Es war im Jahr 1999, als sich Antje und ich aufmachten den Westen der USA zu erkunden. Bequem in einem Reisebus, um in der Kürze der Zeit soviel wie möglich von dem Land zu sehen. Meine Fotografie basierte damals noch auf dem analogen Prinzip, und erst 2011 habe ich diese Bilder digital umwandeln lassen.
Das Ergebnis steht nun für euch online parat.

Die Karte unserer Rundreise. Beginnend von Los Angeles sind wir auf der eingezeichneten Strecke entgegengesetzt dem Uhrzeigersinn gefolgt und schließlich zu unserem Ausgangspunkt zurückgekehrt

Am 9. April 1999 brechen Antje und ich zu unserer kleinen Amerika Rundreise auf. Bereits der Flug nach Los Angeles bringt die ersten Überraschungen. Ein Zubringerflug von Berlin bringt uns nach Frankfurt. Das wir wegen Computerproblemen bei Lufthansa nicht bis zum Endziel durchchecken können erweist sich erst am Terminal in Frankfurt als herber Dämpfer - der Weiterflug ist nämlich ausgebucht. Lange Gesichter bei uns, vor allem weil wir auf der Warteliste weiter unten stehen. Doch letztlich ist uns das Glück mehr als gut gesonnen und wir bekommen nicht nur die letzten freien Plätze sondern diese auch noch als kostenloses Upgrade in der Business Klasse. So schaffen wir es innerhalb von Minuten vom “zu Tode betrübt” zu “himmelhoch jauchzend” - was für ein Urlaubsbeginn! Der elfstündige Flug wurde damit zu einem der schönsten und entspanntesten Transfers überhaupt - wo doch schon vor dem Start Champagner ausgeschenkt wurde...
Angekommen in Los Angeles brachte man uns noch ins Hacienda Hotel - das war dann sozusagen Tag 1.

Recht ausgeruht beginnen wir am 10. April Tag 2. Wir waren extra 24 Stunden früher als notwendig geflogen, um uns einen Tag zur Eingewöhnung zu gönnen und schon den ersten Ausflug selbst in die Hand zu nehmen. Mit dem Stadtbus wollen wir nach Hollywood, was trotz mäßiger Englischkenntnisse klappt. So wandeln wir bald darauf auf dem Walk of Fame, schauen am weltberühmten Chinese Theatre vorbei und haben erste Shoppingerlebnisse. Am Nachmittag fahren wir zum Hotel zurück und lernen bald darauf auf der üblichen Informationsveranstaltung die anderen Mitglieder unserer Reisegruppe kennen - wir zwei drücken den Altersdurchschnitt schon ein wenig nach unten!

Am 11. April starten wir mit einem bequemen Reisebus in Richtung Süden. Der Großraum Los Angeles besteht praktisch nur aus Autobahnen und es dauert bis wir das Stadtgebiet verlassen. Doch als wir das hinter uns haben verändert sich die Landschaft recht schnell und wir sind bald mitten in der Wüste. Das Leben das sich darin regt sind meist Städter die mit ihren Quads und anderen Fahrzeugen über die Sanddünen jagen. Ansonsten sind die 200 km bis San Diego bald Geschichte. Dort eine kleine Stadtrundfahrt, ein Halt am Hafen, wo Zerstörer und U-Boote am Pier liegen (San Diego ist ein großer Militärstützpunkt), sowie schliesslich ein Besuch in Sea World mit riesigen Aquarien und unter anderem eine Killerwal Show. Klasse. Am Abend ein Bummel durch das attraktive Gaslichtviertel, recht künstlich und trotzdem schön. Geschlafen wird im Quality Inn and Suites.

das Chinese Theatre in Hollywood          Lutz auf dem                         Walk of Fame

