Nepal vom 7. November 2008 bis 17. Dezember 2008

Wer, so wie ich, die Berge liebt, der will irgendwann einmal in den Himalaya um den höchsten Gipfeln dieser Welt ganz nah zu sein. Mein erster Versuch ging schief, denn der geplante Besuch von Tibet im Frühjahr 2008 fiel der Grenzschliessung durch China zum Opfer. Nun also, ein halbes Jahr später, die zweite Chance, diesmal als Destination Nepal. Zwar fehlt mir noch die Trekkingerfahrung über Tage/Wochen hinweg, aber in der Vorbereitung zu dieser Reise habe ich eine körperlichen Fitness erreicht wie sie besser kaum sein könnte. Neben vielem Ausdauertraining standen da insgesamt sieben Marathons in verschie- denen Disziplinen in den letzten anderthalb Jahren auf dem Plan, was mir mir Praxis genug schien. Mal sehen ob das reicht...

Als erstes die Karte von Nepal mit meiner groben Wegskizze. Zu den Trekkinggebieten am Annapurna und am Mt. Everest gibt es später noch detaillierte Karten, um Namen und Orten auch ein Gesicht zu geben.

Willkommen in Kathmandu, Nepal

Los geht es am 7. November 2008. Mit dem Mietwagen nach Frankfurt/Main und am späten Abend der Flug mit Qatar Air nach Doha. Guter Flieger, gutes Essen, tolles Entertainment. In Doha ein paar Stunden Aufenthalt im unschönen Flughafen und dann ein verspäteter Weiterflug nach Kathmandu. Leider kommen wir dort erst nach der Dämmerung an und die Hoffnung bereits einen ersten Blick auf die Berge des Himalaya werfen zu können verschwindet im Dunkeln. Auch im Flughafen von Kathmandu ist Licht Mangelware und das scheinbar endlose Anstehen am Visaschalter nervt. Dann klappt die Abholung vom Hostel nicht und ich muss mit den einheimischen Taxifahrern ums liebe Geld feilschen. Vom Jetlag geschlaucht und leicht genervt findet sich schliesslich mein erstes Bett in diesem Land.
Die ersten Tage bleibe ich in der Hauptstadt Kathmandu. Der Kulturschock bleibt gering, trotz Menschenmassen, Dreck und Lärm. Anscheinend hat mich die Reise durch China im Frühjahr 2008 bereits abgehärtet. Was jedoch gleich auffällt:
die Stadt wurde nicht für den modernen Verkehr gebaut, und so drängen sich durch enge Gassen gleichzeitig  Motorräder, Fußgänger, hupende Autos und heilige Kühe. Ausserdem: Kathmandu zeigt sich nachts erstaunlich duster, nicht nur wegen den periodisch stattfindenden Stromabschaltungen (die Leistung der Kraftwerke reicht nur für ein paar Stadtteile, welche der Reihe nach zu- und wieder abgeschaltet werden. Die Zeiten dazu findet man in der Tagespresse), sondern auch wegen seltener Strassenbeleuchtung. Seltsam eine Großstadt derart dunkel zu erleben.

Stupa Swayambhunath, Kathmandu, in den Strassen der Stadt, Verkehrsmittel,             möchte jemand den Job tauschen? 

Mein Tagesablauf teilt sich zum einen im Sightseeing, wobei praktisch hinter jeder Ecke etwas exotisches lauert. Egal ob im positiven oder negativen Sinne. Ich besuche die bekannteste und heiligste Stupa Swayambhunath und ziehe meine Kreise um den Durbar Platz mit dem Palast dahinter. Es zeigt sich dabei ein Mix aus konservativ und rebelisch, aus arm und reich, aus historisch und High Tech. Verblüffend, verstörend und zum Nachdenken anregend. Ich mag es einfach durch die Gassen zu streifen und dabei ein ganz klein wenig die Stadt und deren Kultur in mich aufzunehmen.

am Durbar Platz                    Orte der Gottesanbetung        da noch die alten Brahmanen - da schon das moderne Nepal

Ganz nebenbei gilt es, sich um Papierkram zu kümmern. Für Nepal braucht man das TIMS, eine landesweit gültige Wander- erlaubnis. Gleich dazu besorge ich mir die Trekkingschein für die als erstes angepeilte Annapurna Runde. Beides erledigen auch Agenturen für einen - zum doppelten Preis. Allerdings entlarve ich deren Behauptungen das das zuständige NTB Büro weit ausserhalb der Stadt liegt und endlose Schlangen davor warten als Schwindelei

farbenfrohe Marktstände          verborgene Tempel in den Hinterhöfen der Stadt                  an einer Tankstelle

Am 11. November 2008 die geplante Weiterfahrt nach Pokhara. Für die 200 km bis dahin braucht der Bus mehr als sechs Stunden. Schlimme Strassen voller Schlaglöcher in der Größe von Satellitenschüsseln, viel Verkehr und eine extrem kurven- reiche Strecke machen den Verkehr langsam und durch riskante Überholmanöver überaus gefährlich. Ausgebrannte Autos und LKW Wracks am Strassenrand sind deutliche Mahnmale dafür.
Auf Empfehlung des Hostels in Kathmandu hatte ich meine Übernachtung schon reserviert und werde in Pokhara auch nicht enttäuscht. Klein, freundlich und sauber. Vom Campingausrüster nebenan leihe ich mir noch eine dicke Daunenjacke für die kalte Bergwelt - für 0,50 € am Tag. Ansonsten bummel ich durch die Gegend und sehe dabei ab und zu schon die weissen Gipfel durch die Wolken blitzen, worüber ich mich wie ein Schneekönig freue. Am letzten Abend in Pokhara bereite ich die erste wirklich grosse Wanderung meines Lebens vor und versuche den Rucksack so schlau und leicht wie möglich zu packen. Die darauffolgende Nacht war übrigens mies. Die Aufregung oder auch ungewohnte Geräusche haben mich wach gehalten.
Am Morgen des 13. November geht es richtig los. Mein überflüssiges Gepäck bleibt im Hostel, wo morgens vor 5 Uhr niemand da ist der es entgegen nimmt. Ich lasse es im Innenhof vor der Tür liegen - in zwei bis drei Wochen werde ich erfahren ob es die richtigen Leute gefunden haben...
In der Morgendämmerung wird der recht kleine Bus filmreif bis aufs Dach beladen, inklusive einiger Kajaks (?!). Es ist kein extra Bus für Touristen, so teilen wir uns den engen Raum mit vielen Einheimischen.
Gegen 11.00 Uhr endlich die Ankunft in Besisahar (790 m Höhe). Die meisten (mit dem Bus kamen ungefähr 20 Wanderer) machen erst mal Mittagspause. Ich gehöre zu den wenigen die sich den Rucksack schnappen und los laufen. Die heutige Strecke scheint eher leicht. Auf einem alten Feldweg führen 13 km nach Ngadi Bazar (900 m Höhe). Ich laufe zu Beginn mit einem Chinesen und einem Amerikaner. Es ist warm, aber erträglich, trotzdem wird es hart mit den ungewohnten 20 kg auf dem Rücken. In Ngadi Bazar treffen dann langsam alle ein die mit unserem Bus gekommen sind. Einige schlafen in der selben “Lodge” wie ich (Übernachtungspreis 1 bis 2 €) und wir knüpfen erste Kontakte. Keine Ahnung was dann passiert, aber mein Körper baut schon vor dem Essen sehr schnell ab. Symptome: Unwohlsein und Schwäche. Vielleicht war es das Essen, oder die Aufregung, oder die Anstrengung, auf jeden Fall räumt es mich im Laufe der Nacht mehrfach heftig aus. Mein Körper fühlt sich sehr schlecht an. Keineswegs gut genug um durch den Himalaya zu laufen und ich überlege ernsthaft am nächsten Tag in Richtung Pokhara umzukehren.

