider ist es das Beste in der Stadt. Wenigstens bekommen wir vier ein Zimmer für uns zum Dormpreis. Kochen, Essen, Abmatten. Spät ein Aufbruch ins Nachtleben. Ich lande in der Lucky Bar. Volltreffer. Zwar habe ich 80% der Musik noch nie in meinem Leben gehört, aber es wird eine tolle Party. Ich lerne drei Kanadierinnen kennen und wir tanzen bis der Club schließt. Leider ist das bereits 2.00 Uhr. So bleibt wenigstens Zeit zum Schlafen. Sonntag. Nach spätem Frühstück Sightseeing. Victoria ist eine traumhaft schöne Stadt. Downtown, Hafen, und an den Häusern der Reichen und Schönen vorbei. Parks, Strände, und sogar eine kleine Burg. Das Ganze bei blauem Himmel. Sonntags- wetter eben. Erst spät wieder im Hostel. Montag werde ich betriebsam. Der Auspuff vom Chevy ist fällig. Nach ein paar Anfragen lande ich bei Island Muffler, wo der Besuch 20 Minuten dauert und 140 CAD kostet. Es bleibt noch genug vom Tag übrig. Zuerst Regierungsgebäude von innen und außen, danach Royal Museum of Victoria. Schön und informativ. Zum Abschluß im IMAX Kino eine virtuelle Expedition den Nil hinunter. Super. Später Chinatown, Stadt- bummel und ein Abendspaziergang zum Goverment Building, dessen Nachtbeleuchtung wie ein Tannebaum an Disneyland erinnert.

Victoria in alt                        Victoria in neu                        ein Spiel der Farben                Totem in Victoria

22.Woche vom 3. zum 9.Oktober 2006:
Dienstag. Zum letzten Mal bin ich mit Robert, Sarah und Sophia unterwegs. An der Westküste fahren wir bis zum Ende der Strasse in Port Renfrew. Zur richtigen Zeit (Ebbe) sind wir am Botanical Beach. Kleine Pools im Felsen sind erreichbar und beinhalten ganze Ökosysteme. Muscheln, kleinste Krabben und Fische. Echt überraschend. Ich laufe dann einen Teil des Juan de Fuca Trails bis zur Povidence Cove. Ähnlich wie beim West Coast Trail führt der Pfad durch Regenwald immmer an der Küste entlang. Bemooste und bizzare Wälder, Wurzeln, Bäche und Schlamm. Dazu ein ständiges auf und ab. Wanderherz was willst du mehr. Auf dem Rückweg halten wir mit dem Auto am Sombriobeach, erleben einen tollen Sonnenuntergang und sind erst spät wieder im Hostel. 

ohne Worte - schmunzel         Victoria bei Nacht                  am Botanical Beach            Sonnenuntergang am Sombriobeach