Spaß in der Wüste     

           kurz vor San Diego

Es folgt ein langer Tag im Bus. Von San Diego aus geht es in Richtung Osten. Über das Küstengebirge, durch das Imperial Valley und die Yuma Wüste. Eine kurze Pause in Phoenix und letztlich Ankunft in Scottsdale im Fairfield Inn by Marriott.
Tag 5. Aufstehen in Scottsdale und nach dem Frühstück wieder rein in den Bus. Auf dem Black Canyon Hihgway aus der tief liegenden Wüstenlandschaft hinein ins hohe Tafelland, wo die Sinagua Indianer ihre Höhlen hoch in die Felswand geschlagen haben um sicher vor Raubtieren und Feinden zu sein. Ein restauriertes Beispiel dafür ist Montezuma’s Castle, wobei der Begriff “Burg” für diese Behausung wohl etwas übertrieben ist. Auf der Weiterfahrt durch den Oak Creek Canyon ändert sich erneut die Vegetation und das Landschaftsbild. Nach Wüste und riesigen Kakteen tauchen bald die ersten rötlichen Felsen auf, die inmitten einer grüner werdenden Vegetation zu eigentümlichen Erscheinungen erodiert sind.

Montezuma’s Castle

               das sind Kakteen...

abwechslungsreiche Landschaft mit dem Glockenfelsen

Damit kommen wir zu einigen Fotostopps und mit etwas Phantasie erscheinen einem die Felsen wirklich ihrem Namen entsprechend, egal ob “Salz und Pfeffer” oder sogar “Snoopie”. Echt witzig. Am Nachmittag erreichen wir dann das nächste große Highlight der Reise: den Grand Canyon.
Als die Spanier 1540 an der Schlucht ankamen muss es für sie ein überwältigender Eindruck gewesen sein. Praktisch ohne Ankündigung tut sich auf einer gigantischen Ebene der Canyon auf (über 400 km lang, zwischen 6 und 30 km breit sowie bis zu1.800 m tief). Auch wir stehen staunend davor und es kribbelt am ganzen Körper wenn man nah dem Rand in die Tiefe schaut. Nach einem längeren Spaziergang am Canyon entlang gönnen sich Antje und ich ein wenig Nervenkitzel. Mit dem Hubsch fliegen wir vom Südrand in einigen kleinen Schleifen quer über den Grand Canyon und wieder zurück. Irre. Über tiefe Schluchten und kleine Bergrücken auf denen wahrscheinlich noch nie ein Mensch stand können wir so dicht heran das alles zum Greifen nah erscheint. Unser Hotel, die Rodeway Inn Red Feather Lodge (was haben die für lange Namen hier) steht nur ein paar Meter vom Schluchtrand entfernt, womit uns der Ausblick auf den Canyon erhalten bleibt. Allerdings mussen wir am nächsten Morgen beim Blick aus dem Fenster feststellen das es über Nacht geschneit hat, ein heftiger Wetterwechsel der uns jedoch schöne Bilder beschert. Sehenswert wenn sich der Canyon teils wie mit Puderzucker überstreut präsentiert.

der Grand Canyon und wir

             ein Blick in die Tiefe

unser Hubschrauber                 ein Morgen im Schnee

Tag 6. Nach ein paar Bildern im Schnee und einer kleinen Schneeballschlacht verlassen wir den Grand Canyon Nationalpark in Richtung Osten. Bald verschwinde nicht nur die weiße Pracht sondern auch bald jegliche Feuchtigkeit. Willkommen in der Wüste. Immerhin bleiben ein paar Farben erhalten, nicht umsonst trägt sie hier den Namen Painted Dessert. Auch wenn schön anzusehen, bleibt der Boden doch vegetationsunfreundlich, wahrscheinlich einer der Gründe warum die Regierung große Landstücke den Navajo Indianern als Reservat überlassen hat... Bald darauf fühlen wir uns in die Werbespots der 80ger Jahre zurückversetzt: Willkommen in Marlboro Country. In der flachen Ebene stehen die sehenswerten Felsformationen des Monument Valley. Wunderbar anzuschauen, vor allem bei dem fast perfekten Wetter welches wir haben. Linker und Rechter Handschuh, der Königsstuhl und andere Formationen zeigen sich fotogen in einer herrlichen Kulisse. Und auch das Foto mit dem Cowboy im Vordergrund bestätigt jedes Klischee und könnte direkt aus einem Western stammen.

die Wüste Painted Dessert            das Monument Valley, möchte man da nicht ein Pferd nehmen und losreiten?