meine Annapurna Runde          der Bus in Pokhara                      auf dem Weg in die Berge

Am nächsten Morgen fühle ich mich zwar sehr geschwächt, doch das achtsam genossene Frühstück bleibt drin und da sich der Kämpfer in mir regt beschließe ich vorerst weiter zu machen. Vorsichtig starte ich um 7.30 Uhr und werde bald von allen anderen Wanderern überholt. Unbeeindruckt davon versuche ich den Rhythmus zu finden und auf keinen Fall zu übertreiben.
In Bahundande (1295 m Höhe) dann der erste steile Anstieg mit fast 200 Höhenmeter auf kurzer Distanz und ich bin platt. Oben eine kleine Mittagspause mit Ausblick auf ein wunderschönes Tal, welcher mich motiviert weiter zu machen. Es geht mir mal besser, mal schlechter, wobei mir vor allem die kurzen und steilen An- und Abstiege alles abverlangen. Beim Eintreffen in Chyamche (1380 m Höhe) bin ich fertig, aber glücklich es geschafft zu haben. Ich bleibe in der Lodge in der auch Bekannte von unterwegs abgestiegen sind und habe vom Balkon des Restaurants einen herrlichen Blick auf den Wasserfall gegenüber. Dann Feierabend Programm: lauwarm duschen, in warme Wohlfühlklamotten schlüpfen und vorsichtig etwas essen. Der Teller bleibt halb voll, aber der Magen behält alles. Kurz nach 20.00 Uhr liege ich im Bett und schlafe durch bis 6.00 Uhr morgens.

Manisteine am Wegrand          ein Dorf auf dem Weg             einfachste Verhältnisse           kleine Heiligtümer überall

Am nächsten Morgen fühle ich mich erneut besser und breche nach dem gehaltvollen Frühstück vor 8 Uhr auf. Gleich in der ersten Stunde steigt der Pfad steil nach Tal (1680 m Höhe) hinauf. Das tut weh und verlangt viel vom Körper. Doch danach wird es “flacher” und leichter. Bekannte sind mal vor, mal hinter mir und langsam bekomme ich das Gefühl ein normales Level zu erreichen. Die Ausblicke werden immer besser und die Fotostopps zahlreicher. Dharapani und das hässliche Bhagarchhap bleiben zurück bis die letzte Prüfung des Tages wartet. Erneut ein steiler und langer Anstieg hinauf nach Timang (2620 m Höhe), bei dem ich mich ausserdem durch eine Eselskarawane kämpfen muss. Das ist jedoch noch mehr Ansporn.
In Timang treffe ich Bekannte die eigentlich voraus sein müssten. Nun, kürzere Pausen und längere Laufzeiten die ich bereits aus den Bergen gewohnt bin haben mich wieder aufholen lassen. Eine wohlverdiente und recht heisse Eimerdusche neben der Lodge in einem kleinen Holzhaus, als Abfluss dienen die Bodendielen mit Abständen dazwischen) und dann gutes Essen mit viel heissem Tee. Aus dem Fenster sieht man schon die ersten 6000er mit ihren eisigen Gipfeln. Motivierend. Toll. Sehenswert. Als am Abend die Temperatur im Restaurant unter 10°C fällt treffen sich ein paar Gäste mit den Besitzerschwestern in der Küche am warmen Miniofen. Nach diesem Tag und diesem Abend bin ich mir sicher: ich bin drin im Trek - mit Leib und Seele!!!
Am nächsten Morgen schon vor dem Wecker um 5.45 Uhr wach. Leider geht die Sonne genau hinter den fotogenen Gipfeln auf und verhindert so tolle Fotos. Das bremst jedoch keinesfalls meinen neu erwachten Tatendrang. Gutes Frühstück und schon halb acht los laufen. Die heutige Etappe glücklicherweise vorerst nur leicht kupiert, allerdings geht das auf und ab trotzdem in die Beine. Die Landschaft schön, das Wetter so wie jeden Tag bisher mit Sonnenschein und blauem Himmel ohne Unterbrechung. Die Wanderer am Weg kennt man inzwischen und ich treffe häufig auf ein holländisches Pärchen mit ihrem Führer. Verlaufen ist allerdings fast unmöglich. Da ist nur ein Pfad und alle paar Kilometer ein Dorf in welchem einem gern weitergeholfen wird. Am Nachmittag passiere ich eine absolut riesige und praktisch spalten- und bruchfreie Felsplatte die fotogen und halb gebogen in der Nähe von Pisang “liegt”. Genial. Station mache ich in Upper Pisang (3350 m Höhe), welches steil über Lower Pisang liegt, und damit länger Sonne und mehr Ausblick bietet. Erneut treffe ich auf die Holländer in einer kleinen Lodge. Schön und irgendwie familiär. Dazu erzählt uns der Besitzer das heute Abend die örtliche Gompa auch für Fremde öffnet. Das lassen wir uns natürlich nicht entgehen und können den Tempel ganz allein für uns entdecken.

immer tiefer in den Bergen       holländische Wanderkollegen   die Felsplatte bei Pisang          Gompa in Upper Pisang

Am Morgen des 17. November schließe ich mich den Holländern und ihrem Führer an, die einen Pfad weit oberhalb der Hauptroute nehmen. Belohnt werden wir dabei mit herrlichen Blicken auf das bevorstehende Hochtal gen Westen. Atemberaubend kann ich da nur sagen. Allerdings müssen wir danach steil hinunter und kurz darauf auf dem Hauptpfad praktisch genau so wieder herauf. Zermürbend. Ein paar Pausen auf dem Weg, wobei vor allem Ngawal in Erinnerung bleibt - wegen dem Foto der alten Frau. Danach folgt ein langes auf und ab mit abwechslungsreicher Landschaft. Allerdings ist die Erleichterung trotzdem groß als ich in Braga (3680 m Höhe) eintreffe, denn inzwischen ist die Sonne bereits hinter den nahen Gipfeln verschwunden und es wird kühl. Der Ort erscheint im ersten Moment unansehnlich - bis ich die Gompa entdecke die oben zwischen den Felsen “klebt”. Eine Lodge ist schnell gefunden und das übliche Abendprogramm läuft ab. Schlafen ist inzwischen ein kleines Problem, denn der Körper rebelliert mit der Höhe. Sonst habe ich keine Symptome einer Höhenkrankheit, aber der Schlaf kommt schwer, ist flach und wird des öfteren unterbrochen wenn ich hochschrecke und kurz das Gefühl habe nicht genug Luft zu bekommen. Höchste Zeit einen Tag Pause mit Höhenakklimatisation zu verbringen.
Das geschieht am nächsten Tag, an dem ich in Braga bleibe. Faulenzen und alles mit viel Ruhe tun. Wäsche “waschen”, essen und am späten Vormittag langsam die nahen Berge rauf, mit einem Abstecher ins förmlich am Fels klebende Dorf Braga. Auf den Yakweiden in 4.200 m Höhe mache ich Pause im wärmenden Sonnenschein und kehre dann in die Lodge zurück. Das ist wichtig: dem Körper zeigen das die Luft noch dünner wird, aber dann in die “dicke“ Luft auf 3.700m zurückkehren. Soll helfen.

