Es geht los. Wir schreiben den 28. September 2017 und eine weitere Reise nach Lateinamerika steht an.

Die Karte  von Mittelamerika
mit meiner Reiseroute.

1. Woche vom 28. September bis 4. Oktober 2017
Nach zweieinhalb Jahren Pause bin ich endlich wieder “on the road” und will ein paar weiße Flecken in Mittelamerika tilgen. Condor, oder besser gesagt Thomas Cook, bringt mich nach Cancun, Mexico. Ein typischer Touristenflieger ohne hohe Qualität, dafür zu einem guten Preis. Die ersten Tage in Cancun zum Eingewöhnen. Wir haben noch Regenzeit, also kommt öfters auch mal ein Schauer runter. Zusammen mit 30°C Tagestemperatur fühlt sich das dann an wie in der Sauna. Abgesehen von Hotelburgen und einigen hübschen Stränden gibt es nicht viel zu sehen, also ziehe ich bald weiter. Erstes Ziel ist die Insel Holbox. Keine befestigten Strassen, außer einigen Golfcars und kleinen Motorrädern keine Fahrzeuge und alles ganz entspannt. Nette Gegend, nette Strände. Allerdings ziehen ordentliche Regengebiete durch und setzen so manche Strasse unter Wasser.  

Cancun, Playa Delfines                   Land unter auf Holbox               Insel Holbox...                                                                                                                                     ...alles sehr entspannt

Das nächste Ziel ist Merida, im Nordwesten der Halbinsel Yucatan. Eine Millionenstadt die man so nicht spürt. Ich wohne direkt im Zentrum und kann bei schönem Wetter die Kathedrale durch das dann offene Dach des Hostels sehen. Cool. Die Stadt ist für mexikanische Verhältnisse alt und schön. Jeder Spaziergang lässt etwas Neues und Schönes entdecken. Und sie sind auf Touristen eingestellt ohne das es störend wirkt. Jeden Abend ist was los, wie z.B. eine nächtliche Tour über den großen Friedhof oder das Nachstellen des alten Ballspiels der Maya, Pok Ta Pok, mit all seinen Ritualen und Kostümen drum herum. Das Wetter ist übrigens sehr gut und abgesehen von wenigen kurzen Schauern wechseln sich Sonne und Wolken ab. Vom Tropensturm “Nate” bekommen wir nichts mit und nichts ab. Glück gehabt. 

bunt, ja bunt sind...                Merida                                 Merida, Casa de Montejo          irgendwie passt hier alles...

2. Woche vom 5. bis 11. Oktober 2017
Während dem Aufenthalt in Merida ein Besuch der ersten alten Mayastätte. Uxmal liegt ca. 80 km südlich von Merida und beeindruckt durch große und gut erhaltene Gebäude/Ruinen. Vor allem die Pyramide des Zauberers ragt heraus. Leider darf man sie nicht mehr besteigen, aber auch die Große Pyramide nebenan erfüllt ihren Zweck und man hat von ihrer Spitze einen weiten Blick über das überraschend flache Terrain mit einem dichten und scheinbar undurchdringlichen Busch/Dschungel. Ich gehöre morgens zu den ersten Besuchern dort und habe den Eindruck auf dem weitläufigen Gelände praktisch allein zu sein. Der frühe Vogel fängt eben den Wurm...

Uxmal, Pyramide des Zauberers...der Regierungspalast               Merida; Videomapping              Izamal, die gelbe Stadt

Danach bleibe ich weitere Tage in Merida, denn noch habe ich Zeit. Am Samstag Abend erlebe ich mein erstes Videomapping, wobei die gesamte Front der Kathedrale als Leinwand für zwei riesige Beamer genutzt wird. Super Erlebnis. Am Sonntag wird es Zeit zu packen. Auf dem Weg ins nächste Ziel ein Halt in Izamal, durch die einheitliche Bemalung der Häuser im Zentrum auch “gelbe Stadt” genannt. Hübsch, vor allem kann man gleich nebenan auf eine alte Pyramide aus Mayazeiten klettern. Gleich weiter nach Valladolid, geografisch im Zentrum der Halbinsel Yucatan gelegen. Eine nette kleine Stadt, umringt von Sehens- würdigkeiten. Als erstes sehe ich mir die Ruinenstadt Ek Balam an, ungefähr eine Stunde außerhalb. Schön, interessant und mitten im Dschungel. Auf dem Weg zurück füllt sich keines der Collectivos (Sammeltaxi) und ich beschließe kurzerhand die knapp 50 km zu trampen, was praktisch sofort gelingt. Am Nachmittag dann heftige Regenschauer, die innerhalb von drei Stunden die gesamte Innenstadt unter Wasser setzen. Was da in kürzester Zeit runterkommt kann man sich mit europäischen Maßstäben kaum vorstellen. Dienstag ein Ausflug zu ein paar Cenoten in näherer Umgebung. Das sind Sinklöcher im Kalkstein, teils komplett unterirdisch, teils Höhlen bei denen das “Dach” eingestürzt ist. Der Durchmesser variiert und kann bis zu 200 m, ihre Tiefe bis zu sagenhaften 400 m betragen. Sie sind mit Wasser gefüllt und laden zum Baden ein. Die zuerst besuchte Cenote Samula ist ganz hübsch, aber die nahe X’keken ist super und zeigt sich als Höhle mit Stalagmiten und Stalaktiten, dazu gefüllt mit feinstem klaren Wasser. Für eine halbe Stunde habe ich diesen außergewöhnlichen Ort ganz für mich allein, was für ein Erlebnis. Mittwoch passiert nicht viel, ich gönne mir einen faulen Tag und hole am Abend Piotr vom Busbahnhof ab. Wir haben uns bei meiner Vietnamreise 2008/09 kennen gelernt und den Kontakt gehalten. Diese Jahr klappt es endlich mal wieder mit Zeit und Reiseziel, und wir werden den nächsten Monat gemeinsam diesen Teil der Welt erkunden.

ein kleines Stück Ek Balam       Cenote X’keken                       Chichen Itza: El Castillo           Chichen Itza

3. Woche vom 12. bis 18. Oktober 2017
Am Donnerstag brechen wir gleich nach dem Frühstück zur bekanntesten Ruinenstätte in Yucatan auf: Chichen Itza. Vor allem das bekannte “El Castillo” beeindruckt, aber auf dem weitläufigen Areal gibt es weit mehr zu sehen. Wir bleiben drei Stunden auf dem Gelände, welches ab dem späten Vormittag sichtlich von Tourgruppen gestürmt wird. Am Nachmittag verkriechen wir uns vor der Hitze, wir haben wieder 34°C und fast wolkenlosen Himmel. Tags darauf mit Sack und Pack weiter. Unterwegs ein Halt in Coba, wo es noch mehr Mayaruinen zu sehen gibt. Diese verstecken sich komplett im Dschungel und vor allem die Kletterpartie auf die 42m hohe Hauptpyramide bleibt in Erinnerung. Am Nachmittag leihen wir uns Fahrräder aus und schaffen es trotz Hitze zur Cenote Multun-Ha. Die liegt 20 Meter unter der Erde und ist einfach Super. Glasklares Wasser und ein riesiger Dom überspannt die Höhle die mit nur einer Lampe wie durch eine kleine Sonne beleuchtet wird. Mit einem Foto kann man nur sehr vage wiedergeben wie schön es dort ist. Am frühen Abend die Ankunft in Tulum, auf der östlichen Seite von Yucatan gelegen. Am Samtag wollen wir dort eigentlich die Ruinen anschauen, die malerisch direkt am Strand liegen, aber auf dem Parkplatz stehen allein 10 Busse eines Unternehmens und fast 500 Mitarbeiter von Samsung ergänzen den normalen Touristenansturm. Kurzerhand wird der Besuch verschoben und wir faulenzen am nahen wunderschönen Strand. Sonntag brechen wir noch vor dem Frühstück mit den Rädern auf und sind trotz Regen schon zur Öffnung um 8 Uhr an den Ruinen. Der Regen hört bald auf und wir können uns alles ohne störende Menschenmassen, dafür aber mit Regenbogen, anschauen.  

Coba, große Pyramide

                       Cenote Multun-Ha

Strand von Tulum                       Ruinen von Tulum  

Nach der Radtour ein spätes Frühstück, letzte Sachen packen und weiter. Kurz vor der Grenze zu Belize bleiben wir zwei Tage an der Lagune Bacalar. Beschreibung mit nur einem Wort: wunderschön. Die Lagune ist größtenteils sehr flach und hat einen Kalksteinboden. An sonnigen Tagen definitiv ein Karibikfeeling. Unser Hostel liegt direkt am Ufer und es sind nur wenige Leute da. Fühlt sich an wie Urlaub... An einem Morgen leihen wir uns ein Kajak aus und drehen eine große Runde bis hinüber auf die andere Seite, durch die Mangroven und schließlich bis zur Cenote Negro, ein Sinkloch welches im See liegt. Sichtbar dadurch das im klaren Wasser der Boden unter uns plötzlich verschwindet und die Farbe des Wassers fast zu schwarz wechselt. Cool.
Am Dienstag verlassen wir Mexiko und gehen über die Grenze nach Belize. Damit ändert sich nicht nur die Währung. Auf einmal verkehren nur noch schrottreife Busse, uralte Schulbusse aus den USA, die Strassen sind mies und vieles macht einen armen oder auch heruntergekommenen Eindruck. So teuer wie angenommen ist es hier nicht - solange man auf dem Festland bleibt. Nach einer Nacht in Orange Walk Town fahren wir nach Belize City. Die größte Stadt des Landes mit 60.000 Einwohnern beeindruckt keinesfalls. Schäbig, heruntergekommen, deprimierend. Wir bleiben nur eine Stunde um den Bus zu wechseln und fahren gleich weiter in den äußersten Westen des Landes, nach San Ignacio. Das dauert trotz miesen Bussen und Strassen nicht lange, denn die Ausmaße von Belize halten sich in Grenzen. Die Stadt unserer Wahl ist dann einfach, aber gefällt. 

Auf dem Markt...                       Lagune Bacalar                      morgendliche Kajaktour            Belize City

4. Woche vom 19. bis 25. Oktober 2017
Am Donnerstag schauen wir uns in der Gegend um und besuchen die direkt im Ort gelegenen Mayaruinen Cahal Pech. Weil sich die Landschaft inzwischen hügelig gestaltet zeigen sich auch diese wieder ganz anders aus als alle bisher besuchten. Dann eine wirklich außergewöhnliche Tagestour: die Höhle Actun Tunichil Muknal, kurz ATM genannt. Zu Beginn eine Stunde Fahrt auf teils abgelegenen Strassen, dann werden wir mit Helmen und den darauf montierten starken Lampen ausgerüstet. Weiter geht es zu Fuß, drei Flussquerungen inklusive. In die Höhle selbst gelangt man nur schwimmend. Dann folgen wir unterirdisch einem kleinen Fluss über einen halben Kilometer tief in den Berg hinein, wobei wir uns so manches mal durch enge Spalten zwängen müssen. Schon da staunen wir über geniale Formationen, die das Wasser so tief unter der Erde erschaffen hat. Richtig aufregend wird es nach einer Kletterparty hinauf in eine zwanzig Meter höher gelegene Höhle. Die ist größer als eine Kathedrale und hat einen erstaunlich ebenen Boden. Überall Stalagmiten und Stalaktiten aus unterschiedlichstem Material und dadurch in verschiedenen Farben. Der Clou: selbst die Maya kannten diesen Ort schon und haben hier vor 500 bis 1.000 Jahren Rituale vollzogen. Deshalb liegt jede Menge antike Keramik herum und auch so manches Skelett, wahrscheinlich Menschen- opfer. Das bekannteste ist die “Crystal Maiden”, deren Skelett sich im Laufe der Jahrhunderte mit Kalziumkarbonat verbunden hat und deshalb kristallin leuchtet. Was für ein Erlebnis! Danke Maya Walk Tours. 

Actun Tunichil Muknal              das Skelett der Crystal Maiden    Ruine Xunantunich                 alter Stuck aus Mayazeiten

Samstag Morgen packen wir und fahren weiter. Kurz vor der Grenze noch eine Ruinenstätte: Xunantunich. Super gelegen, gut erhalten und die große Pyramide erinnert eher an eine Burg. Noch dazu sind nur wenige Besucher hier, was bei vielen der nicht so im Fokus stehenden Ruinen der Fall ist. Gut für uns :-).
Gleich darauf verlassen wir Belize und reisen nach Guatemala ein. Gar nicht so einfach hier an einheimisches Geld zu gelangen. Geldautomaten sind in kleinen Städten selten und die Banken nehmen nur brandneue Scheine zum Tauschen an. Aber wir be- kommen wenigstens ein paar Quetzales (Landeswährung) und schaffen es an diesem Tag noch bis Flores, faktisch eine kleine Insel in einem See, gelegen im Norden des Landes. Hier erwartet uns Maui, ein weiterer Reisegefährte aus früheren Jahren. So sind wir nun für einige Zeit zu dritt unterwegs. Viel Zeit zum Plaudern und Begrüßen bleibt nicht, denn das Wetter soll sich ändern und wir wollen so schnell wie möglich nach Tikal. Am Sonntag starten wir bereits 4.30 Uhr mit dem Bus um nach anderthalb Stunden Fahrt pünktlich zur Öffnung der Ruinen vor Ort zu sein. Tikal gehört zu den Mayastätten die man wohl unbedingt gesehen haben muss. Ehemals eine große Stadt mit bis zu 200.000 Einwohnern, reicht ihre Geschichte weit mehr als 2.000 Jahre in die Vergangenheit zurück. Heute stehen noch die Pyramiden, Tempel und ein paar Ruinen, wobei einige Bauten bis zu 45 Meter hoch sind und über das Dschungeldach hinausragen. Es hat was am frühen Morgen auf einer der Pyramiden zu sitzen während der Dschungel erwacht. Brüllaffen, Vögel und einiges mehr meldet sich auf jeden Fall kräftig zu Wort.  

Dschungelfauna: Kliffhänger      Pfauentruthahn                      Klammerschwanzaffe               Schmetterling

Am Montag verlassen wir Flores im Regen und wenden uns nach Süden. Wir kommen gut voran, bis unser Bus auf einmal hält, scheinbar ohne Grund. Auflösung: Fluss voraus und im weiten Umkreis keine Brücke darüber. Also auf die Fähre warten, die jeweils nur wenige Autos transportieren kann. Spätestens ab der Stadt Coban kommen wir dann in bergiges Gelände und bald auch auf Schotterstrassen. So zieht sich die Strecke und wir erreichen Lanquin erst mit der Dämmerung. Am nächsten Tag ein Ausflug nach Semuc Champey. Trotz regnerischem Wetter wandern wir zum und im Nationalpark. Höhepunkt: In einem engen Tal blieb eine 300 Meter lange Naturbrücke aus Kalkstein stehen. Der Fluß verschwindet zu 80% darunter und oberhalb liegen Sinterterrassen wie Pools hintereinander, extrem farbenfroh und zum Baden einladend. Weil es die letzten Tage viel geregnet hat ist der Fluß voll und speziell wo er wieder zu Tage tritt röhrt und brüllt er wie ein ganz Großer. Prädikat: sehr sehenswert.

Flores                                   Tikal                                     Semuc Champey                     Semuc Champey

Am Mittwoch ein weiterer Tag den wir komplett im Bus verbringen. Auf Grund des Wetters mit viel Regen im Norden und ersten Überschwemmungen ändern wir unseren Plan und beißen in den sauren Apfel mit der nächsten langen Strecke durch die Berge des Landes. Leider liegt auch Guatemala City auf dem Weg, was lange Staus und viel Verkehr auf den Strassen dort beinhaltet. Kein schöner Tag, und es ist wie eine Erlösung, als wir am Abend in Antigua, der alten Hauptstadt von Guatemala, eintreffen.
5. Woche vom 26. Oktober bis 1. November 2017
Am Donnerstag ein wenig Sightseeing in Antigua. Nach dem letzten großen und verheerenden Erdbeben 1773 zog die ganze Hauptstadt nach Guatemala City. Zurück bliebe eine hübsche Stadt mit teils höllischem Kopfsteinpflaster, niedrigen Häusern um weiteren Erdbeben besser zu widerstehen, und eine Vielzahl von Ruinen der alten Kirchen und Klöster. Vor allem aus letzterem wird Kapital geschlagen und die Eintrittsgelder summieren sich schnell. Antigua erweisst sich überhaupt als teures Pflaster, und hatten wir nicht bis jetzt schon das Gefühl das Guatemala an sich keineswegs mehr so preiswert ist wie es mal war, so toppt Antigua das Ganze mit teils europäischen Preisen. Freitag stehen wir erneut früh auf, eine Tour zum Vulkan Pacaya steht an. Bis hinauf zum Kraterrand dürfen wir nicht, dafür ist er zu aktiv. Rauchwolken stehen praktisch dauernd über ihm und so manche kleine Explosion ist aus seinem Krater zu hören. Als Beweis wie nah wir der Hitze sind, kann uns unser obligatorischer Guide überraschen indem er an einigen Stellen am Berg Lavasteine unter einem Haufen hervorholt die bis zu 50°C warm sind. Als kleinen Gag können wir dann noch Marshmellows an einem unterirdischen Gasloch erhitzen.