In einem scharfen Haken drehen wir nach dem Monument Valley wieder nach Westen und erreichen nach einer Weile Page, direkt am Lake Powell gelegen. Nach der Nacht im Best Western Arizona Inn besuchen wir den Staudamm am Lake Powell. Die wahre Dimension des Stausees sieht man von der 170 m hohen Staumauer nicht. Es dauerte von 1963 bis 1980 bis der 300 km lange See gefüllt war. 90 Canyons wurden dazu überflutet um vor allem Las Vegas mit Strom und Wasser zu versorgen. Kleiner Wermutstropfen: seit 2001 sinkt der Wasserspiegel bis auf bedrohliche Maße.
Wir fahren weiter in den Mormonen Staat Utah und passieren kleine Ortschaften wie Kanab, Glendale und Hatch. Die nächste Sehenswürdigkeit ist der Bryce Canyon Nationalpark. Wie in einer riesigen überdimensionalen Kleckerburg stehen Felsnadeln, sogenannte Hoodoos, die bis zu 60 m hoch sind. Dank der Höhe von 2.400 bis 2.700 m über dem Meer kleben trotz Hochsom- mer letzte Schneereste in den Schattenecken. Wir steigen steil in den 240 m tiefen Canyon ab, der eigentlich gar keiner ist (dafür hätte ein Fluss die Landschaft modellieren müssen) und laufen bei herrlichem Sonnenschein staunend durch eine zauberhafte Landschaft. So vergeht der Rest des Tages und wir sinken müde in unser Bett im B.W. Ruby’s Inn in Bryce.

Bryce Canyon

                     Bryce Canyon

Bryce Canyon                         Bryce Canyon

Tag 8. Und es geht weiter. Nach einem netten Frühstück mal wieder Bus fahren ;-) Die angestrebte Richtung ist Südwest und der erste Halt des Tages der Zion Nationalpark. Ist was ganz anderes als bisher. Nach viel trockener Landschaft und Wüste haben wir hier massive Felsen, große Bäume und viel Grün, gespeist vom Fluss Virgin. Ein Stück danach “betreten” wir den Staat Nevada, der vierte auf der Reise nach Kalifornien, Arizona und Utah. Ein paar weitere Stunden Fahrt und schliesslich das pulsierende Herz der Wüste: Las Vegas. Schnell im Circus Circus Hotel einchecken und sich danach die künstliche Glitzerwelt zu Gemüte führen. Was soll ich sagen: die Stadt erfüllt alle Klischees. Bunt, hell und grell. Egal ob das Bellagio, Ceasars Palace, Mirage, MGM oder das Luxor, alles feinste Sahne. Die Kasinos sind riesig und Entertainment lauert an jeder Ecke. Am Abend ein kleiner Rundgang von Hotel zu Hotel um überall die kleinen Shows mitzubekommen. Seeschlachten mit Piraten (ihr Schiff geht filmreif ungefähr acht Mal am Abend unter), die Springbrunnenshow mit passender Musik oder, oder, oder, das Angebot ist schier unerschöpflich. Spät am Abend noch ein Abstecher auf den alten Strip. Um Besucher anzulocken wurde die Fußgänger- passage mit einem Dach versehen dessen Inneres als riesige Leinwand funktioniert. Geniale Technik. Zum Abschluss des Tages der unbedingt nötige Besuch am Roulettetisch. Naja, viel Glück habe ich nicht, aber es macht Spaß und dauert eine Weile bis die 100 Dollar verzockt sind.

das Foyer im Bellagio              vor dem Mirage

                               die Multimediashow auf dem alten Strip

Nach einer kurzen Nacht treibt uns der Zeitplan weiter. Allerdings nicht bevor wir vom reichlichen Frühstücksbuffett probiert haben, auf dem schon morgens saftige (und blutige) Steaks liegen. Danach geht es mit uns bergab, jedenfalls topografisch. Ziel ist das Death Valley, dessen tiefster Punkt 86 m unter dem Meeresspiegel liegt und das wegen geografischer Bedingungen zu den trockensten und wärmsten Plätzen der Welt zählt. Schon am Vormittag ist es hier brütend heiß, was uns nach der Klimaanlage im Bus fast umhaut. Im Hochsommer sollen manchmal die Schuhsohlen anfangen zu schmelzen, aber davon sind wir heute noch ein paar Grad entfernt. Die wahre Ausdehnung des Tales erfahren wir in den nächsten Stunden, als sich der Bus scheinbar endlos durch die tote Landschaft kämpft. Kein angenehmer Gedanke unter solchen Bedingungen zu Fuß unterwegs zu sein. Die Gegend drückt wohl allen auf die Seele und es wird zunehmend ruhiger im Bus. Umso spürbarer die Erleichterung als wir am Nachmittag das Tal verlassen und die Landschaft wieder grüner und lebendiger wird. Wir kommen bis Visalia, wo ein paar Stunden Freizeit helfen all die Eindrücke und Erlebnisse der letzten Tage ein wenig zu verarbeiten.
Tag 10. Von Süden her fahren wir in den Yosemite Nationalpark. Was für ein Unterschied zur Landschaft von gestern. Riesige Wälder, plätschernde Bäche und grün, grün, grün. Die berühmten Wasserfälle hier sind die höchsten in ganz Nordamerika und die 1.000 m hohe Felswand des El Capitan lässt einem den Mund offen stehen. Von den riesigen Redwood Bäumen sehen wir immerhin einen Querschnitt, der an sich schon beeindruckt und haben ansonsten noch genügend Zeit das Tal ein klein wenig näher zu erkunden bevor uns der Bus noch bis Modesto ins   Ramada Inn bringt