Mittwoch. Stressfrei aufstehen, obwohl die Baustelle neben dem Hostel bereits ab 7.00 Uhr lärmt. Sonnenschein und strahlend blauer Himmel machen die Autofahrt angenehm. Es ist nicht weit zum Fährterminal, und nach einer halben Stunde bin ich auf dem Schiff Richtung Festland. In Vancouver halte ich bei Rogers, um meine Handynummer zu wechseln. Lieber in der Verkaufsanzeige vom Auto eine lokale Nummer stehen haben statt einer von Toronto. Danach nördlich aus der Stadt heraus. Immer am Howe Sound entlang komme ich schliesslich in Squamish an. Das Hostel dort wandelt sich demnächst zum Inn. Das heißt höhere Preise, aber auch sehr gute Qualität. Nach dem lauten Haus in Victoria ist es hier fast beängstigend still. Donnerstag schlafe ich bis 9.00 Uhr. Am Vormittag zum nahen “Chief”, einem Granitfelsen, der fast 700 m senkrecht gen Himmel schiesst. Ein Paradies für Kletterer. Zuerst am Shannon Wasserfall, dann hinauf auf den Berg. Der “Weg” lässt sich am besten so beschreiben: Leitern, Ketten, nackter Fels. Die Strecke ist nur etwas länger als 3 km, aber es geht 700 m hinauf. Das macht Spaß und von oben habe ich einen herrlichen Blick auf die Gegend. Nachmittag Stadt. Einkaufen und wegen Reifen herumfragen. Meine sind nieder, und es macht sich beim Verkauf besser mit neuen. Das billigste Angebot bei Canadian Tire mit 360 CAD. Tut der Kasse weh, muss aber sein. Dinner: Lachs. Ein 1,2 kg Bursche schmort eine Stunde im Backofen, was sich lohnt. Am Freitag zeitig raus und zu Canadian Tire. Bin der erste Kunde und eine halbe Stunde später Besitzer von neuen Reifen. Im Hostel ein spätes Frühstück und arbeiten am Computer. Danach muss ich ans Auto ran. Ausräumen und putzen. Jetzt wird klar was sich in ein paar Monaten reisen alles im Auto angesammelt hat. Nach der Waschstrasse folgt die Handarbeit. Poliermittel und ein paar alte Lappen lassen den Chevy richtig gut aussehen. Gleich Fotos davon schießen und in die Verkaufsanzeige einarbeiten. Zum Abendessen den restlichen Lachs von gestern. Danach will ich Musik vom Discman hören, schlafe aber einfach ein. Samstag. Mit blitzeblanken Auto auf dem Highway nach Norden. Es sind nur 40 km bis zum Garibaldi Park. Ich bin später dran als erwartet, und der Parkplatz ist schon halb voll. Wochenende und schönes Wetter, das war ja klar. Doch es macht Spaß mit all den Wanderern unterwegs zu sein. Gut bergan geht es bis zum Plateau, dann wird es ruhiger. Ich biege ab zum Mount Black Tusk, einem riesigen, schwarzen Felsen. Ringsum herbstlich leuchtende Farben und im Schatten ein weißer Belag auf dem Pfad, Schnee von letzter Nacht. Ich treffe ein kanadisches Pärchen, Aime und Simon. Gemeinsam müssen wir warten bis sich ein Bärenkind mit Mutter vom Pfad verzieht, um weiter bergan zu steigen. Bald ist da nur noch Anstieg und Schotter, bevor wir am Fuße des Gipfelfelsens stehen. Ausblicke: fantastisch. Die beiden machen Mittagspause, ich versuche die Gipfelstürmung allein. Der Pfad führt um den halben Felsen herum, bevor es senkrecht hinaufgeht. Klettern ist angesagt, wenn möglich ohne hinunter zu schauen. Doch der Aufwand lohnt. Fühle mich als kleiner König der Welt da oben. Der Abstieg dann schwieriger und gefährlicher, denn die Hände sind inzwischen halb starr vor Kälte. Die Sonne zeigt sich nur noch schemenhaft und alles kündigt einen Wetterwechsel an. Aime und Simon haben auf mich gewartet. Ich begleite sie bis zum Garibaldi Lake, dann trennen wir uns, aber ein Wiedersehen in Vancouver ist geplant. Ich fahre nach Whistler, DEM Skiresort von Vancouver, und nach Pemberton, einem kleinen Ort weiter nördlich. Das Hostel dort gut und ruhig.

der Shannon Wasserfall           der “Chief”, 700m nackter Fels  auf dem Gipfel im Garibaldi Park...und herbstliche Farben dort