Antigua, Kirche im Ganzen        Antigua, Ruinen...                   ...auch von Innen sehenswert    Einheimische in Antigua        

Samstag ziehen wir weiter zum See Atitlan. Wir probieren die preiswerte Chicken Bus Variante, welche zu einem Abenteuer an sich wird. In den alten Schulbussen aus den USA ist der Gang zwischen den Sitzreihen teilweise keine 25cm breit, weshalb man auch bis zu sechst in einer Reihe sitzt. Die Gepäckfächer sind mini, wenn überhaupt vorhanden. Also den großen Rucksack vor uns auf dem Schoß platzieren. Bei der minimalen Beinfreiheit von 0 cm sehr unbequem, aber das gibt Muskeln im Oberschenkel. In Panajachel steigen wir dann in ein Boot, welches uns über den halben See bis in das kleine Dörfchen Jaibalito bringt. Keine Straßenanbindung und hinter dem Dorf 700 m hohe Bergwände, ein Ort fernab der Welt da draußen. Das Hostel  betreibt seit
17 Jahren Hans, ein ausgewanderter Deutscher, was sich vor allem in der Küche sehr lecker bemerkbar macht. Tags darauf verabschieden wir Maui, der weitere Freunde in El Salvador treffen will. Piotr und ich wandern ein wenig durch die Gegend, nett aber wenig aufregend. Montag der Wechsel in ein anderes Dorf am See, San Pedro La Laguna. Viel touristischer, aber bei der herrschenden Nebensaison erträglich. Was schnell störend wirkt, sind die Warnungen vor Banditen und Überfällen, egal ob in der Nähe der Stadt oder den benachbarten Bergen. Praktisch nur mit einer Tour sei man sicher, doch das ist gar nicht nach unserem Geschmack. Immerhin erstürmen wir am frühen Dienstag Morgen den Vulkan San Pedro (2.995 m hoch), der täglich von Polizisten patrouilliert wird. Die Ausblicke vom Gipfel sind wenig aufregend und wir kehren eher ernüchtert zurück.
Noch ein Wort zum See Atitlan: er ist groß (130 km²) und er ist tief (360m). Was mich stört ist der Fakt das es keinen Abfluss gibt, sprich all das Wasser welches dem See entnommen wird gelangt nach Gebrauch auch wieder in ihn hinein... Ausgesetzte Fische haben das Ökosystem bereits gekippt und alles in allem kann ich den Hype um den See nicht wirklich verstehen.    

Vulkan Pacaya                      Jaibalito, Lago Atitlan

...abenteuerliche
Wege am See
entlang

 

 

   Werbung in San Pedro La Laguna:     Hightech Maya
                 ;-)

Mittwoch packen wir und nehmen den Bus nach Quetzaltenango. Für die ersten, meist unbefestigten, 33 km braucht der alte Bus sagenhafte zwei Stunden, das ist selbst bei meinen Erfahrungen rekordverdächtig. Immerhin gewinnen wir auf der gut aus- gebauten Panamericana an Fahrt und erreichen die Großstadt am frühen Nachmittag. Trotz den mehr als 100.000 Einwohnern fühlen wir uns schnell wohl und finden ein gutes Hostel. Ab sofort ist vor allem abends eine andere Garderobe erforderlich, denn auf einer Höhe von 2.300 m sind die Tage bei Sonnenschein zwar warm, aber die Nächte kühlen meist auf 10°C herunter.
6. Woche vom 2. bis 8. November 2017
Den Donnerstag wollen wir eigentlich für einen langen Stadtbummel nutzen, aber ich fühle mich mies und bleibe den ganzen Tag vor mich hin dämmernd im Bett liegen. Symptome und Gefühl sagen: Grippe. Wenigstens Piotr kommt der recht hübschen Stadt ein wenig näher. Freitag geht es mir besser, trotzdem schicke ich meinen Reisekollegen lieber allein zum sehenswerten Markt nach San Francisco de Alto. Wie recht ich damit habe zeigt sich wenige Stunden nach dem leichten Frühstück, als die Schmer- zen im Bauch sprunghaft zunehmen und nichts Linderung schafft. Spätestens jetzt wird mir klar das das was ernsthaftes ist. Ich halte wenigstens durch bis Piotr kurz nach dem Mittag wieder da ist. Dann geht alles schnell. Die bestürzten Mitarbeiter vom Hostel rufen die Ambulanz - sagen wir lieber den Kleinbus, denn weder Ausrüstung noch Qualität der Federung entspricht dem was wir kennen. Wird eine harte Fahrt für mich. Im städtischen Krankenhaus werde ich bald untersucht. Diagnose: akute Blinddarmentzündung. Da hilft nur eine Operation, aber hier??? Das Krankenhaus, auch wenn es für jeden kostenlos ist, hat weniger zu bieten als manche Arztpraxis in Deutschland und es geht zu wie im Bienenstock. Doch wenn die Not am größten...: Mein rettender Engel taucht auf, Mitzi Castellanos. Assistenzärztin, so wie alle hier (kein Chefarzt da), aber mit einem zwei- jährigem Studium in Deutschland! Mit ihr kann ich etwas deutsch reden, was für ein Glück. Auch sie gibt zu, OP ja, aber nicht unbedingt hier. Also telefoniert sie und findet einen Endoskopiespezialisten in einer privaten Klinik. Damit alles gut geht bringt sie uns gleich mit ihrem Privatauto hin. Dort ein komplett anderes Bild: das Haus auf europäischem Standard. Ruhe, Einzelzim- mer, peinliche Sauberkeit. Das Mitzi mit kam ist wichtig, denn hier sprechen alle nur spanisch. Untersuchung, Vorbereitung und ein paar Stunden später ist der schmerzende Wurmfortsatz draußen. Immer an meiner Seite: Piotr. Vielen Dank mein Freund!!!
Samstag darf und muss ich schon aufstehen. Schmerzen sind noch da, aber auf einem erträglichen Niveau. 24 Stunden nach der OP werde ich aus dem Krankenhaus “geschmissen”, nachdem die fällige Rechnung mit meiner Kreditkarte beglichen wurde. Ärztliche Auflagen: nichts heben, nichts tragen, viel ruhen. Daran halte ich mich. Geht so wie so nicht mehr. Fühle mich wie ein sehr alter Mann, alles geht nur sehr langsam und vorsichtig. Dazu anhaltende Schmerzen und vollkommene Appetitlosigkeit. Weil unser Hostel direkt im Zentrum liegt, lohnen sich aber selbst kurze Spaziergänge. Sonntag eine große Prozession mit hunderten von Mönchen und dicken Nebelschwaden von Weihrauch. Die tonnenschwere Plattform wird auch von Frauen getragen, dazu folgt ein ganzes Orchester mit eindrücklicher Musik. Was für ein Erlebnis!
Mittwoch verläßt mich leider Piotr. Seine Zeit in Mittelamerika ist um und er tritt die lange Reise zurück nach London an.

Prozession in Quetzaltenango, auch die Frauen ziehen mit         Tempel am Stadtrand              Zentrum von Quetzaltenango

7. Woche vom 9. bis 15. November 2017
Es passiert recht wenig diese Tage. Meine tägliche Routine: Spazieren, spanisch lernen, essen, schlafen. Immerhin geht es mit mir körperlich bergauf. Am Freitag zieht der Arzt die wenigen Fäden an meinen drei endoskopischen “Löchern”. Schaut alles gut aus, aber ich sollte mich wohl noch zwei Wochen gedulden bis meine Reise einen Neustart erlebt. Samstag ein erster langer Spaziergang bis an die Stadtgrenze mit einem sehenswerten Tempel. So einen sauberen und gepflegten Garten habe ich in diesem Land noch nicht gesehen. Montag ein kleiner Ausflug in die Umgebung. Mit dem “Chicken Bus” eine knappe Stunde bis Zunil. In dem Dorf findet am Montag immer ein schöner Markt statt. Viele Trachten, vor allem oder fast ausschließlich bei den Frauen, und auch sonst viel zu sehen. Fotografieren ist bei den Einheimischen verpönt, deswegen sieht man auch nichts vom Markt auf meiner Seite. Dafür aber von der schönen Kirche und dem spektakulär gelegenen Friedhof, hoch oben auf einem schmalen Grat über dem Dorf. Die weiteren Tage erkunde ich in immer neuen Schleifen Quetzaltenango (Xela), besuche mehrfach den großen Markt und finde immer neue Restaurants in denen man preiswert (für 2,50€ bis 4€) und gut essen kann.

mal ein (äußerlich) schöner Bus    Kirche in Zunil                      Friedhof über Zunil                  Friedhof in Quetzaltenango

8. Woche vom 16. bis 22. November 2017
Am Donnerstag Vormittag ein Bummel über den Friedhof in Quetzaltenango. Teilweise sehr schön, ruhig und friedlich, nur schade das bei vielen der Statuen die Köpfe und sogar die Hände abgeschlagen sind. Am Nachmittag hinauf auf den Hausberg El Baul. Ich nehme praktisch nichts mit, weil es auf dem Berg schon öfters zu Überfällen gekommen ist. Davon merke ich nichts, was wohl auch an den patrouillierenden Polizisten liegt. Das Wetter ist nach wie vor sehr schön, blauer Himmel am Morgen und ab dem Nachmittag aufziehende Wolken. Tagsüber schafft es die Sonne auf fast 30°C, doch im Schatten kühlt es stark ab und in den Nächten geht es runter bis auf 7°C. Freitag nach San Francisco de Alto. Der Markt dort wird beworben, ist aber in meinen Augen wenig wert. Verstopfte Strassen, nirgends kann man stehen bleiben, geschweige denn fotografieren. Als dann auch noch zwei Mal versucht wird im Getümmel meinen Rucksack zu öffnen kehre ich dem Dorf schlecht gelaunt den Rücken. Sonntag eine kleine Bergtour. Ich hatte im Hostel ein Paar aus Österreich kennen gelernt und wir haben uns prächtig verstanden. Gemeinsam brechen wir 6 Uhr morgens auf, um den Vulkan Santa Maria bis zu einem Punkt zu besteigen von dem aus man den kleineren, aber aktiven, Vulkan Santiaguito sehen kann. Auch ohne Wegweiser und mit Warnungen der Tourbüros (klar, die wollen was verkaufen) finden wir uns zurecht. Leider bekommen wir den Krater nur teilweise zu Gesicht und von Aktivität ist nichts zu sehen, aber es war eine schöne Wanderung und ich bin anscheinend wieder belastbar. Dienstag will ich eigentlich nur einen Spaziergang machen und laufe südlich aus der Stadt. Zwei Mal abgebogen steigt die schmale Strasse bald an und führt zu einem kleinen Marktflecken. Den überraschend vielen Leuten dort folge ich und komme an ein Lavafeld, welches schnell und steil ansteigt. Auf dem Weg zwischen den Felsen immer wieder kleine Plattformen auf denen die Leute opfern, beten, predigen, singen, weinen und schreien. Sehr eindrücklich. Ohne es zu wollen bin ich wohl an einen heiligen Ort gelangt. Durch kleine Schluchten und bergan auch mal mit Hilfe von Seilen komme ich bis auf die kleinen Gipfel, auf denen auch geopfert wird, vor allem Blumen. Die Aussicht absolut herrlich, habe diese Stunde da oben noch lange im Sinn...

der spannende Weg hinauf         oben auf einem der Gipfel         Kanutour zum Sonnenaufgang in den Mangroven Monterrico

9. Woche vom 23. bis 29. November 2017
Ab Donnerstag beginne ich mit dem großen Rucksack zu trainieren. Zu Beginn noch nicht komplett gefüllt, laufe ich mehrfach am Tag kleine Runden. Freitag zum (hoffentlich) letzten Mal ein Besuch bei Dr. Cordon. Der ist zufrieden und gibt mir grünes Licht für die Weiterreise. Allerdings sollte ich immer noch vorsichtig mit schweren Sachen sein. Sonntag ist es dann soweit: Leicht aufgeregt sage ich dem Black Cat Hostel in Quetzaltenango ade und setze meine Reise nach fast vier Wochen Pause fort. Auf Grund der kurzen Verbindungen sind insgesamt sechs Busse nötig um an die Pazifikküste ins Dorf Monterrico zu kommen. Mit etwas Hilfe anderer kann ich auch problemlos meinen großen Rucksack Händeln. Monterrico: richtiger Ort. Der Strand auf Grund vulkanischen Ursprungs mit seiner dunkelbraunen bis schwarzen Färbung wenig fotogen, aber trotzdem schön. Das Hotel direkt am Strand und die Ozeanwellen wiegen einen in den Schlaf. Genial. Am Montag Morgen (5Uhr) eine Kanutour in die Mangrovenwälder hinter dem Strand mit schönem Sonnenaufgang und jeder Menge Vögel die unbeeindruckt von uns den Tag beginnen. Ansonsten faulenze ich an meinem Geburtstag am Strand und bekomme viele Wünsche und Grüße von euch. Danke. Wer mich kennt weiß, ich bin kein Strandmensch, also zieht es mich schon einen Tag später weiter. Bereits am Mittag verlasse ich Guatemala und reise nach El Salvador ein. Von Anfang an fühle ich mich wohl in dem Land. Die Menschen sind angenehm, die Frauen hübscher, die Strassen besser und die Busse zwar nur etwas neuer, dafür aber um einiges günstiger. Im Land bezahlt man mit US Dollar, und die ersten 100 km kosten gerade mal 1,60 USD. Noch am selben Tag erreiche ich Concepcion de Ataco, ein Dorf an der Ruta de Flores, einer Bergregion in der viel Kaffee angebaut wird. Der Ort übersichtlich, klein und farbenfroh. Ich bleibe zwei Tage, erkunde die Gegend und finde landestypisches Essen, wie z.B. Pupusa, die man sich gut als gefüllte Teigtaschen vorstellen kann. Flach, handgroß, meist mit Käse und ... gefüllt sind sie sättigend und sehr billig.
10. Woche vom 30. November bis 6. Dezember 2017
Am Donnerstag umziehen nach Juayua, ein weiteres Dorf an der Ruta de Flores. Trotz Warnung laufe ich allein zu den Wasser- fällen Chorros de la Calera, wobei mir aber auf dem Weg nur freundliche Einheimische begegnen. Die Fälle sind interessant und sehenswert, weil das Wasser aus einem langen horizontalen Riss aus dem Berg zu Tage tritt. Gefällt mir. Am Abend ins beste Restaurant der Gegend, wo man gutes Rind bekommt das mit der Zugabe von Kaffee mariniert wird. Ungewöhnlich aber fein.  

im Dorf Apaneca                      Ataco, farbenfroh und mit reichlich Kunst an den Häusern          Juayua, Chorros de la Calera

Freitag weiter. Man merkt, Reiserhythmus und Reisetempo sind zurück. Es dauert nur anderthalb Stunden bis in die Großstadt Santa Ana. Dort steige ich im Hostel Casa Verde ab, dem wohl besten Haus für Backpacker bis weit über die Landesgrenzen hinweg. Da hat sich der Besitzer Carlos die Mühe gemacht und eine perfekte Unterkunft bis ins Detail durchkonzipiert. Bravo! Auch Santa Ana bietet einiges, wie zum Beispiel die fotogene Ruine der alten Kunstschule, die in alten Zeiten zu den besten in ganz Amerika gehörte und natürlich macht die große Kirche im Zentrum was her. Am Samstag ein Ausflug auf den nahen Vulkan Santa Ana, der Originalname Llamatepec ist wohl schwer zu vermarkten. Rauf darf man nur in der Gruppe, zur Sicherheit jeweils begleitet von einem schwer bewaffneten Soldaten. “Unten” noch blauer Himmel und 30°C, “oben” auf dem Gipfel auf 2.381m stürmischer Wind mit mehr als 120km/h und viele Wolken, die eine Sicht nur für wenige Sekunden frei geben. Immerhin reicht es für ein paar Blicke in den riesigen Krater mit farbiger Lagune und auf den herrlichen Lago Coatepeque gleich nebenan. War schwer die Kamera dabei ruhig zu halten. Sonntag ein Ausflug zu den nahen Maya Ruinen von Tazumal. Mal wieder alte
Steine ;-). Montag will ich weiter, kann mich aber noch nicht vom Hostel in Santa Ana trennen, was mir sehr selten passiert.