Yosemite Nationalpark: der Yosemite Wasserfall, 739 m hoch, die Felswand des Halfdome, El Capitan mit dem Yosemite Valley und Antje vor einer Baumscheibe eines Redwood

eines der Kasinos

Death Valley

ich im Death Valley

Tag 11. Von Modesto aus halten wir uns in nordwestlicher Richtung. Noch eine ganze Weile begleiten uns Berge und Wälder, wobei einige Gegenden noch deutliche Spuren von Waldbränden zeigen. Am frühen Nachmittag treffen wir in San Francisco ein. Einer der ersten Fotostopps zeigt uns die Golden Gate Bridge in ihrer ganzen Größe. Während einer Stadtrundfahrt besuchen wir den Union Square, China Town, das Presidio, die City Hall die dem Petersdom nachempfunden ist, Fisherman’s Wharf und Pier 39 mit seinen Seelöwen. Unser Hotel ist das Holiday Inn Civic Center. Eigentlich ein schönes Haus, aber die Nachbarschaft macht den Eindruck als sollte man alle Sinne wach halten.
Den Tag darauf haben wir zur freien Verfügung und wir nutzen ihn dafür San Francisco unsicher zu machen. Ein Stück mit dem Cable Car fahren, durch Läden, Boutiquen und Chinattown bummeln, sich die Lombard Street anschauen, die zu den kurvenreichsten der Welt zählt und schliesslich mit dem Schiff hinaus zur Gefängnis Insel Alcatraz fahren. Das hat was, vor allem weil die Route direkt unter der Golden Gate Brücke entlangführt. War ein schöner Aufenthalt in der Stadt.

Oldie but Goldie, das Cable Car  die Lombard Street                 unter der Golden Gate Bridge entlang nach Alcatraz

Tag 13. An der Halbinsel San Francisco entlang geht die Fahrt auf dem herrlichen Highway Nummer 1 entlang. Die schöne Küste häufig im Blick halten wir in Monterey und Carmel bis wir am Nachmittag in Arroyo Granda ankommen wo wir auch übernachten. Unseren letzten Tag der Rundreise genießen wir bei schönstem Wetter und fahren weiter die Küste entlang nach Süden. Auf dem Weg liegt unter anderem Santa Barbara, das genau so erscheint wie man es aus Film und Fernsehen kennt. Am Nachmittag treffen wir in Los Angeles ein, wo noch genug Zeit bleibt die Universal Studios besuchen. Starke Geschichte sich die Filmstudios mal von innen anzuschauen und zu sehen mit welchen Mittel wir an der Nase herumgeführt werden ;-)
Nach einer Rundfahrt und einem der teuersten Snacks meines Lebens besuchen wir noch eine Wild West Show und zum Abschluss die pyrotechnisch ausgefeilte von Water World. Stark! Die letzte Nacht auf amerikanischen Boden verbringen wir wie auch schon die ersten im Hacienda Hotel. Tags darauf zum Flughafen und mit Lufthansa nach Frankfurt, wobei uns der Flug in der Economy Class um Welten schlechter vorkommt als die Verwöhntour vor zwei Wochen in der Business Class.  

             auf dem Küstenhighway am Pazifik entlang                 Santa Barbara

die Universal Studios                Wild West Show                    Waterworld Show