Blick auf Annapurna 2 und 4    das Hochtal mit Gangapurna   vom Leben gezeichnet             Gompa von Braga       

das Dorf Braga                     Nepal wie ich es mir vorstelle   Braga von oben                     selten: schlechtes Wetter

Der Morgen des 19. November beginnt grau, trüb und mit leichtem Schneeregen. Doch das kann mich nicht aufhalten, ich fühle mich ausgeruht und tatendurstig. Um 8.00 Uhr los laufen. Eine Stunde später treffe ich die Holländer in Manag, aber er sieht gar nicht gut aus und sie bleiben wenigstens noch einen Tag zur Akklimatisation. Kurz danach wird das Wetter besser und die Wolken reißen auf. Spektakuläre Sichten die ein normaler Fotoapparat nicht wirklich gut wiedergeben kann. Mit gleichbleibend gutem Tempo laufe ich durch Gruppen und vorbei an Einzelnen, Meter für Meter höher. Schon am frühen Nachmittag in Leddar (4.200 m Höhe). Das reicht für heute. Ich genieße noch die Sonne, warte auf Bekannte und schmiede einen waghalsigen Plan für morgen. Am Abend wird es schnell kühl und der Wind pfeift durch die Ritzen. Gut das ich so einen tollen Schlafsack habe, denn frieren in der Nacht würde hier oben den Körper komplett auszehren.
Am 20. November klingelt der Wecker um 3.30 Uhr. Kein Problem aufzustehen, mein Schlaf ist durch die Höhe so wie so flach und nur etappenweise möglich. Allein mache ich mich auf den Weg. Es ist so kalt das mein Wasser bald in der Fasche gefriert. Sorgen mache ich mir keine, auch wenn in der Stille die Augen der Tiere am Wegesrand im Schein der Kopflampe aufleuchten. Sind nur Pferde und Yaks - hoffe ich zumindest. Gegen 6.00 Uhr durch Thorung Phedi (4.520 m Höhe), wo eben die ersten los laufen. Nun geht es steil bergan, aber ich habe bereits meinen Rhythmus und lasse bald alle hinter mir. Kurz nach 7.00 Uhr schon im High Camp, das ist schneller als geplant. Ein herzhaftes, vergleichsweise teures Frühstück und noch bevor der Körper auskühlt weiter. Die Sonne kommt raus, wärmt aber nur mäßig. Bewuchs ist keiner mehr zu sehen, aber ich bin auch über 5.000 m angelangt. Noch nie zuvor war ich so weit oben, und der Körper beginnt seinen Tribut zu fordern. Für jeden Schritt brauche ich einen Atemzug, das Gefühl für Zeit wird relativ und praktisch alle 30 m Höhenzuwachs wird eine Verschnaufpause notwendig. Das Gehirn beginnt unter der dünnen Luft zu leiden und ich fange an mir selbst zu erzählen wer ich bin, wo ich wohne und löse Matheaufgaben um sicherzustellen das ich noch da bin. Eine irre Erfahrung muss ich sagen!!!
Dann taucht der Thorung La Pass (5.419 m Höhe) vor mir auf und ich fühle mich wie ein Schiffbrüchiger der Land sieht. Was für ein Glücksgefühl da oben zu stehen. Keine Ahnung wie spät es ist, meine Uhr ist ausgefallen. Fotos, eine Tasse Tee im kleinen Schuppen am Pass und bald weiter. Von nun an fällt der Pfad ins Bodenlose. Die Landschaft karg und selbst weiter unten kaum Bewuchs - es ist die Regenschattenseite des Himalaya. Bei einer Pause auf 4.200 m schlafe ich fast ein, rappel mich aber wieder auf. Am Nachmittag Ankunft in Muktinath (3.760 m Höhe), den Rucksack von den Schultern und ausruhen. Das war die bisher härteste Etappe in Nepal mit vielen Höhenmetern, aber ich bin richtig glücklich.

Thorung La - es ist geschafft  Blick auf Jarkhot                    karge Landschaft                  unendliche Steinwüste

Am nächsten Morgen fühle ich mich trotz des gestrigen Tages fit und breche gegen 8.00 Uhr auf. Die Landschaft nun karg und trocken, aber auch das hat was. Bergab komme ich gut voran und überhole einige Gruppen samt ihren Trägern. Ohne eine Uhrzeit kann ich allerdings mein Vorankommen nur schätzen. Bald taucht unter mir die Oase Kagbeni (2.850 m Höhe) auf, ein wohltuend farbiger Tupfer in der Landschaft. Danach führt der Weg im fast ausgetrockneten Flussbett hinunter, was nach Ekla Bhatti zur Tortur wird. Schutzlos dem stürmischen Wind ausgesetzt quälen sich alle über runde und faust- bis fußball- große Steine weiter. Jeder sucht Schutz hinter dem anderen um nicht “sandgestrahlt” zu werden. Die Ankunft in Jomsom (2.760 m Höhe) wie eine Erlösung. Um einen langweiligen Abschnitt zu verkürzen will ich bis Tatopani mit dem Jeep fahren. Den finde ich auch, allerdings wird erst gestartet wenn er voll ist. Also bleibe ich in Sichtweite, wobei ich sogar eine Batterie für meine Uhr finde - kleines Glück auf großem Trek. Gegen 14.30 Uhr plötzlich Trubel und wenig später quetschen sich mehr als 20 Leute mit Gepäck in und auf den Jeep. Da bleibt kaum Luft zum Atmen. Auf alten Feldwegen rütteln wir uns dann nach  Süden. Leute steigen ein und aus, und langsam nervt die enge Sitzerei. Südlich von Ghasa ist plötzlich Schluss. Alle raus, auch wenn Tatopani noch 10 km weit weg ist. Die Erklärung rund einen Kilometer weiter: ein Erdrutsch hat die halbe Strasse verschüttet. Dahinter eine Jeepstation in der die Touristen (5 Russen und ich) übernachten sollen, aber die sagt mir gar nicht zu. Als einziger laufe ich weiter und brauche bei einbrechender Dunkelheit bald die Stirnlampe. Dabei laufen Einheimische mal hinter, mal vor mir. Da wird mir bewusst welches Risiko ich eingehe: Unter mir eine steile Schlucht mit brüllendem Fluss und ich allein. Auch wenn ich kräftiger und größer bin als die Nepali, gegen drei von ihnen hätte ich keine Chance. Mulmiges Gefühl, welches wächst als einer von ihnen immer öfter in meiner Nähe bleibt. Dazu spricht er öfters in so etwas wie ein Funkgerät. Oh Mann, in welches Abenteuer bin ich da wieder rein geraten. Die Aufklärung folgt eine halbe Stunde später: der gute Mann hat in Tatopani beim Militär “angerufen” und für uns eine Abholung per Jeep organisiert, weil er der Meinung war das ich sonst nicht sicher bin. Erklärt hat mir das der englisch sprechende Soldat im Jeep, denn mein Begleiter konnte nur nepalesisch. Was habe ich ihm bei unserem Abschied in Tatopani gedankt... Dieser abenteuerliche Tag ging in der erst besten Lodge in Tatopani (1.230 m Höhe) zu Ende, wo ich nur noch müde ins Bett sinke.
Tags darauf eine wohlverdiente Ruhepause samt dem Schmieden eines neuen Planes.
Am 23. November 2008 hätte ich gemütlich weiter nach Beni und Baglung laufen können wo für mich die Umrundung des Annapurna Massivs mit der Busfahrt nach Pokhara beendet gewesen wäre. Doch ich will mehr! Inzwischen kann ich meine Fitness gut einschätzen und ausspielen. Mit guten Rhythmus geht es heute den ganzen Tag nur bergan. Über Sikha (1.930 m Höhe) weiter hinauf. Der alte Pfad führt durch teils märchenhaften Wald und viele kleine Dörfer. Das Wetter ist toll, die Sicht fantastisch. Auch wenn der Körper manchmal schmerzt, geht es immer weiter. 14.00 Uhr Ankunft in Ghorepani (2.840m Höhe) Gepäck abstellen und gleich hinauf auf den Poon Hill (3.190 m Höhe), von dem aus man einen wunderbaren Panoramablick auf Annapurna (8091m, 10. höchster der Welt) und Dhaulagiri (8.172m, 7. höchster der Welt) haben soll. Das klappt mit durch- ziehenden Wolken nur teilweise, aber ich habe diese Momente da oben ganz für mich ohne einen anderen Wanderer. Genial.