Santa Ana, die Kirche              Santa Ana, Ruine Kunstschule   der Lago Coatepeque               Ruine Tazumal

Dienstag kann ich mich dann doch von Santa Ana losreißen. Die Distanzen bleiben kurz im Land und es dauert nur etwas mehr als eine Stunde bis zur Hauptstadt San Salvador. Mein Hostel dort gut gelegen, es sind nur zwanzig Minuten bis ins historische Zentrum zu Laufen. Dort werden derzeit viele Strassen und Plätze neu gebaut und sind Baustelle, was schöne Fotos unmöglich macht. Ansehenswert: die Kirche El Rosario. Von außen hässlicher als ein DDR Plattenbau, zaubern im Inneren farbige Glasfenster herrliche Muster und Stimmungen. So was ähnliches steht auch in Le Havre, Frankreich. Sonst das übliche Chaos und der allgegenwärtige Dreck und Müll. Keine Ahnung wo das mal noch hinführen soll, denn gesund ist das auf keinen Fall wenn man an einer Kreuzung in der dicken fetten Rußwolke eines Busses steht. Und davon gibt es hier hunderte... Mittwoch in den schönen Botanischen Garten von San Salvador, der sich einen großen Vulkankrater mit einem schmutzigen Industriepark teilt, was für eine Kombination. Am Nachmittag in den Stadtteil Santa Tecla, dessen Partymeile mehr an Europa erinnert als an Mittelamerika, und von da hinauf auf den Vulkan San Salvador, wo im tiefen Krater ein weiterer Vulkankegel steht. 

Baustelle San Salvador             Kirche El Rosario                     Santa Tecla                           der Krater des San Salvador

11. Woche vom 7. bis 13. Dezember 2017
Am Donnerstag zuerst mit dem Vorortbus zur Puerta del Diablo, steilen Felsen südöstlich der Hauptstadt. Die sind nicht sehr hoch, aber mit einer toller Aussicht auf fünf Vulkane, einen See und das ganze Land von San Salvador bis zur Pazifikküste. Am Nachmittag der Gang in den alten Friedhof, wo vor allem der italienische Teil mit seinen Statuen fasziniert. Außergewöhnlich: ein, leider nicht mehr vollständiges, Motorrad auf dem Grabstein; für den ehemaligen Piloten Massi ein Doppeldecker und ein Arzt hat seine viel zu früh verstorbene Frau als lebensgroße Kopie im Brautkleid als Statue auf ihrem Grab verewigt. Stark.
Noch ein Wort zur Sicherheit: Ich wusste selbst nicht was mich in El Salvador erwarten wird, denn das Land wird immer wieder als sehr gefährlich verschrien. Selbst laut den lokalen Zeitungen ist das so, denn die sind täglich voll von Opfern, Toten und Greueltaten. Als Tourist merkt man davon wenig, um nicht zu sagen: gar nichts. Vielerorts steht bewaffnete Sicherheit, nicht nur vor den Banken, und selbst auf manchen Wanderwegen wird man bewaffnet begleitet, was keine Sonderbehandlung für westliche Touristen darstellt. Ich habe mich an dieses Bild gewöhnt, und ein wenig Glück wie auch gesunder Menschenverstand sichern mir bis jetzt eine sorgenfreie Reise. Hoffen wir mal das es dabei bleibt...

           im Botanischen Garten in San Salvador                        Puerta del Diablo                     Motorrad auf dem Grab

Freitag: nordöstlich von San Salvador wird der kleine Ort Suchitoto zu meiner nächsten Station. Gelegen auf 400m Höhe sind die Tage heiß, aber die Nächte erträglich. Mein Hostel liegt am Dorfrand und bietet einen unschlagbaren Blick auf den nahen Stausee. Ich sitze so manches Mal auf der kleinen Terrasse und lasse die Gedanken schweifen. Das Leben geht hier einen eher gemächlichen Gang und Zeit wird sekundär. Die Kirche ist - wieder mal - das schönste Gebäude weit und breit. Am Samstag will ich zu einem kleinen Wasserfall, nur 3km außerhalb. Die nette Hostelbesitzerin schickt mich zur Polizei, weil die jeden Nachmittag Leute dahin begleiten. Nun, ich bin der Einzige heute und werde, begleitet von vier (!) bewaffneten Polizisten, mit dem Jeep hin gebracht. Unglaublich! Der Wasserfall Los Tercios hat wegen der Trockenzeit übrigens kein Wasser, aber das macht nichts, denn die Basaltwand mit 30m Höhe und wenigstens 20m Breite ist auch so äußerst beeindruckend. Ich habe mich übrigens mit “meinen” Bodygards sehr gut verstanden, weshalb auch das Foto hier zustande kommen konnte.

Blick von der Hostelterrasse       Kirche Suchitoto                    “Wasserfall” Los Tercios           “meine” Bodygards

Am Sonntag bringt mich der Bus zum vorerst letzten Reiseziel in San Salvador, wo ich kurz vor der Grenze zu Honduras Halt in San Ignacio mache. Doch der Ort gefällt mir nicht besonders und noch dazu stürmt es wie verrückt. Als dann am Montag Morgen auch noch graue Wolken den Himmel bedecken und es eher nach Regen aussieht, wird der Plan in die nahen Berge zu wandern über den Haufen geworfen. Stattdessen packe ich meine Sachen und verlasse El Salvador. Die Grenze ist nicht weit und nur wenige Leute unterwegs, so dauert es nicht lang bis nach Ocotepeque in Honduras. Weil es kürzer für mich ist, dann aber ein Bogen über Guatemala, um zum zweiten Mal nach Honduras einzureisen. An einem Tag drei Grenzübertritte, ein etwas ungewöhnlicher Rekord für mich. Immerhin komme ich so bis Copan, eine ziemlich bekannte alte Mayastätte. Von den Protesten und Demonstrationen im Land wegen der Wahlquerelen bleibt Copan verschont, allerdings auch von Touristen die dem Frieden anscheinend nicht trauen. Ungewöhnlicherweise sieht man derzeit nur wenige ausländische Gesichter in der, wie ich finde, wirklich schönen kleinen Stadt. Das Wetter bleibt dann vorerst grau und kühl (tagsüber 18°C), was mir zwei Tage Pause beschert. Dabei treffe ich Kristy, Südafrika, nach Santa Ana zum zweiten Mal und wir reisen von nun an gemeinsam. Übrigens streikt der für mich einzig verwendbare Geldautomat in Copan zwei Tage lang und Geduld ist gefragt bis ich wieder “flüssig” bin.

       Copan: Natur gegen Mensch        Altar der 16 Könige                    etwas gruselig

 eine der zahlreichen Stelen auf dem Gelände, aufgestellt im Jahr 731

12. Woche vom 14. bis 20. Dezember 2017
Am Donnerstag scheint wieder die Sonne vom blauen Himmel. Genau richtig um sich die Mayaruinen von Copan anzuschauen. Und das lohnt sich. Die Pyramiden und Überreste der Gebäude ähneln dem was ich zuvor auf dieser Reise gesehen habe, aber hier gibt es jede Menge Bildhauerein und alte Maya Schriftzeichen zu sehen. Genau das hatte ich bisher vermisst. Genial! Noch dazu habe ich auf Grund der wenigen Touristen das alles fast für mich allein, ein tolles Erlebnis. Ein paar Stunden dauert das Erforschen schon, hinter jeder Ecke gibt es was Neues zu entdecken. Und danach noch ins nahe Museum, wo neben anderem die exakte Kopie, auch in Größe, eines Tempels steht, der UNTER einer der Pyramiden gefunden wurde. Das reich verzierte Gebäude, aus dem 6.Jh stammend, wurde wegen seiner rosa Steine auf den Namen “Rosalila” getauft.

Copan, Tempel                      Tempel Rosalila im Museum        im Museum                            Ara auf dem Ruinengelände

Freitag wollen wir Copan verlassen, doch ein Generalstreik im Land legt den öffentlichen Verkehr lahm und wir bleiben noch einen Tag. Samstag Morgen sollte eigentlich alles wieder normal sein, aber Proteste und Barrikaden riegeln San Pedro Sula, einen wichtigen Verkehrsknotenpunkt, nach wie vor ab. Also fahren wir erst einmal nach Gracias, eine Kleinstadt im westlichen Zentrum des Landes. Übersichtlich, schön anzuschauen und voller netter Menschen. Auch hier merkt man von der Aufruhr im Land nichts. Sonntag stehen wir 5.15 Uhr an der Bushaltestelle. Und: der Bus nach San Pedro Sula fährt. Wir kommen gut voran, nur 20 km vor der Großstadt sieht man noch deutlich die Überreste der Strassensperren und der Verkehr staut sich langsam daran vorbei. Schnell umsteigen und weiter nach La Ceiba. Auch das klappt und wir können nach insgesamt 380km Busfahrt auf eine Fähre umsteigen, die uns 35km aufs Meer hinaus bringt, bis die kleine Insel Utila auftaucht, nur 11km lang und 4 km breit. Geschafft, und das im doppelten Sinn.
Montag Vormittag klappere ich einige der zahlreichen Tauchschulen ab, bis ich mit Alton’s Divecenter die für mich passende gefunden habe. Die Leute dort sind mir sympathisch, der Preis passt und die Unterkunft direkt am Meer lässt nichts zu wünschen übrig. Schon am Dienstag Nachmittag beginnt der Kurs zum Open Water PADI. Wegen der derzeit wenigen Touristen auf der Insel sind wir nur zu zweit in der Klasse, aber daran kann ich nicht das geringste Aussetzen. Zwei halbe Tage Theorie, dann geht es das erste Mal ins und unter Wasser. Macht Spaß und John, aus Australien, und ich scheinen uns keineswegs dumm anzustellen, denn Malin, unsere schwedische Tauchlehrerin, ist sehr zufrieden mit den Ergebnissen.

ohne Worte                           Insel Utila                              mit dem Kanu im Kanal             unsere Weihnachtsinsel

13. Woche vom 21. bis 27. Dezember 2017
Am Donnerstag der erste Tauchgang bis auf 12m. Aufregend. Vor allem wenn man so wie hier eine bunte Korallenwand vor Augen hat. Die Erfahrung ist eine ganz andere als beim Schnorcheln, denn jetzt schwebe ich wie schwerelos mitten in dieser bunten Welt, nur begleitet vom Geräusch des eigenen Atems. Herrlich. Nebenbei müssen aber noch ein paar praktische Übungen sein, um zu wiederholen was wir die letzten Tage gelernt haben. Freitag bestehe ich die theoretischen Prüfungen und darf am Nachmittag bis zu der für Open Water geltenden Tiefe von 18m tauchen Geschafft! Ich habe den Tauchschein in der Tasche. War ehrlich gesagt nicht schwer, was andere Taucher wohl bestätigen können. Sonntag, Heilig Abend, ein kleines Kontrastprogramm: mit zwei anderen Tauchschülern Kajaks ausleihen, damit durch die Bucht, die anschließende Lagune und hinein in den die Insel teilenden Kanal. Der ist Hand gegraben teils nur 1,5m breit. Abenteuerliche Geschichte. Am Abend gehen wir zu fünft “fein” essen, in der Gemeinschaft feiert sich Weihnachten einfach schöner. Am Montag hat die Tauchschule geschlossen und wir fahren alle gemeinsam mit dem Boot auf eine Miniinsel. Die ist 100m lang, 50m breit und besteht nur aus Sand und Palmen. Genial. Wir haben Essen und Trinken dabei und picknicken den ganzen Tag, wenn wir nicht gerade im Wasser sind. Nur das Wetter spielt nicht mit, es ist bedeckt und regnerisch. Am Dienstag zum letzten Mal tauchen. Für mich ein  würdiger Abschied, denn neben all den Lebewesen am Riff sehen und begleiten wir auch eine Meeresschildkröte. Zwischen den Tauchgängen sucht und findet unser Kapitän weiter draußen sogar einen 12m langen Walhai, den größten Fisch im Ozean, mit dem wir kurz schwimmen können. Wie ich das beschreiben soll? Man fühlt sich sehr klein und unbedeutend neben so einem Riesen, der da so majestätisch und anscheinend ungerührt seine Bahn zieht. Am Mittwoch verabschiede ich mich schweren Herzens von Utila. Diese Insel hat etwas spezielles an sich was einen fesselt, auch ohne lange Sandstrände und touristischen Schnickschnack. Ich glaube sie ist einfach ehrlich und ursprünglich, was heutzutage leider selten geworden ist. 

Alton’s Tauchschule                Ich - der Taucher                    Livingston                              am Strand von Livingston

Der Mittwoch als langer Reisetag. Die Fähre von Utila zum Festland um 7 Uhr. Da war die Überlegung noch länger in Honduras zu bleiben, aber falls es wieder zu Protesten kommt möchte ich nicht irgendwo im Land fest sitzen. Also folgt Bus auf Bus bis zur Grenze nach Guatemala. Auf der anderen Seite gelingt noch die Strecke bis Puerto Barrios. Das reicht dann aber.
14. Woche vom 28. Dezember 2017 bis 3. Januar 2018
Am Donnerstag regnet es, und ich will weg aus Puerto Barrios. Ein kleines Boot bringt mich 20 km an der Küste entlang bis nach Livingston. Der kleine Karibikort hat keine Straßenanbindung, was ihn besonders macht. Man fühlt sich nicht wirklich wie in Guatemala, die Leute sehen anders aus, reden anders und auch die Lebensweise ist eine andere. Nur der Regen stört und lässt selbst so einen Ort trostlos erscheinen. Da passen schmale Strände und bräunliches Wasser im Meer nur all zu gut dazu. Freitag bleibt es bei dem schlechten Wetter, doch Besserung wird versprochen und ich organisiere mein Sylvester. Tags darauf besteige ich erneut ein Boot, überraschenderweise als einziger Fahrgast. Stört mich nicht, denn die Fahrt geht durch eines der Highlights hier: den Canyon des Rio Dulce. Beidseitig ragen die mit dichtem Grün bewachsenen Steilwände gen Himmel und der Fluss bahnt sich in Kurven seinen Weg durch das enge Tal. Echt beeindruckend. Gleich danach biegen wir in einen kleinen ruhigen Seitenfluss ab, den Tatin, wo am Ufer eine kleine Finca steht. Die Hütten sind verteilt im dichten Dschungel, kein Internet, kein Fernsehen, aber eine Mayasauna und viel Raum zum Ausruhen. Eine gute Wahl für mich. Gegessen wird am Abend zusammen an zwei je 10m langen Tischen wie in Familie. So kommt man schnell mit den anderen ins Gespräch. Das Wetter wird auch besser und die Sonne kommt raus. Sonntag ist Sylvester, was mich nicht hindert mit einem Kajak einen Ausflug zu unternehmen. Stundenlang geht es bei schönstem Wetter über den Rio Dulce und seine Nebenflüsse, vorbei an kleinen, versteckten Grundstücken und der Vogelinsel. Ein sehr schöner Abschluss nach einem ereignisreichen 2017. Am Abend sind wir ungefähr 40 Gäste in der Finca und feiern zusammen mit den Angestellten hinüber ins Neue Jahr.     

Sammeltaxi ;-)                       Rio Dulce                                Rio Dulce                               Finca Tatin

Ohne Kater zum Neujahr kann ich schon am Vormittag des 1.Januar 2018 das Boot in die Ortschaft Rio Dulce nehmen. Erneut scheint die Sonne und macht die einstündige Fahrt über den Fluss, der zeitweise mehr einem See ähnelt, zum Erlebnis. Selbiges kann man dann über den Ort nicht sagen und ich bin froh ihn am Dienstag wieder zu verlassen. Das Wetter macht allerdings die Rolle rückwärts und es regnet fast den ganzen Tag. In einer großen Schleife erreiche ich nach acht Stunden Coban, das nichts mit Copan in Honduras zu tun hat. In den Bergen auf 1.300m Höhe gelegen, hängen Wolken und Nebel dicht über der Stadt. Das fühlt sich an wie Deutschland im November. In den Häuser, ungeheizt, herrscht praktisch Außentemperatur. Weil es für mich weiter hinauf in die Berge gehen soll bleibe ich trotz des Wetters drei Nächte um abzuwarten das es wieder schöner wird.