Sonntag. Bewölkt und Niesel. Wir Backpacker früh- stücken gemeinsam und reden bis 11.00 Uhr. Die Sonne kommt raus und zerstreut uns in alle Richtungen. Ich mache mir einen gemütlichen Tag. Am Nachmittag fahre ich ein bisschen durch die Gegend. Nairn Falls und Lillooet Lake. Am gleichnamigen Fluss wieder hunderte Lachse auf ihrem Weg. Diesmal ziemlich farbig, da sie kurz vor dem Laichen sind. Es riecht (zugegeben es stinkt) gewaltig nach Fisch. All jene die es nicht geschafft haben liegen angefault am Flussufer. Danach ein Spaziergang durch Pemberton, Essen kochen und mit den anderen einen schönen Abend verbringen. Montag, 9.Oktober, Thanksgiving. Nebelmorgen und zugefrorene Autos. Es dauert bis sich die Sonne ihren Weg bahnt. Ich schnappe zum letzten Mal meine Wandersachen und fahre in den Joffrey Provincal Park. Es ist kalt im Wald, und Geröllfelder erweisen sich als gefährlich. Die Felsen sind mit Reif überzogen und glatt wie Schmierseife. Langsam passiere ich den unteren, dann den mittleren und schliesslich den oberen Joffrey Lake. Der Weg war nicht leicht, aber auch nur 6 km lang. Zu früh für mich zum Umkehren. Eine Route führt am Gletscherfeld vorbei immer weiter hinauf. Wurzeln, Schlamm, Geröllfelder. Als es steiler wird kommt Schnee dazu. Die Gefahr lohnt, denn angekommen auf dem Sattel bin ich über allem. Es ist absolut still hier oben, nicht einmal Wind geht. Der vollkommene Frieden. Runter ist es genau so halsbrecherisch, aber ich kann mir Zeit lassen. Das letzte Geröllfeld liegt noch im Schatten und ist rutschiger als heute Morgen, wie ein Laufen auf rohen Eiern. Mein Wanderstock rettet mich einmal mehr vor dem Sturz, allerdings zerbricht er auch dabei. Es wird Zeit, mit dem Wandern aufzuhören...

Lachs vor dem Laichen            der obere Joffrey Lake            zwei meiner besten Freunde...

23.Woche vom 10. zum 16.Oktober 2006:
Dienstag. Sachen packen in Pemberton. Auf dem Highway 99 wird wie verrückt gebaut (Olympia 2010) und es dauert bis ich in Vancouver bin. Die Stadt empfängt mich mit viel Verkehr. Trotzdem kein Problem zum Hostel zu kommen. Dort ergattere ch sogar einen kostenlosen Parkplatz, und das mitten in Downtown. Einrichten, Wäsche waschen. Am Nach- mittag ein Spaziergang durch die Stadt. Es wird dauern bis ich mich an den Trubel hier gewöhnt habe. Das Hostel liegt zwar in einer ruhigeren Seitenstrasse, doch gleich um die Ecke tobt das Großstadtleben. Mittwoch. Stadtrundgang. Der Himmel strahlend blau und die Sonne verwöhnt wie im schönsten Sommer. Vancouver ist wirklich ein Knaller. Tolle Architektur, Multikulti und nicht zu hektisch. Bis zum Abend laufe ich durch Downtown, Gastown (älterer Stadtteil), Chinatown und Yaletown (alte Lagerhäuser umgebaut zu Lofts, Restaurants und Ateliers). War richtig schön. Donnerstag. Laut Wetterbericht der letzte warme Tag mit Sonnenschein. Ich erkunde nördlich von Downtown den Stanley Park, eine der großen grünen Lungen der Stadt. 