unser Jeep in Jomsom             uralte Pfade hinauf nach Ghorepani durch Märchenwald          enges Tal hinauf nach Deurali

Der nächste Tag beginnt sehr neblig und trüb, weswegen ich an einer Kreuzung falsch abbiege und eine große Schleife um Ghorepani laufe bis ich wieder auf dem richtigen Weg bin. Danach das übliche Himalaya Programm: nach einem Bergrücken steil eine halbe Stunde nach unten, dann über eine kleine Brücke auf die andere Seite des derzeit kleinen Baches/Flusses und wieder eine Stunde steil bergauf bis zum nächsten Bergrücken. Das Ganze dann immer und immer wieder. Kein Höhengewinn, aber viele, viele Höhenmeter. Ausblicke sind heute selten, zu neblig und zu waldig. Immerhin schaffe ich es bis Chomrong (2.150 m Höhe). Dort reißt am nächsten Morgen die Wolkendecke nach dem Frühstück auf und gibt den Blick frei auf das enge Tal hinauf zum Annapurna. Für den Rest des Tages bleiben die Ausblicke dann allerdings auf die steilen Talwände beschränkt und der Abschnitt bis Deurali (3.160 m Höhe) kaum erwähnenswert.
Am 26. November schon morgens blauer Himmel, allerdings schafft es die Sonne erst nach 10 Uhr ins enge Hochtal. Bei 5°C laufe ich sehr gemütlich 8.00 Uhr los, denn meine heutige Strecke ist recht kurz. Das Wetter bleibt super und nach dem MBC (Machhhapuchhre Base Camp, 3.680 m Höhe) beginnt der phantastisch schöne Teil. Ich laufe wie in ein gigantisches Amphitheater und die eisigen Gipfel schließen sich wie eine Wand um mich. Unbeschreiblich schön. Schon nach 11.00 Uhr bin ich im ABC (Annapurna Base Camp, 4.130 m Höhe). Die Welt ist still hier oben und nur wenige Wanderer anwesend. Der Rest des Tages ist purer Genuss. In der Sonne sitzen, herumspazieren und die Schönheit des Himalaya genießen. Am Abend taucht dann die Sonne mit ihren letzten Strahlen alles in ein surreales Licht. Die Temperatur fällt schnell unter -10°C und wir treffen uns im Restaurant, wo ein Kerosinbrenner unter dem Tisch die einzige Heizquelle ist. Doch die Truppe passt und unsere Köche geben ihr bestes. Mein Plan ist aufgegangen, all die Anstrengungen der letzten Tage sind vergessen und mein Geist wie auch mein Blick sind so klar wie der Sternenhimmel mit seinen Millionen von Lichtern über mir.   

Ankunft im ABC                     die Lodge mit Blick auf den Annapurna I (8.091m)                 der Machhapuchhre

Pflanze am Wegesrand           Restaurant in der Lodge          Küche in der Lodge                der Machhapuchhre am Abend

27. November - mein Geburtstag. Der Wecker um 6.00 Uhr morgens weil ich den Sonnenaufgang über den Bergen erleben möchte. Und der wird meinem Ehrentag mehr als gerecht. Danach frühstücken, packen und 8.00 Uhr das ABC verlassen. Heute geht es anfangs fast nur bergab, was gefährlich ist weil die Steine überfroren und rutschig sind. Aber ich komme unfallfrei durch und passiere Deurali, Dovan und Bamboo. Gegen Nachmittag der schwere und steile Schlussanstieg nach Chomrong mit gezählten 2.000 mehr oder minder hohen Stufen, wo ich in der bekannten Lodge absteige. Tags darauf der Weg zurück in die Zivilisation. Hinter Chomrong fällt der Weg ins Bodenlose. Auf steilen Pfade und Treppen steige ich in einer Stunde über 900 Meter hinab. Die Vegetation wird wieder grüner und die Landwirtschaft mit ihrem Terrassenanbau häufiger, wobei sich einige Felder wohl über mehrere Vegetationszonen erstrecken. Die Temperaturen steigen auch und ich lege Schicht für Schicht meiner Sachen ab. Nach New Bridge (1.460 m Höhe) steigt der Weg wieder an, aber ich fange an zu kämpfen. In Landruk herrliche Blicke zurück auf die Berge aus denen ich gerade komme und in Tolka (1.800 m Höhe) Mittagspause. Danach muss ich noch ein letztes Mal rauf auf 2.100 m bevor viele, viele Stufen hinunter nach Phedi (1.180 m Höhe) führen. Am Nachmittag stehe ich dort an der Strasse und halte einfach ein Sammeltaxi an, welches mich nach Pokhara bringt. Das Guesthouse in dem ich vor 16 Tagen war ist ausgebucht (aber mein zurückgelassenes Gepäck noch da!!!!), doch der Besitzer bringt mich zu einem befreundeten Hotel. Das ist sogar noch besser, mit Bad(ewanne) und TV für 10$ die Nacht.
Während zwei Tagen Pause und Ruhe in Pokhara kann ich zurückschauen auf tolles Trekking im höchsten Gebirge der Welt. Das waren grob geschätzt in 16 Tagen um die 250 km mit mehr als 25.000 Höhenmetern!!! Unglaublich und fantastisch. Der Blick in den Spiegel zeigt das der Körper dafür Tribut zu zahlen hatte, denn da fehlen ein paar Kilo, aber ich fühle mich großartig bis in die letzte Faser meines Körpers. Das Training und die Marathons der letzten Jahre haben sich definitiv gelohnt.

   Stillleben bei Ghorepani            Terrassenfelder ohne Ende      schönes Farbenspiel

Kalender mit nepalesischen Zahlen, verwirrend, weshalb man bei jedem Geldschein/-stück zwei Mal schaut ob alles stimmt

Blick von Landruk in die Berge   mein Hotel in Pokhara              Busfahrt nach Kathmandu