Finca Tatin, mein Lieblingsplatz   Kajaktour Rio Dulce                Kajaktour Rio Dulce                noch mal Rio Dulce

15. Woche vom 4. bis 10. Januar 2018
Am Donnerstag wie gesagt noch Coban. Einzig erwähnenswert an diesem Tag: ein Erdbeben. So wie schon am 3.November, als ich im Krankenhaus in Quetzaltenengo lag, bebt auch heute die Erde mit Stärke 4,3 auf der Richter Skala. Beide Male erzittert das gesamte Gebäude mit allem was darin ist für wenigstens fünf Sekunden. Ein komisches Gefühl das bestimmt nicht zu meinen liebsten zählt... Freitag starte ich zwar im Nieselregen, aber es wird im Laufe des Tages besser und am Nachmittag kommt wie versprochen die Sonne durch. Auf schmalen, teils unbefestigten Strassen kämpft sich der kleine Bus voran, wobei frühere Erdrutsche und entgegenkommende LKW die Fahrt weiter verlangsamen. In der aufreißenden Wolkendecke kann man inzwischen die Schönheit der Landschaft erkennen. Mein Ziel: Santa Maria Nebaj, oder einfach nur Nebaj. Ein größeres Dorf inmitten der Berge auf 1.900m, das, wie andere Ortschaften hier, stark im Bürgerkrieg gelitten hat.

die Berge von Nebaj

Trotzdem hat sich die Kultur und Sprache der Ixil gehalten. Nachts wird es richtig kalt und ich hole warme Sachen aus den Tiefen meines Rucksackes empor um den Temperaturen zu trotzen. Im kleinen Gasthof dort treffe ich zum ersten Mal auf meinen Reisen einen Griechen und wir gehen am Abend gemeinsam zur Unterhaltung im Ort: Hallenfußball. Gespielt wird auf Beton und es macht Spaß mit den rund 250 Zuschauern mitzufiebern. Frauenmannschaften gibt es auch, was mich beim bisherigen Bild der Frau in diesem Land ein wenig überrascht, vor allem in dieser abgeschiedenen Bergwelt.

auf dem Markt in Todos Santos

Samstag brennt die Sonne schnell den Morgennebel weg und ein strahlend schöner Tag beginnt. Für mich geht es in die Berge. Über einen kleinen Pass nach Acul und danach weiter durch kleinste Siedlungen bis hinauf auf 3.000m Höhe. Herrlich, mal wieder frei und ungezwungen in den Bergen unterwegs zu sein. Fernab vom zählbaren Tourismus geht keinerlei Gefahr für Reisende oder Wanderer aus. Es wäre in der Gegend noch viel mehr zu sehen, aber ich will das schöne Wetter nutzen um noch andere Berglandschaften zu sehen. Also am Sonntag die Weiterfahrt nach Todos Santos Cuchumatan. Dafür klettert der Bus hinter Huehuetenango auf ein Hochplateau von 3.000m Höhe um danach 600m tief in ein wunderschönes Tal einzutauchen. Das Dorf ist nicht wahnsinnig schön, aber es gibt genug Infrastruktur für Reisende und vor allem die Männer hier tragen eine sehr einprägsame Tracht. Und die jeden Tag! Selbst Kinder laufen so herum und auch Jugendliche tragen zumindest die roten Hosen mit Streifen. Schön anzusehen. Am Montag Morgen ein kleiner Temperaturrekord im Zimmer: 12°C. Da fällt es schwer aus dem warmen Bett zu kommen. Aber die Sonne lockt und ich besteige den 3.837m hohen Alto Cuchumatanes (La Torre). Das ist theoretisch der höchste Berg (Vulkane fallen in eine andere Kategorie) Mittelamerikas, obwohl das auch vom Cerro Chirippo in Costa Rica behauptet wird. Es ist nicht ein einzeln stehender Berg, sondern mehr ein Hochplateau mit “Buckeln” die als kleine Gipfel verstreut liegen. Granit herrscht vor, was fotogen rüber kommt, mit vielen Kiefern als Bewuchs. Die verbreiten einen irren Duft, dazu ist es da oben absolut still und friedlich, mit einem Licht, das in dieser Höhe sehr hart und so ganz anders ist.

Todos Santos Cuchumatan, sowie               seine farbenfrohen und       traditionsbewußten Bewohner

die Berge im Morgenlicht           Blick vom 3.837m hohen La Torre

Am Dienstag verlasse ich Cuchumatan und erreiche nach vier Stunden Fahrt zum zweiten Mal auf dieser Reise Quetzaltenango. Ich freue mich richtiggehend auf die Stadt und das Hostel “Black Cat”. Dort bin ich noch immer mehr als bekannt und werde von den Angestellten herzlich begrüßt. Es wird Zeit die Ausrüstung zu pflegen und sich im schönsten Sonnenschein auszuruhen
16. Woche vom 11. bis 17. Januar 2018
Am Donnerstag klingelt der Wecker nach einer praktisch schlaflosen Nacht um 1 Uhr, Zeit mal wieder was Verrücktes zu tun. Allein, niemand anderes wollte mitkommen, laufe ich durch die schlafende Stadt ungefähr 7 km bis Llanos de Pinal. Ein höl- zerner Besenstiel vom Hostel hält streunende Hunde fern und dient als Wanderhilfe beim nächtlichen Aufstieg auf den Vulkan Santa Maria (3.772m). Ist schon aufregend im Schein der Kopflampe stundenlang einem Pfad im Wald zu folgen. Hinter mir glimmen nur die Lichter der Großstadt, über mir am Himmel die dünne Mondsichel und unzählige Sterne. Nach drei Stunden mit zum Schluss heftiger Kletterei ereiche ich den baumlosen Gipfel und sehe eine halbe Stunde später wie das erste Tageslicht den Horizont erhellt. Das Farbenspiel dabei ist unbeschreiblich schön, auch weil acht Vulkane in Reih und Glied vor mir liegen. Dazu der Blick in den rauchenden Krater des kleineren Santiaguito und der perfekt dreieckige Schatten des Santa Maria auf der Landschaft in Richtung Westen. Ein herrlicher Morgen, der mir ein Lächeln schenkt! Dazu darf ich das alles allein genießen, die ersten Wanderer sollte ich erst eine Stunde später während meinem Abstieg treffen. Das war ein geniales Abenteuer.

vom Gipfel des Santa Maria       klein aber aktiv, Santiaguito     perfekte Schattengeometrie     Ausfahrt Huehuetenango

Sonnenaufgang Tajumulco

Freitag ein Ausflug nach Westen. Dreieinhalb Stunden und zwei Busse später bin ich am Fuße des Vulkanes Tajumulco, mit 4.220m der höchste Punkt in Mittelamerika (Mexiko wird in fast allen Quellen zu Nordamerika gezählt). Am Nachmittag mache ich mich mit der Gegend vertraut und gehe recht früh zu Bett, denn der Wecker klingelt bereits wieder um 3 Uhr. Eine stockdunkle Nacht, dazu kräftiger Wind und einige Nebelbänke. Keine guten Voraussetzungen für einen nächtlichen Aufstieg. Doch die Berggötter haben ein Einsehen und ab 3.300m beruhigt sich das Wetter unter einem sternenklaren Himmel.

Panorama Tajumulco mit Mond

Erneut schaffe ich es rechtzeitig vor dem Sonnenaufgang bis zum Gipfel. Ohne Wind sind die 3°C da oben zum Aushalten. Das Panorama zeigt sich anders als auf dem Santa Maria, die Vulkane säumen von hier aus nebeneinander den Horizont. Auch heute muss ich den magischen Moment wenn der Tag anbricht nicht teilen und ein stiller Frieden liegt über dem Vulkan. Noch am Samstag kehre ich nach Quetzaltenango zurück. In den letzten sieben Tagen waren das vier Touren auf die höchsten Gipfel des Landes, dazu jeweils der Zeit raubende Transport zwischen den Orten. Für mich geht eine wahnsinnig schöne Woche in den Bergen Guatemalas zu Ende und es scheint als will sich dieses Land eindrücklich und mit einem Feuerwerk von Höhepunkten von mir verabschieden. Sonntag verlasse ich zum dritten und letzten Mal Quetzaltenango. Noch einmal quetsche ich mich in die völlig überfüllten alten Busse mit mehr als 100 Passagieren und zuckel mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 25 km/h auf schlechten Strassen über Huehuetenango bis an die mexikanische Grenze. Dank Sonntag ist dort wenig los und der Länderwechsel erfolgt schnell und reibungslos. Nun haben Busfahrten wieder eine ganz andere Qualität. Die Straßen gut, die Busse neu und mit nur so vielen Passagieren besetzt wie Sitzplätze vorhanden sind, erstaunlicherweise zum selben Preis wie in Guatemala! Was für eine Wohltat, so macht Reisen wieder mehr Spaß. Erstes Ziel in Mexiko: Comitan, anderthalb Stunden hinter der Grenze. In der hübschen Stadt ist es überraschend kalt, auch wenn man die 1.600m Höhe einrechnet. Am Montag ein Ausflug zum 35 km entfernten El Chiflon. Im Bus lerne ich zwei Französinnen kennen und wir verbringen den Tag gemeinsam. El Chiflon ist mehr als nur ein Wasserfall. Über viele Stufen, die höchste mit 70m, bahnt sich der Fluss seinen Weg ins Tal. Dabei formt das türkisfarbene Wasser so manch schönen Pool zum Baden, was bei 10°C mehr als in Comitan eine Freude ist. Den halben Tag bleiben wir dort und folgen dem Flusslauf hinauf bis über den höchsten Fall.

das Zentrum von Comitan mit akurat geschnittenen Bäumen              erste Pools am El Chiflon

                                                                                                     der höchste Wasserfall dort

Tags darauf zu den Lagunas de Montebello, 60 km südöstlich von Comitan. Leider ist das Wetter heute, im Gegensatz zu gestern, kühl, bewölkt und windig. Trotzdem lohnt sich der Weg. Von den mehr als 50 Seen im dortigen Nationalpark sehe ich rund ein Viertel. Das Wasser meist glasklar, die Farben in allen Schattierungen von Blau bis Grün. Umgeben von Kieferwäldern und Felsen kann man zusätzlich noch Höhlen und eine Naturbrücke entdecken. Eine sehr eindrückliche Landschaft. Touristen sieht man in dieser Ecke von Mexiko nur wenige, was mich keinesfalls stört.

im Nationalpark Lagunas de Montebello, Laguna Colores, Laguna Azul und der für mich schönste: Laguna Canada

Noch am Dienstag die Weiterfahrt nach San Cristobal de Las Casas. Wie vom Wetterbericht versprochen ist es in der Stadt auf 2.100m Höhe noch mal einen Zacken kälter. So wie derzeit überall auf der Welt schlägt das Wetter auch hier Kapriolen. So ist es zwar im “Winter” manchmal recht kühl im Bergland, doch die letzten zwei Wochen waren schon fast extrem kalt. In San Cristobal zeigt das Thermometer tagsüber 11°C, nachts nur 2°C an. Da brauche ich im Hostel eine Decke mehr im Bett. Ohne ein Tagesprogramm bei solchem Wetter bleibt Zeit die weitere Reise zu planen, die nun anders weitergehen wird als gedacht

17. Woche vom 18. bis 24. Januar 2018
Am Donnerstag wird der erste Teil des neuen Planes in die Tat umgesetzt. Weil ich vielleicht nicht mehr nach Cancun/Yucatan zurück kehre und der Kälte von San Cristobal entfliehen möchte ein Ausbruch nach Norden. Die Strecke wird von den großen Busunternehmen gemieden, weil Anhänger der Zapatistas gern einmal die Strassen blockieren um sich Gehör zu verschaffen. Das passiert auch heute zwei Mal vor und nach Ocosinango, aber die Vermummten sind für Touristen ungefährlich und sie lassen den Verkehr bald wieder rollen. Die Landschaft durch die der Minibus fährt ist ausgesprochen schön. Viele Hügel und Berge, fast noch vollständig bewaldet. Um unzählige Kurven herum erreiche ich nach fünf Stunden und 200 km Palenque, am am Fuß der Berge liegend. Sonniges Wetter und 15°C mehr als in San Cristobal, das gefällt. Den Grund für meinen Abstecher hierher besuche ich am nächsten Tag: die Mayaruinen vor den Toren der Stadt. Ich werde nicht müde mir alte Steine anzuschauen, und Palenque lohnt sich wahrhaftig. Gut erhaltene Bausubstanz inmitten der grünen Hügel, Pyramiden, alte Reliefs und einen Palast mit Turm, in dessen Gängen und kleinen Höfen man sich fast verlieren kann. Zum Schluss ein Besuch des nahen Museums, wo eine nachgebildete Grabkammer den Aufsehen erregenden Sarkophag enthält, der erst in den 50ger Jahren entdeckt wurde. Hat Erich von Däniken Recht wenn er das Relief auf dem Deckel anders deutet als die Wissenschaft?

der “Palast” von Palenque        Blick auf den Tempel der Inschriften
                
                 auch in der letzten Ecke gibt es noch was zu entdecken

der Sarkophag mit dem Relief auf dem Deckel das mehr Fragen aufwirft als beantwortet...

Samstag früh aufstehen und bald darauf Palenque verlassen. Auf dem Weg zurück nach San Cristobal zwei lohnende Pausen. Nach 15 km der Wasserfall Misol-Ha, fast schon märchenhaft schön. Man kann sogar hinter dem Fall entlang laufen, was besondere Aussichten verschafft. Zu der frühen Stunde ist noch kein Tourbus da, nur ein freundliches mexikanischen Pärchen. Danach schnell zurück zur Hauptstrasse und mit dem nächsten Colectivo 40 km weiter nach Agua Azul. Auch wenn diese Kaskaden heftig vermarktet werden und sich ein Souvenirstand an den anderen reiht, es wäre ein Frevel sie auszulassen. Das Wasser glasklar und mit einem herrlichen Blauton. Dazu Wasserfälle über Wasserfälle, mal klein, mal groß, mal schmal, mal breit, weil sich der Fluß immer wieder neu teilt und zusammenfügt. Natürliche Badepools, teils versteckt zwischen den Bäumen. Ich bin tief beeindruckt, was für eine Schönheit. Agua Azul ist für mich die Summe aus El Chiflon und Semuc Champey. Genial!

Wasserfall Misol-Ha                        die Kaskaden Agua Azul, die Bilder sprechen hoffentlich für sich selber

Am Abend bin ich wieder in San Cristobal. Das Wetter ist ein ganzes Stück schöner geworden, die Temperatur wieder im normalen Bereich. So hatte ich mir das gedacht. Die Stadt hat trotz vieler Touristen ihren Charme behalten. Es fehlen die ganz großen Sehenswürdigkeiten, dafür kann man aber stundenlang durch die schmalen Kopfsteinpflasterstrassen laufen und entdeckt dabei immer wieder etwas Neues. So passiert es mir jedenfalls am Sonntag. Montag ein Ausflug in die Dörfer ringsum, wo unter anderem der Volksstamm der Tzotzil zu Hause ist. Die sprechen ihre eigene Sprache, spanisch ist eine Fremdsprache. Dazu bleiben sie bei ihrer Tracht und ihren Bräuchen, was ich nach einem Besuch der (katholischen) Kirche in Chamula nur bezeugen kann. Keine Kirchenbänke, Stroh bedeckt den gefliesten Boden, tausende von Kerzen brennen und Schamanen vollziehen ihre heidnischen Rituale. So werde ich Zeuge wie ein Huhn IN DER KIRCHE geopfert wird. Das ist ganz schön verrückt

San Cristobal de las Casas             schmale Strassen, kleine Häuser und versteckte Cafes        Ausflug nach Zinacantan

Ich laufe dann acht Kilometer weiter bis nach Zinacantan, wo, ohne das ich es wusste, gerade ein großes Fest stattfindet. Hunderte von Menschen haben sich in farbenfroher Tracht herausgeputzt, geistliche wie weltliche Führer halten Audienz, überall Musik und Feuerwerk, und ich weis gar nicht wohin zuerst schauen. Was für ein glücklicher Zufall! Ein genialer und keinesfalls so geplanter Tag voller Überraschungen. Fotografieren ist übrigens auch hier verpönt und es kostet mich ein wenig Einfallsreichtum um zu einigen guten Bildern zu kommen. Dienstag dann eine wohl verdiente Pause in der ich noch einmal San Cristobal in aller Ruhe genießen kann. Mittwoch geht es nach dem Frühstück weiter ins 60 km entfernte Tuxtla Gutierrez. Dort schnell im Hostel einrichten und am Nachmittag gleich zum Canyon de Sumidero, der am Stadtrand liegt. Im Nationalpark am oberen Rand der Schlucht gibt es einige Aussichtspunkte, doch ohne Auto läst man mich nicht hinein. Also frage ich das erste welches vorbei kommt, und siehe da, das nette mexikanische Paar nimmt mich gern mit. Die beiden machen hier gerade Urlaub und wir verstehen uns so gut, das sie mich einladen sie in Quetera zu besuchen. Super. Zurück zum Canyon. Schon der erste Aussichtspunkt mit “Wow” Effekt. Über 700 Meter fällt die Felswand steil hinunter zum Fluss ab, der durch eine Staumauer weiter nordwestlich mehr oder weniger zu einem See geworden ist. Die Aussichten sind wirklich abenteuerlich und gigantisch schön. Das heizt die Vorfreude auf morgen nur noch mehr an.   