10 km lang ist eine Umrundung und mit ein paar Pausen an Stränden verbringe ich hier mehr als den Vormittag. Später noch hinüber nach Granville Island, mit riesigem Frischmarkt und Künstlergallerien jeglicher Art. Am Abend hoffe ich auf die ersten Anrufe für den zum Verkauf stehenden Chevy, doch nichts passiert. Freitag. Das Wetter wird schlechter, wie versprochen. Ich bin im Internetcafe, setze mein Auto in weitere Verkaufsseiten und drucke eine Annonce mit all meinem Sachen die zum Verkauf stehen. Um 15.00 Uhr treffe ich Sarah aus Victoria vor dem Kino. Es ist der letzte Tag des Filmfestivals in Vancouver und sie hatte mich eingeladen, allerdings ohne zu sagen das sie eine Regisseurin nebst Produzentin kennt, womit ich nun eine halbe Filmcrew kennen lerne. Cool. Ihr Beitrag ist ein Kurzfilm mit erstaunlicherweise deutschem Titel: “Nicht angegeben”. Nach dem Kino sind alle zum Essen eingeladen. Ein schöner Abend, der spät ausklingt. Samstag. Dunkle Wolken am Himmel. Ich bringe meine Announcen unter die Leute und pinne sie in Supermärkte und Hostels. Dann heißt es warten. Am Nachmittag der erste Anruf. Wir machen einen Termin für morgen, denn ich hoffe auf weitere Anfragen, leider vergeblich. Mürrisch bereite ich die Samsatg Nacht vor. In Kanada startet alles früher als in Europa, denn die Clubs müssen um 2.00 Uhr schliessen. Da es inzwischen wie aus Kübeln giest, laufe ich nicht weit und gehe ins Celebrity in der Davie Street. Was es mit dieser Strasse auf sich hat, wird bald klar, denn 80% der Besucher hier sind gleichgeschlechtlig interessiert.  Eigentlich stört mich das nicht, aber wenn sich fast nackte Jungs als Go-Go’s reckeln und sich intensiv selbst auf der Tanzfläche küssen, dann wird mir das doch zu viel. Früher als gedacht komme ich somit ins Bett. 
Sonntag. Ich war nicht der Einzige den die Davie Street überrascht hat, andere haben sogar “Angebote” bekommen, wie beim Frühstück zu erfahren ist. Es regnet nach wie vor, das richtige Wetter um zu lesen und am PC zu sitzen. Nachmittag fahre ich zu Naida, die sich für mein Auto interessiert. Die halbe Familie springt umher, doch das letzte Wort hat der Onkel, und der macht einen sehr mürrischen Eindruck. Es endet damit das sie es sich überlegen wollen. Am Abend ruft ein weiterer Interessent an, meldet sich aber danach nicht wieder. Montag. Brauche zum Verkauf vom Auto den sogenannten ICBC, so was wie der TÜV von British Columbia. Mein Chevy wäre in einem tollen Zustand, nur die hinteren Bremsen müssen gemacht und die Windschutzscheibe wegen einem langen Riss ersetzt werden. Die Bremsen lasse ich gleich machen, das mit der Scheibe verschiebe ich auf morgen. Am Nachmittag kämpfe ich mit meiner Autoversicherung in Manitoba, da die bei Glasersatz mitzahlen.