Noch während dem Aufenthalt in Pokhara organisiere ich die Kurzstreckenflüge von Kathmandu und die Verlängerung meines Visas (man bekommt bei der ersten Einreise nur vier Wochen genehmigt). Dabei lerne ich zwei Frauen aus Deutschland kennen, die mir Monate später mitten im Hinterland von Laos wieder über den Weg laufen. Zufälle gibt es...
Am 1. Dezember die Busfahrt nach Kathmandu. Wieder eine lange und zermürbende Fahrt. Ein Hotel dort ist schnell gefunden. Nichts großartiges, aber ich will nur eine Nacht bleiben. Am nächsten Morgen soll mein nächstes Abenteuer beginnen. Weil es  am Annapurna dann doch so gut lief und das Wetter trotz nahendem Winter noch fantastisch ist wage ich einen Abstecher zum Mt Everest. Also habe ich einen Flug nach Lukla gebucht, dem Ausgangspunkt für die Everest Region. Leider warte ich so wie viele andere an diesem Morgen vergebens am Flughafen, denn wegen schlechter Sicht in Lukla werden alle Flüge verschoben, weiter verschoben und letztlich gegen 13.00 Uhr für den Tag abgesagt. Also mit langem Gesicht wieder mit dem Taxi in die Stadt und ins gestrige Hotel. Am 3. Dezember 2008 das gleiche Spielchen. 5.00 Uhr aufstehen und 6.30 Uhr am Flughafen, wo erneut die Flüge verschoben werden. Doch 8.30 Uhr gibt es grünes Licht und es wird im 20 Minuten Rhythmus gestartet. Es ist eine kleine Maschine, nur je eine Sitzreihe - aber mit Stewardess. Schon kurz nach dem Start gibt es Druck auf die Ohren: die Maschine hat keinen Druckausgleich. Dafür zieht unter uns eine tolle Landschaft dahin und am Horizont leuchten weiße Gipfel. Keine halbe Stunde später Landeanflug in Lukla. Jetzt wird mir klar warum das einer der gefährlichsten  Landeplätze der Welt ist. Wir überfliegen nur knapp einen Gipfelgrat und sinken dann schnell nach unten, wobei die Landebahn voraus mitten im Berg zu sehen ist. Sie steigt leicht an und endet abrupt an der Felswand dahinter. Puh, da bekommt selbst ein Vielflieger feuchte Hände - aber alles geht gut. Landen, aussteigen, Gepäck raus, neues Gepäck rein, neue Gäste rein und schon ist der Flieger wieder weg.

im Flieger nach Lukla              die Landschaft unter uns...      ...und am Horizont                Landebahn in Lukla

Schon im Flughafen hatte ich den Deutschen Gerhard kennen gelernt und laufe nun mit ihm los. Zuvor leihe ich mir in Lukla (2,840 m Höhe) noch eine Daunenjacke, was schwerer fällt als angenommen. Bald wird klar das meine Fitness ein ganzes Stück über der von Gerhard liegt, aber den ersten Tag passe ich mich ihm an. Der breite Weg steigt langsam an und macht mir wenig Mühe. In Phakding eine kleine Mittagspause bevor wir bis Monjo (2.840 m Höhe) weiter laufen. Die Lodge dort ist Gerhard bekannt und wir bleiben über Nacht. Die Übernachtungspreise sind wie am Annapurna bei 1€, allerdings kostet das Essen fast das dreifache. Verständlich wenn man sich überlegt das alles in Lukla bereits einige Tagesmärsche über die Berge hinter sich hat, näher kommt nämlich keine Strasse heran.
Am nächsten Morgen laufe ich allein weiter und stehe bald am Eingang des Sagarmatha Nationalparkes, der die ganze Everest Region umfasst. Die TIMS Karte vorweisen und 10 € Eintritt zahlen, was wohl nicht mehr lange so günstig bleiben wird. Danach geht es vorbei an Dörfchen und ganz anderen Maniwänden als am Annapurna. Schliesslich überspannt vor mir die Hillary Brücke eine tiefe Schlucht. Sie ist eine Spende von Sir Edmund Hillary und erspart eine Menge Auf- und Abstieg. Gleich dahinter warten 600 Höhenmeter steil hinauf nach Namche Bazar. Ich finde meinen Rhythmus und komme gut voran. Bei einer Pause weisst mich eine alte Orangenverkäuferin auf zwei ferne Berggipfel zwischen den Bäumen hin: Mt. Everest und Lhotse.
Schon am späten Vormittag erreiche ich Namche Bazar (3.440 m Höhe). Etwas einkaufen, kurze Pause und weiter. Das Wetter ist wieder herrlich und mit jedem Schritt werden die Ausblicke spektakulärer.  

meine Trekkingroute am Everest   Besucherzahlen im Nationalpark        Maniwände                  links: Everest und Lhotse        

Nach Namche Bazar bleibt es vorerst bei einem leichten auf und ab, für mich sehr angenehm zu laufen. Das Trekking am Annapurna zahlt sich schon jetzt für mich aus. Was schnell auffällt: die Leute sind hier ein ganzes Stück unfreundlicher und ich fühle mich nicht wirklich willkommen. Kaum noch ein Namaste (nepalesischer Gruß). Liegt vielleicht am anderen Menschen- schlag oder aber an Touristenmüdigkeit der Einheimischen. Auf dem Foto sieht man die monatlichen Besucherzahlen OHNE Träger und offiziellen Expeditionen. Wie man sieht kamen im Oktober 2008 die Rekordzahl von über 9.000 Touristen! Weil alle mehr oder weniger auf dem selben Weg wieder raus müssen, verdoppelt sich die gefühlte Zahl. Kein gutes Omen für die fragile Umwelt des hohen Himalaya.
Für mich folgt weiter das Tal hinauf zuerst ein langer Abstieg hinunter nach Phungi Thanga, dort über den Fluss und danach erneut sehr steil 700 Meter hinauf nach Tengboche (3.860 m Höhe). Dieses Dorf liegt genial am Fuße der Berge, Everest und Lhotse sind zu sehen und es gibt ein großes örtliches Kloster. Genug Fotomotive für den Rest des Tages und ich verspüre ein nicht enden wollendes Glücksgefühl. Anscheinend gelingt im Moment alles bis zur Perfektion. So kann es weiter gehen.

der Weg nach Tengboche       der Blick in verborgene Seitentäler, den Bergen so nah           Dorfeingang Tengboche

Tengboche und Ama Dablam     das Kloster Tengboche           auch von innen                     und wieder: Everest und Lhotse

Freitag, der 5. Dezember 2008: die Temperatur im Zimmer liegt nur knapp über 0°C, da fällt es schwer aus dem warmen Schlafsack zu kommen. Das Frühstück hilft dem Körper aber auf die Beine. In der Kälte langsam gegen 8.00 Uhr los. Immerhin wärmt die Sonne ein wenig und ich kann bald ein paar Sachen ablegen. Gemütlich erreiche ich eine Stunde später Pengboche und bin 11.00 Uhr in Orsho, wo eine längere Pause folgt. Die Gegend wird mit der Höhe immer karger und felsiger und im Schatten hält sich auch tagsüber Eis. Schon am späten Mittag in Dingboche (4.410m Höhe), meinem heutigen Tagesziel. Im Reiseführer stehen nur drei Lodges, aber inzwischen gibt es im Dorf wohl fast zwanzig. Ich steige in der Sherpa Lodge ab, esse zu Mittag und steige später noch auf einen Seitengrat bis auf über 4.600 m. Höhenakklimatisation. Am Abend wird klar wie wenig Wanderer in Dengboche sind. Nur hier und da brennt Licht (“brennt” bedeutet 2 Sparlampen in einem Raum von 30m²) und auch in meiner Lodge schläft nur eine Slowenin mit Guide und Träger. Nachts holt mich zum ersten Mal seit ich in der Everest Region bin der leichte Schlaf in der Höhe ein. Unangenehm, aber ich kann damit leben.

bei Pengboche                      eiskalt, auch tagsüber           Dengboche                          Dengboche von “oben”