Trachten in Zinacantan           Einheimische beim Feiern           der Sumidero Canyon von “oben”, Bauchkribbeln inklusive

18. Woche vom 25. bis 31. Januar 2018
Am Donnerstag ein Ausflug in den Sumidero Canyon. Ein Vorort von Tuxtla Gutierrez, Chiapa de Corzo, liegt vor der Schlucht am Fluss und jede Menge Boote warten darauf gefüllt zu werden. ich erwische ein recht kleines, jede Seite hat nur eine Sitzreihe. Das ist viel besser als die großen Boote, wo einem immer einer vor der Linse hockt. Hinter der großen Brücke geht es dann mit dem Schnellboot hinein ins Abenteuer. Überraschenderweise gibt es viele Tiere zu sehen. Neben unzähligen Vögeln auch Affen und - Krokodile. Die sind durchaus drei Meter lang und wir nähern uns lieber nur vorsichtig. Was die Schlucht sonst bereits von oben gesehen versprochen hat, hält sie bei der rasanten Fahrt durch sie hindurch. Scheinbar bis in den Himmel reichende Felswände, reich bewachsen und mit spektakulären Formationen, wie dem Weihnachtsbaum. Nach knapp zwei Stunden erreichen wir die 35 km entfernte Staumauer und kehren auf dem gleichen Weg nach Chiapa de Corzo zurück. Genial!

Eingang Sumidero Canyon        lieber im Boot bleiben               da war einer überrascht           der “Weihnachtsbaum”

Freitag bleibt mir noch Zeit Tuxtla näher anzuschauen. Ist eine ansehnliche Stadt in der man einiges erleben kann. Der botanische Garten macht was her und später fahre ich hinaus zum Zoo. Der ist eher ein Tierpark, mit großen Gehegen, die weiträumig im hügeligen und bewaldeten Gelände verstreut sind. Zu sehen gibt es nur einheimische Tiere des mexikanischen Bundesstaates Chiapas, womit auch Jaguare, Leguane, jede Menge Vögel und Reptilien dabei sind. Für uns sehr exotisch, aber ich glaube auch die Einheimischen bekommen diese Tiere fast nur noch hier zu Gesicht... Am Abend der weite Weg zum Busbahnhof und um 23.30 Uhr beginnt meine lange Fahrt hinunter an die Pazifikküste des Bundesstaates Oaxaca.

Zoo in Tuxtla Gutierrez: mit grünem Tukan, schwarzem Jaguar, faulem Leguan und giftgrüner Schlange

Trotz bequemen Bus macht die Nachtfahrt keine Freude. Viele Kurven und die in Mittelamerika (wie auch im nördlichen Südamerika) zahllosen Strassenschwellen zur Geschwindigkeitsreduzierung lassen mich nur stückweise zur Ruhe kommen. Morgens um neun die Ankunft in Pochutla. Gleich mit einem Sammelpickup weiter an die 15 km entfernte Küste, genauer gesagt nach Mazunte. Das kleine Dorf hat sich inzwischen einen Namen als Paradies für Backpacker gemacht. Günstige Unterkünfte, entspannte Atmosphäre und eine wunderschöne Bucht, begrenzt von kleinen felsigen Kaps. Ich kann dem bald darauf nur Recht geben. Das Wasser glasklar und auf Grund der exponierten Lage mit herrlich großen Wellen. Für mich ein Programmwechsel: Abenteuer raus - Entspannung rein. Das Leben geht einen wirklich sehr entspannten Gang hier, auch wenn mir hier manchmal zu viele Rastazöpfe herum laufen. Die Temperaturen sind erträglich, vor allem nachts, und auch das Ozeanwasser hat noch einen halbwegs erfrischenden Charakter. So klappere ich in den nächsten Tagen alle Strände in der Umgebung ab, von denen manche riesig, aber menschenleer sind. Unterströmungen machen das Baden dort zu gefährlich, was aber der Schönheit des Strandes keinen Abbruch tut. Ansonsten pendle ich zwischen Badetuch und Hängematte um der kräftigen Sonne ab und an zu entfliehen. Gegen Abend gibt es immer eine kleine Völkerwanderung auf vorgelagerte Felsen, den südlichsten Punkt von Oaxaca Gemeinsam erleben wir dort oben herrliche Sonnenuntergänge. Ist eine wirklich schöne und angenehme Auszeit vom Reisen.

Strand in Mazunte                  ein leerer Strand, 2km weiter      interessante kleine Buchten     schöner Sonnenuntergang

An einem der Tage in Mazunte besuche ich das dortige Schildkrötenzentrum, eines der größten in Mexico. Auf dem schön angelegten Gelände verteilen sich große Terrarien und Aquarien mit allen Arten von Schildkröten, nebst Aufzucht und Pflegestation. Da sind einige sehr seltsame Exemplare dabei, doch die waren wegen der Reflexion von Sonne, Glasscheiben und Wasser nur sehr schwer zu fotografieren. Immerhin konnte ich staunend einige Zeit dort verbringen. Dem Hinweis vom Zentrum folgend laufe ich am späten Nachmittag zum Strand von La Ventanilla, wo frisch geschlüpfte Schildkröten in die Freiheit entlassen wurden. Für mich war das eine eher fragwürdige Veranstaltung. Klar, das Zentrum braucht Geld, aber die Tiere dem Stress auszusetzen sie in einer total unnatürlichen Art und Weise ins wahre Leben zu schicken widerstrebt mir. Vor allem weil  nicht “verkaufte” Junge wieder in der Kiste mitgenommen wurden, um vielleicht am nächsten Tag durch einen zahlenden Touristen in die Freiheit zu gelangen...  

im Schildkrötenzentrum             in der Kiste vor dem Start        kleines Ding                           lauf, du bist frei

Immerhin, ganze fünf Tage halte ich es an der Küste von Mazunte aus, allerdings nicht ohne mit Strandwechseln in Bewegung zu bleiben und auch ein dicker Roman war innerhalb dieser Zeit gelesen. Noch bevor mir langweilig wird geht die Reise weiter.

19. Woche vom 1. bis 7. Februar 2018
Am Donnerstag erklimmt ein kleiner Bus mehr oder weniger genau in nördlicher Richtung die SEHR kurvenreiche Strecke hinauf ins Hochland von Mexiko. Ich konnte mir einen Sitz ganz vorn reservieren und habe eine tolle Aussicht als wir uns immer höher schwingen. Die Landschaft verändert sich stark. Von den grün bewaldeten Berghängen geht es auf die trockene und jetzt schon braun gefärbte Hochebene. Aber irgendwie passt das eher zu der Landschaft von Mexiko wie ich sie mir vorgestellt habe. Am späten Nachmittag erreichen wir Oaxaca und ich suche mir in einer Auswahl von Hostels das für mich beste heraus. Tags darauf mache ich mich mit der recht großen Stadt Oaxaca vertraut und stelle fest das ich mich hier sehr schnell wohl fühle. Klar, da ist schon ordentlich Verkehr auf den Strassen, aber die Schönheit der Stadt überspielt das bei weitem. Die Häuser bunt und außerordentlich gut restauriert. Unzählige alte Gebäude und dazu viele bewundernswerte Kirchen und Klöster. Mein Favorit darunter steht schnell fest: das ehemalige Kloster Santo Domingo de Guzman. Deren Kirche strotz innen nur so von Statuen, Bildern, Stuck, Farben und Gold. Ein Fest für die Sinne. Ansonsten bummle ich bei schönstem Wetter durch die Gassen. Tags kann man locker mit dem T-Shirt herum laufen, nachts gehen die Temperaturen in der Höhe auf 12°C herunter.

Oaxaca, Kloster/Kirche Santo Domingo, von aussen und innen   in den Strassen von Oaxaca     El Tule mit dem riesigen Baum

Samstag ein Ausflug auf den nahen Monte Alban. Dessen Kuppe haben die Zapoteken schon vor knapp 200 Jahren abgeflacht und auf der nun ebenen Fläche Gebäude, Paläste und Pyramiden errichtet. Der Anblick, wenn sich nach dem Erklimmen der letzten Meter der Blick öffnet ist äußerst beeindruckend. Die Fläche erscheint nicht nur rießig, sie ist sie auch. Keine Ahnung wie so etwas ohne Werkzeuge, ohne Tragetiere und ohne das Rad entstehen konnte. Dazu hat man praktisch einen Rundumblick in die drei großen Täler die Oaxaca umgeben. Klar das dieser Ort in all den Jahren eine Bedeutung haben musste.  Die Zeit überdauert haben auch einige Bildhauereien, die ebenfalls gut und detailliert im nahen Museum zu betrachten sind.

Monte Alban, ein Hauptort der alten Kultur der Zapoteken. Vorläufer von Azteken genau wie den Maya

Sonntag treibt es mich hinaus in die Natur. Östlich von Oaxaca zuerst ein Besuch von El Tule. Neben viel Handwerkskunst wirbt das Dorf vor allem mit einer riesigen Zypresse, wohl ungefähr 1.500 Jahre alt und an der breitesten Stelle sagenhafte 12 Meter Ihn als den größten Baum der Welt zu bezeichnen erscheint mir etwas mutig, da waren einige Kauribäume in Neuseeland und Feigenbäume in Australien meines Erachtens noch größer, ganz zu schweigen von den Redwoods in Nordamerika. Aber er macht einiges her und die Kirche nebenan kommt einem irgendwie klein und winzig vor. Bei schönstem Sonnenschein ohne eine einzige Wolke am Himmel weiter nach Osten. Das gestaltet sich schwierig, da am Sonntag kaum Busse auf dieser Strecke unterwegs sind. Dank Hilfe Einheimischer und Trampen schaffe ich es ins abgelegene Benito Juarez, oben in den Bergen der Sierra Norte. Die Luft ist frisch auf 3.000m und die Kiefernwälder noch dicht. Der Ausblick von einigen Felsen ist gigantisch und solche Dinge wie eine für Besucher konstruierte Hängebrücke verpassen dem Ganzen noch eine Spur Abenteuer. Die Dörfer sind organisiert und haben einen Ecotourismus entwickelt, der in jedem Dorf Unterkunft und Essen garantiert. Die erste Nacht verbringe  ich in einem Mehrbettzimmer dessen Dach aus Glas ist, sprich ich schlafe mit Blick auf den Sternenhimmel ein. Noch Fragen???
Montag laufe ich gleich nach dem Frühstück los, den es stehen einige Kilometer an. Die Strecke bis Latuvi ist nett, viel besser wird es danach auf dem alten Camino Real, der schon für Goldtransporte im 16.Jh genutzt wurde. Immer an einem Fluss entlang windet sich der Pfad durch die Berge. Kurz vor Lachatao ein Abstecher zur alten Kultstätte Xia-Yatse. Ich erwarte nicht viel, werde aber komplett überrascht. Auch wenn Größe und Erscheinen weit hinter Monte Alban zurück bleiben, so beeindruckt der spektakuläre Platz hoch oben auf einem Kliff mit genialer Rundumsicht. Dienstag kehre ich dann nach Oaxaca zurück.  

 von Benito Juarez...               ...durch dichte Kiefernwälder     ...mit Flechten wie Schleier      ...nach Lachatao

Mittwoch ein weiterer Ausflug von Oaxaca. Mit dem Bus ins 50 km entfernte Mitla, dessen Ruinen ich mal auslasse, auch wenn sie besonders sein sollen. Irgendwann ist auch mal gut mit alten Steinen. Statt dessen warte ich anderthalb Stunden bis sich ein Sammeltaxi, besser gesagt Sammel-Pickup füllt. Der bringt uns dann auf einem ausgewaschenen Feldweg rumpelnd bis über die nahe Bergkette. Schöne Ausblicke inklusive, nur fotografieren ist schwierig weil wir in einer ständigen Staubwolke fahren und man kaum die Kamera ruhig halten kann. Ziel ist Hierve el Agua, kleine Sinterterrassen, laut Werbung großartig an der Kante einer Steilwand gelegen. Der erste Eindruck von oberhalb ist eher ernüchternd, doch die eindrucksvolle Überraschung folgt schnell. Pamukale in der Türkei ist bestimmt größer, und die derzeitige Trockenzeit verkleinert die Becken hier, aber auf Grund des steilen Abhanges und der Abgeschiedenheit vergebe ich die volle Punktzahl. Als einer der wenigen trotze ich der Hitze und steige den Abhang hinunter, womit sich mir die volle Sicht auf die vielfältigen Sinterformen eröffnet. GENIAL.

Hierve el Agua                         randlose Becken                     was für Farben                    die Sinterterrassen von “unten”

20. Woche vom 8. bis 14. Februar 2018
Am Donnerstag verlasse ich Oaxaca. Schon gestern kaufte ich die Fahrkarte nach Puebla, was 20% Preisnachlass garantiert. Das Busunternehmen AU ist etwas günstiger, bietet aber überraschend viel Komfort und Beinfreiheit. Fünf Stunden dauert die Fahrt, genug Zeit mir die nächsten Kapitel des Reiseführers zu Gemüte zu führen. Im Hostel Casana Poblana in Puebla begegne ich dann Bekannten aus Tuxtla Gutierrez, aus Lachatao und auch aus Hierve el Agua. Wir Backpacker sind eben wie eine große Familie. Vom Tag ist noch genug übrig um die Stadt in Augenschein zu nehmen. Die ist zwar schön, hat aber nicht den Charme und die Ausstrahlung von Oaxaca. Tags darauf ein großer Stadtbummel. Wieder sind da viele großartige Kirchen, was haben die Spanier nicht alles gebaut. Außerdem: die Biblioteca Palafoxiana, die erste öffentliche Bibliothek Lateinamerikas, gebaut im 17.Jh und mit vielen uralten Büchern bestückt. Samstag ein Ausflug ins nahe Cholula, wo die größte Pyramide der Welt steht. Mit 400m x 400m Grundfläche und über 60m Höhe übertrifft sie im Volumen alle anderen Pyramiden bei weitem, nur ist sie praktisch nicht zu sehen weil sie bereits zur Zeit der spanischen Entdecker/Eroberer komplett überwuchert war. Cortez ließ auf ihrer Spitze, die wie ein Hügel aussieht, eine Kirche errichten. Die verschiedenen Stufen der Errichtung, im Laufe der Jahrhun- derte wurde eine Pyramide ÜBER die andere gebaut, kann man teilweise in gegrabenen Tunnel besichtigen. Die sind nur 1,80 m hoch und häufig keinen Meter breit, ein etwas beklemmendes Gefühl. Auf dem Platz vor der Pyramide/dem Hügel führen dann gerade ein paar Mutige den Palo Volador auf, eine uralte Form des “Bungee”, bei dem sich vier von einer kleinen Plattform in die Tiefe stürzen, wobei sie, gehalten durch ein Seil, genau 13 Mal um den Pfosten rotieren bis sie den Boden erreichen. Gewagt, aber ein Schauspiel. Eine Attraktion versteckt sich leider in den Wolken, der 5.462m hohe, und aktive, Vulkan Popocatepetl.