Vancouver: Wolkenkratzer, Glitzerwelt, knapper Grund bedingt Kreativität beim Bauen,
die bekannte Dampfuhr in Gastown (auf alt getrimmt, steht erst seit den 1970er Jahren)

24.Woche vom 17. bis 23.Oktober 2006:
Dienstag. Gleich nach dem Frühstück fahre ich in die UBC, Vancouvers größte Universität. Sie ist ein Stadtteil für sich und riesig groß. Als ich das sehe kommt ungelogen richtig Lust auf hier zu studieren. Aber ich bin nur hier um ein paar Verkaufsannoncen zu verbreiten. Danach ein Termin bei Speedyglass, die die Windschutzscheibe ersetzenn. Das dauert und mir bleibt Zeit die Gegend um Cambiestreet und Mainstreet anzuschauen. Zwischendrin viele Outdoor- und Sport- läden. Sport-Junkie ist ein A&V, wo ich notfalls meine Campingsachen loswerden kann. Am Nachmittag ist mein Auto fertig. Auf dem Kingsway habe ich einige Autohändler gesehen und halte bei ihnen um ein Angebot für mein Auto zu kriegen. Fehlanzeige, kein Interesse. Mittwoch. Der nächste Regentag. Nicht ungewöhnlich, denn ab Oktober steigt der Niederschlag in Vancouver sprunghaft an. Dafür bleibt es mäßig warm, der Rest von Kanada hat bereits Nachtfrost, wir halten uns hier wenigstens mit 5°C über Wasser. Ich schaue heute bei der Simon Fraser Uni vorbei und verteile auch dort Verkaufsanzeigen. Donnerstag. Bis zum Nachmittag bleibt es regnerisch und ich fange an Sachen zu ordnen und “auszumisten”. Als es aufhört zu regnen schaffe ich wenigstens einen kleinen Spaziergang. Freitag. Laut Wetterbericht sonnig. Im Hostel startet eine Tour mit Erik. Ein kleiner Stadtrundgang und dann raus aus Vancouver zum Capilano Canyon. Wir sind 20 Leute und haben viel Spaß, trotz wechselndem Wetter. Ein bisschen wandern, eine Lachsaufzucht besuchen und über eine der längsten Hängebrücken laufen. In 20 m Höhe auf Holzwegen durch einen Wald mit Baum- riesen laufen und zum Abschluß die äußerst beeindruckende Bibliothek von Vancouver besuchen. Bemerkenswert durch ihren Baustil, dem Kolloseum in Rom nachempfunden, und einer kostenlosen Nutzung solange man mit den Büchern im Haus bleibt. Zurück im Hostel brauche ich eine Pause, etwas zu Essen und eine Dusche bevor ich mich ins Nachtleben stürze. Die Wahl heißt “Roxy”, ein Treffer! Die Musik vom Band kommt gut und wird von einer Liveband immerwieder getoppt. Wird eine heiße Nacht bis der Club schließt. Samstag. Müde. Ich schlender durch die Läden, habe allerdings keine Kauflust. Nach wie vor habe ich das Auto und die Zeit wird langsam knapp. Ich reduziere den Verkaufspreis im Internet und auf einigen Annoncen. Heute Abend auf dem Programm: American Football. Ich habe mir ein Ticket fürs BC Stadium geholt, eine Arena für 50.000 Leute mit Tragluftdach, macht einen mächtigen Eindruck. Die BC Lions spielen an der Spitze der kanadischen Liga und so sind über 30.000 Zuschauer da. Meine Aufregung legt sich aber bald. American Football ist ganz nett anzusehen, hat aber zu viele Unterbrechungen, die werbewirksam genutzt werden. Auch die Cheerleader sind nicht der Hammer. Die Atmosphere im Stadion ist kaum mit irgendwelchen Spielen in Europa zu vergleichen, es geht eher zu wie beim Familienpicknick. Für die 60 Minuten Spielzeit gehen drei Stunden ins Land. Zzu spät für die Clubs komme ich vom Spiel zurück, vor denen sich um diese Zeit bereits lange Schlangen gebildet haben. Wenigstens gehe ich mit Daniel, einem Bekannten, ein Bierchen trinken. Sonntag. Trotz Müdigkeit stehe ich um 8.30 Uhr auf, denn bis 9.00 Uhr gibt es kostenloses Frühstück im Hostel. Danach faulenzen, schliesslich ist Sonntag. Ein Besuch in der Bibliothek und ein langer Spaziergang in der Sonne. Im Queen Elizabeth Park hat der Herbst leuchtende Farben gezaubert und ich sitze lange auf einer Bank. Am Telefon interessiert sich dann einer für mein Auto. Wir machen für den späten Nachmittag ein Treffen aus, bei dem der eingewanderte Iraner recht lustlos reagiert. Heute Abend ist mir nach Kino. Mit Daniel zusammen schaue ich mir “Open Saison” (in Deutschland: Jagdfieber) an. Echt funny, vor allem weiß ich jetzt wie nah dran das alles an der kanadischen Wirklichkeit ist. Montag. In einem Akt der Verzweiflung senke ich wiederholt den Autopreis, die Zeit drängt. Meine Campingsachen wollte auch keiner, also bringe ich sie für wenig Geld zu Sport-Junkie. Einmal auf dem Weg klappere ich erneut Autohändler ab. Wenigstens einer  bemüht sich wirklich und macht mir das Angebot das Auto richtig durchzuchecken und vielleicht 900 CAD hinzulegen. Heute Abend rufe ich noch bei der Farm in Saskatchewan an, auf der ich war und rede mit Newton. Als der hört wie preiswert mein Auto inzwischen ist zeigt er sofort Interesse und will mich morgen früh zurückrufen.

im Stanley Park                      der Yachthafen von Vancouver bei Tag...und Nacht              Die Bibliothek von Vancouver