Am nächsten Morgen bleibt mein Gepäck in der Lodge und ich breche nur mit einem Tagesrucksack auf. Welch eine Erholung für Rücken und Schulter. Allerdings ist dafür heute der Untergrund anspruchsvoll. In einem fast trockenen Flussbett führt der Pfad über viele Steine, was das Laufen schwierig macht. Dazu weht ein kräftiger Wind bei erneut strahlend blauem Himmel. Hinter Chukung steigt der Pfad an und ich bin bald über 5.000 Meter Höhe. Der Wind wird immer deutlicher spürbar und der Untergrund noch schwieriger. Bei 5.300 Meter folgt noch eine wüste Kletterei über Steine und Schieferbruch, die steilen Abhänge vom Hauptgrat gleich links und rechts von mir. 12.15 Uhr ist es vollbracht: ich stehe auf dem kleinen Gipfel des Chukung Ri (5.440 m Höhe). Schwer, dem stürmischen Wind zu entfliehen, aber dieser Ausblick lässt mich vieles ertragen. Der 360° Rundumblick zeigt mehr als ein Dutzend Eisgipfel und Richtung Norden baut sich ganz nah die wohl 3.000 Meter hohe Südflanke des Lhotse/Nuptse anscheinend unbezwingbar vor mir auf. Ein Anblick zum Niederknien, der mir zeigt wie klein und unbedeutend wir sind. Trotz Kälte und Wind bleibe ich noch eine Weile da oben bevor ich mich schweren Herzens auf den gefährlichen Abstieg begebe. Auf halber Höhe treffe ich noch einen Sachsen - das ist ein Ding, oder? Mehr Leute sehe ich nicht, also waren wir wohl heute die einzigen beiden auf dem Chukung Ri. Am Abend treffe ich ihn noch mit seiner Freundin in einer Lodge zum Erfahrungsaustausch. Ansonsten wird es zunehmend stiller in den Bergen, der harte Winter steht vor der Tür

bei Dengboche                      Blick vom Chukung Ri             ich auf dem Chukung Ri           Südwand des Lhotse/Nuptse

Am Sonntag packe ich mir wieder das ganze Gepäck auf den Rücken und ziehe weiter. Es ist erneut ein strahlend schöner Tag der mit sehr niedrigen Temperaturen beginnt. Erst beim Laufen wird der Körper richtig warm und ich kann bald Handschuhe und dicke Daunenjacke ablegen. In Thogla am Vormittag eine Pause bevor es hinauf zum kleinen Thogla Pass geht, der mit vielen Steinmännchen bestückt ist, das Werk der vielen Wanderer. Zu sehen ist davon heute kaum jemand und bis auf eine kleine Yakkarawane sehe ich nur wenige. Schon 13.00 Uhr erreiche ich mein Tagesziel Lobuche (4.930 m Höhe) und mache Mittagspause. Am Nachmittag erklimme ich noch ein klein wenig den Lobuche, allerdings “nur” bis 5.200 Meter. Die Ausblicke erneut atemberaubend, vor allem der nahe Khumbu Gletscher und der Nuptse (7.861 m) mit seinem Massiv genau gegenüber beeindruckt. Den Blick auf ihn habe ich noch den ganzen Abend aus der Lodge heraus. Stimmungsvoll wie die letzten Sonnenstarehlen ihn in rotes Licht tauchen. Vor dem Abendessen noch Katzenwäsche mit einer Schüssel lauwarmen Wassers - nach fünf Tagen war das mal wieder höchste Zeit.  

Steinmännchen überall            Sommerhaus???                     Versorgungskarawane             der Nuptse im Abendlicht

Am nächsten Morgen breche ich mit dem Nötigsten im Tagesrucksack auf. Der Himmel zeigt sich spektakulär mit schnell durchziehenden Wolken am sonst tiefblauen Himmel. Ich steige von Lobuche weiter auf und bin 9.00 Uhr in Gorak Shep. Gleich dahinter beginnt der Aufstieg zum Kala Pattar, der im Vergleich zu den Gipfeln ringsum wie ein Hügel aussieht. Einer allerdings der es in sich hat. Erneut brauche ich zum Schluss einen Atemzug pro Schritt bis ich auf 5.545 Meter Höhe ganz oben stehe. Die Aussicht: Unter mir der gewaltige Khumbu Gletscher wie ein Fluss aus Eis und dahinter das Everest Massiv mit seinem, so scheint es, fast greifbarem Gipfel. Per Luftlinie trennen mich weniger als 10 km vom höchsten Punkt der Welt - das ist doch was!!! Leider zogen immer mehr Wolken auf und die Spitze des Berges verschwindet zeitweise in einer Sturmwolke. Das bleibt so und ich ziehe langsam weiter. Quer Feld ein kreuze ich Geröllhalden, Felsstürze und Erdrutsche um eine Abkürzung zum Khumbu Gletscher zu schaffen. Auf ihm laufe ich in Richtung Everest Base Camp, was durch Eisblöcke und Spalten zu einer Wegsuche durchs Labyrinth wird. Das Wetter trübt sich dabei leider immer weiter ein, was mir so weit oben im Himalaya nicht ganz geheuer ist. Da meldet sich die Vernunft in mir und ich kehre lieber um. Das wurde allerdings noch ein hartes Stück Weg zurück nach Lobuche,wo ich am Nachmittag ziemlich erschöpft und erledigt eintreffe. 

bei Lobuche                        morgendliches Wolkenspektakel   Everest und Khumbu Gletscher        bei Phortse