Biblioteca Palafoxiana               nächtlicher Bummel durch Puebla

 Cholula: ein Modell mit Pyramide und  Kirche sowie das ganze in echt, mit   Palo Volador Vorführung

Am Sonntag die Weiterfahrt nach Mexico-Stadt, zusammen mit den Argentiniern Leandro und Maurizio. Mal wieder macht sich meine Regel bezahlt eine Großstadt möglichst an einem Sonntag zu besuchen oder zu verlassen. Weniger Verkehr, schnellerer und einfacherer Transport. Das gilt ganz bestimmt für diese 22 Millionen Metropole. Entspannt erreichen wir mit der nur mäßig gefüllten Metro das historische Zentrum und unser Hostel. Gleich nach dem Mittag eine Erkundungstour. Mexiko-Stadt? Super! Nach San Salvador die zweite Überraschung auf dieser Reise. Viele Sehenswürdigkeiten, größtenteils sauber und, wenigstens am Sonntag, sogar blauer Himmel! Gefährlich kommt uns diese Stadt ganz und gar nicht vor. Wir besuchen den Zocalo (Hauptplatz), einen der größten freien Plätze in ganz Mexiko, wo Musik, Tanz und Ausstellungen Hand in Hand gehen. Spitze! Drumherum unzählige barocke Gebäude, der Regierungspalast, die Kathedrale und eine Ruine, laut Überlieferung Gründungsplatz der Stadt zur Aztekenzeit. Mexiko-Stadt braucht Vergleiche mit Paris, London oder Berlin nicht zu scheuen. Montag macht jeder sein eigenes Programm. Ich konzentriere mich auf das historische Zentrum und suche mir 15(!) Gebäude, Ausstellungen und Museen heraus. Nicht alle haben dann geöffnet, aber sonst hätte ich das Programm auch nicht geschafft. Außergewöhn- lich: Palacio Postal, die alte Hauptpost. Glanz und Glamour wie vor 100 Jahren. Überraschend: die Stadt versinkt. Zu Zeiten der Azteken lag im Tal ein großer See. Der wurde zur Landgewinnung ausgetrocknet, was keinen stabilen Baugrund hergibt. Auch ein Grund warum Mexiko-Stadt so anfällig für Erdbeben ist. Alte und schwere Gebäude, wie zum Beispiel Kirchen, liegen teils schon zwei Meter unter dem restlichen Strassen Niveau, oder, wie die Kirche Santa Vera Cruz, stehen so schräg das man es deutlich sieht und spürt. Nach dem Tag bin ich definitiv pflastermüde. Dienstag verabschiede ich mich von meinen Reisekollegen. Das Wetter ist super und ich will zu den großen Vulkanen. Mexiko-Stadt wird mich aber bald wiedersehen.    

Mexiko-Stadt: Palacio Bella Arte     Palacio Postal                            versinkende Santa Vera Cruz

                                             Danzantes Aztecas auf dem Zocalo, mehr als nur eine Touristenshow

Mein nächstes Ziel ist das Städtchen Amecameca, rund anderthalb Stunden südöstlich von Mexiko-Stadt. Ein preisgünstiges Hotel (6€) ist schnell gefunden. Am südlichen Stadtrand erhebt sich ein Hügel mit tollem Blick, auf dem über einer heiligen Grotte eine Wallfahrtskirche errichtet wurde. Die wird gerade geschmückt weil morgen hier anscheinend ein großes Fest statt findet. Jedenfalls werden schon in allen Strassen und Gassen Marktstände aufgebaut. Am Mittwoch früh aufstehen und den Bus nach San Pedro nehmen. Von da aus will ich hinauf zum Paso Cortez trampen um am Fuße der Vulkane Popocatepetl und Ixtaccihuatl (viel Spaß beim Aussprechen) zu wandern, doch da fährt heute praktisch nichts hoch. Weil sich auch noch der Himmel zuzieht und nichts von den Vulkanen zu sehen ist streiche ich den Plan und kehre unverrichteter Dinge nach Ameca- meca zurück. Es kann nicht immer alles klappen. Aber so komme ich dann mitten hinein in eine Pilgerfeier mit tausenden von Leuten. Wie ein riesiger Rummel. Das Essensangebot reicht von einfachen Sachen, über geröstete Heuschrecken und Ameisen bis zu unzähligen Süßigkeiten. Kein Wunder das die Mexikaner so dick sind. Ich probiere auf jeden Fall alles was mir zusagt
21. Woche vom 15. bis 21. Februar 2018
Am Donnerstag verstecken sich die Vulkane trotz tollem Wetter weiterhin in den Wolken und ich fahre weiter nach Tepoztlan. Das dauert nur zwei Stunden und ich bin mittags schon dort. Warum allerdings dieses Dorf so heftig beworben wird bleibt mir schleierhaft. Kaum schöne Gebäude, die Kirche halb zerfallen und kein bisschen Charme. Den erhoffe ich mir dann von der alten Ritualstätte der Azteken 400m oberhalb von Tepoztlan. Der Weg hinauf steil und abenteuerlich, die Ausblicke von oben recht spektakulär, allerdings ist es die am schlechtesten unterhaltene Ruine der Reise bisher. Überall hässlicher und hoher Maschen- drahtzaun und abgesehen von einer kleinen Tempelpyramide wurde nichts erhalten. Trostlos. Tepoztlan - Daumen runter.  

Amecameca am Abend           Tepoztlan, der tolle Weg hinauf    das Dorf Tepoztlan             Suchspiel: Tempel auf der Klippe

Logisch das ich nur eine Nacht in Tepoztlan bleibe. Weiter nach Taxco mit eher gemischten Gefühlen, denn auch diese Stadt wird heftig beworben und gerade am Wochenende soll dort viel los sein. Dazu sind laut Internet keine günstigen Betten mehr verfügbar. Doch es ist die Überraschung die das Reisen für mich so genial macht. Taxco liegt wunderschön an den steilen Hängen der Berge und erinnert eher an Mittelmeer als an Mittelamerika. Weiße Häuser, rote Ziegeldächer und ein Labyrinth von kleinen Gassen. Schon meine erste Nachfrage gelingt: Hostel Casa Taxco. Die haben genug freie Betten und sind mit 11€ auch recht günstig. So wohne ich in einem toll eingerichtetem Haus mit Super Betten und einer grandiosen Dachterrasse, dazu kaum Verkehr in der kleinen Gasse und das Zentrum nur 100m weiter. Da bleibe ich doch gleich übers ganze Wochenende. Während der Tage hier verliere ich mich dann in dem Gewirr der Gassen. Überall gibt es was zu sehen und im Durcheinander der Wege kommt man an immer neue Plätze. Gar nicht so leicht bis hinauf zur Jesusstatue oberhalb der Stadt zu gelangen. Weitere Besonderheit: die große Taxiflotte von Taxco besteht fast ausschließlich aus weißen VW-Käfern, ohne Beifahrersitz und mit Heckantrieb anscheinend bestens geeignet für das hiesige Publikum und die steilen Gassen. Außerdem, schon wieder, eine geniale Kirche: Santa Prisca. Von außen wie auch von innen ein grandioser Anblick. Mal nicht von der Kirche gebaut, sondern ein Geschenk von Jose de la Borda, der im 18Jh. ein Vermögen mit den nahen Minen gemacht hat. Am Samstag ist hier dann wirklich die Hölle los, aber die Tourgruppen und Touristen sind für mich wie Kino. Auch die unzähligen Schmuckläden, für die Taxco bekannt ist, und ihre Werber lassen mich fast immer in Ruhe, der alten Backpacker Garderobe sei Dank ;-).     

   Taxiflotte in Taxco                      diese Gassen...                           Kirche Santa Prisca, Taxco

Taxco - für mich ein umwerfender Anblick

Montag geht es dann für mich weiter. Auf dem Weg nach Norden mache ich bereits nach 40km auf sehr kurvigen Strassen einen Zwischenstopp, weil die Höhlen von Cacahuamilpa zu einem Besuch einladen. Es ist nicht meine erste Tour unter die Erde, aber die schiere Größe und vielfältigen Formationen der seit 1969 für Touristen zugänglichen Höhlen sind äußerst beeindruckend. Zwei Kilometer werden wir in den Berg geführt, wobei uns jede Menge erklärt wird. Viele Stellen ähneln mit etwas Fantasie deren Namensgebung: Engel, Frau mit Haaren, Sonnenstein, Weihnachtsmann, Gorilla oder auch Titanic. Sogar ein witziges Schattenspiel mit Stalagmiten ist darunter, wobei sich durch Drehen der Lichtquelle ein Paar näherkommt und bei Auftauchen der Schwiegermutter wieder voneinander entfernt ;-) Auf dem Weg reiht sich ein gigantischer “Höhlensaal” an den anderen, wobei die höchsten sagenhafte 80m erreichen. Unser Führer schaltet jeweils, abgesehen von kleinen Lampen am Weg, hinter uns das große Licht aus und vor uns ein, was das Entdeckergefühl nur noch mehr verstärkt. Am Wendepunkt werden wir dann allein zurück in Richtung Eingang geschickt. Zwar haben wir bis auf die erwähnten kleinen Lampen am Weg kein Licht, aber so kann sich jeder Zeit nehmen und es ist ein abenteuerliches Gefühl so wieder ans Tageslicht zu gelangen. 

die Höhlen von Cacahuamilpa, rießig und voller beeindruckender Formationen, dazu viele Farben Dank abgelagerter Mineralien und glitzerndem Kalziumkarbonat.      
                                                                                   Ganz rechts der “Frauenkopf mit Haaren”

Mit dem nächsten Bus erreiche ich am späten Nachmittag Toluca, ungefähr 100km westlich von Mexiko-Stadt. Der Unterschied zu Taxco könnte kaum größer sein: eine Großstadt mit viel nervtötendem Verkehr, Dreck und Müll. Das praktisch einzige Hostel der Stadt liegt unweit vom großen Busbahnhof in einer eher anrüchigen Gegend mit mehr Industrie als Wohnhäusern. Dazu verdient das “Hostel” diesen Namen kaum, denn es ist eher eine umgebaute Lagerhalle. Keine Rezeption, nur ein alter Mann in der Garage darunter gibt mir den Schlüssel und nimmt das Geld entgegen. Der Schlafsaal groß und zugig mit 24 Betten darin und ich heute der einzige Gast. Da kommt schon ein etwas flaues Gefühl in der Magengegend auf... Aber alles geht gut, nur verlasse ich Toluca am nächsten Morgen gleich wieder. Der Plan, ein Abstecher in die nahen Berge, wird auf Grund der Wetter- lage mit dichter Wolkendecke geändert. Statt dessen nach Valle de Bravo, eine weiteres Pueblo Magico (magisches Dorf),
80 km westlich von Toluca. Das ist dann schon eher an Taxco dran. Zwar fehlen die reizenden kleinen Gassen, dafür kann der

Blick über Valle de Bravo

künstlich angelegte See punkten. Abgesehen von schönen Spaziergängen im Stadtzentrum wandere ich am nächsten Tag hinauf zum Monte Alto, rund 300m über der Stadt gelegen. Der ist auch Startpunkt für Paragleiter und bietet einen herrlichen Ausblick. Am Nachmittag noch hinauf auf den kleinen aber steilen Gipfel La Pena, der wie ein Schiffsbug in den See ragt. Rings herum stehen anscheinend die Villen der Schönen und Reichen von Mexiko-Stadt, denn SEHR hohe Mauern und riesige Tore verhindern jegliche Blicke auf die Grundstücke dort.    

in Valle de Bravo

22. Woche vom 22. bis 28. Februar 2018
Am Donnerstag verlasse ich Valle de Bravo und bewege mich bustechnisch in Schlängellinien mit zwei mal Umsteigen nach Norden bis ins Dorf Angangeo. Das liegt auf 2.700m Höhe, womit nachts und im Schatten wieder recht kühle Temperaturen herrschen. Dafür ist es in der Sonne schön warm, und der Himmel ist derzeit meist strahlend blau. Ein kleines Hotel ist schnell gefunden und der Dorfrundgang in einer halben Stunde erledigt. So bleibt am Nachmittag Zeit für die nähere Umgebung mit dichten Kiefernwäldern. Den Grund für den Besuch hier schaue ich mir am nächsten Tag an. Dazu muss ich in den Nationalpark Sierra Chincua, rund 12km außerhalb gelegen. Weil es ordentlich bergan geht und auch im Nationalpark einige Strecken zu Laufen sind versuche ich es aus Mangel an öffentlichem Verkehr per Anhalter. Das klappt ausgerechnet mit der Polizei, die gerade eine Kontrollfahrt da hinauf unternimmt. Dann den zahlreichen Touristen folgend, die meisten sind mit Tourgruppe unterwegs, tauchen im dichten Wald bald die ersten Monarch Schmetterlinge auf. Millionen von ihnen überwintern hier nachdem sie den langen Weg aus dem Gebiet der Großen Seen (USA/Kanada) hinter sich gebracht haben. Warum sie das tun kann nur vermutet werden. Faszinierend ist jedoch das sie für die Reise hin und zurück, ungefähr 9.000km, drei bis fünf Generationen brauchen. Obwohl die “Eltern” schon vor der “Geburt” sterben, wissen die Schmetterlinge nach der Metamorphose wohin sie fliegen müssen - UNGLAUBLICH. Ganz abgesehen davon ist es faszinierend zu sehen wie viele von ihnen dann hier auf den Bäumen sitzen. Mit jedem Sonnenstrahl, trotz sonst blauem Himmel hängen an den 3.200m hohen Bergen immer wieder Wolken, startet dann ein zigtausendfaches Geflatter. Das zaubert mir ein strahlendes Lächeln ins Gesicht.

Angangeo                         die ersten Monarch Schmetterlinge...es werden immer mehr...        ...bis ganze Bäume voll sind

Samstag klingelt der Wecker sehr früh, damit ich den Bus um 6 Uhr erwische. Zurück nach Zitacuaro und später in Toluca um- steigen. Weil das Wetter zu passen scheint, fahre ich zum Vulkan Nevado de Toluca, in Nahuatl: Xinantecatl. Nach der Erfah- rung vom Popocatepetl mal lieber am Wochenende. Klappt auch alles. Nach dem Aussteigen in Raices sind die fehlenden fünf Kilometer bis zum Nationalpark schnell per Anhalter geschafft. Dort sind mehr Leute unterwegs als gedacht. Mit Übernachtung wird es schwierig, doch dann erscheint eine 8er Gruppe Mexikaner, die für eine Schutzhütte weiter oben reserviert haben. Die “adoptieren” mich gleich und wir brechen gemeinsam auf. Die Hütte ist dann groß und bietet Platz für 64 Leute. Kein Strom, Wasser nur im Eimer, aber große Feuerstellen mit Brennholz. Ich erkunde gleich die Gegend und werde dabei von einem Pickup mitgenommen. Die bieten den einzigen Transport für die nicht so fitten Besucher für die 11km bis zum Feldwegende unterhalb des Kraterrandes. So kann ich schon einen Blick in die riesige Caldera des Vulkans mit seinen beiden Lagunen werfen und erkunde beim Abstieg zur Hütte den Weg, um morgen früh im Dunkeln keine Probleme zu haben. Am Abend sitze ich mit den Mexikanern am wärmenden Feuer, von dem keiner weg will, denn auf 3.700m wird es nachts frostig. Sonntag stehe ich 4 Uhr auf, um noch vor Tagesanbruch am Kraterrand zu sein. Das klappt auch, inzwischen bin ich es schon gewohnt nachts auf Berge zu steigen. Der Himmel ist klar und das Licht tausender Sterne funkelt über mir. Das erste Tageslicht erlebe ich in 4.300m Höhe. Das braucht es dann auch, denn obwohl der Berg leicht ausschaut haben es die letzten 200 Höhenmeter in sich.

Nevado de Toluca, 4.660m

Eine schwierige Kletterei steht an, wobei viele der Felsen noch überfroren sind und es gefährlich nah am Abgrund entlang geht. Da fließt ordentlich Adrenalin durch meine Adern. 8 Uhr stehe ich trotz allem auf dem kleinen Gipfel in 4.660m Höhe. GENIAL, wenn auch derzeit ohne Schnee! Bin einfach nur glücklich :-) Bevor ich endgültig absteige noch eine Schleife im Krater um die Lagunen der Sonne und des Mondes. Später nimmt mich Miguel, einer aus der Gruppe, mit nach Mexiko-Stadt. Wir kommen erst spät los und stehen noch im Stau, so bin ich bei der Ankunft am Abend nach all der Anstrengung ganz schön fertig. 

die Caldera aus anderer Sicht

Dieser Montag ist für mich Ruhetag, sprich es geht darum Körper und Ausrüstung zu pflegen. Am nächsten Tag dann schon wieder Programm. Im Stadtteil Polanco steht das, schon äußerlich, ungewöhnliche Museum Soumaya, privat vom Milliardär Slim gebaut und nach seiner Frau benannt - man gönnt sich ja sonst nichts. Immerhin läst er die Besucher kostenlos seine zusam- mengetragenen Kunstschätze bewundern. Er hat Geschmack, das muss man ihm lassen. Die außergewöhnliche Schnitzereien aus Elfenbein, zum Beispiel, fand ich besonders beeindruckend. Später zurück ins Zentrum. Kleiner Snack im Cafe Tacuba, einer Institution in Mexiko-Stadt. Es hat sich seit der Eröffnung 1912 wohl nicht viel verändert. Die Kellner in weiß, die Frauen zusätzlich mit überdimensionaler Haarschleife. Auch die Einrichtung und Dekoration hat noch den Zauber der Jahrhundert- wende. Zum Abschluss des heutigen Tages ein Abstecher ins “Haus der Masken”. Das genaue Gegenstück zu Soumaya: zwar auch privat, auch kostenlos, aber mit einem Bruchteil des Geldes zusammengetragen und im eigenen, sehr alten, Haus ausgestellt. Steht in keinem Reiseführer, ist aber definitiv einen Besuch wert.