25. und letzte Woche vom 24. zum 29. Oktober 2006:
Dienstag. Die Dinge überschlagen sich. Erst ruft beim Frühstück Newton an und sagt er nimmt das Auto. Leider etwas arbeitsreich und knapp, denn ich müsste es zu seinem Cousin nach White Rock bringen und sein Geld wäre auch erst am Freitag da. Wenigstens wäre ich so das Auto los. Eine Stunde später meldet sich Tom, ein Engländer der gerade in Kanada angekommen ist, und will den Chevy sehen. Ihm gefällt er und sagt sofort zu. Da versuche ich seit fast zwei Wochen ergebnisslos den Chevy zu verkaufen, und dann ginge es gleich zwei mal. Newton sage ich ab, zu umständlich wird mir das Ganze. Er ist nicht happy darüber, kann mich aber auch verstehen. Papierkram erledigen, alles mit der Versicherung klären, so vergeht der Tag. Mittwoch. Der nächste Regen. Ich arbeite am PC, erledige Telefonate, verkaufe meine Handykarte, tausche die “Autodollar” in Euro und bereite langsam meinen Absprung vor. Es ist wie in den letzten Tagen in Neuseeland: Körperlich bin ich noch hier und unternehme auch das eine oder andere, gedanklich bin ich aber bereits in Europa und bei weiteren Plänen. Mittwoch Abend hat das Wetter ein Einsehen und der Himmel reißt auf. Für mich ein Signal in die Stadt zu laufen und auf den Harbour Cetre Tower zu fahren. Super der Ausblick von da auf eine Stadt im letzten Dämmerschein und aufflammenden Großstadtlichtern. Donnerstag. Fühle mich gut, da nun alles erledigt ist. Heute Morgen verkaufe ich sogar mein Handy an einen Pfandleiher. Der Tag vergeht mit Packen und Sortieren. Am Abend fahre ich mit Daniel hinüber auf den West Broadway zum Mongolen. Richtig lecker, und cool dabei zuzusehen wie der Koch unser Essen auf einem riesigen heißen Stein zubereitet.
Freitag. Grau und regnerisch, wie inzwischen üblich. Ich streife durch Chinatown und Gastown auf der Suche nach kleinen Souvenirs. Fällt mir schwer, denn ich bin nicht der Shopper und das Angebot ist milde ausgedrückt ganz schön kitschig. Einziger Lichtblick: Auf dem Weg nach Hause sehe ich wie bei “The Bay” gerade eine Kollektion für Olympia 2010 ausgepackt wird. Kurz darauf bin ich im Besitz einer meines Erachtens coolen Jacke. Der Regen hat inzwischen aufgehört und ich kann mich trockenen Fußes ins Nachtleben stürzen. Naja, ich stelle mich am Red Room Club an und bin nach über einer Stunde drinn. Es wird ein eher mäßiger Abend und bereits vor 2 liege ich im Bett. Samstag. Ein kleiner Sightseeing Trip. Mit dem Skytrain fahre ich kreuz und quer durch Vancouver. Das coole dabei: Jeder der möchte kann in diesen Personalfreien Zügen auf die Position des Lokführers setzen. So erlebe ich Zugfahren ganz neu. Hätte das Wetter gehalten, wäre ich hinaus zum Grouse Mountain gefahren. Aber eben hätte, denn es trübt sich wieder mächtig ein. Also Pause im Hostel und später ein Strandspaziergang am nahen English Beach. Heutiges Nachtprogramm: ein letzter Clubbesuch. Bereits 21.00 Uhr bin ich in der Granville Street. Gott sei Dank, denn es ist Halloween. Party überall. Vor allem die Mädels geizen nicht mit seeeehhhr knappen Kostümen trotz der kühlen Temperaturen. Ein fetziger letzter Abend für mich. Sonntag. Auschecken, Gepäck in den Aufbewahrungsraum. Ich verabschiede mich bereits von meinen Bekannten hier und gehe zum letzten Mal in die Stadt. Sonnenschein, aber ein kalter Wind, der Herbst lässt grüßen. In der Bibiothek herrschen angenehme Temperaturen und ich lese mich über zwei Stunden in einem Reiseführer über Tibet fest. Mein letztes Essen wird japanisch und rechtzeitig bringt mich der Bus zum Flughafen. Einchecken mit Problemen bei BA wegen meinem Handgepäck, aber auch die werden gelöst. 20.30 Uhr. Mit Wehmut verlasse ich den kanadischen Boden und fliege die nächsten fünf Stunden die Strecke zurück, wofür ich mit dem Auto fast sechs Monate brauchte.

American Football bei den
BC Lions in Vancouver

ein letzter kanadischer Gruß vom Flughafen Vancouver