Dienstag, 9. Dezember 2008: mein längster Tag, was am Morgen noch niemand wusste. Es ist wieder kalt, drinnen wie draussen, was langsam mürbe macht. Der Himmel strahlt wolkenlos, aber ich verwerfe die Idee noch einmal zum Kala Pattar und Everest Base Camp zu laufen. Statt dessen breche ich 8.00 Uhr mit dem kompletten Gepäck zum Abstieg auf. Unterwegs wasche ich ein paar Sachen im Bach und hänge sie zum Trocknen an den Rucksack - so macht man das hier oben. Trotz schwierigem Gelände komme ich ausgesprochen gut voran. 9.00 Uhr Thogla, 11.00 Uhr in Shomawe und kurz nach 12.00 Uhr in Pangboche. Danach ein zermürbendes auf und ab wobei die Sicht auf die nahen Berge wie auch die tief eingeschnittenen Täler immer wieder motivieren. 14.00 Uhr Ankunft in Phortse (3.800 m Höhe). Eigentlich war das mein heutiges Ziel, aber das Dorf sagt mir gar nicht zu. Spontan treffe ich eine folgenschwere Entscheidung und laufe weiter in Richtung Gokyo. Kein einfacher Weg, aber ich fühle mich fit. 15.30 Uhr in Thare, aber das Dorf besteht nur aus wenigen Hütten, ist verlassen und verriegelt. Das selbe eine Stunde später in Thore, wahrscheinlich dem nahen Winter geschuldet. Langsam werde ich nervös, denn in einer Stunde geht die Sonne unter. Zurück nach Phortse? Das dauert auch zweieinhalb Stunden. Ich pokere hoch und laufe weiter. Bei schnell sinkenden Temperaturen Stück für Stück die dicken Sachen anlegen und Wasser sparen, denn es gibt keine Auffüllmöglichkeit. Bei schwindendem Licht finde ich die notwendige Brücke über den Fluss. Das ist wichtig, denn im dunkeln ist der Pfad zwischen den hell gewaschenen Steinen schnell verschwunden. Dann das Licht eines Hauses, aber das sind nur Bauern die mich nicht verstehen. Wenigstens geben sie mir abgekochtes Wasser und weisen mir den Weg. Im letzten Dämmerlicht über eine zweite Brücke und danach einen langen Anstieg rauf. Glück im Unglück: der Mond strahlt hell und hilft mir. Oben erscheint ein Pfad und ich muss mich entscheiden: links oder rechts? Ich laufe nach links und hoffe nach jeder Wegbiegung auf die Lichter eines Dorfes. Es dauert noch einige Kurven und ein ganzes Stück bis vor mir Machhermo (4.470 m Höhe) auftaucht. Was für eine Erleichterung!!! In der Lodge können sie es gar nicht glauben das ich von Lobuche bis hier her an einem Tag gekommen bin und praktisch “mitten” in der Nacht (ca. 20 Uhr) auftauche. Wohlwollend kocht man mir noch zwei Hauptgänge die ich mit einer riesigen Kanne Tee verdrücke. Was für ein Tag, was für eine Erfahrung!!!
Tags darauf laufe ich nach dem Frühstück Richtung Norden den Weg ein Stück zurück den ich gestern gekommen bin. Sieht im Tageslicht ganz anders aus. Als es in die ersten Anstiege geht merke ich das mir der Tag gestern noch in den Knochen steckt. Aber der Weg ist heute nicht all zu weit und das Wetter (auch wenn es langsam langweilig wird) zeigt sich von seiner besten Seite. Ich komme heute an mehreren Seen vorbei, wobei der erste klein, der zweite ansehnlich und der dritte außerordentlich schön ist. Mit ihm erreiche ich auch mein nächstes Lager, Gokyo (4.790 m Höhe). Ich finde schnell ein kleines Guesthouse und mache pünktlich 12.00 Uhr Mittagspause. Danach den kleinen Rucksack nehmen und los. Gleich hinter dem Dorf führt ein schmaler Pfad hinauf auf den Hausberg Gokyo Ri (5.360 m Höhe). Der Aufstieg ist anstrengend, aber mit einem guten Rhythmus in anderthalb Stunden zu schaffen. Trotz kleiner Möglichkeiten verwehre ich mir den Blick nach rechts und warte auf den Gipfel. Oben angelangt schaue ich hinunter auf Gokyo und seinen See. Und dann schaue ich nach Osten: WAS FÜR EIN ANBLICK. Klar und majestätisch ragt der Gipfel des Mt. Everest aus dem Massiv hervor. Groß und mächtig thront er über allem ringsum. Dieser Ausblick ist um einiges besser als am Kala Pattar und überglücklich vergesse ich all die Anstrengungen des gestrigen Tages. Dafür hier oben zu stehen und diesen Blick zu genießen hat sich das alles mehr als gelohnt. Ganz nebenbei zeigt der Blick nach Norden den Cho Oyu (8.188 m), den 6. höchsten Berg der Welt. Nach einem langen Fotoshooting zwinge ich mich doch den Gipfel wieder zu verlassen, der mir die ganze Zeit ganz allein gehört hat, die späte Saison zeigt ihre Vorteile...

Blick auf Gokyo                      der Mt. Everest in seiner ganzen Schönheit                          Lutz, nah bei den Göttern

Mit dem ungeplanten Abstecher nach Gokyo ist mein Plan für die Everest Region mehr als erfüllt und es wird Zeit für mich wieder in wärmere Regionen zu kommen. Am Morgen des 11. Dezember breche ich in Richtung Süden auf. Der Blick geht an diesem Tag jedoch oft zurück zu den höchsten Gipfeln der Welt. Die sind von hohen Wolken gekrönt und es war gestern wohl der ideale Zeitpunkt für das Staunen auf dem Gokyo Ri. Es ist so kalt das Seen, Bäche und auch kleine Wasserfälle mit Eis überzogen sind und trotz Sonnenschein lege ich erst spät die warmen Sachen ab. 10.00 Uhr in Machhermo, 11.00 Uhr in Kele. Bergab geht es eben schneller. Zwischendrin ein fotogenes Dorf. Zwar verlassen, aber die alten Steinhütten und -mauern haben etwas. Kleine Pässe mit Gebetsfahnen und bald der Blick auf Phortse - weit entfernt auf der anderen Seite des Tales. Als Krönung begegnet mir noch ein wildes und weißes Yak. Ich nehme das als Zeichen das die “Götter” der Berge mir wohl gesonnen waren. Und das waren sie auf jeden Fall! Am Nachmittag taucht Khumjung (3.780 m Höhe) auf, ehemalige Hauptstadt der Sherpa, eine überraschend weitläufige Siedlung. Ich bleibe in einer Lodge direkt im Zentrum. Dort gibt es für mich die erste warme Dusche seit Kathmandu - lieber nicht die Tage nachrechnen... Mit dem letzten Tageslicht noch einmal hinaus auf einen Hügel. Zum letzten Mal lässt die Sonne für mich die Gipfel von Lhotse und Everest rot erglühen während sich Richtung Tal die Wolken Stück für Stück die Berge hoch kämpfen. Ein würdiger letzter Abend mitten im Himalaya.

Blick zurück zum Cho Oyu         altes Dörfchen                      “mein” weißes Yak                  Blick nach Phortse

Tags darauf grüßt schon eine Stunde nach dem Aufbruch der Kessel von Namche Bazar. Schnell hindurch und dann die steilen Serpentinen nach unten. Es herrscht viel Betrieb und Träger wie Eselskarawanen bahnen sich ihren Weg hinauf. So einen Trubel bin ich gar nicht mehr gewohnt. 11.00 Uhr verlasse ich mit Monjo den Sagarmatha Nationalpark. Später noch eine Mittagspause in Toktok. Danach wird es immer schwerer, mein Körper ist aufgebraucht und pfeift auf dem letzten Loch. 14.30 Uhr taucht Lukla vor mir auf: Geschafft! Es zieht sich bereits zu und der Nebel macht alles trüb und ungemütlich. Gleich hin zu Agni-Air, wo ich mein Ticket für den Flug einen Tag früher tauschen kann - wenn denn geflogen wird. Noch die geliehene Daunenjacke in den Laden zurückbringen und zum Abendessen ein Sherpa Stew Eintopf genießen. 

bald ist Weihnachten ;-)          Namche Bazar                      Versorgungskarawanen           der “Flughafen” in Lukla

Am 13.Dezember um 5.45 Uhr aufstehen, Bekannte wecken und gleich zum Flugplatz wo ich dreissig Minuten später der erste bin, noch nicht mal Personal ist in diesem kargen Raum. Verblüffend: ich treffe Leute wieder die ich 10 Tage nicht gesehen habe, die aber erneut mit mir im selbem Flieger sitzen. 7.30 Uhr startet unsere Maschine. Das heißt: mit der Felswand im Rücken und angezogener Bremse Vollgas geben, Bremse lösen und den abschüssigen Hügel hinunterrauschen. Bremsen wäre dann sinnlos, denn am Ende der Bahn wartet der Abgrund. Ich bin wohl nicht der Einzige der bei dem Gedanken daran feuchte Hände bekommt... Aber es geht natürlich alles gut und wir landen bereits 8.00 Uhr in Kathmandu. Dort teile ich mir mit Flug- kollegen ein Taxi in den Stadtteil Thamel, wo ich mir in bekannter Umgebung eine Unterkunft suche. Das Tibet Peace Guest House hat im obersten Stock ein Zimmer frei. Das bedeutet mehr Licht und keine Leute die im Stockwerk darüber lärmen.

in den Strassen von Kathmandu, ein vielfältiges und buntes Angebot, und so manch versteckter Tempel in den Gassen