Museum Soumaya
                 das Ausstellungsstück
                       “Tor zur Hölle”

das Cafe Tacuba                        Haus der Masken

Mittwoch ein Ausflug zur 45km entfernten Ruinenstätte Teotihuacan. Gebaut in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrech- nung wohl eine der imposantesten Anlagen weltweit. Laut Wissenschaft und Archäologen haben hier anscheinend bis zu 200.000 Menschen gelebt. Als die Azteken im 12.Jh auftauchten war die Stadt schon längst verlassen und aufgegeben, warum auch immer. Auch heute noch ist schon der erste Eindruck überwältigend: Eine 40m breite, und derzeit nur auf 2 km frei gelegte lange “Strasse”, die Strasse des Todes, bildet wie ein Boulevard das Zentrum. Links und rechts davon Pyramiden und Reste von Gebäuden bzw. von ganzen Wohnvierteln. Ganz am nördlichen Ende die imposante Mondpyramide mit ihrem Vorbau. Noch gigantischer aber die Sonnenpyramide, mit 220m Grundlänge und 65m Höhe die drittgrößte der Welt. Sagenhafte drei Millionen Tonnen Steine und Lehm wurden gebraucht um sie zu errichten. Man darf sie nach wie vor besteigen, was bei den schmalen und teils sehr hohen Stufen so manchen Touristen bis an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit bringt. Aber es ist ein erhebendes Gefühl auf ihrer Spitze zu stehen und sich vorzustellen wie es hier wohl vor mehr als 1.500 Jahren aussah.

Teotihuacan, von der Mondpyramide aus gesehen                  Sonnenpyramide - volle Breitseite   Bildhauerei an den Tempeln

23. Woche vom 1. bis 7. März 2018
Am Donnerstag herrscht nach wie vor sehr schönes Wetter, auch wenn der Himmel über Mexiko-Stadt selten richtig blau ist. Kein Wunder bei der Lage im Hochtal, Trockenzeit und Luftverschmutzung. Aber selbst das hatte ich mir schlimmer vorgestellt. Heute zum Park Chapultepec westlich des Zentrums, wobei der Begriff Park kaum passt. Das Gelände ist riesig und beheimatet unter anderem den Zoo, einen Botanischen Garten, das Anthropologische Museum, mehrere Seen, ein Schloss und, und, und. Geniale Kleinigkeit: ein Auditorium. Versteckt unterhalb des Schlosses bietet die grüne Grotte einen Rückzugsort vor Trubel und  Hitze. Schattig, kühl, mit Relaxbänken und klassischer Musik von CD, wobei die aktuell gespielte als Cover ausliegt damit auch jeder weis was gespielt wird. Bei so viel Unterhaltung verbringe ich praktisch den ganzen Tag in Chapultepec. Der Botanische Garten ist klein, aber eindrücklich. Das sonst gewollt wüste Durcheinander solcher Habitate wich hier kleinen Monokulturen und teils penibler Ordnung in Reih und Glied. Auch der Zoo kann sich sehen lassen und beheimatet neben einheimischen Spezies auch Importe aus Afrika und Asien. Das Pandabären Areal ist wohl eines der größten außerhalb Chinas.

Eingang Chapultepec                    im Botanischen Garten

mitten im farbenfrohen und exotischen Zoo

Bei all dem muss (will) ich mich beeilen, denn mit dem Anthropologischen Museum steht noch eine Perle der Wissenschaft an: unterteilt in die früheren Kulturen haben unter anderem die Maya, Olmeken, Azteken und auch Zapoteken ihre eigenen Ausstellungsräume, ergänzt durch Tempelnachbauten und große Statuen im Freigelände. Erstaunlich wie viel aus der frühen Zeit zusammengetragen wurde. Und die Höhepunkte sind komplett vertreten: das Grab aus Palenque, der Stein der Sonne, gefunden mitten in Mexiko-Stadt oder besser gesagt in Tenochtitlan, dem Gründungsort der Stadt. Dann noch Kolossalköpfe der Olmeken usw. Für mich ist es wie ein Zeitrafferfilm dieser Reise, denn viele der Orte habe ich besucht. So laufe ich dann auch teils staunend, teils wissend durch die Abteilungen und bekomme so viel Input das mir fast der Kopf davon fliegt.    

im Anthropologischen Museum Mexiko-Stadt, Tempelnachbauten der Maya

Oben: Tempelnachbau Teotihuacan

links: Originalstatue aus Tula

bunt in Mexiko-Stadt

Nach so viel Programm wird es Zeit für eine kleine Pause. Außerdem ist es notwendig sich über die letzten Tage in Mexiko Gedanken zu machen bzw. sich auch langsam mit dem Thema Kuba zu beschäftigen. Ersteres handle ich mit mir am Freitag aus, plane ins Detail und reserviere Transport wie auch Unterkunft. Samstag checke ich bereits im Hostel aus, bleibe aber noch in der Stadt. Die zeigt sich am Wochenende extra bunt und lebhaft, denn all die Einheimischen sind unterwegs, und zwar mehrheitlich mal nicht um zu arbeiten. Mit einer Kombination aus Metro und Vorortzug, mehr eine Straßenbahn, komme ich bis nach Xochimilco. Dort leben die Menschen noch teilweise an und auf dem uralten See, um die dortigen schwimmenden Gärten per Boot zu bewirtschaften. Was so leicht romantisch klingt, macht in der Realität leider einen sehr herunter gekommenen oder auch abgewirtschafteten Eindruck.

bunt in Xochimilco

Irgendwie gefällt mir das alles hier gar nicht und nach einem wenig beeindruckenden Rundgang trete ich die Rückfahrt ins Zentrum der Metropole an. Da lasse ich mich lieber noch ein bisschen im Strom der Menschen durch die belebten Strassen treiben wo an jeder Ecke kulturell etwas anderes geboten wird. Am Abend dann mit Sack und Pack zum Busbahnhof um über Nacht ins 300km entfernte Dorf Cuetzalan zu kommen. Ein letztes Mal in diesem Land Berge, Ruinen und mexikanische Ursprünglichkeit. Ankunft dort: morgens 4.30 Uhr. Überaschenderweise sind bereits Markthändler da und bauen ihre Stände im Dunkeln auf. Erste Lokale haben geöffnet und ich kann bereits 5 Uhr frühstücken. Klasse. Mit dem Tageslicht wacht das ganze Dorf samt Umgebung auf. Nach dem christlichen Kirchgang gleich noch das präkolumbianische Ritual Danza de Volador auf dem Platz davor, mit mir als Zuschauer in der ersten Reihe. Perfekt! Auch sonst gefällt das Dorf mit Kopfsteinpflastergassen, alten Häusern und Trachten. Die Umgebung, Karstlandschaft, ist gefüllt mit Höhlen, eigentümlichen Felsformationen und Wasserfällen

Danza del Volador,
mehr Ritual als Vor- führung
das Prozedere umfasst Musik, Tanz und wohl auch eine ganze Portion Mut um sich vom ca. 30m hohen Mast in die Tiefe schwingen zu lassen.

  Wasserfall Las Brisas

Sonntag Abend falle ich dann nach der letzten kurzen Nacht wie ein Stein ins Bett und schlafe zehn Stunden wie ein Baby. Montag ziehe ich größere Kreise um das Dorf. Nur eine halbe Stunde weiter stehen die Ruinen Yuhualichan. Keine Augen verdrehen, ist die letzte alte Stätte auf dieser Reise. Ähnlich wie weiter nördlich in El Tajin ist die Bauweise eine andere und auf den Seiten der Pyramiden verzieren Nischen die Wände. Bei den wichtigen Bauwerken hat man 365 Nischen gezählt. Zufall? Auf Grund des Alters und des nicht ganz so stabilen Untergrundes hat sich die Form der Bauten verändert, recht fotogen wie ich finde. Am Nachmittag in die Flusstäler um ein paar Wasserfälle zu sehen. Las Brisas ist der für mich schönste hier, der noch dazu mit schönem Pool zum Baden einlädt. Essen kann man in Cuetzalan extra günstig. Von meinen Lieblingstacos, al pastor, liegen hier für 15 MXN (0,75€) gleich fünf Stück auf dem Teller. Das macht nicht nur satt, sondern ist auch noch lecker.

Zentrum Cuetzalan                  in den Strassen des Dorfes        Pyramide von Yohualichan        leicht gewellte “Architektur”

Am Dienstag beginnt für mich eine 48stündige Busreise. Morgens geht es 9 Uhr zurück nach Mexiko-Stadt. Die Ausblicke auf der Strecke sehr schön, wenn auch die Luft diesig trüb daher kommt. Nach sechs Stunden sind die 300 km geschafft. Abends in den nächsten Bus. Glück dabei: eine Zweierbank habe ich für mich und kann so nachts die Beine etwas lang machen. Auf der Fahrt heraus aus Mexiko-Stadt zeigt selbige wie überfüllt und unerbittlich sie ist: Stau, Stau, Stau. In der ersten Stunde schaffen wir keine 10km. Erst nachdem wir den äußeren Ring hinter uns haben wird es besser und schneller. Es ist dann trotz Stopps und Straßenschwellen eine angenehme Fahrt und ich komme zu mehr Schlaf als gedacht. 750km oder 14 Stunden spä- ter die Ankunft in Villahermosa. Nach Wochen in der Höhe der mexikanischen Berge mit sehr trockener, teils kühler Luft schlägt das feuchtwarme Klima auf Meereshöhe gnadenlos zu. Über den Tag steht mein Programm. Das Freiluftmuseum La Venta hat die besten Stücke aus der von Ölindustrie bedrohten Ausgrabungsstätte gleichen Namens in einer Art Dschungel ausgestellt. Vor allem die Kolossalköpfe der Olmeken beeindrucken. Der Zoo davor macht einen beklemmenden Eindruck, denn die Tiere dort haben kaum Platz. Ansonsten bleibt wenig über die Stadt zu sagen. Glanz und Glamour sind trotz Geldsegen aus der Ölindustrie Fehlanzeige. Am Abend mein nächster Bus. Der hat die Klimaanlage auf eisig stehen und kann anscheinend auch nichts dage- gen tun. Alle sitzen mit kalter Nase und vielen Anziehsachen auf ihren Plätzen. Irgendwie kann ich trotzdem schlafen. Es sind noch einmal 14 Stunden um die fehlenden 840km bis Playa del Carmen zu schaffen. Warum das Ganze auf die harte Tour? Mein längst gebuchter Flug nach Havanna startet in Cancun, dessen Datum konnte ich kostenlos ändern. Um nun von Mexiko-Stadt in die Nähe von Cancun zu kommen, eine für mich wenig sehenswerte Strecke, waren zwei günstige Nachtbusse DIE Lösung.   

im Zoo Villahermosa                        Olmekenkunst, bis zu 3.000 Jahre alt, die Kolossalköpfe bis 25 Tonnen schwer

24. Woche vom 8. bis 14. März 2018
Am Donnerstag treffe ich gegen 10 Uhr in Playa del Carmen ein. Ein spätes Frühstück und dann ins Hostel. Mein Bett ist parat und ich kann mich zum ersten Mal seit Tagen hinlegen. So schön. Viel Pause brauche ich nicht und erkunde bald die Stadt. Die war bis 1970 ein Fischerdorf und wurde danach für den Tourismus ausgebaut. Heute hat sie 150.000 Einwohner, was für ein Zuwachs. Ringsum, wie fast an der gesamten Ostküste von Yucatan, schöne Strände, obwohl mich die in Stadtnähe nicht begeistern. Zu schmal und voller Seegras. Leider ziehen einige Wetterstörungen durch und ich erlebe zum ersten Mal seit zwei Monaten wieder Regen, richtigen Regen. Zwischendurch ein paar Spaziergänge. Die Stadt besteht wirklich fast nur aus Tourismus. Die Souvenirläden an der hier sehr bekannten Avenida 5 sind fast so groß wie Supermärkte und an allen Ecken und Enden versuchen dir Werber irgendetwas zu verkaufen. Samstag versuche ich dem zu entfliehen und fahre 40km südlich nach Akumal. Dort verlangen sie für den Strand Eintritt, und mit 100 MXN (5€) nicht gerade wenig. Ich jedenfalls könnte mich damit einen Tag lang ernähren oder eine Nacht im jetzigen Hostel bezahlen. Also suche und finde ich einen anderen Weg hinein. Der Strand ist dann kaum sehenswert und in der Bucht davor schnorcheln mindestens 150 Leute auf engstem Raum und sind der Meinung das sie dort eine der scheuen Meeresschildkröten beobachten können. Ohne Worte... Sonntag auf die nahe Insel Cozumel übersetzen, seit Jacques Cousteau DAS Ziel für Taucher und Schnorchler. Am Nachmittag komme ich mit Sammeltaxi und Trampen noch um die halbe Insel. Die Ostküste wild und schön, die Westküste mit Stränden. Aber auch die spielen nicht in einer Liga mit, zum Beispiel, denen von Tulum. Montag ein Schnorcheltrip. Mit dem Boot fährt man uns nach El Cielo, eine riesige Sandbank wo das Wasser so blau ist das es förmlich in den Augen schmerzt. Danach noch an den Riffplätzen Colombia und Palancar ins Wasser. Beeindruckend schön. Viele Fische, teils große Schulen von ihnen in denen wir mitschwimmen können. Stachelrochen, jede Menge Seesterne, Mondfische, Papageifische und, und, und. Ein toller Ausflug!   

Strand Playa del Carmen          Strand auf Cozumel                 wilde Ostküste Cozumel            El Cielo - was für ein Blau

Dienstag will ich mich noch in Cozumel ans Meer legen, aber das Wetter zeigt sich kein bisschen strandtauglich. Also nehme ich früher als geplant die Fähre zurück nach Playa del Carmen. Dort wird es am Nachmittag schöner und es reicht für einen gemütlichen Spaziergang am Strand südlich der Stadt. Der ist um einiges breiter und schöner als die bisher hier gesehenen. Mittwoch heißt es Abschied von Mexiko zu nehmen. Es war eine tolle Zeit in diesem Land und ich nehme viel von hier mit.
14.30 Uhr geht dann mein Flieger nach Havanna, Kuba, wo ich 17 Uhr Ortszeit eintreffe. Den vielen Taxis vor dem Flughafen sage ich ab und laufe lieber ein ganzes Stück bis zur Hauptstrasse die ins Zentrum führt. Dabei spreche ich zwei Einheimische auf die Möglichkeit eines Colectivos an. Einer von ihnen will auch damit in die Stadt und hilft mir das ungekennzeichnete und vor allem richtige Gefährt, ein uralter amerikanischer Strassenkreuzer, anzuhalten. So komme ich zu meiner ersten authentischen Autofahrt in Kuba. Und das für 1€ statt für 20...
25. Woche vom 15. bis 21. März 2018
Am Donnerstag beginnt für mich das Abenteuer Kuba richtig. Ich wohne in Havanna in einem Hostel gleich neben dem alten Zentrum, aber mitten unter Einheimischen. Von Anfang an finde ich das Land und die Stadt äußerst interessant. Die alten amerikanischen Autos sind nach wie vor in Gebrauch. Die großen Blechschlitten sind teils echt gut gepflegt, wenn auch vor allem um für die Touristen Taxi zu spielen. Doch das prägt das Bild der Stadt auf eine ganz besondere Weise und die vielen nicht so polierten Autos zeigen das sie noch immer Teil des täglichen Lebens hier sind. Genau so sieht es mit den Häusern aus. So viele tolle Gebäude, teils gut in Schuss, teils nur noch Ruinen. Der Blick in die meist offenen Türen zeigt das selbst, für unsere Verhältnisse, unbewohnbare Gebäude als Wohnung herhalten müssen. Probleme mit beispielsweise dem Abwasser werden pragmatisch gelöst: entweder direkt in den Rinnstein der Strasse oder mit einem kleinen Rohr aus dem ersten Stock auf den Fußweg - Augen auf beim Laufen. Der Stadtkern des alten Havanna ist übrigens komplett restauriert und kann locker mit den schönsten spanischen Städten mithalten. Genial, genial, genial! Bei so vielen Reizen für Auge, Ohr und Nase weis ich manchmal gar nicht wohin mit mir und meinen Empfindungen. Trotzdem schaffe ich heute wenigstens grob die wichtigsten Sehenswürdigkeiten zu besuchen und mich mit Havanna ein wenig vertraut zu machen. 

Havanna, das Theater             Capitolio, ähnlich Washington     Plaza de Catedral                   Plaza Viejo

Und so wohnt man in Havanna. Nicht immer schick, nicht immer so schön, aber etwas Nationalstolz darf schon sein

Freitag mehr von Havanna. Zuerst das Capitolio, das dem Namensvetter in Washington ähnelt, wobei die Kubaner gern die kleinen Unterschiede und Vorzüge ihres Regierungssitzes hervorheben. Es wird seit 2012 restauriert und man ist noch immer nicht fertig. Immerhin gibt es seit kurzem wieder Führungen durchs Innere, eine sehr beeindruckende Tour. Dann weiter durch die Strassen und Gassen. Was auffällt: wenig Geschäfte. Und wenn da welche sind heißt es noch lange nicht das sie offen haben oder viel im Angebot. In Kuba kann man getrost von Mangelwirtschaft sprechen. Da hatten wir in der DDR aber definitiv mehr zur Auswahl! Dazu lebt das Land mit zwei Währungen: den normalen Peso (1€=28 Peso), mit dem Einheimische alles bezahlen, und den convertiblen Peso (1€=1,20 CUC), die Ausländerwährung. Mit letzterem bekommt man um einiges mehr, trotzdem nicht alles. Mit CUC kann man auch auf dem Markt oder in den kleinen Restaurants bezahlen, mit kleinem Umrechnungsvorteil für die Verkäufer. Die Kubaner kommen anscheinend problemlos mit diesem doppelten System zurecht. Essen: selbiges ist im Land weder außerordentlich gut noch besonders reichlich, doch vor allem in den kleinen Cafeterias kostet es praktisch nichts. Ein Sandwich ordentlicher Größe, trocken und nur mit etwas Käse und Mortadella belegt, liegt bei 0,40€. Ein Teller, meist sehr weicher, Spaghetti: 0,90€. Genial für mich: an jeder zweiten Ecke gibt es außergewöhnlich guten Kaffee. Zwar in Espressogröße, dafür aber auch nur 0,05€. So komme ich über den Tag immer wieder zu kleinen Koffeinschüben.

       sozialistische Monumente                 ein “Kaufhaus” mit seinem Angebot

Havanna kann sich sehen lassen ;-)                             typisches Schaufenster

Zurück zu Havanna. Am Nachmittag stoße ich auf eines der vielen Probleme im Land: Transport. Die nationalen Langstrecken- busse sind für Ausländer tabu, die Viazul Busse für Touristen ausgebucht und Züge verkehren auf längeren Strecken meist nur alle paar Tage. Doch bis zum Abend steht mein Plan und ich kann mir noch eine Zugfahrkarte besorgen. So bleibt mir dann noch fast der ganze Samstag für die Hauptstadt. Programm: ein Besuch des Hotels Havanna Libre, das nach der Revolution temporärer Hauptsitz von Fidel und seinen Leuten war. Später zum Lennon Park mit einer überraschend lebensnahen Bronzestatue (mehr eine Sitztue ;-)) von John. Interessant wie man hier die Beatles verehrt, vor allem seit sich John so für die Friedensbewegung eingesetzt hatte. Sonst mehr Statuen, revolutionäre wie auch sozialistische Monumente und - der alte Friedhof. Der macht was her! Wie in einer Kunstausstellung scheinen Bildhauer um Beachtung zu buhlen. Das gelingt ihnen aber auch auf sehr beachtliche Weise. Am Abend hole ich dann mein Gepäck aus dem Hostel und besteige den Nachtzug nach Sankti Spiritus, was sich selbst bei meiner Reiseerfahrung als ganz besonderes Abenteuer entpuppt.

Havanna Friedhof                   geniale kleine Mausoleen         technisch gesehen ein Fall für den Friedhof, optisch Klasse

Der Zug ist total abgewirtschaftet, an den Waggons aus DDR-Produktion wurde schon seit Jahren nichts mehr gemacht. Kein Licht, die Polster durchgesessen und in Schulterhöhe endend. Die Schienen sind ebenso nieder und wir schunkeln und hüpfen langsam voran. Morgens um 4 Uhr halten wir länger in Santa Clara, wobei der Zug immer wieder harte Stöße abbekommt als würde eine Lok zu schnell an die Waggons gefahren. Irgendwas ist wohl kaputt, denn wir stehen drei Stunden. Ankunft in Sancti Spiritus: Sonntag, 11 Uhr am Vormittag statt 6 Uhr früh... Seit Myanmar meine schlimmste Zugfahrt, aber ich nehme es gelassen und hatte ja einige kubanische Leidensgenossen mit denen ich mich unterhalten konnte. Außer in Havanna existieren im Land keine richtigen Backpacker Hostels, sondern nur Hotels und Privatvermieter, sogenannte Casa Particulares. Hotels sind mir zu teuer, also suche ich eine Privatunterkunft. Die sind hoch besteuert und geben den Vermietern nur wenig Luft bei den Preisverhandlungen. Als Einzelreisender muss ich manchmal ganz schön feilschen. In Sancti Spiritus geht es schnell und einfach: an der ersten Casa Particular klingeln und drei Minuten später ein riesiges Zimmer mit tollem Bad für 15 CUC (etwas mehr als 12€) beziehen. Die Vermieter warnen schon mal vor: sie feiern heute mit Freunden und Familie, allerdings bin ich auch gleich eingeladen. Nach einer notwendigen Dusche in die Stadt. Sancti Spiritus ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Schöne Stadt, wenig Touristen und viel, meiner Meinung nach, ursprüngliches Kuba. Spaziere herum, fotografiere und entfliehe später der stärker werdenden Hitze mit einer Siesta. Am Abend feiern dann wirklich um die fünfzig Leute im Haus meiner Vermieter, es gibt reichlich zu Essen und zu Trinken, viel Musik, Tanz und Domino, womit sich vor allem Männer die Zeit vertreiben.

Sancti Spiritus, das sehr sehenswerte Zentrum                              auch die kleinen Gassen können sich sehen lassen

Montag früh sieht man im Haus noch deutlich die Spuren der Party, aber aufräumen wollen die Besitzer selber. Ich ziehe weiter. Auf Anraten meiner Vermieter suche ich hinter dem Busbahnhof nach einem Colectivo, mit denen die Fahrt nach Trinidad nur 3CUC kosten. In den alten Buick aus den 50gern passen neben den Fahrer noch sechs Passagiere und Gepäck. Für mich wird es eine geniale Fahrt, denn wann sitzt man schon mal in einem solchen Auto. Die 80 km nach Trinidad sind schnell geschafft. Dort muss ich einige Häuser abklappern bis ich ein freies Zimmer finde. Das liegt dann schön im Garten und auf der kleinen Terrasse davor stehen zwei Schaukelstühle. Kann es mehr Kuba Feeling geben? Ich habe noch den ganzen Nachmittag Zeit und kann mir die Stadt anschauen. Laut Reiseführer soll sie DAS städtische Highlight von Kuba sein. Na ja... Trinidad ist schön, zugegeben, aber nach Sancti Spiritus hätte ich mehr erwartet. Dazu rollt eine Touristenwelle nach der anderen durch die Kopfsteinpflastergassen und verwandelt das Ganze eher in einen künstlichen Themenpark.

ein Stückchen Trinidad             alt, aber fährt noch                  alt, aber singt noch                Gitter, Gitter über alles

Dienstag besorgt mir mein Vermieter ein überraschend gutes Mountainbike, was an diesem Tag dann auch zeigen muss was es kann. Gleich nach dem Frühstück der Start ins 28 km entfernte Valle del Ingenios, wo noch die Ruinen aus der Zeit von Sklaverei und Zuckerrohranbau stehen. Hinter Condado wird die Strasse zu einem schlechten Feldweg, doch mit dem guten Rad macht es Spaß und ich komme noch bis Meyer. In der Idylle des Tales begegnen mir nur ein paar Farmer und deren Pferde. Gegen Mittag wende ich, fahre zurück nach Trinidad und halte für eine kleine Mittagspause. Am Nachmittag in Richtung Meer und als Kontrastprogramm die Strände von La Boca und Playa Ancon. Vor allem letzterer kann sich sehen lassen. Breit, hell und das Meer davor ruhig, klar und herrlich türkis. Nur mit einem erfrischenden Bad wird es schwierig, denn das Wasser hat karibische Temperatur. Gegen Abend bin ich zurück und um fast 90 Fahrradkilometer “reicher”. War anstrengend, aber schön.

Blick ins Valle del Ingenios         ein Teil meiner Strecke             im Dorf Condado                    Playa Ancon

Mittwoch geht es weiter nach Cienfuegos. Diesmal ausnahmsweise mit einem Touristenbus von Viazul. Trotz einem viel höheren Preis ist die Qualität des Busses nicht unbedingt besser... Schon gegen Mittag bin ich am Ziel und habe noch genügend Zeit für einen Stadtbummel. Cienfuegos liegt an einer riesigen Bucht und hat mehrere Häfen. In einem davon liegt, wieder einmal, ein Kreuzfahrtschiff. Das spürt man gleich weil die Menschenansammlungen in und ums Zentrum herum urplötzlich anschwellen - und später genau so schnell wieder verschwinden. Auch diese Stadt muss sich keineswegs verstecken und es ist eine Freude darin herumzuspazieren. Weiter draußen entdecke ich am Nachmittag ein halb zerfallenes, und gerade deshalb, fotogenes Pier sowie einen schönen alten Friedhof, der leider ziemlich vernachlässigt wirkt. Steht wahrscheinlich nicht auf dem Tourprogramm der Kreuzfahrer. Was sicher drauf steht ist der Triumphbogen im Zentrum,auch wenn der weit kleiner ist als sein Vorbild in Paris

Triumphbogen in Cienfuegos     jeder auf seinem P(f)osten

             drei Gräber - eine Komposition
laut Geschichte eine junge Frau
die an gebrochenem Herz starb

26. Woche vom 22. bis 28. März 2018
Am Donnerstag noch mal Cienfuegos, wenn auch ohne Tempo und mehr zum Ausruhen. Das südliche Ende des Zentrums bildet die dünne Landzunge Punta Gorda, wo die herausgeputzten Villen und kleinen Paläste stehen. Einfach schön. Tags darauf will ich früh weiter. Der Versuch einen “nationalen” Bus zu nehmen scheitert kläglich, dafür passen die Taxifahrer vor Ort schon auf. Die bieten mir einen Transport - zu unverschämten Preisen. Viazul wäre umständlich und teuer, weil die nur nach Varadero fahren und nicht ins von mir angestrebte Matanzas. Als letzte Möglichkeit bleibt die Eisenbahn. 6.45 Uhr bin ich auf dem Bahnhof und erfahre, das nur eine Viertelstunde später einer der seltenen Züge fährt. Weil das so gut paßt entscheide ich mich trotz schlechter Erfahrung dafür. Keine Ahnung ob der alte Mann am Schalter noch schläft oder ob es ihm egal ist, aber er verkauft mir die Fahrkarte zum Pesopreis für Kubaner. Das macht 0,35€ für die 210km, dafür nehme ich auch die langsame und unbequeme Schüttelei auf mich. So schlimm wird es dann aber gar nicht. Allerdings gut das ich mich zwischendurch mit den anderen - alles Kubaner - im Zug unterhalte, denn der hier fährt gar nicht nach Matanzas, sondern nur 35km daran vorbei. Mir wird geraten in Union de Reyes auszusteigen und einer der dort aussteigt erklärt sich gleich bereit mir weiterzuhelfen. Das tut er indem er mich im Dorf in den richtigen Bus setzt (hier stört sich keiner daran das ich Ausländer bin), mit dem ich dann eine Stunde später im richtigen Ziel anlange. Das war ein kleines, aber sehr angenehmes Abenteuer. Matanzas? Größere Stadt, viel Industrie an den Rändern. Für Touristen gibt es nur wenig interessantes, aber dafür macht sie einen ehrlichen und bodenständigen Eindruck. Tags darauf ein Ausflug ans Meer. Varadero liegt nur 30 km entfernt und ist DAS Strandressort in Kuba. Hotelanlagen ziehen sich über die ganze, rund 20km lange schmale Halbinsel. Genau der richtige Ort - für all-inclusive Touristen und solche die es werden wollen. Immerhin: der Strand ist wirklich der Hammer. Lang, breit und mit feinstem Sand. Und weil er so lang ist drängen sich auch nicht alle auf engstem Raum. So macht Meer Spaß.                              

kleiner Palast in Cienfuegos         Che - unvergessen                                   die Strände in Varadero

Sonntag mit dem Bus weiter. Ich schaffe in den zwei Wochen immerhin ein ganzes Stück Kuba, glaube ich. Heute kreuze ich Havanna und fahre noch 180km weiter in westliche Richtung, ins Dorf Vinales. Das hat sich über die Jahre zum Magneten für den Tourismus entwickelt. Hauptattraktion hier sind die einprägsame Landschaft samt Mogoten, die hiesige Bezeichnung für steil aufragende Kalksteinfelsen. Praktisch keinen dieser Felsen kann man normal zu Fuß erklimmen, da bräuchte es schon Kletterkünste und die dazugehörige Ausrüstung. Bei der Suche nach einer Unterkunft fällt auf das hier fast jedes Haus eine Casa Particulares ist und Zimmer an Reisende vermietet. Unter den Umständen findet sich leicht ein preiswertes Bett. In den Strassen von Vinales ist viel los, die Einheimischen feiern heute den letzten Tag des Karneval und wirklich jeder ist auf den Beinen. Zwischendurch laufe ich eine kleine Runde um das Dorf und sammle lohnende Eindrücke. Das riesige “Gemälde” an einer der Steilwände ist definitiv Geschmackssache. Trotz Größe schwer zu glauben das 15 Leute ganze 5 Jahre gebraucht haben es fertig zu stellen. Abends geht die Party in Vinales weiter und bei gerade mal 0,80€ für einen sehr rumhaltigen Cuba Libre bin ich mit dabei :-). Am nächsten Tag bei schönstem Sonnenschein eine große Wanderrunde um Vinales herum.  

in Vinales                               Mogoten vor dem Dorf            Mural de la Prehistoria, na ja...    Valle de Silencio

Am Dienstag zurück nach Havanna. Dafür hatte ich mir tags zuvor eine Busfahrkarte gekauft, doch es kommt anders. Ein Bus ist am Morgen nicht zu sehen und die bunt gemischte Gruppe Wartender wird bald aufgeteilt. Ich werde mit fünf anderen eine Strasse weiter zu einem alten Amischlitten geführt, mit dem wir dann nach Havanna fahren. Das paßt nicht jedem, denn es ist weniger komfortabel als im Bus. Mir gefällts, vor allem weil uns der Fahrer in der Großstadt am jeweiligen Wunschziel absetzt. So erspare ich mir den umständlichen Transport vom Busbahnhof. Das DRobles Hostel in dem ich schon vor zehn Tagen geschlafen habe hat ein Bett frei, so kann ich mich in “bekannter” Umgebung niederlassen. Mir bleibt noch ein wenig Zeit für Havanna und ich kann ganz entspannt die sechsmonatige Reise austrudeln lassen.
27. Woche, vom 29. bis 30. März 2018
Der Donnerstag ist mein letzter Tag auf Kuba. Frühstück, Rucksack packen und in der Stadt spazieren gehen, mehr braucht es heute nicht. Am späten Nachmittag raus zum Flughafen. Eigentlich mit einem Colectivo. Ich frage am zentralen Park mehrfach nach um an der richtigen Stelle zu warten, doch statt einem Auto hält bald ein großer Stadtbus. Weil er in die gewünschte Richtung fährt und ich nicht weiter nach einem anderen Transport suchen will quetscht sich meine Wenigkeit samt Gepäck hinein. Es wird immer wieder vor diesen Bussen gewarnt: Total überfüllt, extrem langsam, voller Taschendiebe. Nun, ich stand schon in volleren Bussen und an meine Sachen geht auch keiner. So komme ich als wohl einziger (westlicher) Tourist mit dem Stadtbus am Flughafen an, oder besser gesagt: in seiner Nähe. Das war ein letztes kleines Abenteuer zum Abschied aus diesem einzigartigen Land. Mir bleibt nur noch in den Eurowings Flieger zu steigen und über Köln/Bonn nach Leipzig zu fliegen.  

wehrhaftes Havanna                             noch einmal in den Strassen der Stadt                     am Hafen in Havanna

Zum Schluss noch auf ein Wort:

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