In den nächsten Tagen bleibe ich in Kathmandu. Es fällt mir schwer mich wieder an den Trubel und die Menschenmassen zu gewöhnen. Die Zeiten am Annapurna und vor allem am Mt. Everest waren dazu im Vergleich himmlisch ruhig. Auch vermisse ich die klare und frische Luft, ganz zu schweigen von den Ausblicken. Nichts desto Trotz tun mir die Tage des Müßiggangs gut. Die vielen Kilometer in den Bergen haben das letzte Gramm Fett am Körper in Muskel umgewandelt, sprich ich bin nur minimal leichter, sehe aber schlanker aus als je zuvor. Der Körper hat auch leichte Probleme nach wochenlangem Genuss von Dal Bhat und Reis wieder Fleisch, Schokolade und andere schwer verdauliche Sachen zu verarbeiten.
Auf meinen Erkundungsrunden durch die Strassen der Hauptstadt finde ich immer neue Sehenswürdigkeiten, Tempel, Märkte und bunte Läden, werde sogar Zeuge einer der hier über Tage gefeierten Hochzeit und treffe sogar zufällig Bekannte vom Annapurna wieder, wie klein doch die Welt ist.
Ansonsten besorge ich noch ein paar Souvenirs, die dann zusammen mit den warmen Anziehsachen von Malaysia aus nach Hause verschickt werden sollen. Traurigere Nachrichten von der Elektronikfront. In einem der Internetcafes ziehe ich mir leider einen Virus auf die Speicherkarte und kann keine meiner Fotos mehr sehen. Das kostet mich viele Nerven, schliesslich sind das unwiederbringliche Erinnerungen. Der e-Mail Kontakt mit der Herstellerfirma der Speicherkarte bringt etwas Hoffnung zurück, die sich jedoch erst nach meiner Rückkehr nach Deutschland im April 2009 als gerechtfertigt herausstellt.   

lecker Frischfleisch                 stromiges Durcheinander         der Bus ihres Vertrauens         das arme Kathmandu

17. Dezember 2008. Das war sie dann, meine Zeit in Nepal. Überraschenderweise ist mein Plan komplett aufgegangen, wenn auch am Anfang nichts so geplant war. Das Wetter hat mitgespielt, der Körper hat gezeigt was er kann und auch die grobe Schätzung für die Flugtermine hat praktisch bis auf den Tag genau gepasst. Für mich geht es nun weiter nach Südostasien, genauer gesagt nach Kuala Lumpur in Malaysia. Das war der günstigste Flug den ich hier bekommen habe, welcher mir dazu auch routentechnisch sehr gut passt. Für alle die wissen wollen wie es mit der Reise weitergeht: klickt auf der Home Seite auf eine der Flaggen von Singapur, Malaysia, Vietnam, Thailand , Kambodscha oder Laos.

Durbar Platz                           eine Wasserstelle                 das Hochzeitsauto                  ein letzter Blumengruß aus Nepal

Nepal, Betrachtungen:
Das war es dann also vom Dach der Welt. 40 Tage Nepal. Erstaunlich, ich habe noch auf keiner Reise in solch langer Zeit so wenig von einem Land gesehen - und dabei doch so viel...
Noch kein Gegend hat eine derartige Geographie gezeigt, die eine funktionierende Infrastruktur nicht nur behindert, sondern gänzlich unmöglich erscheinen lässt. Strassen sind mühsam zu bauen und wenn dann sind sie gefährlich. Ein prozentual immer noch sehr großer Anteil der Waren wird mit menschlicher oder tierischer Hilfe transportiert. Auf dem Weg durch die Berge bekommt man manchmal das Gefühl dieses Land versucht direkt den Sprung vom Mittelalter in die Zukunft. Probleme bleiben dabei nicht aus. Das Einkommen klafft auseinander, die Ressourcen leiden und Umweltprobleme existieren nicht nur in den Großstädten. Kein Recycling, teilweise kontaminiertes Wasser selbst in den Bergen und in sensiblen Regionen (wie z.B. in der Everest Region) sind bis zu 9.300 Touristen pro Monat zusätzlich zu versorgen.
Nichtsdestotrotz bin ich unheimlich glücklich nach Nepal gegangen zu sein. Die Landschaft ist überwältigend schön. Es dürfte inzwischen bekannt sein das ich den Bergen mehr oder weniger verfallen bin. Mit der extra großen Portion davon hier war mir manchmal so als würden meine Augen ihre Farbe zu blau wechseln, mit all den Gipfeln, dem Schnee und Eis sowie dem so häufig wolkenlosen Himmel. Des Nachts übrigens sieht man einen Sternenhimmel der dem in Europa so haushoch überlegen ist wie der Mt. Everest dem Fichtelberg. Es ist nicht nur so das man die großen Sterne leuchten sieht wie Straßenlaternen, nein, dazwischen sieht man wirklich Millionen von kleinen Lichtern von all den Sonnen im unendlich weit entfernten Universum.
Und sonst? Ich bin insgesamt ungefähr 400 Kilometer durch das Himalaya Gebirge gelaufen und war dabei so hoch oben wie noch nie zuvor in meinem Leben. Der Thorong La Pass (5.416 m), dazu die Berge Kala Pattar, Chukung Ri und Gokyo Ri mit 5.300 m bis über 5.550 m Höhe. Der Mt. Blanc in Frankreich erscheint mit 4.800 m dagegen klein - und trotzdem musste ich zu den höchsten Bergen hier noch mehr als 3.000 Meter aufschauen. Ach ja, das Trekking hier machte die nahe Ansicht von
7 der 10 höchsten Berge der Welt möglich (Mt. Everest, Lohtse, Cho Oyo, Makalu, Manaslu, Daulaghiri, Annapurna). Und war ich nicht schon zuvor mit mir im Reinen so bescherten die Momente voller Stille und Frieden dort oben zwischen den Giganten ein solch starkes Glücksgefühl das ich schon mit diesem einen Land so voller Eindrücke bin wie bei manch anderer Reise erst sehr viel später. Ganz nebenbei: wie gesagt habe ich einige Kilo verloren, was bei dem Laufpensum ganz normal erscheint. Die Hauptnahrung in den Bergen bestand fast täglich aus Dal Bhat, dem Nationalgericht, worunter man einen Teller Reis mit einer Linsensauce die mehr einer Suppe gleicht und etwas Gemüsecurry versteht. Davon nimmt man nicht zu. Das Essen kann man trotzdem kaum billig nennen, bei Übernachtungspreisen von 1 (!) Euro kommt man auf knapp 20 € pro Tag, wobei eine Kanne Tee mit ungefähr 4 € zu Buche schlägt. Steigende Preise kommen zum einen durch die zahlreichen und zahlungskräftigen Touristen, zum anderen durch die langen Transportwege (vieles für die Everest Region muss von Jiri hoch getragen werden, was im Durchschnitt 8 Tage dauert).
Noch was zum Schmunzeln, speziell für Kollegen in Hotels und Restaurants. Bett-geh-Zeit war meistens zwischen 20 und 21 Uhr!!! Kaum zu glauben, aber so ist es. Die Tage sind anstrengend, beginnen meist zwischen 6 und 7 Uhr morgens, es wird spätestens um 18 Uhr dunkel und wie gesagt kommt um diese Jahreszeit mit der Dunkelheit die Kälte, was einen Aufenthalt im warmen Schlafsack sehr verlockend macht.
Nepal hätte noch viel mehr zu bieten, denn der tief liegende Süden kommt Indien sehr nahe und beherbergt unter anderem Elefanten, Nashörner und vieles mehr. Nur die Aussicht auf ähnliches im Rest von Südostasien hielt mich davon ab noch länger in Nepal zu verweilen.
Ich kehre eigentlich nie in ein Land zurück welches ich schon bereist habe, dafür ist die Welt einfach zu groß und hat zu viel zu bieten. Mit Nepal könnte ich mir eine Ausnahme vorstellen...